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Ein zum Bundespräsidenten
aufgestiegener „kulturell
depravierter Sparkassenleiter“
hält eine Rede vor Freunden im Nadelstreifen
Horst
Köhler der Super-Lübke der Konzerne?
von
Günter Ackermann
Er
war einst Sesselfurzer in Theo Waigels Finanzministerium.
Dem diente er von 1990 bis 1993 als Staatssekretär. Von 1976 bis 1981
war er im Bundesministerium für Wirtschaft in Bonn in der
Grundsatzabteilung tätig – was das auch immer sein mag. Und später
war er schon mal Präsident, nämlich des „Deutschen Sparkassen- und
Giroverbandes“, also eine Art oberster Sparkassendirektor.
Das
ist wohl auch der Blickwinkel, aus dem er die Welt – auch als Bundespräsident
– betrachtet. Die deutsche Ordnung aus Adenauers Zeiten, wo es sich
noch lohnte, etwas zu unternehmen und die Welt wirtschaftlich zu erobern:
„Es gab Zeiten, da sprach noch niemand von Globalisierung, aber der VW Käfer
lief in aller Welt – und lief und lief und lief. Damals galt in der
Bundesrepublik eine Ordnung, die Leistung ermutigte und sozialen
Fortschritt brachte.“
Nicht lachen! Das sagte ein leibhaftiger
Bundespräsident. Seine Rezepte, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen,
bewegen sich genau auf diesem Niveau eines röhrenden Auspuffs des vom
KdF-Wagen
zum VW-Käfer mutierten Vehikels.
„Diese
Ordnung ist im Niedergang, weil immer neue Eingriffe sie schleichend
zersetzt haben, selbst wenn sie gut gemeint waren. Seit Jahrzehnten
fallen Bundes- und Landesregierungen und nicht zuletzt Brüssel immer
neue Auflagen und Regulierungen für die Wirtschaft ein, Wirtschafts-
und Sozialverbände haben das ihre dazu getan, die Tarifpartner
schlossen Verträge zu Lasten von Dritten, und die Bürger ließen sich
gern immer neue Wohltaten versprechen und Geschenke machen. Deshalb ist
die Arbeitslosigkeit über Jahrzehnte immer weiter gestiegen. Deshalb
machen hohe Abgaben Arbeit teuer und können doch nicht verhindern, daß
unseren Sozialsystemen der Kollaps droht.“
Die arme Wirtschaft. Da darbt doch die
Deutsche Bank und hungert bei maximalen Gewinnen und wirft 10% ihrer
Beschäftigten auf die Straße. Da klagt DaimlerCrysler über zu hohe
Steuern – bezahlt aber keine – macht Supergewinne und ging einst,
als der Superkonzern aus Daimler und Crysler gegründet wurde, nach
Deutschland mit seiner Zentrale, weil hier die Steuern und andere Kosten
so niedrig sind.
Es sagte der Sparkassendirektor im höchsten
Staatsamt außerdem:
„Angesichts
der Lage auf dem Arbeitsmarkt brauchen wir in Deutschland jetzt eine
politische Vorfahrtsregel für Arbeit. Was der Schaffung und Sicherung
wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze dient, muß getan werden. Was dem
entgegensteht, muß unterlassen werden. Was anderen Zielen dient, und
seien sie noch so wünschenswert, ist nachrangig. Eine solche
Grundeinstellung wünsche ich mir von allen, die politische
Verantwortung tragen.“
Klingt doch prima. Wenn er jetzt meinen
Namensvetter Ackermann von der Deutschen Bank ins Gewissen geredet hätte,
trotz der Riesengewinne seiner Bank niemanden zu entlassen und neue
Menschen einzustellen, wäre das richtig mutig gewesen. Ober niemand
kann über seinen eigenen Schatten springen. Und ein grundsätzlicher
Referent im Wirtschaftsministerium und oberster Sparkassendirektor denkt
und handelt nun mal in den Kategorien, die seinem VW-Käfer-Auspuff-Niveau
entsprechen:
„Die Lohnkosten sind nicht nur wegen der
hohen Sozialabgaben so hoch. Mehr als die Hälfte der Lohnnebenkosten
beruht auf Tarifverträgen. Zu lange wurden solche Verträge zu Lasten
Dritter abgeschlossen – zu Lasten der Arbeitslosen und der
Steuerzahler.
Ich
sage das nicht, um Unternehmerschelte zu betreiben. Ich sage es, weil es
mir um die Hauptaufgabe von Unternehmen und Betrieben geht, und die ist:
am Markt erfolgreich zu sein und Gewinne zu machen. Das verdient immer
wieder klar gesagt zu werden. In Deutschland gilt es zuweilen als
moralisch verdächtig, Gewinn zu machen. Das ist falsch. Wer als
ordentlicher Unternehmer Gewinne erzielt, der hat andere von seiner
Leistung überzeugt und ihnen geholfen. Und nur wer Gewinne
erwirtschaftet, kann den Fortbestand seines Unternehmens durch
Investitionen sichern, seine Mitarbeiter weiterbeschäftigen und zusätzliche
Arbeitsplätze schaffen."
Damit
ist alles klar. Die Superprofite der Konzerne sind eine patriotische
Tat. Sie ermöglichen Investitionen und die – so glaubt der
Sparkassendirektor im Schloss Bellevue – schaffen Arbeitsplätze.
Nur
tun die Gewinnmacher in den Chefetagen das nicht und pfeifen auf die
Theorien des promovierten Volkswirtes im Amt des Präsidenten in diesem
unseren Land. Wenn sie investieren, dann in Rationalisierungen zum Abbau
der Arbeitsplätze oder in Billiglohnländern. Letztere Investitionen
belohnt der bu8ndesdeutsche Staat dann auch noch in Steuergeschenken.
Die im Ausland mit Hungerlöhnen ergaunerten Gewinne dürfen dann
steuerfrei auf die Konten der Hausbanken in Deutschland transferiert
werden.
Wieso
führen Steuererleichterungen der Unternehmen eigentlich zu Arbeitsplätzen?
Kann man jemand, der überhaupt keine Einkommens- und Körperschaftssteuern
zahlt, überhaupt die Steuern erleichtern?
Die
Großkonzerne zahlen ohne Ausnahme keinerlei Körperschaftssteuern. Als
man vor einigen Jahren dem Chef von ThyssenKrupp-Stahl (Sitz in
Duisburg), vorhielt, dass sein Unternehmen trotz guter Gewinne keine
Steuern zahle, sagte er mit dem Augenaufschlag des Naiven: „Aber
unsere Mitarbeiter zahlen Einkommenssteuern.“
Da
traf er dann auch den Nagel auf dem Kopf: Die Unternehmen zahlen nichts,
die Normalverdiener fast alles, denn die Spitzenverdiener wurden erst
vor kurzer Zeit steuerlich entlastet (das Geld fehlt jetzt in den
Sozialkassen) und die Arbeitslosigkeit steigt auf das Niveau von 1931.
Und da stellt sich da einer hin und sagt: „Steuerentlastung!“
Der
Mann ist wahrhaftig Volkswirt und promoviert auch noch. Er hat als
Bundespräsident zwar nichts zu sagen und ist eine Art präsidialer Frühstücksdirektor,
aber er hält Reden. Reden, die das ausdrücken, was in den Hirnen der
Bosse herumspukt. Wenn der Bundespräsident das Klagelied des darbendem
Unternehmers, der vor der Not fliegt und in Moldavien produziert, dabei
Löhne zahlt, von denen auch dort trotz der hohen Arbeitslosigkeit eben
mal das nackte Existieren möglich ist, dann klingt das wahrer, als wenn
es aus den Maul des Dieter Hundt
gekläfft. Es ist trotzdem falsch.
Wir
können gespannt sein, welche Reden noch in Zukunft vom Bundespräsidenten
gehalten werden. Köhler hielt eine Hommage auf die Gründerzeiten der
BRD, auf Adenauer und Erhard – Globke, den Staatssekretär Adenauers
und Nazijuristen erwähnte er aber nicht.
Mir
scheint, er hatte noch einen weiteren Repräsentanten der damaligen Zeit
im Köpf: Heinrich Lübke, dem Meisterredner. Ob er eine Art Über-Lübke
werden will, also ein Lübke des 21. Jahrhunderts?
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