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Das
«soziale Gewissen der Sozialdemokratie»
von
Emil Collet
Quelle:
Trotz Alledem
Peter
von Oertzen, als Vertreter marxistischer Auffassungen in der SPD von
ihren Mitgliedern anerkannt, ist nach 59 Jahren aus der SPD ausgetreten.
Er wurde Mitglied der Wahlalternative, Arbeit und soziale Gerechtigkeit.
Von ihr hofft er, daß sie zu einer kleinen anständigen Linkspartei
wird. Die Begründung für sein Handeln deckt zugleich die tiefe
politische Krise der politischen Organisation der BRD auf.
Für
ihn ist durch die Politik von Schröder und Müntefering das «Projekt
Sozialdemokratie» erledigt.
Die
Agenda 2010, vom «Stern» als «Revolution von oben» bezeichnet, ist
nichts anderes als die Fortsetzung der Konterrevolution von oben, die
mit dem Verrat am real existierenden Sozialismus, mit dem Verrat an der
sozialistischen DDR begonnen hat.
Heute
zeigt sich doch eindeutig, daß die 40 Jahre Existenz der DDR, die
sozialistische Demokratie in Form der Diktatur des Proletariats das
Beste für die gesamte deutsche Arbeiterklasse, für das gesamte werktätige
deutsche Volk war.
Noch
nie war es gelungen, solche sozialen und demokratischen Rechte für die
Werktätigen unter dem kapitalistischen System zu erkämpfen, wie in der
Zeit der Existenz des sozialistischen Weltsystems. Dies galt beson-ders
für die BRD. Der sozialdemokratische Theoretiker Darmendorf
vereinnahmte diesen grandiosen Fortschritt und definierte ihn als das «sozialdemokratische
Jahrhundert». Wenn P. v. Oertzen dies als das «Projekt
Sozialdemokratie» versteht, hat er recht: Es ist erledigt, erledigt
durch Sozialdemokraten.
Die
DDR - Ursache der politischen Krise der BRD
Die
marxistisch-leninistische Vergangenheits- und Gegenwartsanalyse zeigt
jedem sachlichen Betrachter der Lage, daß die herrschende Klasse der
Kapitalisten nicht gewillt ist, erlittene Niederlagen hinzunehmen.
Nachdem durch die konterrevolutionäre Vernichtung der DDR diese nicht
mehr, wie N. Blühm treffend eingeschätzt hat, die stärkste
Gewerkschaft in der BRD ist und die Systemfrage in Deutschland
zeitweilig zugunsten des Kapitalismus entschieden ist, setzt die
herrschende Klasse mit brutaler Gewalt ihren Herr-im-Hause-Standpunkt
durch. Die CDU/CSU und die FDP konnten bei einer SPD/Grünen-«Opposition»
den «Reformstau» nicht auflösen. Dazu bedurfte es der Koalition von
SPD mit den Grünen selbst.
Die Agenda 2010 wurde zu dem Reformprogramm, welches zum ersten mal in
der Geschichte der Sozialdemo- kratie von Sozialdemokraten dazu genutzt
wurde, den bisherigen Sinn von Reformen in sein Gegenteil zu verkehren.
Reformen, bisher von den werktätigen Massen als etwas Positives
angesehen, wurden zu ihrem Albtraum. Diese Reformen führten allerorts
zu sozialer Angst, die sich wie Mehltau über die gesamte Gesellschaft
ausbreitet.
Mit
der Konterrevolution in der DDR unter der Führung von Kohl und Co., mit
A. Merkel als Ministerin und H. Köhler als Staatssekretär im
Finanzministerium (speziell verantwortlich für die Tätigkeit der
Treuhand) wurden blühende Landschaften in entindustrialisierte Wüsten
verwandelt. Die Werktätigen der DDR wurden ihrer gesellschaftlichen
Produktionsmittel beraubt.
Werte
in Billionen-DM-Höhe wurden «Eigentum» der «Einheitsgewinnler», das
Gebiet der DDR und ihre Bevölkerung wurden zur Kolonie innerhalb
Deutschlands. Sie wurden zum Experimentierfeld, auf dem ausprobiert
wurde, wie weit man die Ausbeutung steigern kann, in welchem Maße man
die Werktätigen mit Billiglöhnen demütigen kann. Der «Erfolg» war,
daß sich in den ersten 10 Jahren «Deutsche Einheit» der Wert von
Mobilien und Immobilien verdoppelte. Was an Kapital in die Ostländer
transferiert wurde und wird, kehrt in doppelter und dreifacher Höhe in
den Westen, in die Hände der Kapitaleigner, zurück. Nachdem die
Kohl-Regierung die Aufgabe der Konterrevolution erfolgreich gelöst
hatte, erfolgte ein Variantenwechsel hin zu einer Weiter- und Zuendeführung
der Konterrevolution von oben nun auch in Westdeutschland. Mittels
Beeinflussung der «öffentlichen Meinung» durch die kapitalistischen
Medien wurde durch «demokratische» Wahlen der Übergang zu Rot-Grün
vollzogen.
Schröder
versprach nichts anderes, nur, es besser zu machen. Dieses Versprechen
an die Klasse der Kapitalisten ist das einzige Wahlversprechen, welches
Rot-Grün eingehalten hat.
Durch
die reaktionäre Agenda 2010 wurde der Umverteilungsprozeß von unten
nach oben in einem bisher nicht gekannten Maße verstärkt. Der
ununterbrochene Milliarden-Euro-Strom von unten nach oben vergrößerte
sich bisher durch sozialreaktionäre Politik in der Regierungszeit von
Rot-Grün um 17 Prozent. Das Realeinkommen der Werktätigen sank indes
um 1 Prozent.
Die
Konzerne und die privatkapitalistischen Großbetriebe feiern regelrechte
Profitorgien. Sie sind aufgrund der erreichten Arbeits- produktivität
und damit niedrigster Lohnstückkosten Exportweltmeister. Die
Arbeitsproduktivität steigt aufgrund der Stagnation des Wachstums des
Binnenmarktes schneller an als das Bruttoinlandsprodukt. Das hat zur
Folge, daß der Sockel der Massenarbeitslosigkeit, insbesondere die
Langzeitarbeitslosigkeit, ständig ansteigt und damit auch der Anteil
der unter der Armutsgrenze lebenden Bürger der BRD. Hartz IV sorgt dafür,
daß sich das Absacken von immer mehr Bürgern in den Pauperismus verstärkt
und somit zu einer stabilen sozialökonomischen Basis des Neofaschismus
wird.
Alles
das unter Rot-Grün.
Peter
von Oertzen gibt auf die Frage, wie so etwas möglich ist, auch eine
Antwort. Müntefering, bemerkt er, verbreitet «dummes Geschwätz,
Demagogie», er habe keine Ahnung, was Kapitalismus ist. Er sei noch nie
an Theorie interessiert gewesen. G. Schröder, den er gut kenne, wird
von ihm wie folgt charakterisiert: «Schröder tickt ganz einfach: er
will von den feinen, den reichen, den mächtigen Leuten anerkannt
werden.
Er
ist ein aufstiegssüchtiger Plebejer, voll schrecklicher Minderwertig-
keitskomplexe. Schröder glaubt, wenn ein Vorstandsvorsitzender nett zu
ihm ist, hat er den Klassenkampf gewonnen!»
Schröder
hat auf einer Konferenz der Deutschen Bank zum Thema «Kapitalismus im
21. Jahrhundert» sein Überlaufen vom Sozialismus zum Kapitalismus ganz
klar und offen zugegeben.
Sein
Beitrag trug die Überschrift: «Der Kapitalismus hat gesiegt». Was
bleibt für die Politik?
Er
behauptet: «… kein anderes System hat der Menschheit mehr Freiheit,
mehr Sicherheit und mehr Wohlstand gebracht als der Kapitalismus. Die
Systemfrage, das ist nach meiner Auffassung gewiß, ist entschieden.»
Der
kleinbürgerliche Sozialdemokrat ist auf die Seite des «Stärkeren» übergelaufen.
Er ist der typische Pseudosozialist. Es ist verständlich, daß unter
diesen Bedingungen Peter von Oertzen mit seinen marxistischen
Erkenntnissen das «Projekt Sozialdemokratie» als erledigt ansieht.
Daß
unter diesen Bedingungen, da die SPD ständig versucht, die CDU/CSU
rechts zu überholen, die Mitglieder massenhaft aus der SPD austreten
und diese Partei Millionen Wähler verloren hat, sich «links» neben
einer sozialreaktionären Agenda 2010 eine «neue» Partei bildet, ist
in der Geschichte der SPD nichts neues. Ich verweise nur auf die
Herausbildung der USPD im 1. Weltkrieg. Die politische Krise in der BRD
ist gekennzeichnet durch einen massenhaften Vertrauensverlust gegenüber
den Eliten und Parteien, Wirtschaft und Medien.
Die
reale Situation in der «repräsentativen Demokratie» der BRD ist, daß
das Projekt «Volksparteien» nicht mehr den Inhalt der politischen
Organisation der BRD bestimmt. Der Vertrauensverlust hat dazu geführt,
daß die «Partei der Nichtwähler» die größte aller Parteien ist.
Bei
60 Millionen Wahlberechtigten bedeutet dies z. B., daß nur 36 Millionen
zur Wahl gehen. Eine Partei, die 50% der Wählerstimmen erhält, d.h. 18
Millionen, regiert mit 18 Millionen gegen 42 Millionen Andersdenkende.
D.h., die Eliten von 30% der Bevölkerung bestimmen über den Rest von
70%. Das hat weder etwas mit «Volksparteien» noch mit realer
Demokratie zu tun. Das ist Ausdruck der bürgerlichen Demokratie, der
Diktatur der Bourgeoisie.
Daß
unter diesen Bedingungen für eine neue, vor allem für eine
Protestpartei gute Möglichkeiten bestehen, in den Bundestag zu
gelangen, ist offensichtlich. Daß dabei Trittbrettfahrer wie z. B. die
PDS ihre Möglichkeiten steigen sehen, ist auch erklärlich. Die Maxime
dieser Partei ist, daß demokratischer Sozialismus nicht Ausstieg, auch
nicht Notausstieg aus dieser Gesellschaft, sondern Einstieg in diese
Gesellschaft (Kapitalismus) bedeutet. Wie begrenzt «linke Politik» von
WASG und PDS ist, geht daraus hervor, daß die Grundfrage aller
gesellschaftlichen Bewegungen, die Eigentumsfrage, nicht gestellt wird,
sondern nur die Forderung nach einer «gerechteren» Verteilung des
Kuchens «gesellschaftlicher Reichtum».
Neben
der PDS treten noch einige neue Interessenten für diese Koalition auf.
Sie nennen sich Kommunisten. Dazu gehört auch die 1990 wiedergegründete
KPD (in ihrem gegenwärtigen Zustand).
Die
auf der Internetseite der KPD (k-p-d-online.de) veröffentlichten Wahl-
forderungen sind Ausdruck politischer Beliebigkeit, weil sie den
Grundfragen aller gesellschaftlichen Bewegungen prinzipiell ausweichen.
Wenn
die KPD in ihrer Stellungnahme zu diesem Wahlbündnis/Wahlpartei erklärt,
dort mitwirken zu wollen, ist die KPD zu einer Partei fauler
Kompromisse, zu einer pluralistischen, sozialdemokratischen, einer
Partei politischer Beliebigkeit geworden.
Um
der deutschen Arbeiterklasse eine marxistisch-leninistische Partei zu
erhalten, wurde die KPD (B) gegründet. Im Gegensatz zu anderen sich als
links verstehenden Parteien entspricht die KPD(B) der klassischen
Tradition von Linksparteien, sie ist eine marxistisch-leninistische,
eine bolschewistische Partei. Die Einheit und Reinheit des Marxismus-
Leninismus ist die offene, parteiliche und wissenschaftliche Grundlage
des freiheitlichen Kampfbundes für die Interessen der Arbeiterklasse
und ihrer Verbündeten sowohl im nationalen als auch im internationalen
Rahmen. Diese Partei neuen Typus, diese linke Partei zu unterstützen
und ihr zu folgen, muß das Bedürfnis aller ehrlichen Kommunisten und
ihrer Sympathisanten sein.
Trotz
alledem, dem Sozialismus gehört die Zukunft, auch in Deutschland.
Die
Tatsache, daß es noch nie eine so stabile soziale Sicherheit für alle
in Deutschland gegeben hat wie zu DDR-Zeiten, ist hierbei eine sich ständig
verstärkende Triebkraft.
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