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Ein
Herz für Bankster
Deutschland
»hilft« den Griechen
Von
Rainer Rupp
jungeWelt
vom 30. April 2010 – Es ist das Ergebnis neoliberaler
Wirtschaftstheologie: Wie in den anderen EU-Staaten sind auch in
Griechenland die Reichen reicher und die Armen ärmer geworden. Und
jetzt sollen die Lohnabhängigen noch mehr für die Krise zahlen. Die
Rezepturen, die allerseits zur Genesung der griechischen Wirtschaft
verschrieben werden, gleichen denen, die bereits vor zwei Jahren
Lettland aufgezwungen wurden. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt
inzwischen um fast ein Viertel geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist auf
über 20 Prozent gestiegen, Schulen und Krankenhäuser wurden
geschlossen, Renten, Kindergeld, Löhne und Gehälter radikal gekürzt.
Dennoch ist das Budgetdefizit hoch geblieben und keine Besserung in
Sicht. Diese Massenverelendung ist nun der Masterplan für Griechenland.
Mit den solchermaßen »eingesparten« Mitteln sollen den
internationalen Banken die Schulden zurückgezahlt werden, die die
griechische Bourgeoisie »im Namen des Volkes« gemacht hatte.
Die
Regierung Merkel engagiert sich nun plötzlich für die Rettung
Griechenlands und des Euros. Finanzminister Schäuble drängt scheinbar
zur Eile, weil sonst angeblich erneut ein Finanzdesaster wie nach der
Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers droht. Doch es sind nicht
die griechischen Malocher und ihre Familien, denen mit den Milliarden
deutscher Steuerzahler geholfen werden soll. Nein, das Herz der
Kanzlerin schlägt für die wahren Opfer der Griechenland-Krise –
unsere Großbanken und ihre Aktionäre. Am einfachsten wäre es daher,
die deutsche Hilfe direkt an sie zu überweisen.
Allerdings
wäre es falsch, die Krise Griechenlands lediglich dem
Kasino-Finanzkapitalismus zuzuschreiben. Auch die transatlantische
Rivalität dürfte eine Rolle spielen. Inzwischen redet keiner mehr von
der baldigen Ablösung des Dollars durch den Euro, obwohl sich am
Problem der US-Währung nichts geändert hat. Wir erleben eine
Systemkrise des Kapitalismus, die durch die undurchdachte Einführung
der europäischen Gemeinschaftswährung noch verschlimmert wird.
Portugal, Island, Spanien, Italien sind bereits auf der schiefen Ebene
in Richtung Griechenland unterwegs. Zugleich spekulieren europäische,
aber insbesondere US-amerikanische Großbanken derzeit wie verrückt auf
die Zahlungsunfähigkeit dieser Länder, treiben dadurch die Zinsen für
neue Staatsanleihen in ruinöse Höhen. Doch selbst die noch stabilen
EU-Staaten wie Deutschland sind überschuldet– und von den Lohnabhängigen
wird verlangt, die Zeche für die Bankster (aus Banker und Gangster) und
Spekulanten zu zahlen.
Für
den deutschen Stammtisch ist dennoch klar: Die faulen Griechen sind an
der Krise schuld. Das ist das Verdienst der bürgerlichen Journaille.
Deren Aufgabe ist es zu verhindern, daß die Lohnabhängigen bei uns
Gemeinsamkeiten mit ihren Kollegen in Hellas entdecken und womöglich
tatsächlich feststellen, daß wir alle Griechen sind.
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TESTFALL
GRIECHENLAND
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Kommunisten-online
vom 4. Mai 2010 – Schäuble bellt über alle Sender, dass wenn die
Kiste erst richtig verfahren ist (sinngemäß), muss eben ein extremes Kürzungsprogramm
her. D.h. Absenken von Gehältern und Pensionen bei Massenentlassungen
im öffentlichen Dienst und massives Streichkonzert bei öffentlichen
Dienstleistungen und im gesamten sozialen Bereich (Bildung, Kultur,
Gesundheitswesen, Alterssicherung).
In
Volksgemeinschaftsmanier versucht die deutsche Bourgeoisie derzeit
verzweifelt, dem Volke in Deutschland weiszumachen, es gehe nur um
Griechenland. Die nationalistische Häme gegenüber Griechenland wird unüberhörbar
über die imperialistische Medienallmacht reproduziert. Die Botschaft:
„Deutscher Arbeiter, freue dich, dass wir deine griechischen Brüder
jetzt richtig ausquetschen und zu Schuldendienst und Zinszahlungen an
uns (sic!) verpflichten!“
Wie
bitte? An „uns“? Wir du sein Deutschland? Als ob das Geld jetzt den
griechischen Arbeitern, Angestellten, Rentnern ausgezahlt werden würde,
welche vom Sozialkahlschlag zugunsten des Schuldendienstes auf viele
Jahre getroffen werden sollen.
Wer
bitte bekommt all die Milliarden Euro? Griechenland??? Nein, nicht
Griechenland. Diese Euro gehen an die Bankenkonsortien, welche als Gläubiger
gegenüber Griechenland auftreten. Sie erhalten die dreistelligen
Milliardensummen von EU-Mitgliedsstaaten mit dem Verwendungszweck
„Griechenlandzahlung“. Da überweist die Bundesregierung in Berlin
mal eben locker weitere Milliarden Euro an die Banken in Frankfurt am
Main.
Griechenland?
Den Herren Bankiers ist egal, ob da Griechenland, Deutschland oder
Gelsenkirchen als Verwendungszweck auf dem Scheck stehen, Hauptsache es
gehen immer neue Milliarden Euro aus öffentlichen Kassen bei den
privaten Banken ein, sehr zum Wohle der Bankiers-Clans des
internationalen Finanzkapitals!
Schon
ist die Rede von weiteren Ländern, die ihre Schulden kaum noch oder
nicht mehr bedienen können: Portugal, Italien, Spanien ... war es das
wirklich schon? Explodieren nicht auch die öffentlichen Schulden
Deutschlands???
All
die Stammtischler, die jetzt die nationalistische Häme gegenüber
„den Griechen“ nachblöken, welche die imperialistischen
Meinungsmacher ihnen vorbellen, werden sich bald wundern. Spätestens
dann, wenn es ihnen wie „den Griechen“ ergehen wird. Und ein Schäuble
jun. dann wieder mit wild entschlossener Gesichtsmimik wie ein guter
Schauspieler in einem Filmdrama in das Mikrofon bellt, dass wenn die
Kiste richtig verfahren ist, eben ein extremes Kürzungsprogramm her
muss.
Ob
die Arbeiter, Angestellten, Rentner und überhaupt einfachen Menschen in
Deutschland mal eben ihre Löhne, Gehälter und Renten stark kürzen
lassen werden, nur damit die Besitzerclans der Großbanken einen
weiteren dicken Batzen Profit verbuchen können? Ein Schelm, wer da
denkt, dass es bei Griechenland bleiben wird. Der Generalangriff auf die
letzten Cents der arbeitenden Klassen in der EU wird ungebremst
weitergehen.
Testfall
Griechenland. Aus der EU ist noch viel mehr rauszuholen, werden sich die
Herren der Hochfinanz denken. Und Deutschlands Arbeiter, Angestellte und
Rentner täten gut daran, zur Solidaritätsaktion mit dem griechischen
Volk überzugehen.
Bleibt
uns Kommunisten nur, den Griechen Erfolg zu wünschen. Im Klassenkampf,
denn Griechenland könnte eine revolutionäre Situation (nach Lenins
Kriterien) bevorstehen. Massenproteste sind dort bereits an der
Tagesordnung. Und wir Kommunisten fühlen uns solidarisch fest verbunden
mit unseren griechischen Klassenbrüdern, dem griechischen Proletariat,
den protestierenden Volksmassen dort und den Kommunisten Griechenlands,
die sehr bekanntlich an der Spitze der Massenproteste stehen.
HOCH
DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
ES
LEBE DER KLASSENKAMPF DES GRIECHISCHEN PROLETARIATS!
KEINE
RENTEN- UND LOHNGROSCHEN FÜR BOSSE UND BANKIERS!
FÜR
FRIEDEN UND SOZIALISMUS – GEGEN KRIEG UND KAPITAL!´
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Leserbrief
von Ulrich aus Nikaragua
„Es
scheint, dass die ach so vernünftigen Europäer noch schlimmer sind als
die Gringos.“
Lieber
Günther,
es
wäre nicht schlecht, wenn ihr einen Artikel brächtet, wer denn nun
genau wie und im Besonderen die Krise en Griechenland verursacht hat, außer
dem gewöhnlichen Imperialismus versteht sich. Die Rolle des deutschen
Imperialismus wäre dabei besonders interessant. Ich meine diesen
Artikel so, dass er als Argumentationshilfe dient. Viele Artikel von
Euch tun das. Wer reitet wie Länder, wie Griechenland etc., in die
Fritten? Man muss das ständig an der Hand haben, um der Rechten das Gewäsch
von den „faulen“ Griechen zurúck ins geschwollenen Maul zu stopfen.
Die
„Alternative Europa“ wird hier, in Nikaragua, von einigen Strömungen
beliebäugelt. Gegenwärtig verhandelt man einen Freihandelsvertrag
(ADA) sowie vorher mi den Gringos den CAFTA. Es scheint, dass die ach so
vernünftigen Europäer noch schlimmer sind als die Gringos. Echte
Vertreter der Bourgeoisie, die vorher völlig entrückt auf Teufel komm
raus den CAFTA verteidigt haben, treten jetzt als Gegner der
Freihandelsverträge auf und haben mit den harschen Europäern noch ein
böseres Erwachen.
Mit
kommunistischem Gruss
Ulrich
Antwort
Roter Webmaster
„Ob
die USA besser sind oder die EU weiß ich nicht – beides sind eben
Imperialisten. Für Profite begehen sie jedes Verbrechen.“
Lieber
Ulrich,
der
Artikel aus der jW von Rainer Rupp brachte da einiges. Es sind die üblichen,
die bei Griechenland herum drehen: Deutsche Bank, Commerzbank, aber auch
die jetzt staatliche Hypo Real Estate sind
es. Die animierten frühere griechische Regierungen zum Schulden
machen und die erdrücken das Land nun um Rückzahlungsforderungen und
spekulieren gegen Griechenland.
Die
Merkel-Regierung weiß das genau. Es geht darum, Deutschland auch real
zu dem zu machen, was es eh ist: Hegemonialmacht in Europa. Der Euro ist
dazu eingeführt worden, die deutschen Banken und die deutsche Industrie
profitieren vor allem von dieser Währung. Auch ist die „Hilfe“
für Griechenland erneut ein fettes Geschenk an die deutschen
Großbanken.
Auch
sollte der Euro das Gegengewicht zum Dollar sein um Europa (Deutschland)
gegenüber den USA zu stärken. Wenn der Euro jetzt gegenüber dem
Dollar fällt, ist für die deutsche Industrie allerdings gar nicht mal
schlecht. Sie nehmen bei den Exporten dann mehr
ein, verdienen also mehr, denn immer noch wird in Dollar auf dem
Weltmarkt gerechnet und man nimmt Dollars ein, die dann in Euro
umgerechnet werden. Es werden also mehr Euros eingenommen. Also
verdienen die Konzerne im Euro-Raum am schwachen Euro und man kann dann
immer noch gegen Griechenland also
gegen den Euro spekulieren.
Mein Namenvetter, der DB-Chef Ackermann, dürfte sich die Hände
reiben…
Dass
es nicht darum geht, Griechenland schuldenfrei pder schuldenärmer zu
machen, ersieht man darin, dass die deutschen Werften darauf bestehen,
dass Griechenland die bestellten Kriegsschiffe in Deutschland auch kauft
und bezahlt.
Ob
die USA besser sind oder die EU weiß ich nicht – beides sind eben
Imperialisten. Für Profite begehen sie jedes Verbrechen. Denke an den
Genozid in Ruanda in der 80ern, das waren die Franzosen, der Krieg im
Kongo, da stecken Franzosen und Deutsche dahinter, in den 60er in
Nigeria (Biafra) die Franzosen und beim Kabila-Krieg im Kongo die USA.
Alles ein Verbrechergesindel.
Aber:
Die gefährlichsten sind die USA. Nach wie vor sind sie der Hauptfeind
der Völker. Das heißt aber nicht, dass im konkreten Fall die einen
besser sind, als die anderen.
Es
gilt eben das, was einst Karl Liebknecht sagte: „Der Hauptfeind eines
jeden Vplkes ist im eigenem
Land.“
Rotfront
Günter
Antwort
von Ulrich aus Nikaragua
Selbstverständlich
sind wir einig darüber, dass man nicht sagen kann, dass der eine
Imperialist „besser“ ist als der Andere.
Lieber
Günter!
Danke
für deine Antwort. Selbstverständlich sind wir einig darüber, dass
man nicht sagen kann, dass der eine Imperialist „besser“ ist als der
Andere. Nur, hier verkaufen sich die Europäer als die „Vernünftigeren“
und es gibt Strömungen, die da einen „Ausweg“ sehen. De facto waren
die Europäer weitergehend und rücksichtsloser, als die Gringos in der
Verhandlung über den Freihandelsvertrag. Die Maske fällt. Im
Subjektiven, habe ich hier den Eindruck gewonnen, dass die europäischen
Imperialisten „schlauer“ sind als die Gringos und deswegen auch gefährlicher.
Die Gringos haben manchmal schwere kulturelle Probleme und wecken
schlafende Hunde. Sie neigen deswegen schneller zum Knüppel. Allerdings
ist offensichtlich, dass diese subjektiven Unterschiede in dem Maße
schwinden, wie die Widersprüche wachsen. Man merkt der
nordamerikanischen Bourgeoisie an, dass ihr noch nie das Proletariat im
Nacken gesessen hat, welches im Übrigen dort mit einer Brutalität
niedergemacht wurde, die nur vom deutschen Faschismus übertroffen
wurde. Sie hatte eine relativ freiere Hand, als die europäischen,
insbesondere die deutschen Imperialisten und merken jetzt, dass auch für
sie die Jacke eng wird. Das ist neu für sie und erhöht die
objektive Gefahr von Kriegen zusätzlich, um das Maß subjektiver
Panikentscheidungen.
Als
dritter Weg wird häufig auch Schweden gesehen, das man für
„sozialistisch“ hält. Da könnte man auch mal was bringen, um diese
Chimäre auszuräumen. Jetzt wo die Widersprüche immer unübersehbarer
werden, versuchen alle großen und kleinen Opportunisten ihre bequemen
Illusionen bzw. auch ihren Anti-Kommunismus ins Trockene zu bringen.
Alles – bloß nicht einsehen, dass der Kommunismus recht hat.
(Biedermann und die Brandstifter.)
Das
ist jetzt nur mal so geplaudert am Sonntagnachmittag.
Gruß
Ulrich |
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