|
Kapitalistische
Weltwirtschaftskrise stürzt Millionen ins Elend
EU:
84 MILLIONEN SIND AMTLICH ARM
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
|
,Wenn das Kapital, die herrschende Klasse, sich für Folgendes
entschuldigt: Kolonialismus, den 14-Stunden-Tag,
Klassenprivilegien, die 7-Arbeitstage-Woche, Kinder in
Kohleminen, die Opium Kriege, das Massaker der Pariser Kommune,
Sklaverei, den spanisch-amerikanische Krieg, die Burenkriege,
Hungersnot, Apartheid, Anti-Gewerkschaften Gesetze, den ersten
Weltkrieg, Flandern, Stellungskrieg, Senfgas, Luftbombardements,
Operation Barbarossa, den Genozid an den Armeniern, Chemische
Kriegswaffen, Faschismus, die Weltwirtschaftskrise, Hungermärsche,
Nazismus, den spanische Bürgerkrieg, Militarismus, Asbestose,
Strahlungstod, das Massaker von Nanking, den zweiten Weltkrieg,
Belsen, Dresden, Hiroshima, Rassismus, die Mafia, Nuklearwaffen,
den Korea-Krieg, die McCarthy-Ära, Fließbandarbeit, schwarze
Listen, Thalidomid, die Vergewaltigung der dritten Welt, Armut,
das Wettrüsten, plastische Chirurgie, den elektrischen Stuhl,
Umweltverschmutzung und -Zerstörung, den Vietnam Krieg, die
militärische Unterdrückung Griechenlands, Indien, Malaya,
Indonesien, Chile, El Salvador, Nicaragua, Panama und Türkei,
den Golf-Krieg, Organhandel, Mangelernährung, Exxon Valdez, Wäldervernichtung,
organisiertes Verbrechen, Heroin- und Kokainhandel, Tuberkulose,
das Ozonloch, Krebs, Ausbeutung der Arbeit und den Tod von
50.000.000 Kommunisten und Gewerkschaftlern im 20. Jahrhundert
allein, dann – und nur dann – werde ich überlegen, mich für
die Fehler des Sozialismus zu entschuldigen.“ Aus
einer Erklärung der Kommunistischen Partei Australiens in
Anlehnung an Worte von J. W. Stalin. |
Kapitalistische
Weltwirtschaftskrise stürzt Millionen ins Elend
EU:
84 MILLIONEN SIND AMTLICH ARM
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
K-Online,
30. Mai 2010.- Wie
die internationalen Nachrichtenagenturen und auch die kubanische Prensa
Latina am 27. Mai 2010 melden, sind 17% der Bevölkerung in der EU bzw.
ca. 84 Millionen Menschen laut amtlicher Statistik arm. Als arm wird
definiert, wer 60% oder weniger des durchschnittlichen landesüblichen
Lohnes zur Verfügung hat. Die Meldungen gründen sich auf einen frisch
veröffentlichten Bericht des in Brüssel sitzenden Rates für
Gesundheit und Soziales der EU. Darin heißt es auch, dass die Zahl der
Armen in der EU durch die Weltwirtschaftskrise weiter wachsen wird.
Im
EU-Armutsbericht wird erklärt, dass durch die anhaltende Rezession und
ihre derzeitige Fortsetzung infolge der sich zuspitzenden Schuldenkrise
und der Schwächung des Euros weitere 10 Millionen Menschen in den
letzten Monaten arbeitslos wurden. Insgesamt sind somit 23 Millionen
Menschen ganz unmittelbar von der Massenarbeitslosigkeit in der EU
betroffen.
Armut
für den Betroffenen in der EU würde sich anders auswirken als
beispielsweise in Lateinamerika. Von den 9 Grundrechten könnte ein
Armer in der EU 3 Grundrechte nicht wahrnehmen. Was in der Praxis
bedeuten würde, dass ein Armer nicht mindestens ein Mal an zwei Tagen
Fleisch essen könne, ihm Urlaub versagt bliebe, unerwartete Ausgaben
von ihm nicht geleistet werden könnten und annehmliche beheizte
Wohnverhältnisse für ihn nicht zu zahlen wären.
Innerhalb
der EU liegen sind es Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Spanien, wo
jeder 5. Mensch derzeit in Armut lebt. In Lettland ist jeder 4. Mensch
arm, so dass Lettlands Bevölkerung in der EU am meisten vom Problem der
Armut derzeit betroffen ist. (1)
Die
in der EU herrschende Klasse kann und will die sich auftürmenden
brennenden Menschheitsprobleme nicht mehr lösen - die ausgebeuteten und
unterdrückten Klassen in der EU trauen den bürgerlichen Regierungen
immer weniger einen akzeptablen Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise zu -
die politische Massenaktivität steigt in immer mehr Ländern sprunghaft
an
Die
bürgerlichen Regierungen in der EU haben keine Lösung, um allen
Menschen in der EU ein Leben in Menschenwürde zu ermöglichen. Sie
konzentrieren sich darauf, den wenigen Clans des Finanzkapitals auch
dann die enormen Profite zu sichern, wenn die verschuldeten öffentlichen
Haushalte von den Kreditgebern und ihren politischen Verbündeten völlig
zahlungsunfähig gemacht worden sind. EU-weit wird seit Wochen von den
großen bürgerlichen Massenmedien einheitlich Panikstimmung erzeugt,
wonach die Krisenlösung lediglich in der „Rettung des Euro“ und
„Rettung der EU“ liegen könne. Die Bourgeoisie setzt tagtäglich
alles daran, den Völkern vorzugaukeln, es gäbe zum imperialistischen Währungssystem
des Euro, zu EU, NATO, IWF und riesigen Raubkriegsmaschinerien keine
gesellschaftliche Alternative. Der Klassengegner der Arbeiterklasse
versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich das Kräfteverhältnis
zugunsten der revolutionären Arbeiterklasse gesamtgesellschaftlich verändert.
Mindestrente
340 Euro für Millionen - zum Wohle von 277 Milliardären!
In
Griechenland wurden etliche Renten von durchschnittlich ca. 650 Euro auf
ca. 340 Euro Mindestrente nahezu halbiert, so dass die betroffenen armen
Rentner monatlich weitaus weniger als 10% dessen zur Verfügung haben,
was dem in Afghanistan für geostrategische imperialistische Interessen
stationierten Bundeswehr- und sonstigen Söldnern monatlich aus den
hochverschuldeten öffentlichen Haushalten überwiesen werden dürfte
(Verlust der 13. und 14. Rente mit eingerechnet.)
Von
den 277 Milliarden der Welt lt. Forbes-Reichenliste mal ganz zu
schweigen, welche sich den Löwenanteil der Zinsen aus dem
Schuldendienst öffentlicher und privater Haushalte aneignen. Bei ihrem
Supervermögen fehlt es ihnen allerdings an nichts. (In einer UNO-Studie
wurde bereits 1996 bekannt gegeben, dass damals weltweit die 358
reichsten Milliardäre fast die Hälfte des Welteinkommens besaßen. Natürlich
brauchen sie Zinszahlungen, sonst würden sie möglicherweise verarmen,
oder?)
Anders
sieht es bei den armen Alten Griechenlands aus, denn sie sind bereits
verarmt. Bei 340 Euro im Monat haben die griechischen Mindestrentner ab
dem 20. des Monats kein Geld mehr, um Essen zu kaufen. Ganz zu schweigen
von Kleidung, Medikamenten, Strom und Telefon.
Und die griechischen Arbeiter und Angestellten? Bei monatlichen
Durchschnittsgehältern von 1 000 bis 1 500 Euro fürchten viele die
angekündigten Lohnkürzungen (3). Der öffentliche Dienst in
Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und weiteren Ländern
Westeuropas ist bereits sehr von Entlassungs- bzw.
Nichtwiedereinstellungsmaßnahmen und sinkenden Reallöhnen betroffen.
Was jedoch lediglich seinen zivilen bzw. unbewaffneten Teil betrifft,
wie hervorzuheben bleibt. Griechenland erhöht die Mehrwertsteuer von
21% auf 23%.
Möglichkeiten
und Grenzen bürgerlicher Regierungen von EU-Ländern
Solcherlei
Abwälzen der Zahlungslasten der öffentlichen Haushalte auf allein die
Arbeiterklasse stößt auf heftigste Gegenwehr. Seit Ausbruch der Krise
führen in allen Ländern der EU die Gewerkschaften an der Spitze der
großen Demonstrationen die Parole „Wir zahlen nicht für eure
Krise“, was den Bewusstseinsstand der Masse der arbeitenden Menschen
widerspiegelt und unser aller Gerechtigkeitsempfinden auf den Plan ruft.
Was allerdings noch nicht über den immer offener zutage getretenen
Mechanismus der Profitscheffelei der Hochfinanz hinreichend aufklärt,
sondern in diesem neuralgischen Punkt die Menschen der bürgerlichen
Propaganda überlässt.
Es
ist auf jeden Fall natürlich im ersten Schritt gut und richtig, öffentlich
möglichst lautstark auszudrücken, dass die Krisenverursacher für die
Weltwirtschaftskrise zur Kasse gebeten werden sollen. Eine bürgerliche
Regierung eines EU-Landes wird jedoch die Illusion nie leisten können,
kurzerhand einseitig die befristete oder unbefristete Einstellung des
Schuldendienstes (Moratorium) zu verkünden. (Wie es Argentinien,
Brasilien, Venezuela, Mexiko usw. in der Geschichte der letzten 150
Jahre durchaus gelegentlich taten. Aber diese Länder waren souverän.
Die EU-Länder sind nicht mehr souverän.) Eine bürgerliche Regierung
eines EU-Landes wird auch nicht anderweitig den Finanzkapital-Clans ihre
Kapitalvermehrungsmechanismen beschneiden. Sie wird diesen diktatorisch
herrschenden Fraktionen der im Kapitalismus nun mal herrschenden
Bourgeoisie niemals an deren fette Profite gehen. Reaktionäre Politiker
posaunen aus allen Rohren der bürgerlichen Medienwelt, wie wichtig es
ja nun mal sei, „wieder das Vertrauen der Finanzmärkte zu
gewinnen“.
Dieses
„Wiedergewinnen von Vertrauen bei den Finanzmärkten“ heißt nichts
weiter als bedingungsloses Unterwerfen der Länder und Völker unter das
Diktat der Finanzkapital-Clans. Je bedingungsloser und willfähriger,
umso mehr „Vertrauen“ würden diese „Kreditgeber“ aufbringen,
Logische Folge: Politisch Regierende bekommen weitere Kredite aus den Rückzahlungen
der bisherigen Kredite, so dass die Verschuldung noch stärker wächst.
Die „Blase“ wird also noch gigantischer, und ihr „Knall“ beim
Platzen am Ende noch lauter werden! Sprachen Finanzwissenschaftler vor
zwei Jahren bereits davon, dass der Euro mindestens 80% an realer
Wert-Deckung durch volkswirtschaftliche Leistung verloren hat, so
verliert er durch vertrauensvolle Weiterverschuldung der öffentlichen
Haushalte bei den Banken rasant noch weiter an realem Wert und wird
nicht mehr nur zu Papier, sondern von Papier nun noch zu
Toilettenpapier. Die da das „Wiedergewinnen von Vertrauen bei den
Finanzmärkten“ für ach so notwendig halten, beabsichtigen damit
lediglich als Ergebnis eine Verschnaufpause durch neue Kredite der
Finanzkapital-Clans, eben damit sich diese bürgerlichen
Regierungspolitiker wenigstens noch ein Weilchen nicht abgewählt in
ihren einträglichen politischen Funktionen halten können. Sie sind
schließlich nur ihrem Gewissen bzw. ihrer Gewissenlosigkeit und somit
ihrem eigenen persönlichen Wohlsein verpflichtet, als
„Volksvertreter“ im Ergebnis demokratisch sich nennender reaktionärer
bürgerlicher Wahlen. Im Grunde vertreten sie ganz allein das Prinzip
„Nach mir die Sintflut“.
Die
deutsche Bundesregierung will wie immer vollmundig „alle Ausgaben“
auf „den Prüfstand“ setzen. Sogar den Verteidigungshaushalt, also
Donnerwetter! Wäre dies mehr als übelste Demagogie, übelste Täuschung
der Öffentlichkeit, dann müsste dieser Logik folgend sofort die
Bundeswehr aus Afghanistan und sonstigen „Einsätzen“ in aller Welt
abgezogen werden. Dies sozusagen als systemstabilisierende Maßnahme,
wie die opportunistisch völlig verrottete Partei Die Linke es
gelegentlich sogar laut erwog. Dann sollte diese bürgerliche
Bundesregierung selbst sofort im Bundestag beantragen, die Bundeswehr völlig
aufzulösen. Was angesichts der hinterbleibenden Pensionslasten und
Folgekosten zumindest den Großteil des Verteidigungs-Etats sowie
etliche in anderen Etats versteckte Ausgaben aus Steuergeldern für
imperialistische Raubkriegsinteressen einsparen würde und eine Summe
von ca. 50 Milliarden Euro jährlich allemal umfassen könnte.
Aber
an diesem Teil des bürgerlichen Staatsapparates, des „öffentlichen
Dienstes“, soll nur rhetorisch gespart werden. Denn Bundeswehr,
Geheimdienste, bewaffnete Sondereinsatzkräfte und Sicherheitsstrukturen
braucht die Bourgeoisie als Klasse ganz unmittelbar, um ihre Macht ggf.
auch mit dem Einsatz von bewaffneter Gewalt gegen das eigene Volk, gegen
die protestierende und sich wehrende Arbeiter- und Volksbewegung zu
verteidigen. Sei es in Griechenland, Rumänien, Italien, Frankreich,
Deutschland oder gar in der gesamten EU.
Möglichkeiten
und Grenzen der opportunistischen Gewerkschaften in der EU
Die
Gewerkschaften und die demokratische Öffentlichkeit sind bei all dem
gut beraten, die Auflösung der kostspieligen imperialistischen
Kriegsmaschinerien lautstark als einen Beitrag der Regierung zu einer
Krisenlösung zu fordern. Dies schon deshalb, um die Augen der
Volksmassen weiter zu öffnen und dem schon kirchgangmäßig anmutenden
bürgerlich-reaktionären Singsang von „Wir alle müssen jetzt Opfer
bringen“ ganz konkret und öffentlich laut den Fingerzeig auf den Rüstungs-
und Sicherheitsetat gegenüberzustellen. Ebenso haben die Gewerkschaften
und die demokratische Öffentlichkeit die gute Gelegenheit, endlich öffentlich
lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass bei den UNO-Teeparties
hochkarätiger Politiker aus aller Welt zum Thema Klimagipfel die
US-Kriegsmaschinerie nie Teil des Gegenstandes der Verhandlungen ist,
obwohl es da konkret um mehr als die Hälfte des gesamten
Energieverbrauches der USA geht. Auch diese nackte Tatsache gehört als
Skandal endlich viel stärker in das Massenbewusstsein der Völker in
der EU. Dem Einlullen der bürgerlichen Massenmedien und Politiker etwa
mit dem Ruf nach Steuer auf zivile Urlaubsflüge wegen
Umweltverschmutzung ist gegenüberzustellen, wie viel mehr für die
Umwelt und die öffentlichen Mittel des Volkes in den USA wohl die Auflösung
der US-Kriegsmaschinerien bringen würde.
Und
je mehr Menschen begreifen, dass mit den derzeitigen korrupten bürgerlichen
Politikastern ihre dringenden sozialen Probleme nicht lösbar werden, um
so stärker wird die Position auf Systemüberwindung orientierender
politischer Kräfte wie der Kommunisten und linken Sozialisten. Am
ehesten erkennen ganz schlagartig jene Menschenmassen, dass das
kapitalistische System ihnen keine Hoffnung auf eine gute
Lebensperspektive bietet, die direkt von konkreten drastischen Kürzungen
bei Renten und Reallöhnen betroffen sind. So ist auffällig, dass in
Griechenland nicht nur die kommunistische Gewerkschaft PAME und linke
Studentenorganisationen an der Spitze der Serie von Generalstreiks und
Massenprotesten stehen, sondern auch Verbände der kleinen Selbständigen
sowie der Kleinbauern ganz aktiv am gleichen Strang ziehen. Mit der KKE
verfügen Griechenlands Kommunisten über die beste Waffe im
Klassenkampf, wird den in Bewegung geratenen Volksmassen dort auch die
klare Orientierung auf revolutionäre Systemüberwindung als einziger
Ausweg aus der krisengeschüttelten kapitalistischen Gesellschaft
angeboten.
Wie
aber sieht es in all den anderen krisengeschüttelten EU-Ländern
Westeuropas ohne starke kommunistische Partei aus? In Italien, Spanien
und Frankreich sind in den letzten Wochen ebenfalls hunderttausende
Menschen protestierend auf die Straße gegangen.
Frankreichs
Arbeiter stehen immer wieder im Generalstreik gegen die Erhöhung des
Eintrittsalters bei der Altersrente von 65 auf 67 Jahre. Insbesondere
Zug- und Flugverkehr wurden in diesen Tagen dort wieder völlig
lahmgelegt.
In
den Niederlanden ist die Erhöhung des Eintrittsalters bei der
Altersrente auf 67 Jahre mittlerweile „in sozialpartnerschaftlicher
Manier“ als fauler Kompromiss beschlossene Sache, ähnlich lief es
bekanntlich in Deutschland.
In
Italien droht die Gewerkschaft CGIL mit Generalstreik Ende Juni gegen
Berlusconis „Sparpaket“, welches Kürzungen im öffentlichen Dienst,
geringere Löhne, Einstellungsstopps, späteres Eintrittsalter in die
Altersrente und weniger finanzielle Mittel für Regional-Regierungen
vorsieht.
Der
opportunistische Vorsitzende der spanischen Gewerkschaft CCOO, Ignacio
Fernandez Toxo sagte einerseits in diesen Tagen dem Fernsehsender TVE,
das Land stehe einem Generalstreik näher als noch vor einer Woche.
Andererseits schwört er die Gewerkschaftsführung ständig auf den
Sparkurs der spanischen Regierung ein. Die spanische
„sozialistische“ Regierung will Lohnsenkungen von 0,56% bis 7% im öffentlichen
Dienst sowie ab Juni 2010 den Mehrwertsteueranstieg um 2% auf 18%
durchpeitschen, die Sozialausgaben drastisch kürzen, ab 2011 die Gehälter
„einfrieren“ und auch bei den Altersrenten ein „Einfrieren“ ab
2011 erreichen.
In
Portugal fanden bereits im März und April 2010 große Streiks im öffentlichen
Dienst statt, die Flug- und Bahnverkehr lahmlegten (4), welche derzeit
immer wieder aufflammen. Die dortige bürgerliche Regierung kündigte
eine Mehrwertsteuererhöhung um 1% und eine Lohnsteuererhöhung um 1,5%
an. Die Preise im öffentlichen Personenverkehr wurden von der Regierung
zugleich angehoben. Die Gewerkschaft CGTP mobilisiert derzeit zu
Protestkundgebungen gegen den Sozialkahlschlag der opportunistischen
„sozialistischen“ Regierung. Die portugiesische kommunistische
Partei PCP gab am 4. Mai ein Erklärung mit dem Titel „Den neuen und
gefährlichen Angriff gegen Arbeiter und nationale Souveränität
niederschlagen“ heraus und organisierte gemeinsam mit der CGTP und
demokratischen Massenorganisationen die Großkundgebung zu diesem Thema
am 29. Mai 2010 in Lissabon (5).
Somit
ergibt sich, dass die Arbeiterbewegung in immer mehr EU-Mitgliedsländern
mit Streiks und politischen Protesten bis hin zu politischen
Generalstreiks gegen die Abwälzung der Folgen der Weltwirtschaftskrise
protestiert und den drastischen Lohn- und Rentenraub nicht kampflos
hinnimmt. Den Gewerkschaften fehlt dabei spürbar die EU-weite
Zusammenarbeit, um dem international aufgestellten und agierenden
Finanzkapital wirksam Paroli zu bieten.
In
Ländern wir Frankreich, Italien und Spanien wirkt sich das Fehlen der
einstmals starken kommunistischen Parteien und die Kontrolle
opportunistischer Kräfte über fast die gesamte dortige
Arbeiterbewegung bisher verheerend aus. Bekanntlich trennt sich jedoch
im zugespitzten Klassenkampf die Spreu vom Weizen, so dass vielerorts
die bremsenden und zögerlichen Machenschaften opportunistischer
zentraler Führungspersonen durch spontane und dennoch wirksame Kampfmaßnahmen
der Arbeiter eines Betriebes oder eines Ortes kurzerhand überrollt
werden. So erklärte die französische Zeitung „Liberatión“ vor
etlichen Wochen, dass ihr so viele Fälle von Bossnapping allwöchentlich
gemeldet werden, dass ihr unmöglich geworden ist, auch nur annähernd
über all diese Fälle zu berichten.
Die
Arbeiterklasse in den EU-Ländern braucht stärker denn je
kommunistische Parteien
Es
liegt an uns Kommunisten, mit den Kollegen und Nachbarn das Gespräch zu
suchen und anzunehmen. Ihnen die Augen zu öffnen, auf dass immer mehr
Menschen erkennen, dass der Verursacher der kapitalistischen
Weltwirtschaftskrise nicht in den vielen Beziehern von sozialen
Leistungen zu sehen ist, sondern unsereins in Gestalt weniger Großeigentümerclans
heute eher nichtöffentlich gegenübersteht. Dass wir den Clans der
Hochfinanz die übervollen Taschen nur weiterhin füllen, wenn wir uns
auf Lohn- und Rentenraub einlassen. Dass die hochverschuldeten öffentlichen
Haushalte unter den gegenwärtig herrschenden kapitalistischen
Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen gar nicht entschuldet
werden können, weil die herrschende Klasse und ihre politischen
Interessenvertreter gleichermaßen von diesem Verschuldungsmechanismus
profitieren und unsereins somit gleichermaßen weiterhin nur noch mehr
und noch schlimmer über den Tisch ziehen wollen. Dass für
Schwimmhallen, Kindergärten, Schulen, Altenpflege usw. keine staatliche
Unterstützung mehr vorgesehen sein wird, die Kriegsmaschinerien jedoch
auf gar keinen Fall von diesen regierenden Demagogen ersatzlos
abgeschafft werden. Dass letztlich Frieden und Wohlstand für alle
Menschen in dieser verrottenden bürgerlichen Gesellschaft in ihrem
letzten Stadium, dem Imperialismus, nie für alle Menschen existierten
und auch nicht herzustellen sind, sondern es des revolutionären Sturzes
der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung bedarf, um allen Menschen
endlich die Menschenrechte und die Menschenwürde in einer Diktatur des
Proletariats, der höchsten Form der Demokratie überhaupt, zu
garantieren.
Natürlich
werden in Westeuropa und insbesondere Deutschland Kollegen und Nachbarn
einem Kommunisten vorzuwerfen versuchen, dass die Sowjetunion, die DDR
usw. letztlich nicht von der dortigen Arbeiterbewegung nennenswert
verteidigt worden sind, also auch in Diktaturen des Proletariats
keinesfalls paradiesische Idealzustände herrschten. Und wie viele üble
Dinge doch zum Beispiel von J. W. Stalin bekannt sind ...
Wir
Kommunisten können da jedoch gerade mit J. W. Stalin bestens überzeugen,
denn jene große revolutionäre Führungspersönlichkeit der UdSSR überzeugte
das russische Volk mit seinen Worten seinerzeit ganz hervorragend. Hier
ein für uns recht aktuelles Beispiel, welches teils aus dem Munde
Stalins stammt und nicht nur von australischen Kommunisten ständig neu
ergänzt werden kann:
,Wenn
das Kapital, die herrschende Klasse, sich für Folgendes entschuldigt:
Kolonialismus, den 14-Stunden-Tag, Klassenprivilegien, die
7-Arbeitstage-Woche, Kinder in Kohleminen, die Opium Kriege, das
Massaker der Pariser Kommune, Sklaverei, den spanisch-amerikanische
Krieg, die Burenkriege, Hungersnot, Apartheid, Anti-Gewerkschaften
Gesetze, den ersten Weltkrieg, Flandern, Stellungskrieg, Senfgas,
Luftbombardements, Operation Barbarossa, den Genozid an den Armeniern,
Chemische Kriegswaffen, Faschismus, die Weltwirtschaftskrise, Hungermärsche,
Nazismus, den spanische Bürgerkrieg, Militarismus, Asbestose,
Strahlungstod, das Massaker von Nanking, den zweiten Weltkrieg, Belsen,
Dresden, Hiroshima, Rassismus, die Mafia, Nuklearwaffen, den
Korea-Krieg, die McCarthy-Ära, Fließbandarbeit, schwarze Listen,
Thalidomid, die Vergewaltigung der dritten Welt, Armut, das Wettrüsten,
plastische Chirurgie, den elektrischen Stuhl, Umweltverschmutzung und
-Zerstörung, den Vietnam Krieg, die militärische Unterdrückung
Griechenlands, Indien, Malaya, Indonesien, Chile, El Salvador,
Nicaragua, Panama und Türkei, den Golf-Krieg, Organhandel, Mangelernährung,
Exxon Valdez, Wäldervernichtung, organisiertes Verbrechen, Heroin- und
Kokainhandel, Tuberkulose, das Ozonloch, Krebs, Ausbeutung der Arbeit
und den Tod von 50.000.000 Kommunisten und Gewerkschaftlern im 20.
Jahrhundert allein, dann – und nur dann – werde ich überlegen, mich
für die Fehler des Sozialismus zu entschuldigen.“ Aus einer Erklärung
der Kommunistischen Partei Australiens in Anlehnung an Worte von J. W.
Stalin. (6)
Quellen:
(1
(gestützt auf Prensa Latina) )http://www.tribuna-popular.org/index.php/economia/6784-crisis-del-capitalismo-unos-84-millones-de-europeos-en-la-pobreza
(2)
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5527043,00.html
(3)
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kompass/kompass-2010-05-27-ohnmacht-in-hellas-nach-dem-finanzbeben-ID12747918929.xml
(4)http://www.faz.net/s/Rub0D783DBE76F14A5FA4D02D23792623D9/Doc~EDB80D1D3437D4FC588A790C9DC6FFD90~ATpl~Ecommon~SMed.html
(5)
http://www.pcp.pt/
(6)
http://www.myspace.com/stalinismusjetzt
zurück |
|
BRUTALER
ANGRIFF DER SPANISCHEN STAATSMACHT AUF DIE ARBEITERKLASSE
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Madrid,
29. Mai 2010, Kaos en la red. – Wir vom Redaktionskollektiv von
Kaosenlared protestieren und prangern diesen brutalen neoliberalen
Angriff des spanischen Staates gegen die arbeitenden Klassen im Lande
an.
Die
arbeitenden Klassen Spaniens sind derzeit dem schlimmsten neoliberalen
Angriff unterworfen, welchen Westeuropa überhaupt jemals erlitten hat,
wenn wir den Fall des gegenwärtigen Griechenland ausnehmen. Die
Regierung Zapatero hat die Maske endgültig fallengelassen. Sie hat sich
entschieden, ohne jedes Zaudern das Lehrbuch des Neoliberalismus
insgesamt und nicht etwa nur scheibchenweise anzuwenden. Die
Bestrebungen der herrschenden Klassen liegen im Ausnutzen des
historischen Moments zur endgültigen vollen Durchsetzung des
Neoliberalismus im Staatswesen. Dabei geht es nicht nur um die
Vermittlerrolle oder die Wirtschaftspolitik, wo es seit langer Zeit
Neoliberalismus gibt. Sondern es geht darum, dass jetzt der neoliberale
Pflug die wirtschaftliche, rechtliche, gesellschaftliche und Beschäftigungsstruktur
des spanischen Staates insgesamt erfasst, damit der Staat selbst als
Struktur im Neoliberalismus verhaftet bleibt und sich auf keine Weise
dem Neoliberalismus jemals wieder entziehen kann. Die Lage ist äußerst
ernst. Noch mehr Besorgnis erregt es, dass dies alles vor den Nasen der
arbeitenden Klassen abläuft, ohne dass die Mehrheit der Angehörigen
dieser arbeitenden Klassen davon etwas wahrnimmt.
Genau
wie es schon in Lateinamerika in den 90er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts der Fall war, nutzen die herrschenden bürgerlichen Klassen
die Zeiten der allgemeinen Wirtschaftskrise zur Durchsetzung ihrer
neoliberalen Maßnahmen als angebliche Wege der Rettung der
Volkswirtschaften. Dies obwohl in keinem Land der Welt solche Maßnahmen
irgendeinen Nutzen für die Volkswirtschaften jemals gebracht haben,
sondern lediglich das Gegenteil bewirkten. Die derzeitige
Weltwirtschaftskrise ist ein guter Beweis dafür. Mit der Anwendung
dieser Maßnahmen beabsichtigen die bürgerlichen Klassen in
Wirklichkeit den Ausbau ihrer Macht, die Steigerung ihrer Profite und
die Umgestaltung der Wirtschaftsstruktur zugunsten ihrer Interessen.
Dabei nehmen sie die Volkswirtschaften jener Länder zu Geiseln, wo die
neoliberalen Maßnahmen umgesetzt werden. Sie zersetzen schrittweise die
kleinen Erfolge auf dem Gebiet der sozialen Rechte und Arbeitsrechte,
die die Arbeiterklasse kämpfend nach Jahrhunderten des Klassenkampfes
der bürgerlichen Macht abtrotzen konnte. Die Zunahme der sozialen
Ungleichheit, die Konzentration des Reichtums in den Händen eines immer
kleineren Prozentsatzes der Bevölkerung, der Niedergang von Quantität
und Qualität bei den öffentlichen Dienstleistungen sind einige der
direkten düsteren Folgen, welche die neoliberalen Maßnahmen in allen
und jedem einzelnen der Länder hervorgerufen haben, wo sie durchgesetzt
worden sind. Und jetzt ist Spanien an der Reihe.
Erst
gab es die Ankündigung einer Erhöhung der indirekten Steuern, d.h.
jener von allen Verbrauchern und Arbeitern gleichermaßen unabhängig
vom Einkommen zu zahlenden Steuern, was ab Juni 2010 mit der verkündeten
Mehrwertsteuererhöhung in Kraft treten wird. Anschließend kam uns die
Regierung mit der Ankündigung einer Reform im Bereich der Altersrenten.
Unter den Maßnahmen stehen auch die Heraufsetzung des Eintrittsalters für
die Berentung sowie neue Formeln zur Berechnung eines niedrigeren
Betrages bei den Altersrenten an. Gleich darauf kam uns die Regierung
mit dem Maßnahmepaket zur Kürzung der öffentlichen Ausgaben, welches
Zapatero in der vorigen Woche ankündigte. Demzufolge sollen u.a. die
Gehälter der öffentlich Bediensteten gesenkt und die Rentenhöhe
eingefroren werden. Und auch die Entwicklungshilfe soll reduziert
werden. Nur wenige Tage später drückte der IWF der Regierung die
dringende Notwendigkeit auf, eine Reform im Bereich Arbeit und eine
weitere im Bereich Steuern vorzunehmen. Dies mit allem Drum und Dran aus
dem Lehrbuch der neoliberalen Praktiken: Verbilligung der
Entlassungskosten, neue arbeitsvertragliche Regelungen zur Begünstigung
prekärer Arbeitsverhältnisse, Steuersenkung zugunsten der großen
Einkommen, Steuererhöhungen auf die Löhne der arbeitenden Klassen,
usw. Jetzt hat die Gesundheitsministerin uns verkündet, dass die
Regierung das Tor aufmacht für das „Zuzahlungssystem“ im öffentlichen
Gesundheitswesen, wie ja zuvor dies schon bei der Durchsetzung des
Bologna-Plans beim Schulwesen und in den verschiedenen Bildungsreformen
der letzten Jahre eingeführt worden ist und vom Universitätsstudium
mittlerweile bis zur Grundschule reicht. Das Bildungswesen wurde so zu
einem Anwärter auf öffentliches Geld, aber um es in den Dienst von
Firmen und Multis zu stellen.
Wenn
all diese angenommenen und verkündeten Maßnahmen der spanischen
Regierung in Kraft treten, wird die Lage deutlich: die arbeitenden
Klassen erleiden einen nie dagewesenen Angriff, um endgültig und
unumkehrbar den Neoliberalismus im gesamten Staatswesen durchzusetzen.
Was da derzeit gespielt wird, ist eine Partie Schach voller historischer
Folgen. Die herrschenden bürgerlichen Klassen versuchen, ihre besondere
neoliberale Revolution durchzupeitschen, um sich völlig des Staates zu
bemächtigen und die letzten wenigen Handlungsräume zu beseitigen,
welche bisher dazu dienten, etwas Gegengewicht zur bereits errichteten bürgerlichen
Macht zu sein. Das ist ein historischer Schritt, auf den die arbeitenden
Klassen gezwungenermaßen eine gleichfalls historische Antwort geben müssen,
wenn sie nicht das Wenige verlieren wollen, was sie bisher in
Jahrhunderte langen Kämpfen des ganzen Volkes errungen haben. Der
Neoliberalismus ist die Antwort des Großkapitals auf die tiefe Krise,
die sein Gesellschaftssystem ständig reproduziert. Immer noch stärkere
Ausbeutung und höhere Profite auf Kosten der Verarmung immer breiterer
Schichten der arbeitenden Bevölkerung. So muss das gesehen werden, so
muss das eingeschätzt werden. Das ist ein brutaler neoliberaler Angriff
auf die Rechte und Interessen der arbeitenden Klassen, eingebracht in
diversen Vorschlägen mit jedoch gemeinsamer Zielstellung. Welche keine
andere ist, als das zuvor schon Erwähnte: sich des Staates und seiner
Wirtschaftsstruktur restlos zu bemächtigen.
Deswegen
wollen wir vom Redaktionskollektiv von Kaosenlared diesen brutalen
neoliberalen Angriff mit Protest zurückweisen, welchen die arbeitenden
Klassen Spaniens derzeit erleiden. (...) Wir denken, dass wir als Gegenöffentlichkeitsmedien
eine globale Einschätzung der Lage vornehmen müssen. Nicht nur eine
reine Anprangerung, die sich auf die verschiedenen von der politischen
Macht ergriffenen einzelnen Maßnahmen bezieht. Die Arbeiterklasse muss
sich über die Schwere des neoliberalen Angriffes klar werden, dem wir
ausgesetzt werden. Und darum glauben wir, dass eine globale Einschätzung
der Lage dringend erforderlich geworden ist und keinesfalls ausreicht,
die einzelnen Maßnahmen anzuprangern, was ja bisher üblich ist, sogar
mit eigenen alternativen Gegenvorschlägen.
Die
verkündete Mehrwertsteuererhöhung aus dem Maßnahmepaket zur Senkung
der öffentlichen Ausgaben von letzter Woche, die Arbeits- und
Steuerreform, oder die Gesundheits- und Bildungsreform voneinander zu
trennen, jede dieser einzelnen Maßnahmen nur für sich zu betrachten
und zu begreifen und sie nicht in direkten Bezug zu den anderen Maßnahmen
zu setzen, hieße nichts anderes, als das Spiel der Regierung
mitzuspielen, die vorhat, den Widerstandskampf zu zersplittern, dadurch
die Entwicklung des Klassenbewusstseins bei den verschiedenen
Gruppierungen der Arbeiterklasse zu behindern, welche sich vormachen
sollen, verschieden von den Maßnahmen betroffen zu sein. Dabei sind all
diese Maßnahmen Teil desselben Plans der „Strukturanpassung“. Und
wir alle, die wir uns da widersetzen, gleich ob aus antikapitalistischer
Orientierung oder sonst was, wir müssen unsere Kräfte bündeln, wenn
wir wirklich eine minimale Hoffnung haben wollen, siegreich Widerstand
gegen die uns derzeit aufgezwungenen Veränderungen zu leisten.
Die
neoliberale Reform im Arbeitsrecht, die Steuerreform, die Rentenreform,
die Gesundheitsreform und die Bildungsreform sind ganz und gar keine
zeitweiligen Maßnahmen, die die Regierung mal eben übergangshalber
ergreift, um aus der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise auszubrechen.
Sondern diese Reformen betreffen die politische, wirtschaftliche und
arbeitsrechtliche Struktur des Landes, ihre Dauer wird sich auf
Generationen verlängern, wenn sie nicht gar endlos sein soll. Der
Angriff der einheimischen und ausländischen Bourgeoisie auf die
arbeitenden Klassen Spaniens hat begonnen. Der Erfolg dieses Angriffs
wird natürlich von mehr oder weniger Widerstand seitens der arbeitenden
Klassen abhängen. Das neoliberale Staatsmodell ist absolut feindlich
gegenüber den Interessen der arbeitenden Klassen, und zwar sehr viel
feindlicher als das bisherige derzeitige bürgerliche Staatsmodell,
welches sich auf den „Sozialstaat“ gründete.
Wenn
wir zu einem System der Gleichheit und Freiheit kommen wollen, dann dürfen
wir nicht zulassen, dass der Staat jetzt in das andere Extrem zurückfällt:
den wüstesten und
despotischsten Neoliberalismus. Wir geben uns nicht mit dem Sozialstaat
zufrieden. Aber genauso wenig werden wir zulassen, dass die Kapitalisten
sich die wenigen bürgerlich-demokratischen, politischen,
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und Arbeitsrechte aneignen, die
bisher die arbeitenden Klassen durch ihren Kampf erworben hatten, den Händen
der wirtschaftlich mächtigen Klasse der Bourgeoisie in jahrzehntes- und
Jahrhunderte langen Kämpfen entrissen hatten.
Es
ist an der Zeit, an einer gewaltigen allgemeinen Mobilisierung des
Volkes zu arbeiten, in seiner vollen Breite und Tiefe, welche sich den
in Marsch gesetzten brutalen neoliberalen Plänen entgegenstellt. Dies
muss in Spanien und auf europaweiter Ebene erfolgen. Da müssen Möglichkeiten
für die Reorganisierung der gesellschaftlichen Massenbewegungen eröffnet
werden. Die Perspektive liegt allein im Marsch hin zu einem anderen und
nichtkapitalistischen Gesellschaftsmodell, welches gerechter ist und die
Gleichheit aller herstellt.
Nach
unserer Auffassung muss der Generalstreik der erste Schritt sein. Und da
zählt nichts weiter, als dass wir uns einem historischen Schlag
ausgesetzt sehen, dem wir gezwungenermaßen und in ganzer Einheit eine
historische Antwort geben müssen (...).
Wir
wissen, dass es nicht die bürokratisch verkommenen
Gewerkschaftsorganisationen in ihrer Bündnispartnerrolle gegenüber der
bürgerlichen Macht und Verräterrolle gegenüber der Arbeiterklasse
sein werden, die in Gestalt der Arbeiteraristokratie der
Arbeiterkommissionen (CCOO) und der Allgemeinen Arbeitergewerkschaft
(UGT) dies schultern werden. Das ist der Moment der Schlacht, wo das
organisierte Lager des Volkes über die politischen Parteien der
antikapitalistischen Linken, die kämpferischen Einzelgewerkschaften und
die demokratischen Massenbewegungen die Straßen und öffentlichen Plätze
füllt. Das ist die Stunde, sie wissen zu lassen, dass die Macht und die
Souveränität wirklich im Volk wurzeln.
Generalstreik!
Es lebe das Arbeitervolk!
Anibal
Garzón.
Carlos
García.
Diana
Cordero.
Manuel
Márquez.
Maurício
Castro.
Pedro
Antonio Honrubia Hurtado.
Teo
Navarro.
Mitglieder
des Redaktionskollektivs von Kaosenlared
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
Anmerkung
des Übersetzers: Wenige Textpassagen wurden ausgespart, um Doppelungen
zu vermeiden
zurück
|
|
Venezuela:
Maßnahmen
gegen Folgen der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise
MEHR
SOZIALMAßNAHMEN FÜR MEHR WOHLSTAND DES VOLKES
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas,
29. Mai 2010, Tribuna Popular TP / ABN.-
„Kein Land kann sich vor den Folgen der
Weltwirtschaftskrise flüchten“, so der venezolanische
Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rafael Antolínez. Dennoch machte er
deutlich, dass die Folgen der Weltwirtschaftskrise in Venezuela weniger
zu spüren waren. Dies dank der Durchsetzung einer tiefgreifenden
Sozialpolitik seitens der Regierung des Präsidenten Hugo Chávez Frías.
Prof.
Antolínez sieht in der für Venezuelas Geschichte einzigartigen
Sozialpolitik der Regierung Chávez eine der wichtigsten
Errungenschaften des venezolanischen Volkes dank der eingeleiteten
gesellschaftlichen Veränderungen. Erstmals wurden von staatlichen
Sozialmaßnahmen etliche Segmente der Bevölkerung erfasst, welche
Jahrhunderte lang von der gesundheitlichen Betreuung, Bildung, Ernährung
usw. ausgeschlossen waren. Dies hat die negativen Folgen der
Weltwirtschaftskrise für Venezuelas Volk erheblich vermindert.
Die
Revolutionäre Regierung hat den Wohlstand der venezolanischen Bevölkerung
in den 11 Jahren ihres Bestehens gewährleistet. Sie gab für
Sozialprogramme Ende 2009 die Summe von 330.582 Millionen Dollar aus.
Dies machte ca. 60% der gesamten Steuereinnahmen Venezuelas laut Angaben
des Nationalinstituts für Statistik (INE) aus. Trotz Rückgang des
Brutto-Inland-Produktes (BIP) von 5,8% im ersten Quartal 2010 stiegen
die Leistungen des Gesundheits- und Bildungswesens um 1,6% und 2,5%.
Prof.
Antolínez hob noch einen anderen Faktor hervor, der in Venezuela im
Unterschied zu anderen Ländern von Bedeutung war. Die Kosten aus der
Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus wurden nicht der Bevölkerung
aufgebürdet. Der öffentliche Bereich gewann in Venezuela hinzu und
besetzte strategische Wirtschaftszweige des Landes. Unter den
Errungenschaften erwähnte er die Erdölsouveränität und die Rückverstaatlichung
von Firmen der Grundstoffwirtschaft und im Dienstleistungssektor.
„Diese
Rückeroberungen haben verhindert, dass die internationalen
Organisationen und transnationalen Konzerne als einstige Eigentümer bei
uns in Venezuela dieselben Rezepte anwenden, wie sie es in anderen
Regionen tun, wo sie die Preise übertrieben und missbräuchlich verändern
konnten“, so der venezolanische Wirtschaftsprofessor.
Neoliberale
Kosten
In
der Europäischen Union (EU) sind die Länder dem unterworfen, was Prof.
Antolínez als „brutale Politik“ der makro-ökonomischen und
sozialen Anpassung bezeichnete. Denn bei der Suche nach Finanzhilfen zur
Vermeidung des Bankrotts der Banken ist auf das typische neoliberale
Rezept zurückgegriffen worden: ein Paket von 750 Milliarden Euro wurde
vom Internationalen Währungsfonds (IWF) finanziert. Zugleich steigt die
Massenarbeitslosigkeit auf dem alten Kontinent Europa auf ungewöhnliche
Zahlen an. Derzeit sind über 23 Millionen Europäer ohne Erwerbsarbeit.
Man verordnete den europäischen Arbeitern Lohnkürzungen. Die
Altersrenten werden eingefroren. Und bei Medikamenten müssen die europäischen
Arbeiter künftig auch erheblich zuzahlen.
Im
Fall des EU-Mitgliedslandes Spanien stehen diese Maßnahmen gegen das
Volk den nur 1% Steuererhöhung auf Gewinne der spanischen Anlagefonds
gegenüber, von deren Wachstum man sich ein Gegensteuern gegen die
Krisenfolgen verspricht.
Für
Prof. Nildo Ouriques von der Bundes-Universität Santa Catalina
Brasiliens ist die Lage paradox. Er nannte das Beispiel Griechenland und
erklärte: „In Griechenland sind die Privatbankiers die Verursacher
der Krise. Paradoxerweise erhalten sie als die Ersten Hilfe.“
Prof.
Antolínez erinnerte, dass Venezuela eine ähnliche Situation in der
zweiten Regierungszeit von Carlos Andrés Pérez durchmachte, als die
neoliberale „Hilfe“ des IWF in Anspruch genommen wurde und
infolgedessen die Lebensqualität der Arbeiter sank.
„Der
neoliberale Vorschlag fördert die Privatisierung und Deregulierung der
Beschäftigungspolitik. Er bürdet den Arbeitern die Anpassungskosten
auf, genau wie es derzeit in Europa geschieht.“
„Dies
zeugt von der Verachtung, die die Neoliberalen gegenüber den
Errungenschaften der Arbeiter und dem Volke gegenüber haben. Es ist
sehr schmerzhaft mit anzusehen, wie einige sich sozialistische nennende
Parteien beispielsweise in Spanien da derzeit verhalten“, hob er
hervor.
Kapitalistische
Schwäche
Für
Prof. Antolínez ist all das, was in der EU sich ereignet, ein Beweis
dafür, dass die Integration mit kapitalistischem Inhalt keine Lösung für
die Wirtschaftsprobleme ist.
„Das
dort ist ein Beweis für die Schwäche des Kapitalismus, der eben nicht
die Interessen aller Menschen vertreten kann. In der kapitalistischen
Gesellschaft gibt es immer eine Klasse, die für den Scherbenhaufen
zahlen muss.“
Insoweit
überrascht es nicht, dass eine große Schwächung der Regierungen in
Europa erfolgt. Er schätzt ein, dass weiterhin Regierungsbündnisse
zerbrechen werden und dies zu einem abrupten Scheitern der neoliberalen
Strategie und Verschärfung der Krise führen kann.
„Die
Arbeit der Volksregierungen besteht darin, aufmerksam zu sein und den
Machenschaften der Finanzmafia zu begegnen. Die Werktätigen müssen
wachsam sein, denn die Neoliberalen werden nie in ihren Bestrebungen
nachlassen, alle Kassen und Errungenschaften zu plündern, die da jemals
erreicht worden sind.“
Quelle:
ABN
in:
http://www.tribuna-popular.org/ |