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Keine »Kostenexplosion«

Privates Forschungsinstitut: Ausgaben für Arbeitslosigkeit fallen 2006 geringer aus als geplant

Ludger van der Heyden

Quelle: jungeWelt vom 26. Mai 2006

Die Ausgaben von Bund, Kommunen und Bundesagentur für Arbeit (BA) zur Versorgung und Betreuung von ALG-I- und ALG-II-Empfängern werden nach Berechnungen des privaten Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) in diesem Jahr unter den für 2006 geplanten Kosten liegen. Wie das BIAJ am Mittwoch erklärte, könnten die für den Geltungsbereich der Sozialgesetzbücher II und III veranschlagten 92,1 Milliarden Euro um rund eine Milliarde Euro unterschritten werden. Die Veröffentlichung der Schätzung, die auf dem BA- und Bundeshaushalt sowie auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums beruht, soll laut BIAJ-Mitarbeiter Paul Schröder dazu beitragen, daß die »unerträglichen Kostenexplosionsberichte aufhören, die sich gegen die Arbeitssuchenden (...) richten.«.

Wie die junge Welt am Mittwoch berichtete, hält die Behauptung von Politik und Medien zur »Kostenfalle Hartz-IV« einer statistischen Prüfung nicht stand. Vielmehr sollten damit der Druck auf die Hilfsbedürftigen erhöht und weitere Leistungskürzungen propagandistisch unterfüttert werden. Dabei fällt auf, daß sich die politischen Einpeitscher einseitig auf die Ausgabenentwicklung beim Arbeitslosengeld (ALG) II einschießen. Tatsächlich werden die im Bundeshaushalt dafür vorgesehenen Mittel im laufenden Jahr voraussichtlich nicht ausreichen. Laut BIAJ soll die Deckungslücke allerdings maximal 2,2 Milliarden Euro betragen, und nicht vier oder gar sechs Milliarden, wie kolportiert wurde. Ähnlich moderat fallen die möglichen Mehrausgaben für Unterkunfts- und Heizungskosten aus, die zu rund 70 Prozent von den Kommunen und zu 30 Prozent vom Bund finanziert werden. Diese werden nach BIAJ-Schätzung das Soll von 12,4 Milliarden Euro um 1,7 Milliarden Euro übersteigen.

Damit sind dann auch schon die beiden größten »Kostentreiber« benannt. Alles in allem werden Bund und Kommunen am Jahresende um 3,2 Milliarden Euro über Plan liegen, kalkuliert das BIAJ. Ein Gesamtbild der Kostenentwicklung nach Umstellung auf Hartz IV muß jedoch auch die Ausgaben der BA berücksichtigen. Nach Institutsprognose wird die BA bis Jahresende 2006 um vier Milliarden Euro unter Soll bleiben. Davon entfallen 2,5 Milliarden Euro auf unterplanmäßige Ausgaben für das beitragsfinanzierte ALG I, während die Kosten für aktiveAusgaben für das beitragsfinanzierte ALG Arbeitsförderung um 1,5 Milliarden Euro unter den vorgesehenen Mitteln liegen werden. Stellt man dies den Mehrkosten von Bund und Kommunen gegenüber, bleibt unter dem Strich ein Plus von 0,8 Milliarden Euro.

Wie jW berichtete, macht die BA offenbar deshalb einen so guten Schnitt, weil die Ressourcen einseitig auf eine möglichst rasche Vermittlung der ALG-I-Bezieher konzentriert werden. Im Gegenzug wird die Betreuung von »hoffnungslosen«, weil älteren und geringqualifizierten Hartz-IV-Opfern vernachlässigt. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Erstens versorgt die BA ALG-I-Empfänger aus »eigener Tasche«. Zweitens muß Nürnberg eine Art Bußgeld an den Bund entrichten, sobald ein ALG-I-Fall nach zwölf Monaten zu einem ALG-II-Fall wird. In der BIAJ-Gesamtrechnung taucht diese Größe nicht auf. Das Institut rechnet aber mit weiteren rund 1,3 Milliarden Euro, die Nürnberg weniger als veranschlagt an den Bund überweisen wird.

Politik und Wirtschaft verfolgen diese Entwicklung mit Wohlwollen. Schließlich ist für 2007 eine Beitragssenkung bei der Arbeitslosenversicherung um zwei Prozent geplant.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2006/05-26/034.php

(c) Junge Welt 2006

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