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Der
erweiterte Kirchentag zu Erfurt
Quelle:
neue-einheit
24.7.05
In
Erfurt hat an diesem Wochenende mit beträchtlicher Unterstützung der
offiziellen Medien das erste sog. „Sozialforum in Deutschland“
stattgefunden.
Die
letzten Jahre zeichnen sich dadurch aus, daß vielen Menschen Fragen
gekommen sind zu dem ökonomischen System, in dem wir leben, und die
Illusionen des Kapitalismus sind wenigstens ein Stück weit abgebaut
worden. Die Resultate der letzten drei Jahrzehnte bekommt nun die Bevölkerung
zu spüren: Der systematische Abbau der Produktion im Inland, das
illusionäre Konzept, sich ausschließlich oder vorwiegend auf
Dienstleistung zu stützen, zeigen immer deutlicher ihre schwerwiegenden
und bedrohlichen Folgen, nachdem in all den Jahren davor der größere
Teil der Bevölkerung noch materiell zufrieden gestellt werden konnte
und die enormen Extraprofite, die aus dem Ausland ins Land geflossen
sind, eine solche Korrumpierung breiterer Teile noch möglich gemacht
hatten. Da findet in Erfurt eine Art Sozialforum statt, das man schon
wegen der intensiven Teilnahme der Kirche und von Kirchenfachleuten auf
allen Gebieten als einen erweiterten Kirchentag betrachten kann, wo
Illusion auf Illusion geschürt wird und die vielfältigsten
alternativen Spielereien als angebliche Alternative zu dem bestehenden
Gesellschaftssystem gepriesen werden.
Das
wichtigste Resultat dieser Konferenz ist die Forderung nach sog.
Grundeinkommen für jeden innerhalb der Bundesrepublik, egal ob er oder
sie arbeitet oder nicht. Das Grundeinkommen soll deutlich höher liegen
als die Sozialhilfe. Wie es heißt, soll es nicht nur den elementaren
Lebensunterhalt gewährleisten, sondern auch die Gestaltung kultureller
Bedürfnisse befriedigen. In welchem Verhältnis diese „soziale
Errungenschaft“ zu der internationalen Ausbeutung und zur
Intensivierung der internationalen weltweiten Ausbeutung steht, wurde
dabei nicht in den Medien behandelt.
Man
nimmt die Freisetzung des größeren Teil der Bevölkerung, die
Deindustrialisierung als eine Tatsache, die irreversibel sei, und
infolgedessen müssen die freigesetzten Massen eben einen solchen Obolus
von dem Kapital bekommen. Man kann die Haltung, wie sie z.B. von Hugo
Braun eingenommen wurde, mit den folgenden Worten charakterisieren:
Liebes Kapital, wenn ihr uns schon freigesetzt habt, und wenn ihr nun
auf internationaler Ebene große Profite macht, dann wollen wir auch
unseren Anteil daran haben, wollen wir einen erhöhten Beitrag zum Leben
umsonst auf Kosten der internationalen Ausbeutung haben. Dann können
wir hier allerhand alternative Spielereien und Lebensweisen, wie jeder möchte,
„uns leisten“.
Man
könnte sagen: Spaß beiseite, das steht in einem zu krassen Widerspruch
zur Realität auch im Lande, aber das Ziel solch einer Propaganda ist
auch die Korrumpierung und die Erziehung zu einer Sonderstellung, zur
Einbildung einer Sonderstellung innerhalb der internationalen Welt, in
der man Zuwendungen bekommt.
Das
politische Programm aber ist keineswegs so harmlos. Letztlich läuft es
darauf hinaus, dieses Land und Europa völlig zu pazifizieren und
letztlich zu einem pazifistischen und ausgehaltenen Anhängsel der USA
zu machen, das in letzter Konsequenz an jedem Schachzug dieser Großmacht
und evtl. damit in Verbindung stehenden weiteren Großmächten
teilnehmen und sie unterstützen muß.
Natürlich
fordern sie die Abschaltung der Kernenergie, denn die Stillegung und
Bremsung der Kernenergie in der Vergangenheit war einer der Haupthebel
zur Deindustrialisierung.
Aber
die Beherrschung der Materie ist eine der Grundlagen der sozialen
Emanzipation und steht in engster Verbindung mit dem Sozialismus und
wirklichen sozialen Bewegungen in der Welt. Ohne die Befreiung des
Menschen, ohne die Erhöhung des Freiheitsgrades des Menschen in der
Natur und gegenüber der Materie gibt es keine soziale Emanzipation.
Die
Bekämpfung der Wissenschaften ist eine der Grundlagen dieser von
Kirchenideologie, Gläubigkeit und Illusionsmacherei betriebenen
Konferenzen.
Als
Ausnahme und im Kontrast zum übrigen Programm traten bei diesem Kongreß,
wie bei den Sozialforen und Attac üblich, als Ausnahme einige wenige
Gewerkschafter mit interessanten internationalen Beiträgen auf. Es wird
von einem rumänischen Gewerkschafter berichtet, der über Bewegungen in
seinem Heimatland wichtige Informationen weitergab, die hier sonst nicht
bekannt geworden waren. Solche einzelnen Beiträge sind natürlich von
Wert, sie haben aber auf diesen Kongressen auch eine Art Alibifunktion.
Den Gesamtcharakter dieser Veranstaltungen ändern sie nicht.
Sie
fordern zwar den Rückzug aller im Ausland operierenden
Bundeswehreinheiten, aber es bleibt vollkommen unklar, wie ihr sog.
friedliches Europa existieren soll und wie es sich zu den Großmächten
auf der Welt stellen soll.
Angesichts
einer sich weiter entwickelnden Rivalität der USA z.B. mit China hat
ein solches pazifistisches Europa auch noch ganz andere Qualitäten: es
kann selbst zu einem Punkt der Austragung der Rivalität zwischen den
verschiedenen Großmächten werden und unter dieser Rivalität begraben
werden.
Diese
Illusionsmacherei, diese schönen Phrasen vom friedlichen und „ökologischen“
Europa sind deswegen keineswegs so harmlos oder nur ein armseliges gläubiges
Flehen nach einer besseren Welt. Es ist auch eine gefährliche
Illusionsmacherei, die in genau das Gegenteil dessen umschlagen kann,
was dieser schöne Schein verspricht, nämlich daß dieser Kontinent
durch die imperialistische Rivalität der Zukunft buchstäblich umgepflügt
wird.
RedakNE-hd
(Nach
Dokumenten und Berichten aus Medien und Presse) |