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„Links“partei fordert:
800 Euro im Monatslohn sind
genug – Zwangsarbeit für Langzeitarbeitslose
Von Günter
Ackermann
Mit großem Getöse
verkündet die Gysi-Lafontaine-Truppe, man trete ein für soziale
Gerechtigkeit. Mal abgesehen, dass es die im Kapitalismus nicht geben
kann, denn das System beruht auf dem Prinzip, dass die einen besitzen
und die anderen nichts besitzen, aber den Besitzenden ihren Besitz
erarbeiten, aber soweit zu denken wollen wir dem Herrn aus Saarbrücken
und dem Rechtsanwalt aus Berlin nicht zumuten. Es übersteigt ganz
einfach deren Erkenntnisfähigkeit.
Jetzt aber haben
sie in ihrem Programm den Stein der Weisen gefunden, das perfekte Rezept
für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit:
Hartz IV, plus Geld
für Wohnen, plus Ein-Euro-Job sollen zusammengefasst und die
Betroffenen sollen dafür arbeiten. Es versteht sich, dass ALG II damit
abgeschafft werden müsste. Also, sollen die Langzeitarbeitslosen
gezwungen werden, für höchstens 800 Euro monatlich ihrer Arbeitskraft
zu verkaufen. Das soll, so meint die Gysi-Lafontaine-Truppe – „Links“partei
genannt – existenzsichernd sein.
Ich gehe davon aus,
dass Oskars oder Gregors Gattin die 800 Euro mal eben beim Shopping auf
den Kopf hauen oder ein Galaessen beim Luxushotel für die beiden
Ehepaare draufgehen. Sie müssen ihre Existenz nicht mit diesem lächerlichen
Betrag „sichern“.
Die
Gysi-Lafontaine-Truppe kommt hier den Vorstellungen des Deutsche Bank
Norbert Wolter schon sehr nahe, der der Meinung ist, osteuropäische
Einkommen seien in Deutschland
genug (er meint allerdings nicht seins!). Wenn nämlich
Langzeitarbeitslose mit 800 Euro „existenzsichernd“ Zwangsarbeit
verrichten müssen, so fragt sich doch jeder Unternehmer, warum er mehr
zahlen soll.
Die
Langzeitarbeitslosen sollen nicht nur die Erniedrigung des geringen
Einkommens haben, sie sollen auch noch als Lohndrücker gegen ihre
normalverdienenden Kollegen missbraucht werden.
Das ist „soziale
Gerechtigkeit“ á la Gysi-Lafontaine-Truppe, links ist das sicher
nicht!
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Arbeit
finanzieren
Untertariflicher
Lohn als Standard: Die Linkspartei.PDS tritt mit einem Entwurf an, der
die zentralen Fragen des Wahlkampfes verharmlost
Sebastian
Gerhardt
Quelle:
jungeWelt
vom 02.08.2005
Für
den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist das Urteil über den
Entwurf des Wahlprogramms der Linkspartei klar: »Eine detaillierte
Auseinandersetzung mit solchen Horrorideen aus dem
wirtschaftspolitischen Absurdistan lohnt nicht.« Nun, Kritik von dieser
Seite kann eher als Lob verstanden werden. Ihrem Ratschlag sollte man
aber nicht Folge leisten. Anders, als uns die Herren (und Damen) vom BDI
glauben machen wollen, ist eine detaillierte Auseinandersetzung durchaus
angebracht.
Am
Ziel vorbei
Wahlprogramme
sind sicher keine Kriminalromane, die von vorn bis hinten Spannung
versprechen. Einige Abschnitte jedoch können auf vermehrte
Aufmerksamkeit rechnen. Die zentralen Fragen beim Abgang der SPD waren
die »Agenda 2010« und »Hartz IV«. Was will uns die Linkspartei dazu
sagen? Der Titel des entsprechenden Unterabschnitts gibt sich kämpferisch:
»Statt Arbeitslosigkeit Arbeit finanzieren. Weg mit Hartz IV!« Doch
ist schon darin die mehrfach verkehrte Perspektive der Programmautoren
enthalten, die im folgenden konsequent durchgehalten wird. Ausgangspunkt
für ihre Überlegungen ist nicht die Kritik an den Zielen von »Hartz«
I bis IV. Die Herausbildung eines staatlich erzwungenen
Niedriglohnsektors, die massive Verschärfung der Konkurrenz unter den
Beschäftigten und Erwerbslosen, das so betriebene Aushebeln von
Tarifverträgen – all dies kommt nicht zur Sprache.
Statt
dessen klagt der Text: »Mit Milliarden Euro wird der dauerhafte
Ausschluß von Millionen Menschen aus der Erwerbsarbeit finanziert –
mit gelegentlichen Gastrollen am Rande der Arbeitswelt in Gestalt von
›Arbeitsgelegenheiten‹ für einen Euro die Stunde.« Mit so viel
Geld kann man natürlich Sinnvolleres anfangen, und es klingt durchweg
positiv, was alternativ geschaffen werden soll: »Wir wollen mit
denselben finanziellen Mitteln und durch ihre Kombination mit anderen
Fonds reguläre, versicherungspflichtige und existenzsichernde Arbeitsplätze
schaffen. Wir fordern, daß Langzeitarbeitslose das Geld, das sie als
ALG II plus Kosten der Unterkunft und als Zuverdienst aus
›Ein-Euro-Jobs‹ in der Tasche haben, als Nettolohn, also im
Arbeitnehmerstatus mit Arbeitsvertrag ausgezahlt bekommen – ohne die
Zwänge und Demütigungen, die ihnen bei ALG II und Ein-Euro-Jobs
zugemutet werden.«
Niedriglohn
Standard
Doch
Moment: Wieviel soll da ausgezahlt werden? 345 Euro ALG II plus
Zuverdienst plus zugestandene Unterkunftskosten – es kommen keine 800
Euro heraus, von denen noch eine echte deutsche Miete gezahlt werden
soll. Existenzsichernd? Wohl nur nach den Vorstellungen der
Programmautoren. In einem weiteren Abschnitt orientieren sie auf einen
gesetzlichen Mindestlohn von 1400 Euro im Monat. Brutto. Nach Steuern
und Sozialabgaben dürfte auch davon nicht mehr viel für Miete und
Leben bleiben. »Eine gegenüber bestehenden Tarifen für vergleichbare
Tätigkeiten einstweilen geringere Bezahlung soll durch kürzere
Arbeitszeiten, durch familien- und qualifizierungsfreundliche
Arbeitsbedingungen, Chancen für Ältere und Geschlechtergerechtigkeit
kompensiert werden.« So wird nicht nur den zentralen Anliegen der »Agenda
2010« entsprochen, sondern auch klargestellt, daß »familien- und
qualifizierungsfreundliche Arbeitsbedingungen, Chancen für Ältere und
Geschlechtergerechtigkeit« einen Luxus darstellen, den sich Staat und
Unternehmer nur jenseits der tariflichen Bezahlung leisten können. Mit
der Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich nehmen die
Wahlprogrammtiker zugleich die Anregungen einiger Linksparteigänger wie
Oskar Lafontaine und der Berliner PDS auf. Daß nur wenige Beschäftigte
des öffentlichen Dienstes in Berlin seine Lebenshaltungskosten einfach
mal um einige Prozente senken kann, weil ihn der Senat kürzer arbeiten
läßt, stört sie nicht.
Jenseits aller Rhetorik von Würde, »regulären Arbeitsplätzen« und
steigender Produktivität übernimmt das Programm in einem zentralen
Punkt die Propaganda der Regierenden: die Arbeitslosen sind zu teuer,
die Arbeitenden verdienen zuviel Geld. Und deshalb kann es auch der
herrschenden Lohnsenkungspolitik nichts entgegensetzen. Die
projektierten »regulären« Arbeitsplätze würden die Abwärtsspirale
im sozialen Bereich weiter treiben, indem weitere tarifliche Arbeitsplätze
durch untertarifliche Beschäftigungsverhältnisse ersetzt werden.
»Arbeit
finanzieren«? Von wegen. Denn mit allen angedachten Mitteln wären doch
nur untertarifliche Entlohnungen gesichert. Die Finanzierung von Arbeit
erforderte aber über den knappen Lebensunterhalt der Beschäftigten
hinaus noch die Bezahlung einiger Arbeitsmittel. Wer dieses Problem
aufwirft, muß damit rechnen, daß er die Frage nach dem Eigentum an
Produktionsmitteln zu Gesicht bekommt. Das allerdings kann man von der
Linkspartei nun wirklich nicht verlangen. |
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