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Rumänien
auf dem Wege in extremste Armut?
MASSENPROTESTE
ERREICHEN RUMÄNIEN UND VERSTETIGEN SICH
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Bukarest,
21. Mai 2010, Tribuna Popular TP (auf Kommunisten-online am 28. Mai 2010
– Der Sozialabbauplan der Regierung Rumäniens zur Erfüllung der
Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) treibt die rumänische
werktätige Bevölkerung auf die Straßen. So protestierten allein am
vergangenen Mittwoch ca. 50.000 Menschen in der Innenstadt von Bukarest.
Die Gewerkschaften stellten klar, dass sie für den 31. Mai zum
Generalstreik aufrufen. Der 31. Mai ist der Vortag der
Parlamentsabstimmung über das rigide Sozialkahlschlagspaket.
Die
Regierung Rumäniens erklärte, dass die erheblichen Kürzungen bei der
Sozialhilfe und bei den Löhnen im öffentlichen Dienst die einzige
gangbare Lösung für die Zukunft des Landes sind. In einem Interview für
Euronews hatte Jeffrey Franks als IWF-Vertreter für Rumänien geäußert,
dass die Kürzungen bei den Sozialausgaben eine Entscheidung der rumänischen
Regierung sind. „Es ist gespürt worden, dass die Haushaltsausgaben außer
Kontrolle geraten sind. Und die beste Form, das Haushaltsproblem zu lösen,
besteht darin, sich auf die Ausgabenseite zu konzentrieren. Das war ihre
Entscheidung.“
Seit
Ankündigung der Sparmaßnahmen vor zwei Wochen haben sich die Proteste
vervielfacht. Dies in einem Land, wo der Mindestlohn schon bisher kaum
140 Euro beträgt und die Mindestrente bei 85 Euro liegt. Rumänien ist
EU-Mitglied.
Der
IWF gewährte voriges Jahr Rumänien einen Kredit. Er fordert jetzt,
dass das Haushaltsdefizit Rumäniens nicht 6,8% übersteigt. Dabei sind
nach seiner Einschätzung ohne Sozialkürzungen 9% Haushaltsdefizit
unvermeidlich.
Heute
gab es keinen öffentlichen Verkehr in Bukarest. Die Züge stoppten. Die
Lehrer gingen nicht in die Schulen. Die Krankenhäuser behandelten nur
Notfälle. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst aller Verwaltungen
kamen nicht zu ihren Arbeitsstellen. Obwohl der Streikaufruf alle
Bereiche der Wirtschaft einschloss, kann man einschätzen, dass die Träger
dieses Generalstreiks insbesondere die öffentlichen Bediensteten waren.
Die
rumänischen öffentlich Bediensteten werden 25% weniger Brot essen
Laut
Regierungschef Boc „sind die Alternativen gering: entweder Steuern erhöhen,
oder Ausgaben senken. Die Alternative ist die Senkung von Löhnen und
Altersrenten jetzt, oder kein Geld zum Zahlen von Löhnen und
Altersrenten im Dezember zu haben.“ Boc sicherte zu, die Vorschläge
der Gewerkschaften zu prüfen. Zugleich äußerte er: „Es gibt keine
Alternativen.“
Die
Gewerkschaften sind mit seiner monolithischen Betrachtungsweise nicht
einverstanden. Sie bekräftigen, dass es sehr wohl Alternativen gibt. Für
sie sind Lohnsenkungen und Sozialabbau, Massenentlassungen im öffentlichen
Dienst lediglich der einfachste und für das rumänische Volk schädlichste
Weg. Denn die Kürzung der Repräsentationsausgaben, die Verringerung
der Zahl der Ministerien, die Kontrolle und Begrenzung der öffentlichen
Anschaffungen und der Starprogramme einiger Minister würde sehr viel
mehr Geld einsparen als jene Summe, die durch verordneten Hunger bei
Rentnern und öffentlich Bediensteten zu holen sei.
Die
Regierung Boc hat ihre Entscheidung aufrechterhalten, die von Präsident
Basescu vorgeschlagenen Sparmaßnahmen am kommenden Mittwoch auf der
Minsterratstagung anzunehmen. Daher reagierten die Gewerkschaften mit
dem Aufruf zum Generalstreik. Ziel des Generalstreiks wird sein, dass
die Regierung ihre Verantwortung für die durch ihre Entscheidungen
erzeugte wirtschaftliche Notlage selbst übernehmen muss.
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/index.php/internacional/6768-la-movilizacion-social-llega-a-rumania-para-quedarse |