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Geldregenmacher
für die Mafiabosse
der Banken und Finanzminister
Peer Steinbrück (SPD) |
Wo
kommt der Milliardenregen eigentlich auf
einmal her?
Offener
Brief von Ulrike Kölver (einstige WASG-Aktive aus Berlin, jetzt
parteilos)
Ende
Oktober 2008 |
Sehr
geehrte Frau Merkel,
die
Summen zur Rettung der Banken werden von Tag zu Tag astronomischer –
das schon lange verspielte Vertrauen lässt sich so aber
offensichtlich nicht zurückgewinnen.
Wir,
die Öffentlichkeit, bekamen doch seit Jahren nur zu hören, wir alle
„müssten den Gürtel enger schnallen“, der verarmte Staat müsse
sparen, das Volksvermögen verscherbeln, den öffentlichen Dienst
drastisch verringern und könne nicht einmal mehr so bescheidene Summen
wie die zur Unterstützung des Transports von Blinden und sonst
Behinderten erübrigen.
Wo
nimmt also plötzlich der Staat (sprich: das längst ausgeplünderte
Gemeinwesen) all diese atemberaubenden Summen her?
Auch
jetzt wieder wollen Sie die Masse der Bürger, die durch Ihre Politik
und die Ihrer Vorgänger bereits Jahr um Jahr zugunsten einer Handvoll
nimmersatter Hasardeure ausgeplündert werden, die Zeche zahlen lassen,
die Sie uns eingebrockt haben. Und jetzt, in der unausbleiblichen Krise,
in ganz großem Stil. Sie werfen mit Geld um sich, das Ihnen nicht gehört
und das es nicht wirklich gibt. Kein Wunder, dass das kein Vertrauen
schafft – schon gar nicht bei den zockenden Banken.
Jetzt,
in der Krise, teilen Sie öffentliche Schelte an die Banken aus. Die
haben sie zweifellos verdient.
Die
Schuld liegt jedoch in erster Linie bei Ihnen
selbst, Frau Merkel. Sie haben in Deutschland die volle
Verantwortung, in der EU eine gravierende Teilverantwortung für die
angerichteten Schäden. Eine Abschiebung dieser Verantwortung steht
Ihnen nicht zu, Frau Merkel!
Sie haben sich
zusammen mit Ihren Kabinettskollegen stets zum willigen Erfüllungsgehilfen
der Interessen des großen „Bruders“ USA gemacht, Sie haben mit deutscher
Musterknabenmentalität auch in der EU stets die für die Allgemeinheit
schädlichsten Varianten jedes Politikfeldes im Interesse einer kleinen
Schicht von unersättlichen Profiteuren vorangetrieben.
Und
Sie können keinesfalls sagen, Sie hätten es nicht gewusst: es gab und
gibt genug fachkundige Stimmen, die eine Abkehr von Ihrer (und Ihrer
Amtsvorgänger Kohl und Schröder) halsbrecherischen Politik seit vielen
Jahren fordern und gangbare reelle Alternativen aufgezeigt haben.
Sie
haben stattdessen stets skrupellos den „Bock zum Gärtner“ gemacht:
Beratung durch Lobbyisten, die
unter Ihrer Führung so ziemlich alles bekommen, was ihnen gerade in den
Kram passt, u.a. eine Medienkonzentration, die faktisch die
Pressefreiheit abgeschafft hat. Das ist eine Praxis, die man herkömmlich
mit Recht als eine Form der Korruption zu betrachten pflegte.
Aber
selbst wenn Sie – wegen einseitiger schlechter Beratung durch hochkarätige
Lobbyisten nicht gewusst haben sollten, wie schädlich die Politik ist,
die Sie da (zusammen mit Ihren ebenfalls verstockten SPD-Kollegen)
leichtfertig immer weiter auf die Spitze treiben, so gilt für den
Chef-Amtsträger mindestens das, was für jeden Bürger gilt:
Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Wir
fordern deshalb, dass Sie selbst, Frau Merkel, an allererster Stelle
mitsamt Ihren führenden Kabinettskollegen sich den angemessenen
Konsequenzen aus Ihrem anhaltenden politischen Versagen stellen.
Wir
schlagen Ihnen einige Maßnahmen zur Schadensbegrenzung vor:
1)
sorgen Sie umgehend dafür, dass die deutschen Großakteure der Finanzmärkte
vom Schlage Ackermann (u. a.) wegen Veruntreuung anvertrauter Gelder
belangt werden und mit ihren überzogenen persönlichen Einkünften
haften. Das ist zwar nur symbolisch ein Tropfen auf den heißen Stein, dürfte
aber vertrauensbildender wirken als „Ihre“ Papiermilliarden, an die
niemand mehr glaubt.
2)
gebrauchen Sie Ihren Einfluss, um auf EU-Ebene und in den EU-Ländern
entsprechendes zu bewirken.
3)
treten Sie sodann von Ihrem Amt zurück, erstatten Sie Selbstanzeige
wegen Veruntreuung und Anstiftung zur Veruntreuung von öffentlichem und
privatem Vermögen und stellen Sie sich der entsprechenden gesetzlichen
Verfolgung.
4)
verzichten Sie auf Pensionsansprüche bis auf einen Betrag in Höhe von
„Hartz IV“. (Die Millionen von Bürgern, die durch Ihre und Ihrer
Vorgänger Politik in Arbeitslosigkeit und Lohnverlust gedrückt worden
sind, werden Sie sicher gern beraten, wie man damit am besten über die
Runden kommt).
Ihr
Verzicht ist natürlich wirtschaftlich völlig bedeutungslos: er könnte
aber ein Symbol für Abkehr von politischer Wirtschafts-Zockerei werden.
5)
sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Amtsvorgänger Kohl und Schröder
wegen Veruntreuung öffentlichen und privaten Eigentums belangt werden.
6)
setzen Sie sich dafür ein, persönliche Haftbarkeit von Amtsträgern
gesetzlich einzuführen.
Derzeit
verschärft der Staatsapparat laufend die Überwachung des Volkes. Genau
umgekehrt muss das Volk jedoch, um sich zu schützen, weit mehr Recht
bekommen, die von ihm gewählten Politiker und den Beamtenapparat
laufend zu kontrollieren.
Sie
haben für Ihr Amt den Eid geleistet, vom Volk Schaden abzuwenden.
Diesen Eid haben Sie ganz klar gebrochen. Die o. g. Maßnahmen können
das nicht wieder gutmachen. Sie könnten aber wenigstens ansatzweise
eine Abkehr von Willkür und Kumpanei mit Beutegemeinschaften (=
Lobbyisten) andeuten und so – vielleicht – etwas vom verloren
gegangenen Vertrauen zurück gewinnen.
Ulrike
Kölver |