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Für den Profit deutscher Konzerne:

Hunger ist der beste Investitionsanreiz

Heute in der slowakischen Republik - morgen bei uns!

aus: german-foreign-policy

Investitionsanreize

BERLIN/BRATISLAVA –

Deutsche Investoren in der Slowakei zeigen sich mit der ,,Reform"-Politik Bratislavas zufrieden, die in der Ostslowakei Hungerrevolten hervorruft. Dies geht aus einer Anfang März veröffentlichten Umfrage hervor. Deutschland als der mit Abstand bedeutendste Auslandsinvestor im Land hatte sich maßgeblich für die ,,Reformen" der slowakischen Regierung eingesetzt - mit der Drohung, die in der Slowakei tätigen deutschen Unternehmen würden anderenfalls ,,weiter gen Osten" ziehen, ,,wo die Lohnkosten noch günstiger sind".

Im vergangenen Sommer hatten deutsche Wirtschaftsvertreter gefordert, die slowakische Regierung müsse neue ,,Investitionsanreize" schaffen.1) Nach einer jüngst veröffentlichten Umfrage schneidet in der Beurteilung deutscher Investoren das neue slowakische Steuersystem besonders gut ab, auch die gut ausgebildeten und disziplinierten Arbeitskräfte werden gelobt. Bratislava hatte zum 1. Januar 2004 eine neue Steuergesetzgebung eingeführt (,,flat tax"), die insbesondere Unternehmen Steuersenkungen zugute kommen lässt und die Abgaben für Personen mit geringerem Einkommen teilweise drastisch erhöht. Massiv angehoben wurde auch die Mehrwertsteuer, wodurch sich vor allem Lebensmittel und Medikamente stark verteuert haben. Auch die Preise für Wasser, Strom und Heizwärme sind um bis zu zehn Prozent gestiegen.

Hungerrevolten

Um die anstehenden Steuerausfälle bei Unternehmen und Vielverdienenden auszugleichen, reduziert Bratislava zusätzlich auch die Sozialhilfe. Die Arbeitslosigkeit in der Slowakei liegt derzeit bei mehr als 17 Prozent, vor allem Langzeitarbeitslose sind von der drastischen Kürzung der zum Überleben notwendigen Bezüge bei steigenden Preisen betroffen. Die dramatische Verschlechterung ihrer Lage hat Ende Februar zu Hungerrevolten ostslowakischer Roma geführt, unter denen die Arbeitslosenquote nahe bei 100 Prozent liegt. Die Unruhen wurden durch massive Einsätze von Polizei und Sondereinheiten gewaltsam niedergeschlagen.

Verbesserungsbedarf

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kündigt unterdessen neue Reformwünsche deutscher Investoren an. Verbesserungsbedarf sehen deutsche Wirtschaftsvertreter, so heißt es in der Anfang März veröffentlichten Umfrage, vor allem in der Infrastruktur des Landes sowie im zu wenig effizienten Justiz- und Verwaltungssystem.

1)  s. dazu ,,Neue Phase" der deutschen Wirtschaftsexpansion

2)  s. auch Erntezeit (II) und Handelsbilanz

Quellen:
Deutsche Unternehmen in der Slowakei zufrieden. Delegiertenbüro stellt Umfrageergebnisse vor; Pressemitteilung des DIHK 10.03.2004
Hungrige Roma im Schlamm; junge Welt 13.03.2004

 

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