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Die
Schuldenlüge der Politiker –
Deutschland schwimmt im Geld (I): |
Mythos
Staatsschulden
Die
Koalition der Lügner
von Rainer
Balcerowiak
Quelle:
jungeWelt
vom 08.11.2005
So
langsam könnte man den Eindruck gewinnen, daß der desolate Zustand des
deutschen Bildungssystems politisch gewollt ist, um die Mehrheit der
Menschen durch gezielte Verblödung daran zu hindern, die dreisten Lügen
des Kapitals und seiner Politiker zu durchschauen. Um die anstehenden
Sozialmassaker von Mehrwertsteuererhöhung bis Rentenkürzung zu
rechtfertigen, wird quasi im Stundentakt von SPD- und Unionspolitikern
verlautbart, daß Deutschland so pleite sei, daß es unter
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten Konkurs anmelden müßte.
Ferner sei eine weitere Staatsverschuldung auch moralisch unvertretbar,
da man künftigen Generationen eine untragbare Bürde zumute.
Dabei
würde so manch Firmenchef angesichts der Bilanz der Deutschland AG und
ihrer ökonomischen Perspektiven in lauten Jubel ausbrechen. Deutschland
ist weltweit einer der größten Gläubigerstaaten, allein im laufenden
Jahr werden die Forderungen gegenüber ausländischen Schuldnern um 120
Milliarden Euro wachsen, wobei es sich bei diesen größtenteils nicht
um ausgeblutete Entwicklungsländer, sondern solvente Volkswirtschaften
wie Rußland handelt. Von Überschuldung kann also überhaupt keine Rede
sein. Eine solche liegt betriebswirtschaftlich vor, wenn die
Verbindlichkeiten das vorhandene Vermögen und die rechnerischen
Guthaben deutlich übersteigen.
Die
Verschuldung der öffentlichen Haushalte beträgt 1300 Milliarden Euro.
Das entspricht knapp zwei Dritteln des jährlichen
Bruttoinlandsproduktes und etwa 250 Prozent der jährlichen staatlichen
Einnahmen. Bei fast jedem Häuslebauer sieht die Relation wesentlich
schlechter aus, und dennoch käme niemand auf die Idee, ihn als überschuldet
zu bezeichnen. Im Gegenteil: Wer mit einem jährlichen (Netto)einkommen
von 30.000 Euro 300.000 Euro Baugeld aufnimmt, gilt als ausgesprochen
solventer Kunde. Beim Staat kommt als Gegengewicht aber sogar noch ein
volkswirtschaftlicher Kapitalstock von mindestens 12.000 Milliarden als
Gegengewicht zu den Schulden dazu.
Künftige
Generationen sollten also nicht vor imaginären Schuldenbergen zittern,
sondern den Schampus kaltstellen, da sie zwar ein paar –
volkswirtschaftlich marginale – Schulden erben werden, aber auch
wesentlich höhere Werte und Forderungen.
Geld
und geldwerte Werte sind in der deutschen Vollkswirtschaft nahezu im Überfluß
vorhanden. Es ist der Staat, der mittels Gesetzen bestimmt, welchen
Anteil daran er mittels Steuern und Abgaben vereinnahmt. Bei den
Haushaltsberatungen der künftigen Koalitionäre geht es nicht um »unsere«
Schulden, sondern ausschließich um die Verteilung des vorhandenen
Reichtums von unten nach oben. Diese simple Wahrheit wird nicht deswegen
falscher, weil sie von den herrschenden Politikern penetrant geleugnet
wird. |