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Müntefering geht – die anderen Sozialräuber bleiben

Von Günter Ackermann/13. November 2007

Der ach so beliebte Müntefering:

Polizei schützt ihn am 1. Mai 2005 vor Gewerkschaftern, die ihm mit Eier bewerfen

Müntefering geht – die anderen Sozialräuber bleiben

Von Günter Ackermann/13. November 2007

Die Topmeldung heute war – dass ein Minister zurück getreten sei. Eigentlich eine Meldung unter ferner liefen auf der dritten Seite. Dieser Rücktritt jedoch veranlasse ARD und ZDF, das WDR-Regionalprogramm und eine Menge Medien mehr, Sonderberichte zu senden und Sonderartikel zu schreiben.

Man hatte den Eindruck, der größte lebende Zeitgenosse trete von der politischen Bühne ab. Ja – so versuchte es das Regionalfernsehen des WDR zu verkaufen – der Müntefering sei so was von beliebt gewesen, dass man seinen Abtritt bedauern oder gar betrauern müsse.

Wer da zurück trat, war ein Sozialräuber der Sonderklasse. Seine Brüder im Geiste und der Gesinnung, der Ex-Kanzler Schröder und der Ex-Minister Wolfgang Clement mögen ja Halunken gewesen sein, aber sie vermochten es kaum, ihre Schurkereien zu tarnen. Schröder bekam bei einem PR-Auftritt eine Maulschelle von einem Hartz IV-Opfer; Clements Hampeleien waren ein permanenter Quell von kopfschüttelnder Belustigung (z.B. „Teamarbeit Deutschland“) oder Empörung. So beleidigte er noch kurz vor seinem Abtritt alle Langzeitarbeitslosen als Faulpelze, Schmarotzer und Arbeitsscheue.

Müntefering vertrat nicht minder vehement die Agenda 2010, aber er polsterte es ab, man sah es nicht so. So ist er der Erfinder der „Heuschrecken“, einer zutreffenden Bezeichnung für bestimmte Kapitalgruppen. Das klang sehr radikal, wurde sogar verstärkt von den prozionistischen sog. Antideutschen, die Müntefering des Antisemitismus bezichtigten. Das alles sollte ihn für Linke sympathisch machen.

Trotzdem war das alles sehr durchscheinend und man erkannte unter der Maske die Fratze des Sozialräubers.

Das, was er und seine SPD der staunenden Öffentlichkeit vorführten, war eine Show, die vorgaukeln sollte, dass die SPD sozial gerecht ist. Weder der Mindestlohn für Briefträger, noch die Verlängerung der Bezugsdauer von ALG 1 beseitigen den Sozialraub und den Lohnraub auf breiter Front, sondern eher das Gegenteil ist der Fall.

Die Löhne werden sich nicht automatisch den Mindestlohn übersteigen, sondern die Tendenz wird auch für die höheren Löhne sich nach unten, zum Mindestlohn, zu orientieren.

Beides vertrat die SPD. Parteichef Beck war für Verlängerung der Bezugsdauer für ALG 1, Müntefering dagegen aber für den Mindestlohn. Man bot uns ein Abstimmungstheater auf dem SPD-Parteitag und Müntefering unterlag. Na was solls?

Er ist auch der Vater der Rentenkürzungen. Zwar gab’s dieses Jahr eine „saftige“ Erhöhung von knapp einem halben Prozent, aber gleichzeitig wurden die Versicherungsbeiträge für Rentner erhöht, so gab’s also gar nichts mehr oder sogar weniger Rente. Auch die Rente mit 67 Jahren trägt Münteferings Unterschrift.

Wir haben also keinen Grund dem scheidenden Minister eine Träne nachzuweinen. Ihm einen Fluch nachzurufen, ist da schon angebrachter. Müntefering war ein Überzeugungstäter, der den Sozialraub aus Überzeugung betrieb, der den Teufel danach fragte, wie es den Betroffenen geht.

Daher ehrten ihn die bürgerlichen Medien mit freundlichen politischen Nachrufen und erhöhten ihn ins Reich der Heiligsprechung. Scheinheilig wäre aber angebrachter.

Aber zu hoffen, sein Nachfolger mache eine andere Politik, der ist auf dem Holzweg. Sie werden weiter die sozialen Rechte des Volkes beschneiden, weil das dem Kapital die Profite steigert. Jedenfalls solange es sich die Menschen gefallen lassen und nicht den Herrschenden ein lautstarkes „Stopp“ entgegen rufen und um ihre Rechte kämpfen.

G.A.

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Es ist schon bewegend, wenn ein Held der Arbeiterklasse, wie Herr Müntefering die Bühne der Politik verlässt!

Zuschrift eines Lesers

14. November 2007

Lieber G. A.,

es ist schon bewegend, wenn ein Held der Arbeiterklasse, wie Herr Müntefering die Bühne der Politik verlässt! Eigentlich wollte er doch noch so viele „Heuschrecken“ verscheuchen, doch das persönliche Leid, mit seiner kranken Frau, ließ ihn daran zerbrechen! Verständnis und Anteilnahme der Kanzlerin ist ihm ausgelobt! 

Ein schmerzlicher Verlust, für die Demokratie! Im Zweifelsfall für die eigenen Interessen, dann sind die Heuschrecken und deren Opfer auch egal, wer hätte dafür kein  Pardon?

Ob ein Arbeiter in der gleichen Situation ebenso der Anteilnahme am „Schicksal“ seiner geliebten Frau frönen könnte, blenden wir mal neidlos aus! Das interessiert weder „Münte“ noch Merkel und schon gar nicht denen, die über dieser „Wehleidigkeit“ stehen!

Dennoch! Ein nachahmenswertes Beispiel ist gegeben! Wenn dir alles zu viel wird, schmeiß den Mist doch einfach hin! Das Mitgefühl deines Lohnfortschreibers ist dir gegeben (nur musst du dafür genügend Leichen im Keller haben) ein Privileg, was wohl die Wenigsten der arbeitenden Bevölkerung und denen, denen  die Arbeit  versagt bleibt, erfüllen dürfte!

Wie  soll ich diesen Wink mit dem Zaunpfahl nun verstehen? Muss ich mich noch etwas mehr bemühen, um in den Genuss von „Freiheit“ zu kommen? Wie viel Leichen braucht man, um sich „frei“ zu fühlen?

Aber ich bin mir sicher, dass Müntefering seine „Rente“ und alles was ihm „zusteht“ in Gasprom-Arbeitsplätze seines Freundes Schröder investiert! Zum Wohle der Sozialdemokratie und der Freiheit des Volkes und aus Versehen, der Kapitalisten.

So viel sozialdemokratische  Selbstverständlichkeit ist wohl noch zu erwarten. Es muss ja nicht so unverblümt sein, wie die, des Ex-Kanzlers  Schröders, der aus seinem Kapitalinteresse keinen Hehl machen wollte! Er (Münte) macht es bestimmt in alter SPD-Manier!

Den Stiefel den Arbeitern zum putzen hinhalten und sich mit dem Rotz der Kapitalisten füttern lassen! Ist doch sehr demokratisch und sozial, nicht?

O.W.

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