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Müntefering
grinst - der Rentenklau scheint zu klappen |
Arbeitslosigkeits-Minister
Müntefering betätigt sich als Rentenklau und lügt dabei auch noch
Von
Günter Ackermann)16. März 2006
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Glaubt
man den eigenen Beteuerungen, dann will Müntefering ein „Gesetz zur
Vermeidung von Rentenkürzung" auf den Weg bringen.
Unser
Spezialdemokrat, Vizekanzler und (Un-)Sozialminister erklärte der
Presse: „Um jede Gefahr einer
Minusrunde zu bannen, werden wir deshalb kurzfristig ein Gesetz zur
Vermeidung einer Rentenkürzung auf den Weg bringen.“
Und:
„Der
Beschluss des Gesetzentwurfs zur Vermeidung von Rentenkürzungen dient
der Umsetzung der von der Bundesregierung getroffenen Vorgabe, dass es
bei den Altersbezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung in dieser
Legislaturperiode keine Abstriche geben wird.“
Indem
er aber seinen Mund mit diesem Spruch aufmachte, log er.
Denn
sein Heraufsetzen des Rentenalters auf 67 allein ist eine Rentenkürzung.
Immerhin bekommt jeder zukünftige Rentner zwei Jahre später
Rente, wobei manche das auch nicht mehr erleben werden.
(sozialverträgliches Frühableben)
Auch das von Münte hochgelobte Gesetz „zur Vermeidung einer Rentenkürzung“
ist das genaue Gegenteil.
So
erklärte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am 10. März 2006.
„Wie
das Statistische Bundesamt mitteilt, ist der Verbraucherpreisindex für
Deutschland von Februar 2005 bis Februar 2006 um 2,1% gestiegen. Im
Vergleich zum Vormonat Januar 2006 erhöhte sich der Indexstand um 0,4%.
In den Vormonaten Januar 2006 und Dezember 2005 hatten die Jahresveränderungsraten
ebenfalls bei + 2,1% gelegen“
Zumindest
um diese 2,1 % Kaufkraftverlust sind die Renten gesunken. Bedenkt man
aber, dass der „Warenkorb“, nach dem das Statistische Bundesamt die
Inflationsrate berechnet, recht realitätsfern ist, dürfte die
wirkliche Preissteigerungsrate um einiges höher liegen.
Sinken
des realen und absoluten Lohnniveaus
Müntefering
begründet sein „Gesetz zur
Vermeidung einer Rentenkürzung“
damit, dass die Renten an das Lohnniveau gekoppelt sind und daraus
ergebe sich, dass die Renten, nach bisheriger Rechtslage, gekürzt
werden müssten. Um das zu vermeiden, habe die Bundesregierung dieses
Gesetz auf dem Weg gebracht. Ein wahrhaft sozial denkender Minister –
sollte man meinen. Da MUSS er Renten kürzen, denkt dabei an die armen
alten Rentner und macht dieses wunderbar soziale Gesetz. Mich rührt es
zu Tränen!
Dass real die Renten gekürzt
werden, habe ich oben dargestellt. Allein indem sie nicht erhöht
werden, sinkt der Lebensstandard der Rentner.
Hinzu kommt, dass seit diesem Jahr die Renten auch noch höher besteuert
werden.
Aber nicht nur das! Dies
Kopplung der Renten an das Lohnniveau bringt es jetzt an den Tag: Die
Löhne sinken auf breiter Front.
Wir alle haben die
erpressten Lohnsenkungen bei VW, Opel, Siemens, DaimlerCrysler aus der
Presse erfahren. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Häufig ist
es so, dass auch in kleinen und mittelgroßen Betrieben die
Neueingestellten deutlich schlechtere Bedingungen bekommen, als bisher.
Damit setzt man schließlich auch die unter Druck, die zu den bisherigen
Bedingungen beschäftigt sind und nötigt sie zum Lohnverzicht. Da geht
man schonmal mit rabiaten Mitteln vor, z.B. offene Erpressung, indem mit
Kündigung gedroht wird, auch Mobbing ist ein probates Mittel der
Erpressung oder man begeht ganz einfach Rechtsbruch, indem im November
verkündet wird, es gäbe kein Weihnachtsgeld – trotz gültigen
Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.
Weil die Kapitalisten wissen, bei über 5 Millionen Erwerbslosen
funktionieren diese Erpressungen, wollen sie die Lohnkosten auf möglichst
niedrigem Niveau halten. Da lässt der oberste Volkswirt der Deutschen
Bank, Norbert Wolter, schonmal die Katze aus dem Sack, indem er
Lohnsenkungen auf osteuropäisches Niveau fordert.
Dass er dabei sich und die anderen Bosse nicht meint, versteht sich am
Rande.
Was aber alles noch verschlimmert, ist die Verbandelung der
Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie. So konnte Riester problemlos
vom hohen Gewerkschaftsfunktionär zum Bundesminister mutieren oder
Harald Schartau vom IGM-Metall-Bezirksleiter zum Landessozialminister
(in der NRW-Regierung Clement und Steinbrück) aufgestiegeen, sagte zu
Tarifverträgen: „Der
Tarifvertrag werde künftig nur noch das Grundentgelt festlegen und
einen Rahmen für die erfolgsabhängigen Verdienstbestandteile
vorgeben.“
Also
weg von den Tarifverträgen. Jeder Betrieb soll die Lohnhöhe selbst
festlegen können. Es versteht sich, dass in Zeiten hoher
Arbeitslosigkeit, dann das Lohnniveau sinkt – und damit die Renten.
Letztere aber – vorläufig – getarnt als Nullrunden.
Die
Gewerkschaften leisten keinen wirklichen Widerstand gegen die Politik
des Lohnabbaus auf breiter Front. Daran ändern auch die Streiks im Öffentlichen
Dienst nichts. Es geht inzwischen gar nicht mal darum, ob die
Arbeitszeiten verlängert werden, womit auch der Lohn sinkt, denn die
Mehrstunden werden nicht bezahlt. Es geht nur noch darum, wie die
Arbeitszeit verlängert wird. Auch der Abbau der Sonderzahlungen, wie
Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird weiter gehen.
Dabei
ist Verdi noch die kämpferischste Gewerkschaft. Die IG-Metall hat in
den letzten Jahren dem Lohnabbau bei Siemens, VW, DaimlerCrysler und
Opel zugestimmt, Und das gegen eine vage Zusage, keine Arbeitsplätze
ins Ausland zu verlagern. Die Zusagen sind das Papier nicht wert, auf
dem sie geschrieben sind. Die Siemens-Handy-Fabrik ist inzwischen
verkauft worden, Opel entlässt zusätzlich Kollegen und es erfolgen
weitere Schließungen und bei VW waren der Ex-IGM-Mann Peter Hartz und
einige Betriebräte an einem gigantischen Korruptionsskandal verwickelt.
Bei Opel in Bochum betätigte sich die örtliche IG-Metall beim Streik
2004 sogar als Streikbrecher. Ganz zu schweigen von der gelben
IG-Bergbau, Chemie, Energie (IG-BCE), die offen mit der Kapitalseite
kollaboriert.
Untaugliche
Mittel
Müntefering
will seinen unsozialen Schritt, das Rentenalter auf 67 herauf zu setzen,
dadurch kaschieren, indem der davon schwätzt, mit einer „Initiative
50 plus” älteren Arbeitslosen einen Job zu verschaffen. Kern der
Initiative ist:
„Unternehmen
sollten danach drei Jahre lang Lohnzuschüsse erhalten, wenn sie einen
Arbeitslosen ab 50 Jahren einstellen. Arbeitslose über 50, die eine
schlechter bezahlte Stelle annehmen, sollten die Hälfte des
Lohnunterschieds von der Arbeitsagentur überwiesen bekommen. Außerdem
sollten Betriebe den Arbeitgeberanteil zur Arbeitslosenversicherung
erlassen bekommen, wenn sie einen Arbeitslosen über 55 Jahre
einstellten.“
Wir
wissen, dass kein Kapitalist eine Arbeitskraft beschäftigt, die er
eigentlich nicht braucht – vollkommen unabhängig von dem, was der
Arbeiter an Lohn bekommt. Aber natürlich kassiert jeder der ach so
armen Konzernherren, offene und versteckte Subventionen. Wenn der Staat
die Löhne subventioniert, streicht man eben ein.
Aber
der Staat zahlt ja nur einen Teil des Lohnes und nicht den gesamten.
Diesem „Schönheitsfehler“ hat Münteferings „Initiative 50
plus”, also dürfte es auch nicht funktionieren. Wenn man diese
Subventionen kassiert, dann ohne auch nur einen zusätzlich
einzustellen.
Tatsächlich
funktioniert das alles auch nicht. Das, was Müntefering dem Volk vollmundig als
soziale Großtat verkaufen will, gibt es bereits – und ist ein Flop.
Ein paar tausend Arbeitslose machten davon Gebrauch - d.h. eigentlich
ihre Kapitalisten. Ob die wenigen Arbeitslosen aber den
Job wegen der staatlichen
Subventionen bekamen oder, weil die Bosse nur eben mal die Staatsknete
mitnahmen, ist ungewiss.
Müntefering,
der so tat, als habe er Amerika entdeckt, hat in Wirklichkeit die
heimische Badewanne für den Ozean und die Quietschente für
Amerika-entdecken verkauft. Rosstäuscherei also.
Und
prompt meldet sich wieder Deutschbanker Norbert Walter zu Wort: „Die
Löhne müssen für die Älteren sinken können, anstatt nach dem
Senioritätsprinzip immer weiter zu steigen,“ meint er.
Hat
er denn bei seiner Bank seine Gehaltssenkung beantragt? Walter erreicht
immerhin am 23. September sein 62 Lebensjahr.
Nein,
er hat das nicht. Denn, so führt er, lt. „Kurier am Sonntag“
fort: „Die Lebenseinkommenskurve müsse deutlich vor dem Alter von 60 Jahren
ihren Höhepunkt überschritten haben. Dies gelte vor allem für Berufe,
bei denen es auf körperliche Leistungsfähigkeit ankomme. In Berufen
dagegen, in denen Erfahrung entscheidend sei, könnten Beschäftigte zu
Recht am Ende ihres Berufslebens das höchste Einkommen beziehen.“
Walter
ist ein arger Schlauberger, denn er gehört ja einem Berufsstand an, wo
„Erfahrung entscheidend“ ist, also könne er „zu Recht am Ende ihres Berufslebens das höchste Einkommen beziehen.“
Verblüffend
ist die Ehrlichkeit eines deutschen Spitzenmanagers, das zu sagen, was
seine Klasse denkt und macht. Das gab’s, wenn ich mich recht erinnere,
seit dem Altnazi, Heydrich-Mitarbeiter, NS-Studentenführer,
Mercedes-Boss, Arbeitgeberverbandspräsident und Präsident des Bundes
der Deutschen Industrie, Hans Martin Schleyer, nicht mehr. Mit Schleyer
aber nahm es bekanntlich ein böses Ende. Umso besser ist es, dass er
heute als Ikone gilt und als Märtyrer vom Olymp auf uns schaut. Aber
Schleyer starb schon in den 70er Jahren, seitdem hatten wir im Lande
keinen, der so klar redete.
Dieser
Hans Dampf in allen Chefetagen ist zum Sprachrohr des
Monopolkapitals auserkoren, zuständig fürs Grobe. Er
fantasiert alle Möglichkeiten der Lohnkürzung vor. Nur ein paar
Beispiele: „Der
Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter regte in der Diskussion um
Arbeitszeitverlängerungen an, Raucher- und Teepausen vom Gehalt
abzuziehen.“
So schreibt das Unternehmermagazin „Impulse“. Weiter schreibt
die Kapitalisten-Postille: „Aber
keiner kann verlangen, dass Arbeitgeber Zigaretten- und Teepausen auch
noch bezahlen.“
Walter
scheint zu denken, wenn er seiner Sekretärin sagt, sie solle Tee kochen
(wie ist es mit Kaffee?) und wenn er eine echte Havanna für 100 Euro
oder mehr während der Arbeitszeit in Rauch aufgehen lässt, dies seine
Deutsche Bank bezahlt. Der Kassierer seiner Bank oder der Arbeiter bei
VW nimmt dazu seine mitgebrachte Thermoskanne und seine Selbstgedrehte.
Die aber muss er selbst zahlen.
Fassen
wir zusammen:
Die
SPD macht diese Politik im Interesse des Großkapitals.
Da
aber alles als soziale Großtat dastehen muss, was sie macht, gab es in
der Vergangenheit kleine Häppchen vom Kapital, denannt Sozialstaat.
Das
aber macht man schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Die Häppchen, die zu Beginn der 70er Jahre den Menschen
gegeben wurden – die Herrschenden sorgten sich darum,
dass die Protestbewegung der 68er auf die Arbeiterklasse überspringt,
tatsächlich gab es Anfand der 70er Jahre eine ganze Reihe spontaner
Streiks. Aber schon bald nahmen sie erst in kleinen Portionen und nun immer unverschämter, den
Menschen wieder weg, was sie vorher bekommen hatten. Wir fallen, wie z.B. in der Gesundheitspolitik,
in die Adenauerzeit zurück.
„Weil du arm bist, musst du früher
sterben“, sagte man damals. Heute, etwas moderner, im Kern aber nicht
anderes gemeint, nennt man das „sozial verträgliches Frühableben.“
Wenn
die Rente also gekürzt wird, indem sie auch nicht um die Inflationsrate erhöht wird, nennt die SPD das ein „Gesetz zur
Vermeidung einer Rentenkürzung“,
-
wenn
man die Rente kürzt, indem man das Rentenalter herauf setzt, dann ist
es eine „Initiative 50 plus". Müntefering tischt dem Volk
olle Kamellen auf, die er als große soziale Errungenschaften ausgibt.
Da
ich nicht annehme, dass Müntefering, wie weiland Clement, an seinen
eigenen Schwindel glaubt, lügt er dem Volk die Hucke voll.
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