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Oskar
Lafontaine neuer linker Hoffnungsträger?
Der
buntschillernde Wendehals der deutschen Politik
Von
Gerd Höhne/28, Mai 2005
Teile
der Linken sind bescheiden geworden. Nach dem offenkundigen Scheitern
des Projekts PDS ist nun auch die mit viel Vorschusslorbeeren versehene
WASG mit – immerhin – 2% bei den Landtagswahl in NRW, nicht so recht
zum Laufen gekommen.
Es
ist abzusehen, wenn WASG bundesweit antritt und die PDS auch, bei der
Budestagstagswahl sich beide die Stimmen wegschnappen. Die PDS
hat sicher bundesweit bessere Chancen als WASG – sie ist im
Osten verankert und hat mit Gysi eine charismatische Leitfigur. Aber,
um über die 5% zu kommen, braucht sie die Weststimmen. Die aber
schnappt die WASG der PDS weg und blockiert außerdem im Osten, dass die
PDS vom Imageverlust der SPD profitieren kann.
Es
ist – mal ganz objektiv gesehen – auch nicht einzusehen, warum PDS
und WASG nicht gemeinsam antreten. Die Programmatik könnte voneinander
abgeschrieben sein. Beide verwenden Sozialismus nur noch, wenn
sie was anderes meinen. Beide wollen den Erhalt des Kapitalismus
und beide meinen, man könne durch Wahlen alles zum Guten wenden.
Also
müssen sich beide zusammenraufen, ist es doch bereits jetzt abzusehen,
dass der ganze angerötete Bodensatz in und um beide Parteien und den
Gewerkschaften auf eine gemeinsame „linke“ Liste drängen wird.
Jetzt
haben sie die charismatische Figur: den großen Saarländer, Bäckersohn,
Klosterschüler und bischöflichen Stipendiaten, Diplomphysiker und
Ex-SPD-Vorsitzender, Oskar Lafontaine. Oskar wird die Linken - besser
die, die sich als links ausgebe - in den Bundestag führen, So
hoffen sie.
Oskar
Lafontaine – schillernste Figur in der deutschen Gegenwartspolitik:
Mal links, mal mal nicht
links
Lafontaine
tritt 1966 in die SPD ein und wird bereits 1968 in den Landesvorstand gewählt,
deren Vorsitzender er 1977 wird.
Seine
Partei verhilft ihn zu einem Job bei der Versorgungs- und
Verkehrsgesellschaft Saarbrücken, ab 1971 hat er einen wohldotierten
Posten im Vorstand.
1976
wird Lafontaine vom Straßenbahnmanager zum Oberbürgermeister von Saarbrücken und 1985 Ministerpräsident des Saarlandes.
Oskar
wird auch in Skandale verwickelt. Der TV-Journalist Kuno Haberbusch stößt
1993 auf die sog. „Rotlichtaffäre“. Der liebe Oskar soll als Saarbrücker
Oberbürgermeister einem Puffbesitzer aus seinem Freundeskreis
Steuervorteile verschafft und Tipps über Polizeirazzien gegeben haben.
Der Fernsehbericht wurde nicht gesendet, Oskar hatte ihn gerichtlich
verbieten lassen.
Seine
ganz persönliche Antwort und die seiner Partei: Das Saarland bekommt
eines der restriktivsten Landespressegesetze der BRD.
Lafontaine
war einst der Lieblingsenkel des greisen Parteipatriarchen der SPD Willy
Brandt
Lafontaine
fährt zunächst keineswegs auf der Schiene Erhaltung der sozialen
Rechte.
„Als
SPD-Vordenker und saarländischer Ministerpräsident hat Lafontaine die
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe inklusive Zwangsarbeit,
die Schaffung eines Niedriglohnsektors, Arbeitszeitverlängerungen ohne
Lohnausgleich und »Flexibilisierungen« von Tarifverträgen bereits
gefordert, als in der Partei noch niemand an die »Agenda 2010« oder »Hartz
IV« dachte.“
Der
damalige Vordenker der SPD denkt früher das vor, was Schröder heute als
Politik macht.
Auch
Lafontaine Friedenspolitik ist zu relativieren. Zwar wandte er sich zu
Beginn der 80er Jahre gegen die „Nachrüstung“, vorher jedoch war er
aktiv beim Zivilschutz, sogar oberster Luftschutzwart der Republik.
Bereits
1993 leitet Lafontaine mit dem damaligen SPD-Chef Engholm die Petersberger Wende ein: Danach stimmt die Partei Änderungen und Ergänzungen
des Grundgesetzes beim Asylrecht und zur Beteiligung deutscher Soldaten
an UNO-Militäreinsätzen zu.
Als
ein neuer SPD-Chef gesucht wurde, stieß man mittels Mitgliederbefragung
auf den drögen, in seiner intellektuellen Kapazität eher bescheidenen Rudolf Scharping. Die SPD-Mitglieder wollten keinen
der beiden schlitzohrigen Brandt Enkel, Lafontaine und Schröder, als
Vorsitzenden.
Rudolf
Scharping war, darüber bestand kein Zweifel, sowas wie ein Heinrich Lübke
der SPD. Seine – falsch – intonierten Reden, mit wildem
Gestikulieren der Arme waren eher Lachnummern – vom Inhalt der Reden
mal ganz zu schweigen.
16.
November 1995: In einer Kampfabstimmung gegen Scharping wird Lafontaine
zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Lafontaine tritt vollkommen überraschend
zu einer Kampfrede an, der Scharping nicht entgegen zu setzen hat. Als
Lafontaine dann als Vorsitzender kandidiert, wird er von den Delegierten
gewählt.
Warum
Lafontaine, als Schröder Kanzler wurde, dann nach kurzer Zeit als
Finanzminister das Handtuch wirft, wo die Regierung Schröder ja genau
das umsetzen will, was er schon Jahre vorher vorgedacht hatte, vermag
ich nicht schlüssig zu sagen. Dass ihm das soziale Gewissen plagte und
er diese Politik nicht mittragen wollte, halte ich für ein Märchen.
WASG
und PDS – die linke Alternative
Keine
von beiden Parteien, mit oder ohne Lafontaine, gemeinsam oder getrennt,
sind ein wirkliche linke Alternative zur Politik der bürgerlichen Parteien. Sie sollen
aber als solche verkauft werden.
Der
Sozialkahlschlags ist mit WASG/PDS nicht zu stoppen – die Rücknahme
wollen beide auch nicht wirklich. Wirksamer Widerstand ist nicht mit dem
Stimmzettel zu erreichen, sondern nur durch Kampfmaßnahmen der Opfer
und potentiellen Opfer der Kapitaloffensive gegen das Volk.
Ich
mache ungern Werbung für Trotzkisten, aber auf einer trotzkistischen
Homepage habe ich folgendes über Lafontaine gelesen, das trifft auch für
beide potentiellen Partner zu:
„Ihn
treibt die Sorge, die soziale Bewegung gegen den Sozialabbau könnte der
Kontrolle der SPD und der Gewerkschaften entgleiten. Eine neue, von ihm
unterstützte Linkspartei würde versuchen, sich an die Spitze der
Bewegung zu stellen, um ihr die Spitze zu nehmen und sie in harmlose
sozialdemokratische Bahnen zu lenken.“
Dem
gibt es nichts hinzu zu fügen.
Linke
Sammlungsbesoffenheit
Heute
melden sie sich schon zu Wort, die Sammlungsbesoffenen gescheiterten
Linken aus der PDS oder von sonstwo. Aber auch kritische Stimmen. Ekkehard
Liberam
z.B. sagt
jein, das heißt, er will eine marxistische Arbeiterpartei haben, meint aber:
„Die
Unterstützung einer »machbaren« linken Alternative bei den
bevorstehenden Bundestagswahlen ist sinnvoll, wenn sie diesem Ziel
dient.“ (gemeint dem Ziel des
Aufbaus einermarxistischen Arbeiterpartei)
Es
hat sich aber gezeigt, dass diese Hoffnung immer falsch ist. So organisierten sich die Arbeiter der frühen Arbeiterbewegung zunächst bei
den Liberalen. Ich erspare mir hierzu weitere Bemerkung.
Selbst
die PDS war ja sowas wie eine „machbare linke Alternative“. Daran
glauben heute noch Linke in und außerhalb der PDS.
Nein, nichts führt
daran vorbei, dass Kommunisten sich nicht ihre Argumentationsfreiheit
nehmen lassen. Vor der Gnade sozialdemokratischer Gewerkschaftsführer
abhängig und ihre Wasserträger zu sein, ist keine Lösung. Auch wenn
„wir“ nicht in den Bundestag kommen. Das jämmerliche Spiel, das die
in der SPD verbliebenen Linken spielen, sollte eine Warnung sein.
Aber
auch die PDS-Linken sind eher tragische Figuren. Sie werden geduldet,
manche bekommen sogar einen gutdotierten Posten, aber sie dienen nur als
Staffage und Vorzeigelinke.
WASG
und PDS – mit Oskar zum Erfolg?
Auch,
wenn PDS-Promis dutzendweise Haare in der Vereinigungssuppe mit der WASG
finden, es wird für sie kein Weg daran vorbei führen.
Ich
verstehe Liebich, den Berliner PDS-Chef. Die guten Pfründe in Berlin
will er nicht für ein Projekt mit einer Mischung aus Durchgeknallten,
Unzufriedenen und frustrierten SPDlern teilen. Er und seine Partei haben
sich in Berlin und den östlichen Ländern warm eingerichtet, das will
man nicht teilen.
Das
aber werden sie müssen, denn es ist klar, in den Westen wird die
Bisky-Truppe nicht wirklich vordringen können. Das hat das Wahldesaster von NRW
gezeigt.
Es
ist schon nicht zu vermitteln, warum es mit der PDS eine zweite
sozialdemokratische Partei geben soll. Das schafft die PDS auch nur
durch pseudosoziale Demagogie.
Wenn
mit der WASG sich eine dritte sozialdemokratische Partei gründet, die
zumindest im Westen sogar SPD-Stallgeruch hat, wird ein Zusammengehen
einfach notwendig.
Nein,
sie müssen nicht für die Opfer der Kapitaloffensive gegen das Volk, sondern für
das Kapital zusammen gehen. Das Kapital will die Kontrolle behalten über das Volk und
so ihre
Schweinereien weitermachen. Die SPD ist als Regierungspartei, als eine
Partei des Kapitals, für alle erkennbar. Solange sie sich nicht in der
Opposition regeneriert hat, muss es eine Ersatzpartei geben. Dazu ist
die PDS im Osten und WASG im Westen zwar gut geeignet, aber beide
werden scheitern, wenn sie nicht brav auf Oskar hören und sich
vereinigen.
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