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Clements
letzte Lüge
Bundesregierung
feiert gefühlten Rückgang der Arbeitslosenzahlen als Reformerfolg. In
Wirklichkeit hat sich die Erwerbslosigkeit weiter verschärft
Von
Ulrich Schwemin
Quelle:
jungeWelt
vom 03.11.2005
Der
scheidende Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement hat am Mittwoch seine
voraussichtlich letzte Schlacht gewonnen: Er ist seiner eigenen
Propaganda auf den Leim gegangen. Der gemeldete Rückgang der
Arbeitslosenzahl um 94.000 gegenüber dem Vormonat zeige, daß die
Reformen wirkten, sagte der SPD-Politiker in Berlin. »Die Chance nimmt
jetzt Konturen an, daß wir die Arbeitslosigkeit in Deutschland
dauerhaft reduzieren können«, halluzinierte Clement. Begründung: Sie
sei im Oktober stärker als in den vergangenen 15 Jahren gesunken.
Zuvor
hatte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) bekanntgegeben, daß
sich die Zahl der Menschen ohne Job auf 4,556 Millionen verringert habe.
Guckt man sich die aktuelle Erwerbslosenzahl genauer an als Clement,
stellt sich allerdings schnell heraus, daß sie um 349.000 höher liegt
als im Oktober 2004.
Tatsächlich
tritt in diesem Monat alljährlich ein saisonal bedingter Rückgang der
Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum September ein. In diesem Jahr, so
die BA, sei dieser Rückgang doppelt so hoch ausgefallen wie im
Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Da kriegt sich Clement kaum
noch ein vor lauter Stolz auf das Erreichte. Leuten, die lesen können,
sträuben sich dagegen eher die Nackenhaare. Denn im Oktober 2005 haben
laut BA 31.000 Erwerbslose einen auf höchstens neun Monate befristeten
Ein-Euro-Job angenommen und flogen so aus der Statistik. Gleichzeitig
wurde bekannt, daß die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse
im Vergleich zum Vorjahr um 372.000 sank.
So
erweist sich der von der Regierung gefeierte »leichte Rückgang« der
Arbeitslosigkeit in Wirklichkeit als starker Anstieg, gewürzt mit der
Umwandlung einiger zehntausend existenzsichernder in prekäre
Arbeitsverhältnisse. Spiegel online schreibt dazu: »Volkswirte
sprachen von einem positiven Trend, der sich in den kommenden Monaten
fortsetzen werde.« In der Tat besteht daran kein Zweifel. Die
designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Ende vergangener Woche
diesen Trend bekräftigt: Im kommenden Jahr würden erneut 200.000
sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse sang- und
klanglos verschwinden.
Zwischenüberschrift
gestern im Spiegel-online-Text zu den Arbeitsmarktzahlen: »Industrie
stellt wieder ein«. Diese Lüge wollte zumindest die Deutsche Telekom
AG nicht auf sich sitzen lassen und reagierte mit der Ankündigung, in
den nächsten drei Jahren 19.000 Stellen netto zu streichen. Andere
werden nachziehen. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt, der sich anders
als Clement weiter mit den Realitäten auseinandersetzen muß, erklärte
denn auch, die Zahl der Arbeitslosen könnte zum Jahresende die Fünfmillionengrenze
überschreiten. Dennoch senkte die Behörde am Mittwoch ihre Zuschußanforderungen
an den Bund von knapp drei auf zwei bis 2,5 Milliarden Euro. Im
kommenden Jahr will man ganz ohne solche Bundesgelder auskommen. Sehr
generös. Mit fremdem Geld kann man ungeniert herumwerfen. Denn die
Zeche zahlt nicht die Behörde, sondern die Arbeitslosen müssen sie
begleichen. Denen haben Gerhard Schröder und Clement mit ihren »Reformen«
große Teile des Arbeitslosengeldes geraubt, auf das die BA nun großzügig
verzichtet. Fortsetzung folgt, Angela Merkel und Franz Müntefering können
es kaum erwarten. |