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WELTWIRTSCHAFTSKRISE
LIVE VOR ORT V
Deutschlands
Schlagzeilen
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Exklusiv
für K-Online, 25. April 2009. – Endlich Sonnabend und Wochenende,
Zeit auch mal für den Blick in das Internet. Die "Welt" enthüllt
ein vertrauliches Papier der "Bankenaufsichtsbehörde" BaFin,
aus dem hervorgeht, dass mit Stand vom 26. Februar 2009 insgesamt
mindestens 816 Milliarden Euro, wenn nicht gar 853 Milliarden Euro an
sogenannten Risiken in den Vermögenswerten von mindestens 17 deutschen
Banken zu bewältigen sind. Für mich übersetzt heißt dies, dass die
Zahl des mit "faulen Tricks" an die Hochfinanzclans übereigneten
Kapitals eine vierstellige Milliardenzahl ist, denn das Geschäft der
Profitgeier besorgen doch nicht allein etwa die deutschen Bankiers. Und
es ist ja auch nicht so, dass da nur irgendein deutscher Finanzminister
mal eben irgendeine "Schadenshöhe" beziffert haben will,
sondern Interesse an diesen vertraulich gehandelten Zahlen haben solche
Schaltzentralen des internationalen Finanzkapitals wie der
Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank als bisher maßgebliche
Finanzinstrumente des Imperialismus. Denen hat auch die deutsche
Regierung zuzuarbeiten. Vertraulich, natürlich!
So
vertraulich, dass nun die Aufsichtsbehörde BaFin die Münchner
Staatsanwaltschaft ermitteln lässt. Jedoch nicht gegen diejenigen, die
unsereins jene in ihrer schwindelerregenden Höhe schon krassen Zahlen
vorenthalten möchten. Sondern es wird gegen unbekannt ermittelt wegen
Weitergabe der vertraulichen Informationen an die Öffentlichkeit. Was
unsereins an die Geschichtslehrer erinnert, die einst berichteten, wie
im alten Griechenland in der Antike zuweilen die Überbringer schlechter
Nachrichten kurzerhand geköpft wurden. Die Despoten heutzutage würden
sich offenbar gerne ebenso verhalten. "Wissen ist Macht",
formulierte einst Lenin. Womit klar ist, weshalb Wissen doch möglichst
vom Volke ferngehalten werden soll.
Wo
nun "die Kacke am Dampfen ist", wie unsereins es schlicht
nennt, muss natürlich der Geruch verdaut werden: "Die Behörde
warnte ausdrücklich vor einer Fehlinterpretation der vertraulichen
Aufstellung." Wie viel Vertrauen hat unsereins denn in eine
Finanzaufsichtsbehörde, die lediglich deckelt, was da seit etlichen
Jahren ganz konkret unter ihren kontrollierenden Augen zum Unwohl der
Allgemeinheit abgelaufen ist?
Natürlich
handelt es sich hier nicht um "tatsächliche oder künftige
Verluste", sondern lediglich um ein kleines Stück
Umverteilungsbilanz, eben beschränkt auf bestimmte deutsche Banken.
Immerhin nennenswert genug, vertraulich gehandhabt werden zu sollen.
Denn klar, es ist Geld, welches unsereins den Banken anvertraut hat. Und
hinter dem Geld, welches unsereins so für Rente und Sparkonto
eingezahlt hat, stecken unsere ganz realen und arbeitstäglichen
Arbeitsleistungen mit jenem Anteil an deren Ergebnis, welcher unsereins
nun mal als Lohn ausgezahlt worden ist. Diese real von unsereins
erbrachten Gelder und Werte sind Objekt der Begierde der
Hochfinanzclans, welche mittels spekulativen Fonds und Anlagen unsere
realen Werte in Geschäfte auf dem privaten Kapitalmarkt einbringt, bei
denen unsere Wertpapiere viel bis alles von ihrem Wert einbüßen.
All
die hoch bezahlten parfümierten Smarties im Fernsehen werden derzeit
auf uns losgelassen, um als hochseriös wirkende Politiker oder sonstige
"Experten" das angeblich unsaubere Geschäftsgebaren
bestimmter Manager, Bankiers und Gremien anzuprangern. Ganz so, als ob
der Kapitalismus eine saubere Bürgerwelt im Interesse der kleinen Leute
sei. Was er ja erwiesenermaßen nie gewesen ist. Und wenn sich die
Kapitalistenklasse in den bundesdeutschen Grenzen bis 1989 noch
vergleichsweise beim Griff in unsere Taschen zurückgehalten hat, so lag
dies allein an der Existenz der DDR und der sozialistischen
Staatengemeinschaft des "Warschauer Vertrages" unter Führung
der UdSSR. Man stelle sich mal vor, 1970 hätte es im damaligen
Westdeutschland Hiobsbotschaften einer bevorstehenden Halbierung der
auszuzahlenden Altersrenten, eines unumgänglich werdenden Währungsschnittes
oder einer Erhöhung des Altersrenteneintrittsalters gegeben. Nein, so
unvorsichtig sägten die großen Eigentümer der führenden
bundesdeutschen Privatbanken damals nie am Ast, auf dem sie saßen!
Heute dagegen sieht das schon anders aus, denn die DDR wurde als
Kapitalmasse geschluckt und ist längst profitbringend so weit verdaut,
dass nun die Profite woanders reinzuholen sind. Wie wir ja sehen.
Der
"Spiegel" serviert unsereins sogar eine Art Naturereignis,
welches zur rasant ansteigenden Neuverschuldung Deutschlands in Rekordhöhe
geführt haben soll. "Die Rezession reißt ein riesiges Loch in den
Bundeshaushalt", heißt es da lapidar. Aha, also der natürlich
Lauf der Wirtschaft, die neben Höhen ja auch mal Tiefen hat und nun
eben etwas nach unten gegangen ist. Nach dieser Krisenlogik müssen wir
ja nicht beunruhigt sein, sondern einfach nur auf die wiedereinsetzende
Konjunktur waren. Ganz wie es jene Regierenden uns ja immer wieder
weismachen. Wie uns ja nicht entgangen ist, bringen uns diese
Regierenden gerne die sozialen Grausamkeiten häppchenweise nahe.
Salamitaktik nennen es manche von uns. In diesem Stil formuliert der
Bundesfinanzminister: "Die deutsche Neuverschuldung werde in diesem
Jahr "netto deutlich über 50 Milliarden Euro sein", sagte
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück der "Welt am Sonntag".
"Dieses Jahr ist extrem. Wir erleben den größten Einbruch der
Wirtschaft in der Geschichte der Bundesrepublik." Ja, wir alle
erleben nun was als Schicksalsgemeinschaft Deutschland, wie es jener
Minister von uns bitte gesehen haben möchte. Ein CDU-Mann sieht es
ebenso, nur benennt er als Neuverschuldungszahl schon mal 90 Milliarden
Euro. Und Gesundheit ist auch mit den bisherigen Beiträgen nicht mehr
bezahlbar. So jedenfalls klingen die Bitten von Ulla Schmidt um eine
zweistellige Milliardensumme an Euro.
Klar
wird letztlich, wie abgewirtschaftet und verrottet die derzeitige bürgerliche
Gesellschaft ist. Soziale Menschenrechte wie das Recht auf Gesundheit,
das Recht auf Wohnung, das Recht auf Ernährung, das Recht auf Kleidung,
das Recht auf Bildung, das Recht auf Arbeit werden immer
unrealisierbarer auch für diejenigen, die in den traditionell hoch
entwickeltsten Ländern des Kapitals leben. Während es nicht für die
Sanierung von Schulen und ein vorzeigbares Bildungssystem, nicht mal für
die Gewährleistung von Lohn und Brot für alle reicht, bekommen die
Privatbanken weiterhin frisch gedrucktes und als Kredit von den Nutznießern
der "toxischen" Geschäfte immer neue Stützungssummen
"injiziert". Was für ein berauschendes Bankett für die
Herrschaften der Hochfinanz! Und was für ein Elend bei Millionen
Familien, die ihre Eigenheime, ihre Spargroschen, ihre Altersrücklagen
und ihren Arbeitsplatz verlieren!
Je
mehr sich die Gewitterwolken zusammenbrauen, umso rascher steht das
Unwetter bevor. Der Zorn kocht. Bei immer mehr von vielen Millionen
Menschen in der EU. Unsere Aufgabe als Kommunisten kann nur darin
bestehen, diesen Menschen weiter die Augen zu öffnen. Damit sie wissen,
dass der Klassenfeind nicht neben ihnen, sondern vor und über ihnen
steht.
Quellen:
http://www.welt.de/
http://www.spiegel.de/ |