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Das Spiel mit den Namen für die Krise

von Elsa Claro, Havanna

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Havanna, 2. Juni 2010, Cubadebate.-   Der weltweite Verlauf der finanzwirtschaftlichen Gegensätze, die die Welt in die Zange nehmen, wird derzeit Europäische Krise genannt. Der ständige Bezug auf die Verschuldung der Staaten des Alten Kontinents ist richtig und entspricht auch dem Defizit der Superlative im Haushalt der USA: 1,56 Billionen Dollar in diesem Jahr 2010. Was 10,6% ihres BIP ausmacht und eine Rekordsumme zumindest seit dem 2. Weltkrieg darstellt. Unerklärlicherweise wird von diesem Rekord nur so wenig geredet.

Natürlich lindern die Übel im Ausland nicht die eigenen. Aber man muß sich mal diese durch jenes Land angehäufte Summe vergegenwärtigen, welches den bisher mächtigsten Krisenknall mit weltweiten Auswirkungen überhaupt ausgelöst hatte. Ebenfalls aus den USA kommen etliche Faktoren, die auf dieses ganze Debakel einwirken. 

Ein anderer beiseite geschobener Faktor ist der Bezug zum von Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in Großbritannien in den achtziger Jahren durchgesetzten Neoliberalismus, wie er später seit 2000 von der gesamten Europäischen Union praktiziert worden ist. Dieser Neoliberalismus steht im Mittelpunkt des Problems, welches da mit den Normen eben dieses Neoliberalismus gelöst werden soll. Wer Öl ins Feuer gießt, vergrößert den Brand. Und etwas in dieser Art veranstalten derzeit die europäischen Regierungen. Kann der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden?

Die Euro-Zone und Großbritannien beabsichtigen die Einsparung von 217,9 Milliarden Euro. Aber um dies zu erreichen, werden keinesfalls die Strukturen verändert, aus denen die angespannte Situation herkommt. Sie erhalten ein eiligst durchgepeitschtes Wechselkurssystem aufrecht und kürzen dort Mittel, wo es ohnehin kaum welche gibt. In Italien zum Beispiel werden die Beihilfen für Behinderte abgesenkt. Welchen Tropfen auf welchen heißen Stein soll dies bitte bringen?

Und die gesellschaftlichen Widersprüche vervielfachen sich auf diese Weise weiter. Deutschland schloß 2009 mit einer Schuldenrate von 3,3% ab. Dies liegt nur wenige Kommastellen über den Vorgaben des Maastricht-Vertrages. Und was von nur wenigen EU-Ländern erreicht wurde, wenn wir uns mal lange Zeiträume vor Ausbruch der letzten Weltwirtschaftskrise anschauen. Aber selbst in Deutschland spricht die Regierung von einem Haushaltskürzungsprogramm und will dadurch pro Jahr 10 Milliarden Euro weniger ausgeben. Dies soll von jetzt bis 2016 laufen. Um diese Mittel freizusetzen, tut die deutsche Regierung, was die anderen Regierungen auch tun. Sie senkt Löhne und Renten ab oder friert sie ein. Sie kürzt die staatlichen Ausgaben im Sozialbereich einschließlich offenbar auch der Leistungen für Arbeitslose. Es gibt einen Berg von Undsoweiters. Rausgehalten aus der Streichorgie werden stets jene, die nie aufgehört haben, hohe Einkommen zu erhalten.

Demgegenüber werden jährlich 3 Milliarden Euro für die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan ausgegeben, laut DIW. Berechnungen dieses Instituts zeigen auf, dass wenn die Zahl von 5.300 Bundeswehrsoldaten, die die Regierung Merkel derzeit im zentralasiatischen Land unterhält, nicht erhöht wird, und zugleich unterstellt wird, dass ein Abzug dieser Truppen innerhalb von drei Jahren erfolgt, die Gesamtkosten der Teilnahme an diesem Kriegsabenteuer der USA 36 Milliarden Euro gekostet haben wird. Diese Ausgabensumme für die Teilnahme am Afghanistankrieg übersteigt beträchtlich jene Summe, die die deutsche Regierung durch extreme Ausgabenkürzungen im Sozialbereich binnen fünf Jahren „einsparen“ will. Bei dieser Berechnung sind die eigentlichen Militärausgaben Deutschlands nicht mal berührt. Es ging lediglich um den Sonderposten „Afghanistankrieg“.

„Wir haben eine Wirtschaftskatastrophe geerbt“, jammerte der kürzlich in sein Amt gekommene britische Wirtschaftsminister George Osborne. Dabei bezog er sich auf die Haushaltskürzungen und beschuldigte die abgewählte Regierung, jene zu pfänden versucht zu haben, die nach ihnen an die Regierung kommen. 970 Millionen Euro werden im Bildungswesen gestrichen, welches schon oft von Kürzungen betroffen worden war. Ähnliche Absenkungen der Haushaltsausgaben betreffen den Bereich Beschäftigungswesen und Rentenzahlungen. Die Einschnitte berauben Ärzte, Krankenschwestern, Dozenten ihrer Arbeitsplätze, womit bereits sehr verkümmerte Bereiche des Sozialwesens einem beschleunigten Niedergang ausgesetzt werden.

Die Maßnahmen werden die Streikrate in Großbritannien erhöhen, welche derzeit 8% übersteigt und in den nächsten Monaten steil nach oben ansteigen wird. Die Kürzungen wurden von Königin Isabel II mit allem aufwändigen Pomp aus alter Tradition verkündet, welcher immer noch im House of the Lords zelebriert wird, wo so gemeines Volk wie auch der Premierminister und sein Kabinett nicht mal Sitze haben und stehend dabeisein müssen. Beinahe in Hockstellung in einem Ambiente des Luxus mit wenig Nutzen für die im Lande herrschende Situation.

Das Problem wurzelt nicht darin, dass die europäischen Königshäuser weiterhin hohe staatliche Zuwendungen erhalten, ohne Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, wofür sie das viele Geld ausgeben. Es gibt eben entweder Reichtum oder Armut. Als Einrichtung hat die EU die Übergabe von Subventionen an die Landwirtschaft eingerichtet. Dies kommt allerdings lediglich denen zugute, die Großgrundbesitzer sind. Und dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob ihr Land produktiv genutzt wird oder nicht. Die Kleinbauern klagen seit langer Zeit, dass die Großgrundbesitzer den Löwenanteil an Subventionen erhalten. So wird sicherlich stimmen, was das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft in seinem Jahresbericht über die Nutznießer der besagten Agrarsubventionen veröffentlichte: Die königliche Familie erhielt 1,449.152 Euros dieser Subventionen in den krisengeschüttelten letzten 12 Monaten.

OHNE UMKEHR

Spanien ragt unter den Ländern wie Portugal, Italien, Irland, Griechenland und den vorherigen Absätzen genannten Ländern heraus, die alle ein übles Rezept anwenden. Die Regierung Zapatero bekommt weiterhin so viele Kritiken von der konservativen Volkspartei (Partido Popular), dass die ideologischen Rollen beider großer bürgerlicher Parteien sich umgekehrt zu haben scheinen. Die Demagogie und der Opportunismus werden von der spanischen Reaktion gebrandmarkt, die ihren Nebelvorhang für all ihre Skandäle der Korruption und die Ergebnisse der Ermittlungen über die Opfer der faschistischen Franco-Diktatur hochzieht.

Als Beweis, dass bessere Wege vorhanden sind, machte eine Gruppe linker Organisationen einen Vorschlag für dringenden Steuerreformen öffentlich, wonach die wirtschaftlich Stärkeren zur Kasse gebeten werden sollen. Es geht da um ein Maßnahmepaket auf hohe Renten und Profite aus Börsengeschäften, „um den spekulativen Angriffen ihre Extraprofite zu nehmen“. Dazu Strukturgesetze, die vermeiden sollen, Löhne und Altersrenten anzutasten. Allein die Besteuerung des Reichtums würde jährlich zusätzlich 2,25 Milliarden Euro in Spanien bringen können.

Wenn die spanische Auslandsverschuldung vor allem eine Verschuldung von Privatkapitalisten ist, könnte da ganz schlicht vorgegangen werden. Es ragt heraus, dass im ersten Quartal 2010 allein vier Großkonzerne (die Großbanken Santander und BBVA sowie die Telefongesellschaften Telefónica und Endesa) staatliche Hilfsgelder in einer Höhe erhielten, die alle Einsparungen übersteigt, welche die Regierung gegenwärtig einleitete. Demzufolge hat es Gründe, warum Alternativvorschläge gemacht werden.

Auf etwas ganz Wesentliches wird von Ökonomen und anderen Experten hingewiesen. Es ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, jene Faktoren zu verändern, durch welche die Finanzen und die Spekulation über den Regierungen herrschen. Der Verlust der politischen Macht, welche sich das Finanzkapital angeeignet hat, ist eine der übelsten Folgen des Neoliberalismus. Dies bestätigt der Franzose Dominique Pilón in seinem Buch über die gegenwärtigen Auswüchse des Kapitalismus. Pilón ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees der auf Weltverbesserung orientierenden Organisation ATTAC. Pilón zeichnete ein Porträt des Niedergangs des diesen bestialischen Defizitzunahmen, der Verschuldung und gesellschaftlichen Notlage ausgesetzten Systems, in welchem 19 Millionen Arbeiter allein in Europa unterhalb der Armutsgrenze leben. Während die großen Krisenverursacher weiterhin fette Profite einfahren.

Schwierigkeiten bereitet es zu begreifen, wie es möglich ist, dass inmitten einer so zugespitzten weltweiten Krise auch eine zur Hilfe der Länder in Problemsituationen vorgesehene Organisation Einkünfte verzeichnet, die vierfach über denen liegen, die diese Organisation 2008 hatte. Ich beziehe mich da konkret auf den Internationalen Währungsfonds (IWF), der ganz ausgezeichnete Dividenden aus den Zinsraten erzielte, die er den Ländern auferlegte, welche unter größten sozialen Spannungen leiden. Und dies alles nur, weil die Verursacher und Verwalter des Problems alle auf Vernunft basierenden Auswege aus dem Labyrinth bewußt aus Eigeninteresse und Profitgier weiterhin verschließen können.

Quelle: http://www.cubadebate.cu/

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