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Renate SchmidtLügen der Schröder-Regierung haben kurze Beine – treten wir ihnen gegen das Schienbein!

Die Märchenstunden der Regierungsdamen

von Günter Ackermann

Die Politik der Bundesregierung sei gut, sagen die Regierungsvertreter, sie sei nur schlecht erklärt. Auch die Kritik der bürgerlichen Oppositionsparteien geht in diese Richtung.

Die Regierung wolle durch eine Aufklärungskampagne das ändern. Und sie änderte es. Wir alle kennen die neuen Großplakate und die Zeitungsinserate.

Wer das Aufklärung nennt, übertreibt allerdings maßlos. Der Informationswert der Plakate und Inserate ist gleich Null. Was gibt es da auch zu erklären, außer, dass die Regierung Sozialkahlschlag betreibt. Aber genau das wollen sie ja nicht zugeben.

Die Schröder-Regierung macht’s jetzt auch mit Körpereinsatz der Ministerriege – v.a. der weiblichen Regierungsmitglieder.

Die Ministerin Ulla Schmidt (die Dame aus Aachen mit dem charmanten Aachener Slang), Ministerin für Gesundheit und ihre Namensvetterin Renate Schmidt (die dralle Blondine aus Bayern), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, legten sich, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Arbeitslosenminister Wolfgang Clement (Niete im Nadelstreifen)  ins Zeug um das Erscheinungsbild der Regierung in gutem Licht erscheinen zu lassen. Wie es so die Art des Superministers ist, fielen dann auch die Schönfärbversuche entsprechend simpel aus.

Ulla Schmidt kam über die Nachrichten mit der Erfolgsmeldung, die Gesundheitsreform sei ein voller Erfolg gewesen, die Kassen senkten ihre Beiträge.

Ist ja eigentlich eine wunderbare Sache, nun zahlen die Arbeiter und Angestellten weniger für die Krankenkasse. Richtig ist allerdings, dass nur die Unternehmer bei der Reform Geld verdienen. Die Versicherten dagegen  zahlen drauf. Wenn sie zum Arzt gehen müssen, verlangt die Sprechstundenhilfe mehr oder weniger freundlich die 10 Euro Praxisgebühr. Das Rezept ist auch teurer geworden, manchmal sind es 30 bis 40 Euro Zuzahlung pro Rezept. Was die Lohnabhängigen also an Versicherungskosten weniger zahlen, zahlen sie an Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlungen oft in vielfacher Höhe mehr. Wenn sie gar einen chronisch kranken mitversicherten Familienangehörigen haben, wird es richtig teuer.

Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger müssen ebenso zuzahlen und Praxisgebühren blechen, wie die anderen. Viele Kranke verzichten dann doch lieber ganz auf den Arztbesuch – mit all den Folgen. Krankenhausaufenthalte sind inzwischen schon fast Luxus geworden.

Die wunderbare Meldung, die Beiträge könnten gesenkt werden, wird erkauft durch schlechtere medizinische Versorgung der Menschen. Ein wahrer Erfolg der Frau Ministerin und ihrer famosen Reform.

Die andere Ministerin Schmidt, Renate Schmidt, will da nicht nachstehen. Der Präsident des Kinderschutzbundes warnte vor Hartz IV und meinte, die Anzahl der Kinder in Armut werde dadurch drastisch gesteigert. Renate Schmidt entgegnete fesch, ihr markantes bayrisch-fränkisches Lachen im Gesicht: Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, blende dabei aus, „was die Bundesregierung gleichzeitig unternimmt, um gerade unterprivilegierten Kindern bessere Chancen zu eröffnen“[1]

Der verwunderte Leser fragt sich, was die nette Ministerin aus Bayern damit wohl gemeint haben möge. Denn überall, wo man hinsieht, wird Geld gekürzt. Wo eröffnen sich also bessere Chancen für „unterprivilegierte Kinder“ – wenn man mal von den besseren Chancen absieht, den sozialen Abstieg in einen sozialen Sturzflug zu verwandeln?

Weiter heißt es in der Meldung:
„Denn die Einsparungen der Kommunen durch Hartz IV sollen in eine bessere Kinderbetreuung investiert werden. Dabei geht es Familienministerin Renate Schmidt (SPD) vor allem um Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren.“[2]

Renate Schmidt verfolgt offensichtlich die Presse nicht. Denn die kommunalen Verbände klagen, dass mit Hartz IV eher höhere Belastungen auf sie zukommen, also wird weniger Geld für Kinderbetreuung ausgegeben.

Welch schöne neue Kinderbetreuungswelt! Die Antwort kam prompt:
„Von dem Geld haben wir noch keinen Cent gesehen.“ Deshalb liefen auch kaum Vorbereitungen für einen Ausbau der Kinderbetreuung, „weil es dafür kein Geld gibt“
.[3]

Die schöne neue Hartz IV-Welt ganz real!

Aber gesetzt den Fall, es käme wirklich Geld in den Kommunen an, dann wäre es bei der Finanzsituation fast aller Kommunen ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Schuldenlast der Kommunen ist enorm, wenn da ein paar Euro zusätzlich kämen, würde man kaum zusätzliche Kinderkrippen oder Kindergärten bauen oder mehr Erzieher einstellen– da Geld reichte eh nicht aus.

Aber gesetzt den Fall, es würde die eine oder andere Kinderkrippe oder Kindergarten gebaut, kämen womöglich vermehrt schlecht genährte Kleinkinder in die Einrichtung.

Schon heute klagen viele Kindergartenerziehrinnen, dass immer mehr Kinder in die Kindergärten kämen, die zu Hause nicht ausreichend ernährt werden könnten. Schon jetzt ist es keine Seltenheit, dass Kindergartenerzieherinnen durch eigenes oder gespendeten Essen diesen Kindern wenigsten eine richtige Mahlzeit am Tag ermöglichen. Ob das bei steigender Zahlen der hungernden Kindern noch möglich ist, darf bezweifelt werden.

Die Warnung des Präsidenten des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, bestreitet Renate Schmidt nicht. Es wird noch mehr verarmte Kinder geben. Dass sie nun von zusätzlicher Kinderbetreuung für Kleinkinder schwafelt, ist ein Teil des Verwirrungsgeflechts der Bundesregierung.

Das alles ist ein Lügengebäude der Regierung. Man versucht den Betroffenen einzureden, wenn sie weniger Geld bekommen, ginge es ihnen besser. Womöglich durch Superbilligjobs von 1 Euro, was ja Clement auch schon als einen Erfolg feiert. Das damit normale Beschäftigte ihren Job verlieren, sagt er nicht.

Bereits jetzt schließen Kindergärten oder arbeiten mit weniger Personal. Die PDS-Sozialsenatorin von Berlin lässt gar Kindergärten privatisieren. Wo also liegen die Schönen sozialen Wohltaten von Hartz IV. Für die Lohnabhängigen, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger wird es immer schlechter – das Kapital aber, die großen Konzerne, die steigern allerdings so ganz nebenher ihre Profite. Das ist die Realität!

So sehen das auch immer mehr Menschen im Lande und gehen zu den Montagsdemos – jede Woche werden es mehr.

Es wird auch Zeit hierzu. Die einzige Antwort kann nur Rebellion der Massen, gegen die Politik der Liquidierung der erkämpften sozialen Rechte, sein.

Schröders, Clements, der Damen Schmidt’s Lügen haben kurze Beine, treten wir ihnen vor das Schienbein – aber kräftig!


[1]  Tagsspiegel vom 20. 08. 2004 siehe

[2]  ebenda

[3]  Harald Burkhart vom Gemeindetag Baden-Württemberg, ebenda

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Staatliche Förderung wird vereinfacht: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Bundesfinanzminister Hans Eichel (rechts)

Ministerdame Ulla Schmidt mit dem Regierungskassenwart Hans Eichel grinsen über den gelungenen Spaß:

Originalunterschrift des Bildes: 
"Staatliche Förderung wird vereinfacht" (siehe)

Gemeint ist: Weniger für die Armen (Hartz IV) und noch mehr für die Konzerne und die Reichen (Steuerreform)

Immer im Einsatz für für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  die Förderer Michael Rogowski und Frau Bundesministerin Renate Schmidt (siehe)

Originaltext zum Bild:

"Bundesministerin Renate Schmidt und BDI-Präsident Dr. Michael Rogowski stellen im Rahmen einer BDI-Präsidiumssitzung das Projekt "Work-Life-Balance als Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität" vor." (siehe)

Work-Life-Balance 

Die Vereinbarkeit, auf neudeutsch „Work-Life-Balance“ zwischen Beruf, Familie und Freizeit ist im modernen Wirtschaftsleben eine wichtige Basis für den beruflichen Erfolg und die persönliche Zufriedenheit. In drei Schritten werden die Teilnehmer angeleitet, ihre persönliche Work-Life-Balance nachhaltig zu verbessern...“ mehr

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