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Drei Nachwuchskomiker – Westerwelle, Gabriel und Oettinger – durften bei Anne Will

Das Stimmvieh dagegen soll wieder bestimmen, wer ihm die nächsten Jahre das Fell über die Ohren zieht

Von whs

Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom 3. September 2009 – Bei Anne Will durften wieder mal drei Nachwuchskomiker auftreten, Herr Westerwelle (Vors. FDP), Herr Gabriel (Minister für Umwelt) und Herr Oettinger (Ministerpräsident von Baden-Württemberg). Zum besseren Verständnis, alle drei sollten eigentlich wissen, was Demokratie ist, und wie die parlamentarische Demokratie der Bundesrepublik Deutschland seit Adenauers Zeiten funktioniert. Aber mir deucht, dass weder der Eine, noch der Andere, geschweige denn der Dritte, eine Vorstellung davon hat.

Zunächst einmal reden sich alle drei das Wahlergebnis schön. Herr Westerwelle stellt sogar am Ende der Sendung fest, dass das Programm der FDP offenbar nicht nur für Wenige interessant ist, sondern für ein ganzes Volk ist. Bisher wusste ich nicht, dass die FDP die stärkste Fraktion stellt. Aber na ja, Her Westerwelle versteht immer alles ein bisschen anders als die Anderen. Aber auch die zwei anderen Herren rechnen sich zu den Gewinnern der Wahl.

Kommen wir wieder zum Demokratieverständnis. Wohlgemerkt, Die Linke ist nicht meine Partei. Sie ist eine Partei aus dem bürgerlichen Spektrum. Aber Herrn Gabriel ist sie nicht konservativ genug, denn sie macht im Bund „unhaltbare Versprechungen“. Ja das stimmt, aber die machen die anderen Drei auch. Was ist daran so kriminell? Herr Gabriel lässt die Katze aus dem Sack, Die Linke will „aus Afghanistan heraus“. Herr Gabriel, gesagt haben sie es, das stimmt. Aber ob sie auch wirklich wollen, das weiß man nicht so konkret. Zumindest lässt sich zur Zeit mit diesem Satz schön Politik machen. Herr Gabriel wirft der FDP und der CDU vor, dass sie nach der Wende die „ganzen Blockflöten“ aufgenommen haben und sich von deren Parteigeldern „den Wahlkampf gegen die Neugründungen von SPD und Grünen“ haben finanzieren lassen.

Auf diese Attacke muss Guido antworten. Und er tut es mit Vehemenz. Wehe wenn Guido losgelassen! Herr Westerwelle will nicht, dass Sozialisten und Kommunisten nach 20 Jahren Wende etwas zu sagen haben. Und außerdem hätten sich die Mitglieder der liberalen Parteien in der DDR „sich so vor dem Eintritt in die SED gedrückt“ und sie haben „zum Teil ihr Leben gelassen“. Da waren die SED-Oberen aber ganz schön blöd. Sie ließen die LDPD und die NDPD zu, nur damit sich Leute vor dem „Eintritt in die SED“ drücken konnten? Und die ums Leben kamen, haben die zu sehr gedrückt? Herr Westerwelle, für wie blöde halten Sie eigentlich das Stimmvieh? Herr Oettinger reagierte auf diese Anfeindung von Herrn Gabriel nicht. Herr Westerwelle bricht an dieser Stelle keine Debatte vom Zaun, aber er sieht die „linke Gefahr“. Guido weiß, was gut fürs Land ist. Herr Oettinger ergänzt: „Wer mit Linken paktiert, dem glaubt niemand.“ Nun haben wir die „Freien Demokraten“ wie die „Christlichen Demokraten“ und die „Sozialdemokraten“. Sie alle können schreien, helft mir aus der Scheiße. Bloß der, der hilft, soll nichts davon haben. Und nicht vergessen, das ganze Schauspiel spielt sich im Lager der Bourgeoisie ab. Da steht sich niemand feindlich gegenüber, Genossen, da geht es nur um Richtungskämpfe. Herr Westerwelle verweigert der SPD sogar die Kennzeichnung „bürgerlich“.

Die SPD ist am Boden. Herr Westerwelle genießt das und lässt sich auch nicht durch Herrn Gabriels Vorwürfe aus der Ruhe bringen. Deshalb ist er auch gegen Kündigungsschutz und gegen Mindestlöhne. Diese Anwürfe beantwortet er mit Argumenten, die mit dem Gegenstand von Herrn Gabriels Äußerungen gar nichts zu tun haben. Aber Herr Oettinger springt ihm bei, er möchte etwas Mindestlohn und etwas Kündigungsschutz. Die CDU ist für „ein bisschen schwanger“. Nach Herrn Oettinger hat der Kündigungsschutz an Bedeutung verloren, wenn Zeitarbeit weiter erlaubt wird.

Und das will er: keinen Kündigungsschutz, weil alle billige Zeitarbeiter sind. Und hier schreit Herr Gabriel auf, er wollte keine Scheintarifverträge mit Scheingewerkschaften, wo die Leute für Hungerlöhne arbeiten müssen. Weiß Herr Gabriel nicht, dass die SPD diesen Stein mit der Agenda 2010 erst richtig ins Rollen brachte? Dann sollte es ihm Herr Müntefering schnell mal erzählen.

Irgendwann brachte Frau Will den Begriff „Machtoptionen“ ins Spiel. Zuerst stutzte ich, konnte dann aber erleichtert feststellen, dass Frau Will lediglich die Wahl des Koalitionspartners meinte. Politische Macht, Frau Will, entsteht aus ökonomischer Macht. Die ökonomische Macht hat im Kapitalismus die Bourgeoisie. Richtungskämpfe innerhalb der Bourgeoisie lassen die eine oder andere Partei in die Regierungsverantwortung gelangen. Das hat nichts mit Macht zu tun. Das hat etwas damit zu tun, dass eine Marionette, die ihre Stricke nicht sieht, glaubt, sie dürfe „im Namen des Volkes“ sprechen und handeln. Sie darf aber „nur“ im Namen der Bourgeoisie deren Erfüllungsgehilfe sein. Und die Bourgeoisie lässt sich dies etwas kosten. Hier ein Pöstchen, da ein Pöstchen und der Laden läuft. Und sollte er mal nicht laufen, wird neu gewählt. Dann darf das Stimmvieh wieder bestimmen, wer ihm die nächsten Jahre das Fell über die Ohren zieht.

Rot Front

Werner

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