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Eierwürfe
für Schröder und seinen Tross
Schröder
von geladenen Gästen empfangen
von
Günter Ackermann
Alles
war scheinbar perfekt organisiert. Schröder sollte geladenen Gästen
die Hand schütteln, eine salbungsvolle Rede halten...
Aber
es kam ganz anders. Die geladenen Gäste waren geladen – und wie! Sie
bewarfen Schröder mit Produkten der heimischen Landwirtschaft – mit
Eiern. Auch Steine flogen zur Begrüßung auf Schröder zu. Seine Leibwächter
mussten ihn hinter ein Plastikschild ziehen, nur so konnte sich Schröder
vor den geladenen Menschen aus Wittenberge retten.
Diese
Sprache ist eindeutig! Menschen aus Wittenberge (Brandenburg) bewiesen
Schröder und seinem Gefolge ihre „Zuneigung“. Mit Stein- und Eierwürfen
empfingen sie den Ex-Juso-Vorsitzenden und heutigen Bundeskanzler
Gerhard Schröder. Der war zu einer Propagandashow angereist. Aber die
Bewohner Wittenberges mochten ihn nicht anhören.
In
Leipzig vermasselten ihm die Leipziger am Abend einen Wahlkampfauftritt.
Während seiner Rede riefen die Protestierer dem SPD-Kanzler des Großkapitals
entgegen: „Lügner“
und „Arbeiterverräter“.
Dem so seine Rolle
deutliche gemachten Herrn Schröder fiel nichts anderes ein wie
Klischees. Rechtradikale und PDS-ler hätten Protestierer aufgehetzt und
das schade den Montagsdemos.
Alle
Achtung, dass sich Schröder um die „Zumutung
und die Beleidigung der historischen Montagsdemonstrationen“, so sein
Wirtschafts-, Arbeitslosigkeits- und Sozialkahlschlagsminister Wolfgang
Clement (Niete im Nadelstreifen), sorgt.
Der
Schock über solch rüde Behandlung des obersten Regierungsmitglieds
durch seine Untertanen muss tief sitzen. Sein Regierungsschwätzer, Regierungssprecher Thomas Steg, spielte zwar die Sacher
herunter und sagte, es seien „offensichtlich ein oder zwei Eier
geflogen“ Aber dann: „Wir sind besorgt über solche
Entwicklungen“, sagte Thomas Steg. Wie sagt doch ein Sprichwort:
„Wer Wind säht, wird Sturm ernten!“
Schröder hat Sturm gesäht, wenn
es ihm jetzt kalt ins Gesicht bläst, sollte er sich nicht wundern –
auch nicht die Eier- und Steinwürfe.
Schröder zu diesen Liebeserklärungen des Volkes Kanzler:
„Ich habe heute erfahren, was die Zerstörung der politischen
Kultur bedeutet.“
Selbstkritisch
ist das sicher nicht gemeint.
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Nimm
ein Ei mehr!
Schröder
besuchte Wähler in Brandenburg. Die reagierten mit Wurfgeschossen
jungeWelt
vom 24. August 2004 siehe
Ein Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) im brandenburgischen Wittenberge (1990: 28 000 Einwohner, 2002: 21
000) am Dienstag wurde von lautstarken und tumultartigen Protesten
begleitet. Mehr als 500 Einwohner der Stadt begrüßten Schröder mit
Pfiffen und Buh-Rufen. In Sprechchören hieß es »Weg mit Hartz IV!«
und »Wir sind das Volk!« Auf Plakaten war zu lesen: »Ostdeutsche
wehrt euch – nehmt das Unrecht nicht hin!« Es flogen Eier und Steine.
Während die Eier Sicherheitsbeamte und eine Fernsehkamera trafen,
prallte an einem Bahnübergang ein Stein gegen eine der Limousinen aus
Schröders Konvoi. Ein Demonstrant versuchte, sich vor die Wagenkolonne
zu werfen, wurde aber von zwei Sicherheitsbeamten zurückgehalten. Schröder
war zur Eröffnung des restaurierten Bahnhofs von Wittenberge gekommen.
Ein starkes Aufgebot von Polizei und
Bundesgrenzschutz hatte versucht, die Menschen mit weiträumigen
Absperrungen vom Bahnhof fernzuhalten. Eine Rede von Schröder wurde
durch Pfiffe und laute Zwischenrufe wie »Hau ab! Hau ab!« gestört. Zu
den Attacken war es zuvor gekommen, als der Kanzler in einem
abgesperrten Bereich auf geladene Gäste zuging und deren Hände schütteln
wollte. Schon nach wenigen Sekunden flogen die Eier, daraufhin wurde
Schröder von seinen Leibwächtern zurückgezogen und hinter einem
Plastikschirm zur Bühne gebracht. In seiner Rede erklärte er, der »Reformprozeß«
sei nötig für das Land, deshalb werde die Bundesregierung unbeirrt an
ihrem Kurs festhalten. Er sagte: »Diejenigen, die nur klagen, haben
Unrecht.« Wittenberge war in der DDR Sitz des »Veritas«-Werkes, das
die weltweit am meisten verkauften Nähmaschinen produzierte. Das Werk
wurde beseitigt, die Arbeitslosigkeit in der Region liegt offiziell bei
22 Prozent.
Am Freitag erholt sich Schröder vom Schock
bei einer der erfolgreichsten Abwickleragenturen: Die Beratungsfirma
McKinsey feiert in16 prominenten Gebäuden Berlins mit teuren Gästen.
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26.08.2004
Kommentar
Arnold
Schölzel
Kanzlerkultur
Gerhard Schröder und die Proteste
Quelle:
jungeWelt
Über das »Leid in unserer Usbekenzeit«
schrieb Peter Hacks nach 1990 das Gedicht »Tamerlan in Berlin«: In ihm
tränken die mittelasiatischen Besatzer, nachdem sie Bagdad zerstört
und Rußland in den Staub geworfen haben, bei der Schinkelschen Neuen
Wache Unter den Linden ihre Gäule, und »ein Fettschwanzschaf rupft
sich ein Kraut vor Hegels Epitaph«. Ein Dichter wird am Spieß
gebraten.
Kannibalisch geht es seit dem Einzug der
westdeutschen Besatzer in der DDR und ihrer Hauptstadt nicht zu. Aber
wie nennt man es eigentlich, wenn die Hälfte der Bevölkerung
arbeitslos gemacht wird mit der Bemerkung: »Jetzt könnt ihr endlich
frei arbeiten«? Gerhard Schröder fiel am Dienstag in Wittenberge ein,
die protestierenden Arbeitslosen müßten einsehen, daß die
DDR-Betriebe nicht konkurrenzfähig waren. In der Stadt stand ein Nähmaschinenwerk,
das in den 80er Jahren Weltmarktführer geworden war. Deswegen wurde es
nach 1990 beseitigt. Schröders »usbekisches Gequäke« bestätigt den
Dichter: Wenn Barbaren Kultur übernehmen, kommen Lunkewitz und Peymann.
Wenn die Treuhand ganze Industrien beseitigt und die SPD anschließend
die Arbeitslosigkeit halbieren will, ist das verheerend wie Tamerlan.
Mit »Hartz IV« erhalten Lohndrückerei,
Niedriglohngebiete, Abschaffung von Flächentarifen – alles das, was
in der Sonderwirtschaftszone Ostdeutschland seit 1990 großartig blüht
– das amtliche Zertifikat für die gesamte Bundesrepublik: Der im
Grundgesetz festgelegte Anspruch auf annähernd gleiche
Lebensbedingungen wird zurückgenommen, der sogenannte Aufbau Ost zu den
Akten gelegt. Einige Konzerne werden noch mit Milliarden Euro
Subventionen in die industrielle Steppe gelockt, die Brandenburgische
Landesregierung darf weiter viele »Großprojekte« in den Sand setzen.
Einklagbar ist nichts, da passen die importierten Hüter des
Rechtsmittelstaates in Parteizentralen und Justizkanzleien schon auf.
Schröder, der stolz auf die »Enttabuisierung
des Militärischen« durch seine Amtsführung ist, wettert gegen
Eierwerferei, weil sie »gegen die demokratische Kultur verstößt«.
Die blüht nämlich, wenn der Bundestag absegnet, daß Belgrad
bombardiert wird, oder Sozialhilfeempfängern das Kindergeld gestrichen
wird, während Großverdiener höhere Steuerfreibeträge erhalten.
Als Schröder am Dienstag über »demokratische Kultur« und ihre
angebliche Gefährdung durch Extremisten dozierte, hielt die »Hartz IV«-Miturheberin
Angela Merkel bei »Rotkäppchen«-Sekt eine Rede. Es dürfe »keine
Zuwanderung in die sozialen Sicherungssysteme« geben, war ihr größtes
Problem. So rupfen sie ihr Kraut, die Fettschwanzschafe.
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