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Niete
im Nadelstreifen Wolfgang Clement tritt ab – auf seine Art
Steilvorlage
an seine Nachfolger in der großen Koalition:
Arbeitslose
sind Parasiten - oder?!
Von
Günter Ackermann/27. Oktober 2005
1.
Wie man die Arbeitslosen, nicht aber die Verursacher der
Arbeitslosigkeit, bekämpft
„Steht im Morgengrauen ein nackter Kerl auf
dem Balkon, und es ist nicht der Ehemann…“
Dieses ist ein Rätsel, geboren von Clementscher Prosa, in einem Text
seines Ministeriums.
Die
Lösung des Rätsels ist nicht: Das ist Minister Clement, der von mit Knüppeln
und anderen Gegenständen bewaffneten
Arbeitslosen, wegen der Hatz IV-Segnungen gejagt wird und sich so vor
seinen Jägern in Sicherheit bringt.
Nein.
Wir Deutschen lösen, bevor wir den Bahnhof stürmen, eine
Bahnsteigkarte und unsere Herrscher jagten wir in der Geschichte nur
sehr selten dahin, wo sie hingehörten: zum Teufel.
Unsere
westlichen Nachbarn, die Franzosen, sind da anders. 1791 legten sie
einen Missieur Louis Capet in Paris unter die Guilliotine.
Einige Monate später wurde auch Madame Capet wegen Verschwörung gegen
Frankreich mit dem Fallbeil hingerichtet. Beide hatten, gemeinsam, mit
ihrem blaublütigen Anhang, als König Ludwig XVI. und Königin Marie
Antoinette das Volk Frankreichs ausgesaugt. Als das sich erhob und die
Zwingburg der politischen Unterdrückung, die Bastille, stürmte, hatten
beide, mit den Königen und Fürsten Europas, gegen das eigene Land
konspiriert.
Der
Königin sagt man nach, dass sie einen Diener gefragt habe, warum das
Volk von Paris die Bastille gestürmt habe. Der Diener antworte, das
Volk habe kein Brot. Die Königin: „Dann solle es doch Kuchen
essen.“
Hieran
erinnerte ich mich, als ich den Report des Clement-Ministeriums las, aus
dem obiges Rätsel stammt.
Ach
so, wer ist es denn, wenn nicht Clement, der da nackt auf dem Balkon
steht? Lesen wir weiter im Clement-Text:
„Manchmal
klingelt lediglich der Prüfdienst der ARGE – der Arbeitsgemeinschaft
aus Arbeitsagentur und Kommune - frühmorgens an der Haustür. Dieter
Schuster1 aus Mannheim wusste jedenfalls sofort, welche Richtung er
einzuschlagen hatte, als er frühmorgens im Flur leise Stimmen und den
Begriff „Prüfdienst“ hörte. Fluchtartig flitzte Schuster in
Unterhose aus dem Schlafzimmer Richtung Terrassentür. Draußen
empfingen ihn feiner Nieselregen und bibbernde Kälte – leider kam der
Prüfdienst Anfang März.“
2.
Schnüffelei, Bespitzelung und Denunziantentum
Klar
doch. Da kamen die Herrschaften der Arge und schnüffeln, ob eine Frau X
einen Freund hat, der bei ihr pennt, damit sie die Stütze nicht
bezahlen brauchen. Diese Schnüffelei geht bis in den Intimbereich:
„Günter Meyer, ihr
Lebensgefährte, kommt mit nacktem Oberkörper aus dem Ehebett, die
Saugnäpfe eines Medizingeräts kleben auf seiner Brust, das dazugehörige
Gerät steht auf der Konsole im Schlafzimmer. Standhaft behauptet er,
auf der Schlafcouch im Kinderzimmer zu schlafen. Dort finden sich jedoch
keine persönlichen Gegenstände. Hausarbeiten, Einkäufe, Schmutzwäsche
erledigen die beiden gemeinsam. Die Lebensmittel im Kühlschrank werden
gemeinsam aufbewahrt, ein eigenes Zimmer kann der Lebensgefährte nicht
vorweisen. So fällt das Urteil des Prüfteams eindeutig aus: Wieder mal
ein Fall von versuchtem Sozialmissbrauch.“
Unter
der Überschrift „Mehr Kontrollen gegen Sozialbetrug – Wie „Abzocke“ immer weniger
Chancen hat, Kontrolle ist gerecht“ steht
im Clement-Text:
„Aber
durch die Befragung kam heraus: Es handelte sich um eine
Maisonettewohnung ohne Trennung der Intimsphäre. Gemeinsames Bett,
gemeinsamer Kleiderschrank – bewusst sollte eine eheähnliche
Gemeinschaft verdeckt werden. Wegen Verdachtes auf Betrug erstattete die
ARGE Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.“
Über
die Frage, ob die Herrschaften von der ARGE überhaupt die Berechtigung
haben, so einfach in Wohnungen einzudringen, schweigt sich das
Clement-Papier aus. Im Gegenteil: Man brüstet sich sogar, dass die Schnüffelei
bis in den Abend und ins Wochenende geht:
„Wer
glaubt, Besuch von den Prüfern nur zu den Behördenkernzeiten fürchten
zu müssen, täuscht sich. Außendienstmitarbeiter erscheinen auch am
Samstag früh, um sich zu vergewissern, ob eine Bedarfsgemeinschaft
vorliegt. Sie kommen auch spät abends in die Pizzeria, ob der
arbeitslos gemeldete Pizzabäcker nicht doch schwarz dazu verdient.“
3.
Angebliche Parasiten
„Biologen
verwenden für „Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur
Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen –
ihren Wirten – leben“, übereinstimmend die Bezeichnung
„Parasiten“. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem
Tierreich auf Menschen zu übertragen, sondern vom Willen des Einzelnen
gesteuert. Wer den Grundstock seines Haushaltseinkommens bei der
Arbeitsagentur oder der für das Arbeitslosengeld II zuständigen Behörde
kassiert und im Hauptberuf oder nebenher Schwarzarbeitet, handelt
deshalb besonders verwerflich.“
Zehn
Prozent aller Langzeitarbeitslosen, sagt der (un-)soziale und (un-)demokratische
(Noch-)Superminister Wolfgang Clement, seien solche Parasiten. Aber der
Deutsche Städtetag und die Wohlfahrtsverbände gehen von einem Anteil
von 1 % Leistungsempfänger aus, die zu Unrecht kassieren. Das ist
immerhin nur ein Zehntel dessen, was Clement verkündet.
Hinzu
kommt allerdings, ob ein ALG II-Empfänger, der mit gelegentlichen
Kleinjobs sein knapp bemessenes Einkommen aufbessert, in die Kategorie
der „Parasiten“ einzuordnen ist oder ob da nicht ganz andere, die
Verursacher der Arbeitslosigkeit, die wirklichen Parasiten sind.
Und
es gibt „Helfershelfer“ der kriminellen Parasiten:
„Beihilfe zum Betrug statt Beratung: die Helfershelfer:
Die
PDS hält auf ihren Internetseiten einen seltsamen
„Musterwiderspruch“ gegen Bescheide über Arbeitslosengeld II
bereit. Wörtlich heißt es dort:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit
lege ich gegen den o.g. Bescheid Widerspruch ein, denn ich fühle
michungerecht und rechtswidrig behandelt.
Der
Bescheid ist dem Grunde und der Höhe nach rechtswidrig. Er basiert auf
einem Gesetz, dem SGB II, das in großen Teilen gegen das Grundgesetz
verstößt, wenn es nicht sogar insgesamt verfassungswidrig ist.“
Das
ist, folgt man Clementscher Logik, „Beihilfe
zum Betrug“.
Das aber sehen selbst die Strategen aus dem Ministerium des Herrn im
Nadelstreifen nicht ganz so:
„Der
oben beschriebene „Musterwiderspruch“ ist also nicht rechtlich, wohl
aber politisch zu beanstanden.“
Diesen
„Musterwiderspruch“ gibt es wirklich.
Warum er politisch zu beanstanden ist, in unserem angeblich so
demokratischen Land, entzieht sich meiner Kenntnis. Er ruft nicht auf
zum Sturz des Kapitalismus, sagt nur, dass Hartz IV gegen das
Grundgesetz verstieße. Ob das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis,
wenn es aber so wäre, würden sie das Grundgesetz ändern –
nicht die PDS, aber die Regierungsparteien. Die haben ja jetzt
eine 2/3-Mehrheit und sind sich einig, dass der Sozialraub nicht nur
weitergehen soll, sondern noch verstärkt wird.
Warum,
frage ich mich allerdings, wenn Hartz IV aus Sicht der PDS
verfassungswidrig ist, weigert sich nicht die Berliner Sozialsenatorin
Knacke-Werner, diese Gesetze zu exekutieren? Immerhin gehört sie der
„Links“partei.PDS an und als Landesministerin ist sie dem
Grundgesetz mehr verpflichtet, als einem Bundesgesetz.
4.
Die wahren Parasiten
4,1.
Clements Parasiten schröpfen die Staatskassen
Dass
der Kapitalismus parasitär ist, setze ich als bekannt voraus. Indem
breite Massen produzieren, aber ganz wenige sich das aneignen, werden
die gemästet, die nicht arbeiten. Das ist das Wesen des Kapitalismus.
Aber diese Art von Parasitärem will ich hier nicht diskutieren, denn
das ist einfach das Wesen des Kapitalismus.
Ich
meine die, die ihrer Stellung in Politik und Gesellschaft ausnutzen, um
sich materielle Güter anzueignen, die ihnen eigentlich auch innerhalb
der kapitalistischen Gesellschaftsordnung nicht zustehen.
Nehmen
wir da einen ehemaligen Landtagsabgeordneten der Partei des Wolfgang
Clement aus einer Stadt des Ruhrgebiets, als Clement hier
Wirtschaftsminister und dann Ministerpräsident war.
4.1.1
Affäre Manfred Bruckschen
Manfred
Bruckschen war bis zur Schließung der Krupp-Hütte in
Duisburg-Rheinhausen hier Betriebsratsvorsitzender.
Als
im November 1987 bekannt wurde, dass die Hütte, trotz sehr guter
Auftragslage, geschlossen werden soll, kommt es zu Protesten und schließlich
zum Streik. Die Medien waren bald all gegenwärtig. Bruckschen als
Betriebsratsvorsitzender natürlich immer im Mittelpunkt. Linke
Gewerkschafter vor Ort kannten ihn aber schon lange und wussten, dass er
hinter dem Rücken gegen die Kollegen mauschelte – schon immer.
Aber
an der Entschlossenheit der Hüttenwerker ändert auch er vorerst
nichts, er muss aber so tun, als mache er wirklich was. Es gelingt ihm,
gemeinsam mit seinem Stellvertreter, sich an die Spitze der Streikenden
zu stellen.
Der
NRW-Ministerpräsident Johannes Rau erklärt in einem Telefongespräch
per Funktelefon dem Krupp-Chef Gerhard Cromme, er sei für die
schnellste Beendigung des Streiks, egal wie. Dumm nur, es gab welche aus
der Linken, die das Autotelefon Crommes anzapften und mithörten.
Bruckschen
war auch an den geheimen Gesprächen mit der Landes- und Bundesregierung
dabei. Hinter dem Rücken der Krupp-Arbeiter wurde schließlich ein
fauler Kompromiss ausgehandelt, der das Ende für die Hütte nur einige
Jahre verzögerte.
Da
Bruckschen in Duisburg-Rheinhausen einen hohen Bekanntheitsgrad hatte
und die SPD 1995 in diesem Kreis bei der Landtagswahl einen neuen
Kandidaten brauchte, stellte sie Bruckschen als Direktkandidaten in
diesem todsicheren SPD-Wahlkreis auf. Bruckschen wurde gewählt.
Bruckschen
aber zockte ab. Krupp zahlte den entlassenen Arbeitern, die in den
Vorruhestand gingen, einen monatlich nicht unerheblichen Zuschuss zum
Arbeitslosengeld. Den kassierte Bruckschen natürlich weiter. Und zwar
in der Höhe, die seinem vormaligen Gehalt entsprach. Auch das
Arbeislosengeld und nicht zuletzt auch seine Abgeordneten-Diäten
kassierte er. Das alles regte innerhalb der SPD-Regierung von NRW
niemand auf. Auch Clement nicht, der zunächst Landesminister war und
dann Ministerpräsident wurde. Bruckschen Abzockerei waren nämlich
legal und eigentlich in den SPD-Hochburgen an Rhein und Ruhr üblich.
Dann
aber tauchten in der Lokalpresse kleine Skandälchen von Bruckschen auf.
Seine Freundin war windelweich geschlagen wurden, Mit erheblichen
Verletzungen wurde sie in eine Ambulanz eingewiesen. So schlimm
zugerichtet soll sie der SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Bruckschen
haben. Der soll total besoffen gewesen sein. Später wurde er
stockbesoffen von der Polizei am Steuer erwischt.
Weder
Landeschef Clement noch sonst wer nahm an alldem Anstoß. Bruckschen
wurde nicht unter Druck gesetzt sein Mandat niederzulegen. Er war schließlich
so sehr in Misskredit geraten, dass er bei der Landtagswahl 2000 nicht
wieder aufgestellt wurde. Auch brauchte die SPD einen Wahlkreis für den
damals neuen DGB-Chef für den Niederrhein, Reiner Bischof. Der sitzt
seitdem an Stelle von Manfred Bruckschen im Landtag.
4.1.2
Affäre WestLB und Heinz Schleußer
Heinz
Schleußer war persönlicher Freund von Wolfgang Clement und
Finanzminister von NRW. Die WestLB, eine der größten Banken
Deutschlands und in Landesbesitz, unterhielt eine eigene Luftflotte. Da
in NRW zu Raus und Clements Zeiten, Landesbesitz auch immer SPD_Besitz
bedeutete, wurde bekannt, dass Finanzminister Heinz Schleußer regen
privaten Gebrauch von dieser Luftflotte machte. Sogar in weiblicher
Begleitung soll er privat geflogen sein.
Auch
wurde bekannt, dass Clement-Freund Schleußer der WestLB Dienste
geleistet hatte, die nicht eben legal waren – beim
Verschleiern von Steuerhinterziehung:
„Am 3. September 1996 führten
Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft bei der öffentlich-rechtlichen
WestLB eine Razzia wegen des Verdachts der Beihilfe zur
Steuerhinterziehung durch. Doch die Durchsuchungsaktion verlief für die
Fahnder frustrierend. Man habe die Bank geradezu klinisch gereinigt
vorgefunden, hieß es später aus Justizkreisen. Schon damals kursierten
Gerüchte, dass die WestLB, in deren Verwaltungsrat Schleußer sitzt,
vorab aus Kreisen der Landesregierung gewarnt worden war.“
Das
ist der SPD-Klüngel um und mit dem Saubermann und Parasiten-Jäger
Clement.
4.1.3
Affäre um die High Definition
Oberhausen (HDO).
Eine
der teuersten Klüngeleien, an der Clement direkt beteiligt gewesen sein
soll, war die Affäre um die High
Definition Oberhausen (HDO).
High Definition Oberhausen war nicht, wie der Name vermuten
lassen konnte, eine groß angelegte Werbekampagne für Clements Ideen in
Oberhausen. Zwar hätte Clement das gebraucht, denn Clements Gehirnergüsse
waren schon immer recht beschränkt.
So
kam ihm schon als Wirtschaftsminister von NRW die Idee einer
Sonderwirtschaftszone im Ruhrgebiet, in der paradiesische Zustände für
die Unternehmer herrschen sollten: keinerlei Sozialklimbim, keine
Betriebsräte usw,. Er wollte das Ruhrgebiet so ins 19. Jahrhundert zurück
versetzen. Später kam er mit der gleichen Idee als Bundesminister, nur
jetzt sollte der Osten 200 Jahre zurück versetzt werden.
Auch
seine Werbereisen für Lehrstellen machte er schon als NRW-Minister,
dann als NRW-Ministerpräsident und schließlich als Bundesminister.
Heraus kamen Leerstellen, denn die besuchten Unternehmen stellten genau
die Zahl an Lehrlingen erst einmal nicht ein, die sie dann
Clement als Morgengabe schenkten. So konnte Clement jedes Jahr einige
Lehrstellchen vorweisen und kam in die Presse. Unterm Strich aber kam
nichts dabei heraus.
Nein,
das war nicht mit gemeint. In Oberhausen sollte ein Technologiezentrum
der Superlative entstehen. Kern war ein Trickfilmstudio HDO. Clement
erklärte es zu einen seiner „Leuchttürme“ der Strukturpolitik.
Rund 52 Millionen Euro flossen aus Landes- und Bundeskassen zur FDO, die
in ihrer besten Zeit mal eben 25 Menschen beschäftigte. 1998 dann
Konkurs von HDO, die 52 Millionen Euro futsch, Clement aber wurde
Ministerpräsident von NRW.
4.2 Die ganz großen Parasiten
Der
Parasiten-Text von Clement
bringt aus Gründen der Ausgewogenheit selbst ein Beispiel des parasitären
Abzockens von Unternehmern:
„Es
klang nach einem Traumjob. Die Reise ging nach Spanien, Richtung Sonne,
aber vor allem Richtung Zukunft. Das hofften zumindest rund 60 Berliner,
die Arbeit suchten und sich von einer Berliner Firma vermitteln ließen,
um jenseits der Pyrenäen auf einer Großbaustelle ein Gebäude
hochzuziehen. Mitte Februar 2005 ging es los, in Bussen auf die
iberische Halbinsel. Aber am Ziel gab es keine ordentlichen Wohnungen;
die Behausung verdiente bestenfalls das Prädikat
„Behelfsunterkunft“. Vor allem aber gab es keine Arbeit – denn die
angebliche Baustelle entpuppte sich als offenkundiger Schwindel.“
Firmen,
die Arbeitslose in feste Jobs vermitteln, bekommen vom Staat 2000 €.
Obige Firma hat nicht nur 60 Berliner nach Spanien verfrachtet und sie
dort einfach hängen lassen, sie bekam auch für die 60 Menschen das
Geld. Das macht eine Gesamtsumme von 120.000 €. Den Schaden, den die
betroffenen Menschen und ihre Familien hatten, rechne ich gar nicht mit.
Das
war natürlich auch formal kriminell. Aber es gibt auch die ganz normale
Abzockerei von Unternehmen. Ein Beispiel ist die Firma
Müller-Milch.
Müller
kassierte für den Bau einer Molkerei in Sachsen schlappe 70 Millionen
Euro Subvention. Dafür stellte er in Sachsen 158 Menschen ein. Aber er
machte ein Werk Niedersachsen platt. 175 Menschen verloren den Arbeitsplatz
und werden jetzt von Clement zu den „Parasiten“ gezählt, wie er
Arbeitslose seinem Pamphlet beschimpft.
Damit
beschäftigt Müller heute 17 Menschen weniger als vorher und hat dafür
auch noch 70 Millionen Euro kassiert.
Der
Abbau von Arbeitsplätzen wurde also noch mit über 4,1 Millionen €
pro vernichteten Arbeitsplatz staatlich subventioniert.
Welch ein glänzendes Geschäft – für Herrn Müller. Den Menschen
aber, denen der Arbeitsplatz mittels Subventionen für den Vernichter
genommen wurde, werden nun kriminalisiert, wenn sie gelegentlich ihre
schmale Stütze durch eine Nebentätigkeit aufbessern.
Müller
jedoch gilt als Gutmensch, der Arbeitsplätze im Osten schafft. Solche
Machenschaften sind keineswegs – im
Sinne des Gesetzes – kriminell, es ist legal.
5. Die Helfershelfer der
wahren Parasiten
Beispiel Hermann Rappe. Die jungeWelt schreibt heute (27. Okober
2005):
„Und so geiferte sich der
greise Multipensionär am Mittwoch ganz Herrenmensch-like durch die
Chemnitzer Freie Presse. In Wohngemeinschaften und bei Untermietern
solle endlich energischer rumgeschnüffelt werden, um den »Mißbrauch«
von »Hartz IV«-Leistungen zu unterbinden. Und bei unbotmäßigem
Verhalten der Empfänger müßten die Zahlungen gekürzt werden. Dagegen
komme eine Erhöhung der Regelsätze natürlich genauso wenig in Frage
wie eine Lockerung bei der Anrechnung von Partnereinkommen.
So weit, so asozial. Aber
Alter ist ebenso wie Jugend kein Freifahrtschein für Dumm- und
Gemeinheiten. Wenn sich die Satten der Republik aus dem Fenster lehnen,
um die Hungrigen anzupöbeln, wird es Zeit, sie sich ordentlich zur
Brust zu nehmen. Vielleicht finden sich in der Gewerkschaft, der Rappe
immer noch angehört, ein paar Aufrechte, die seinen Rausschmiß
beantragen. Auf sein Ziehkind und seinen Nachfolger im Vorstandssessel,
Hubertus Schmoldt, darf man dabei allerdings nicht hoffen. Denn der war
einer der ersten Gewerkschaftsführer, der die unter »Hartz IV«
zusammengefaßten Regularien für Massenverarmung, Entwürdigung und
Zwangsarbeit öffentlich lobte.“
Rappe
war mal Vorsitzender einer großen Gewerkschaft. Zwar war das die gelbe
IG-Chemie, aber immerhin ehemaliger Gewerkschafter. Wie tief kann
eigentlich so einer sinken?
6.
Fazit
Clement
tritt mit diesem Pamphlet nicht nur mit einem Paukenschlag ab, er gibt
damit auch seinen Nachfolgern in der Regierung eine Steilvorlage.
Keiner
will ja Parasiten nähren, also beschneiden wir die Sozialleistungen
weiter. Darin sind sie die großen Koalitionäre einig. Die Vermögensteuer
wieder einführen und die Einkommenssteuer auf das Niveau vor der
„Steuerreform“ heben? Igitt, das ginge ja auf Kosten der Reichen und
Superreichen. Durch die Steuergeschenke an sie kam die Staatskasse in
Trudeln, nicht durch die Sozialleistungen. Die Milliarden
Steuergeschenke für die ganz Reichen fehlen nun in der Staatskasse.
Da
sich der Bund auch teure Militäreinsätze im Ausland leistet, müssen
die zur Kasse gebeten werden, die eh nichts haben: Arbeitslose, Rentner
und Kranke.
Walter Hirrlinger,
Vorsitzender des Sozialverbandes VdK sagte in einem Interview mit der
jungenWelt gestern (26. Oktober 2005):
„Die Hälfte der männlichen
Rentner bezieht eine Rente bis zu 1000 Euro, 1,8 Millionen Rentnerinnen
erhalten 650 bis 1000 Euro, und zwei Millionen Seniorinnen müssen mit
monatlich 650 Euro über die Runden kommen. Gerade
einmal 2000 Menschen in Deutschland steht heute die Höchstrente von
2200 Euro zu. Wer 45 Jahre lang den Durchschnittsbeitrag
entrichtet hat, schafft es lediglich auf 1160 Euro. Diese Zahlen kennen
leider die wenigsten. Statt tut die Politik so, als wären die Renten so
üppig wie die Pensionen von höheren Ministerialbeamten.
Da aber trotzdem mehr Geld
in die Staatskassen kommen muss – Afghanistan und Kobbovo müssen
bezahlt werden – wird die Mehrwertsteuer erhöht. Damit zahlen vor
allem die unteren Einkommensschichten mehr Geld in die Staatskassen,
also die Menschen, die, wenn sie noch Arbeit haben, mittels
Einkommenssteuer schon jetzt die Hauptlast der Steuern zu zahlen
haben.“
Dem
ist wohl nicht hinzu zu fügen.
Die
Parasiten sind jedenfalls nicht jene, die mit ein paar Tricks ihr
Arbeitslosengeld aufbessern. Das mag in einigen wenigen Fällen sicher
etwas übertrieben, in anderen, noch selteneren, auch kriminell sein.
Das aber belastet die öffentlichen Kassen kaum. Die Parasiten sitzen in
den Vorstandsetagen der Konzerne, sind die Subventionsabzocker vom
Schlage eines Müller und sind all jene, die zum Zwecke der noch mehr
erhöhten Ausbeutung oder auch der Steigerung der Aktienkurse ihres
Konzerns Menschen arbeitslos machen. Die Bosse kassieren die Gewinne,
kassieren Steuergeschenke und Subventionen, die von ihnen arbeitslos
gemachten Menschen werden dann an die Arbeitsämter entsorgt, um dann
auch noch unter dem Generalverdacht Parasit zu sein, beschimpft werden.
Wehren
wir uns!
Vorrang
für die Anständigen – Gegen Missbrauch, „Abzocke“ und
Selbstbedienung im Sozialstaat, Ein Report vom Arbeitsmarkt im
Sommer 2005, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, August
2005
ebenda
Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch,
„Abzocke“ und Selbstbedienung im Sozialstaat, Ein Report vom
Arbeitsmarkt im Sommer 2005, Bundesministerium für Wirtschaft und
Arbeit, August 2005
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