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Anmerkung Roter Webmaster:

Ich meine nicht, dass die Folgen des Kapitalismus dauerhaft und systemimmanent überwunden werden können. Das Wesen des Kapitalismus, gesellschaftliche Produktion und private Aneignung, sind nur durch die Abschaffung – revolutionäre Abschaffung – des Kapitalismus aufzuheben. Alles andere ist Augenwischerei.

Trotzdem bringen wir unten stehenden Artikel. Nicht, weil wir meinen, die Memo-Arbeitsgruppe habe jetzt den Stein der Weisen für einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz gefunden. Den gibt es nicht und wird es nie geben. Kapitalismus ist dem Wesen nach unmenschlich.

Jedoch der Kampf der Arbeiterklasse hat dem Kapital manches Zugeständnis entrissen. Wie unbeständig aber diese erkämpften Errungenschaften sind, zeigt der Sozial- und Lohnraubraub. Rücknahme von Arbeitszeitverkürzungen usw. der letzten Jahre. Erkämpfte soziale Rechte müssen immer wieder erneut erkämpft werden.

Insofern ist die Überschrift über dem Artikel falsch. Die Bundesregierung und die Konzernherren steuern nicht den falschen Kurs, sondern den richtigen. Richtig für das Kapital zur Maximierung der Profite. Die Regierenden im kapitalistischen Klassenstaat vertreten die Interessen des Kapitals und die verlangen nun mal diese Maßnahmen.

Appelle an die Vernunft der Herrschenden fruchten nichts, sie sind sinnlos. Nur der Kampf der Arbeiterklasse, der entschlossene Klassenkampf, kann dies abwehren. Letztlich aber muss die Systemfrage gestellt werden, darum kommen wir nicht herum.

Trotzdem bringen wir den jW-Artikel und weisen auch auf den Artikel der Memorandum-Arbeitsgruppe[1]  zu diesem Thema hin. Er straft vieles Lügen, was uns die bourgeoise Propaganda als unumstößliche Tatsache hinstellt und zeigt auch Wege auf. Ob diese aber durchsetzbar sind, wage ich zu bezweifeln,

G.A.

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Völlig falscher Kurs

Mindestlohn und Arbeitszeitverkürzung: Wissenschaftler der »Memorandum-Gruppe« fordern grundlegende Neuausrichtung der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik

An der Schieflage der Deutschland AG hat auch die konjunkturelle Erholung der letzten Monate nichts geändert

Von Rainer Balcerowiak

Quelle: jungeWelt vom 27.04.2007

Eine ernüchternde Bestandsaufnahme der deutschen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik legte am Donnerstag die vom Chef des Bremer Instituts für Arbeit und Wirtschaft, Rudolf Hickel, geleitete Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik vor. Entgegen der Jubelmeldungen von einem deutlich über den Erwartungen liegenden Wirtschaftswachstum sei augenfällig, daß der konjunkturelle Aufschwung seinen Höhepunkt bereits überschritten habe, heißt es in dem in Berlin vorgestellten »Memorandum 2007« der Gruppe. Auch von Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt könne kaum die Rede sein. Vielmehr habe sich die Abkopplung großer Teile Ostdeutschlands von der Gesamtentwicklung ebenso verstärkt wie die Ausgrenzung der Langzeiterwerbslosen. Deren Vermittlungschancen auf dem ersten Arbeitsmarkt seien trotz Wachstum nicht besser geworden, heißt es in der Studie.

Die fehlende Nachhaltigkeit des Aufschwungs zeige sich auch in der weiterhin schwächelnden Binnennachfrage nach Konsumgütern. Diese sei eine direkte Folge der kontinuierlichen Absenkung der Reallöhne und der rasanten Vergrößerung des armen Teils der Bevölkerung. Dem stünden zwar außer weiterhin steigenden Exporten auch inländische Investitionen gegenüber, die aber seien nicht kontinuierlich. Es handle sich lediglich um einen zyklischen Einmaleffekt, da derartige Ausgaben von Zeit zu Zeit unumgänglich seien, um die Rentabilität der Produktion zu erhalten.

Auf dem Arbeitsmarkt hätten lediglich Umschichtungen stattgefunden. So sei ein Gutteil des Anstiegs der Beschäftigung auf eine im Vergleich zu 2004 und 2005 inzwischen wesentlich höhere Teilzeitquote zurückzuführen. Durch die flächendeckend angestrebte und teilweise bereits durchgesetzte deutliche Erhöhung der Regelarbeitszeit auf 40 Stunden und mehr pro Woche würden erneut viele reguläre Arbeitsplätze vernichtet werden. Die Schlußfolgerung der Autoren ist eindeutig: »Nur eine dem Produktivitätsfortschritt angepaßte Verringerung der durchschnittlichen tariflichen Vollzeit auf zunächst 30 Wochenstunden würde in Verbindung mit einer Ausweitung des öffentlichen Sektors die Arbeitslosigkeit erheblich vermindern«.

Kein gutes Haar lassen die Wissenschaftlicher auch an der Abgaben- und Haushaltspolitik. Massive Steuersenkungen für Unternehmen und auf Zins-, Dividenden- und Spekulationsgewinne führten direkt zu langfristig »zerrütteten Staatsfinanzen« und entsprechenden Schäden für die materielle und soziale Infrastruktur. Die forcierte Umverteilung von unten nach oben und die explodierenden Gewinne brächten nicht mehr Investitionen und Beschäftigung, sondern es komme zu einer »auch für die Wirtschaft gefährlichen Aufblähung der Finanzmärkte durch funktionslos gewordene Gewinne« und einer weiteren Verbreitung der Armut.

Neben der Forderung nach einer umfassenden »Demokratisierung der Wirtschaft« präsentierte die Bremer Arbeitsgruppe auch ein konkretes Maßnahmenpaket. Dazu gehört neben einem öffentlichen Investitionsprogramm von zunächst 40 Milliarden Euro pro Jahr und einer Ausweitung öffentlicher Dienstleistungen auch ein gesetzlicher Mindestlohn. Dieser mache aber nur Sinn, wenn seine Einführung mit einer Verringerung der Regelarbeitszeit einhergehe. Vorgeschlagen wird daher nicht – wie von der Linkspartei.PDS und dem DGB – ein Mindeststundenlohn, sondern eine Mindestmonatsvergütung von 1500 Euro brutto.

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