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Neue
Sauereien der Bundesregierung im Sozialbereich
Wird
Merkel/Müntefering das PDS-Wahlprogramm realisieren?
Von
Günter Ackermann/26. Mai 2006
Die
sich jetzt „Linkspartei“ nennende, in weiten Teilen neoliberale, PDS
gab vor der Bundestagswahl kund und zu wissen – sie nannte das dann
auch noch „Für eine neue soziale Idee“:
„Als
Alternative zur Arbeitslosigkeit und zu Ein-Euro-Jobs schlagen wir die Schaffung regulärer,
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in öffentlich geförderten
und gemeinnützigen Beschäftigungssektoren vor. Finanziert würde
ein existenzsichernder Lohn für bisher Langzeitarbeitslose durch die Bündelung
der gegenwärtig für das Arbeitslosengeld II, die Kosten der Unterkunft
und die so genannte Mehraufwandsentschädigung
für Ein-Euro-Jobs aufgebrachten Mittel. Kombiniert mit bereits
vorhandenen Förderfonds von Ländern, Bund und Europäischer Union –
zum Beispiel aus den europäischen Sozialfonds – ohne Verschärfung
der Zumutbarkeitsregelungen, ohne Zwänge und ohne Demütigungen.“
Da
wird viel Sozialdampf geplaudert. Wird das Realität – was offenbar
dir Regierung Merkel/Müntefering vorhat – dann wird es demnächst
verbindlich, für das Geld, was die PDS forderte, also für knapp 900
€, Vollzeitarbeit leisten zu müssen, abzüglich Steuern und
Sozialabgaben. Dann wird das ALG II so abgesenkt, dass die Betroffenen
hart an die Hungergrenze kommen und froh sein können, wenn sie ein
billiges Dach über dem Kopf haben – auch wenn es durchregnet.
Rachitische Kinder mit Hungerbäuchen, wie wir es von Bildern aus Afrika
kennen, dürften dann auch bei uns keine Seltenheit mehr sein. Schon
heute wissen Kindergartenerzieher ein Lied davon zu singen – viele
Kinder Arbeitsloser bekommen nicht genug zu essen. Das wird sich noch
verschlimmern.
Wer
da raus will/muss, bekommt vom Arbeitsamt einen Billigjob angeboten. Das
müssen keineswegs nur Ungelernte sein. Es ist nämlich falsch, dass vor
allem im unqualifizierten Bereich z.B. Ein-Euro-Zwangsarbeiter beschäftigt
werden. Bereits heute werden Hochqualifizierte für Ein-Euro-Jobs
eingesetzt. So weiß ich von einem Computerspezialisten, der bei einem
der drei Wohlfahrtskonzerne, deren Chefs die Kürzung von ALG II fordern,
zur Wartung ihrer Computeranlage eingesetzt.
Das
Ziel der Bundesregierungen, ob Schröder, Merkel oder Sonst wer ist, die
Profite des Kapitals maximieren zu helfen. Bei einer millionenfachen
Arbeitslosigkeit aber sehen die Unternehmer keinen Sinn in relativ hohen
Löhnen und wollen nur „marktgerecht“ zahlen, sprich die Einkommen
der Lohnabhängigen stark absenken.
Im
unteren Bereich aber ist die die Höhe des ALG II auch die untere Grenze
der Billiglöhne. Kein Arbeitsloser wird sich von der Idee überzeugen
lassen, zu arbeiten und dann auch noch weniger Geld als ein Arbeitsloser
zu bekommen. Also muss das geändert werden. Das kann nur bedeuten, dass
das ALG II faktisch liquidiert wird und von einem Almosen- und
Essenspenden-System ersetzt wird.
Jetzt
können die Unternehmer an der Lohnfront was unternehmen und die
Einkommen auf das Niveau von bisherigem Hartz IV, plus Ein-Euro-Job,
plus Wohnen reduzieren – oder noch niedriger. Wenn die Arbeitsagentur
dann genug Druck macht, funktioniert das auch.
Die
Forderungen der Gewerkschaften nach Mindestlöhnen helfen da wenig. Sie
markieren nur die unterste Grenze des Lohnsegments bei legal beschäftigten.
Da aber Unternehmer genug kriminelle Energie haben – das bringt der
Beruf mit sich – nützt das nichts bei illegalen Arbeitskräften. Aber
seis drum, der legalen Lohnsenkung wäre eine gesetzliche Grenze
gesetzt.
Die
Gewerkschaft Verdi fordert 7,50 € Mindestlohn, das wären bei einer
Vollzeitbeschäftigung ca. 1000 €, also unwesendlich über dem
bisherigen ALG II. Wollten die Gewerkschaften wirklich eine Verbesserung
der Einkommen der Arbeitslosen und im unteren Lohnsegment, dann müssten
sie sich für die Anhebung von Hartz IV stark machen (so fordert der
Paritätische Wohlfahrtsverband eine Erhöhung von Hartz IV von 20 %)
und einen Mindestlohn von 15 € oder mehr fordern. Eine keineswegs
utopische Forderung, wenn sie bereit wären dafür zu kämpfen.
Man
sehe nur zu unseren westlichen Nachbarn die Franzosen. Wenn die
Gewerkschaften Massenaktionen durchführten, wenn sie sich im
Zweifelsfall den Teufel um Gerichtsbeschlüsse scheren, dann wäre dies
schon erreichbar. Freiwillig, nur durch lahme Kritiken begleitet, wird
die Regierung ihre Sozialraubpolitik durchziehen.
Wenn
die Bundesregierung jetzt dem PDS-Vorschlag folgt, ihn allerdings
der Logik folgend, schöpferisch verändert, dann macht sie
folgendes:
-
Sie macht diese Einkommenshöhe zum gesetzlichen Mindestlohn, also knapp
900 Euro.
-
Sie „fördert“ die Einstellung Langzeitarbeitsloser durch Kombilohn.
Positiver Nebeneffekt dieser Maßnahme für das Kapital: Die Unternehmen
zahlen weit unterhalb des Existenzminimums, den Rest übernimmt der
Staat. (siehe auch PDS-Wahlprogramm)
-
Sie weiten die PDS-Vorlage insoweit aus, dass sie nicht nur die
„gemeinnützigen“ Träger (Wohlfahrtskonzerne, Kommunen) begünstigt,
sondern die gesamte Wirtschaft.
Jedermann
weiß, dass die „gemeinnützigen“ Ausbeuter von Ein-Euro-Jobbern
massenhaft Missbrauch betreiben und diese anstelle regulärer Beschäftigter
einsetzen. Also kann man das PDS-Modell gleich der gesamten Wirtschaft
zu gute kommen lassen.
Noch
was: Die PDS schrieb in ihr Wahlprogramm auch hinein: „ohne
Verschärfung der Zumutbarkeitsregelungen, ohne Zwänge und ohne Demütigungen.“
Die
Zumutbarkeit muss nicht verschärft werden, sie ist bereits so scharf,
dass es nicht erforderlich ist. Das andere, was die PDS da reinschrieb
„ohne Zwänge und ohne Demütigungen“
dürfte von ihr so wörtlich nicht gemeint sein. Das PDS-Modell kann
nur mit Zwang und Demütigung funktionieren: ist es nicht demütigend, für
so einen Hungerlohn arbeiten zu müssen?
Da
aber, wie die PDS 2005 ins Wahlprogramm schrieb, es „sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigung“ sein soll, kostet es auch Sozialversicherung. Die
Genießer der sozialen Wohltat dieser Partei hätten also am Monatsende
weniger Geld auf dem Konto als bisher.
Ach
so: Der PDS-Wirtschaftssenator von Berlin, der famose Harald Wolf,
will genau das jetzt realisieren. Natürlich, was kümmert mich mein
Wahlkampfgeschwätz von gestern, mit Zwang – versteht sich.
Dass
das PDS-Wahlprogramm jetzt von der CDU und SPD umgesetzt wird, haben
sich die PDS Mitglieder, die ehrlich ihre Partei für links halten,
nicht träumen lassen. Und sie werden – mit Recht – dagegen auch
protestieren. Da finden sie auch uns Seite an Seite mit ihnen.
Aber
sie sollten sich demnächst ihre Programme mal genauer ansehen.
G.A.
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