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Geistliche
Dünnscheißer
Die
Offensive des Kapitals gegen die Arbeiterklasse und die Haltung der
Kirchenfürsten
Von
Günter Ackermann/2. Januar 2007
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„Mag
das Morgen auch ungewiss sein und die Zukunft angstbesetzt, so hören
wir hier doch eine entschiedene, Mut machende und lockende Stimme:
Gott, der die Zeiten überschaut.“
Aus; Hans-Jürgen Abromeit,
Bischof der pommerschen evangelischen Kirche, in seiner Erklärung
„Das Neue, das Gott schafft, und unsere Reformen“ |
Bis
vor einigen Jahren gab es schon mal eine Predigt eines Oberpfaffen –
evangelisch oder katholisch –, die sich gegen Sozialabbau wandte. Viele
Linke waren erfreut und fanden es gar nicht mehr so angebracht, die Kirche
als eine Institution der herrschenden Kapitalistenklasse gegen das
Proletariat einzuschätzen. Jeder kannte einen Pfarrer, der mal einen von
der Abschiebung bedrohten Ausländer geholfen hat, der sich an eine Demo
gegen Sozialkahlschlag beteiligte war, einen guten Aufruf unterschrieben
hatte usw. Der inzwischen verstorbene Präses der Evangelischen Kirche im
Rheinland, Peter Beyer, hatte 1990 gesagt, mit dem Ende des Sozialismus,
sei das Streben der Menschen nach sozialer Gerechtigkeit nicht
verschwunden und würde auch nie enden.
Seit
einigen Jahren weht ein anderer Wind. Die relativ fortschrittlichen Äußerungen
der Kleriker weichen immer mehr offener Unterstützung der Politik des
kapitalistischen Staates gegen das Volk.
Sowohl
die hohen Evangelen wie auch die Oberkatholen sprachen sich unter Schröder
für die Agenda 2010 und den Sozialraub aus. Nur mit etwas Weihrauch
vernebelt ist die hässliche Fratze des Pfaffen, der die mörderischsten
Waffen segnet, der alle Maßnahmen gegen das Volk, sei die der Kaiser, die
des Massenmörders Hitler, erkennbar. Als der BRD-Kanzler Adenauer im
Kalten Krieg für den Einsatz gegen die DDR im heißen Krieg, die
Wiederbewaffnung durchsetzte, wedelten auch sie mit Weihrauch und
salbungsvollen Reden. Die
Beherrschten und Ausgebeuteten haben sich zu in Gottvertrauen fügen. Die
Herrschenden werden es schon richten. Der oberste evangelische Kleriker,
der Ratsvorsitzende der EKD und Bischof von Brandenburg, Herr Huber, erblödete
sich sogar, den Grundstein der Potsdamer Garnisonskirche zu legen:
„Die einstige Hof- und Garnisonskirche von
Potsdam, in der sich im März 1933 in einer von den Nationalsozialisten
inszenierten Schau Reichspräsident Paul Hindenburg und Adolf Hitler die
Hand gaben, soll am 31. Oktober 2017 zum 500. Jahrestag der Reformation
wieder in Dienst genommen werden. Jetzt wurde der Grundstein für das im
Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte und später von der DDR-Regierung
gesprengte Gotteshaus im Beisein von Ministerpräsident Matthias Platzeck
(SPD) und seinem Stellvertreter Jörg Schönbohm (CDU) von Bischof
Wolfgang Huber gelegt. Der Wiederaufbau der Garnisonskirche soll 65
Millionen Euro kosten und vor allem durch Spenden finanziert werden.“
Selbst
die Regierungszeitung „Das Parlament“ kann sich des Hinweises auf die
glorreiche Vergangenheit dieses Tempels des preußischen Militarismus
nicht verkneifen.
Salbungsvolles
und leeres Gerede aus Pfaffenmund ist üblich. Auch reaktionäres. Das war
allerdings eine Jahrzehnte in progressive Zuckerwatte gepackt. Jetzt
lassen sie wieder die Katze aus dem Sack.
Ich
will hier nicht polemisieren gegen fortschrittliche Christen. Die gibt es
immer noch, sie sind oft in wichtigen sozialen und politischen Kämpfen
aktiv. Auch hohe Kirchenleute, wie Martin Niemöller, der von 1947 bis
1964 sogar Kirchenpräsident der evangelischen Landeskirche in Hessen und
Nassau war, muss hier erwähnt werden.
Ich
habe Niemöller mehrfach erlebt und habe noch in lebhafter Erinnerung, wie
er unter seinen Amtskollegen helles Entsetzen auslöste, als er anlässlich
eines Seminars über Faschismus in der Evangelischen Akademie Mülheim an
der Ruhr 1978, sagte, dass in 100 Jahren die Pfarrer ganz normal arbeiten
müssten. Das gefiel den Talarträgern gar nicht.
Aber
trotz meiner Hochachtung solcher Menschen wie Martin Niemöller, trotz
Theologie der Befreiung, Ernesto Cardenal und andere, muss festegestellt
werden: jeder Religion ist potentiell reaktionär. Denn eines vermag auch
ein fortschrittlicher Theologe nicht zu liefern: Ein wissenschaftlich
fundierte Theorie der revolutionären Errichtung einer menschlichen
Gesellschaft, vermag auch ddie fortschrittlichste Strömung in einer
Religion. Nicht zu bieten. Nicht Warten auf die Gnade Gottes, sondern
Vertrauen in die eigene Kraft, in die revolutionäre Kraft, des
Proletariats, hilft weiter.
Karl
Marx schrieb über Religion:
„Die Religion ist der Seufzer
der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der
Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“
(Aus Marx/Engels-Werke, Bd. 1, 378ff.)
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