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Erwerbslosigkeit
und soziale Ausgrenzung
Es
rettet uns kein hö´hres Wesen, -
Uns aus dem Elend zu erlösen,
können wir nur selber tun!
von
Reinhold Schramm / Berlin/31.05.2008
Arbeitslosigkeit
und kein Ende?
Der
reale Zustand und die Notwendigkeit der Überwindung und Aufhebung
der Ursachen.
In
einer Studie zur Langzeitarbeitslosigkeit heißt es:
„So
verschwinden beispielsweise Arbeitslose, die in Beschäftigungsprogrammen
integriert sind, vorübergehend aus den Arbeitslosenstatistiken, um nach
Ablauf der Maßnahmen wieder als neu eintretende Arbeitslose zu
erscheinen. Auf diese Weise wird der tatsächliche Anteil von
Langzeitarbeitslosen verfälscht.“
Weiterhin:
„Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze vermögen
zwar zu zeigen weshalb es zu Langzeitarbeitslosigkeit komme, sie greifen
aber nicht mehr, wenn es darum gehe, die Krise der Arbeitsgesellschaft
zu beheben.“
Und:
„Von neoliberaler Seite wird vor allem eine Deregulierung des
Arbeitsmarktes gefordert. Mittels Lohnsenkungen und Reduktion der
Sozialabgaben von Arbeitgebern soll der Produktionsfaktor Arbeit
verbilligt werden, um dadurch Anreize zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
zu geben.“ So sollen nach den Vorstellungen der Wirtschaftsliberalen
Gesamtarbeitsverträge aufgekündigt und den regionalen Strukturen
angepasst werden, und „dadurch soll die Konkurrenzfähigkeit gegenüber
Tieflohnländern erhöht werden.“
So
fordern die Wirtschaftsliberalen auch „eine deutliche
zeitliche Einschränkung des Leistungsbezugs von Arbeitslosengeldern.
Die Arbeitslosen sollen dadurch - nach amerikanischen Vorbild -
gezwungen werden, auch eine schlechter bezahlte Beschäftigung
anzunehmen.“ *
Die
zitierte Studie stammt aus dem Jahr 2000.
Die
erwünschte Methodik* wird flächendeckend in Deutschland
modifiziert praktiziert. Beim Leistungsbezug erfolgt seit Jahren keine
Anpassung an die tatsächliche Kostenentwicklung, wie bei der staatlichen
Regelleistung zu ALG II - “Hartz IV“. Mit Beginn der
Arbeitslosigkeit erfolgt eine abgleitende Reduzierung der materiellen
Existenzgrundlage, bei fortwährender Erwerbslosigkeit, - so auch
bei einer vorausgehenden Erwerbstätigkeit von mehr als dreißig
Arbeitsjahren und berufsbedingten Einschränkungen der Leistungsfähigkeit.
Die
Liberalen fordern die Anpassungsfähigkeit an den Strukturwandel der
Industriegesellschaften von den Lohnabhängigen, eine am Markt
orientierte Flexibilität, Qualifikation und räumliche Mobilität.
Sie sind auch für kostenfreie und kostenlose Selbsthilfeorganisationen
der Arbeitslosen, auch aufgrund geringerer Kosten für die Staatskasse
und (ihrer) 'Gemeinschaft'. - Auch hierbei auf Grund einer höheren
Beschäftigungsquote bei einer dauerhaften Anstellung.
Die
Autorin der Studie kommt zur Folgerung:
„Der
ökonomische Apparat kann den gesellschaftlichen Reichtum produzieren
und sogar vermehren, ohne die Arbeitskraft aller Beschäftigung
suchenden Bürger in Anspruch zu nehmen.“
Aber
auch: Zugleich sind die am kurzfristigen Profit orientierten
gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen katastrophal. Die
Instabilitätsmomente der Gesellschaft vermehren sich, durch die Störungs-
und Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte und zugleich durch die
soziale Ausgrenzung von Dauerarbeitslosen und Dauerarmen.
Allerdings
üben die Langzeitarbeitslosen und Ausgegrenzten kaum einen politischen
Druck auf die Regierenden aus. Es fehlt an aktiver Gemeinsamkeit und
Vertretung für die Durchsetzung von Interessen.
„Politischer Widerstand, der gegen den sozialen Verfall und die
Verelendung aufbegehrt,“ kann von den herrschenden Schichten und
Klassen (in der Studie heißt es “Mehrheitsklasse“) “nahezu
problemlos entschärft werden.“ - Und hierzu heißt es in einem Zitat
der Studie, entsprechend unserer aktuellen gesellschaftlichen Realität,
auch zutreffend: „Die Öffentlichkeit, insbesondere die politischen
Parteien, Verbände und die sozialstaatlichen Institutionen begegnen den
sozialen Problemen nur noch mit Achselzucken und Dethematisierung.“ -
Dem wäre noch hinzuzufügen, sie begegnen den sozialen Problemen der
Arbeitslosen und Ausgegrenzten mit Schönwetterprognosen, Sonntagsreden
und anderen Selbstdarstellungen, - im vorbeugendem Kapitalinteresse und
deren Staatsinteresse. [1]
Schlussfolgerung
und Aufgabenstellung:
Schlussfolgerung
und Forderung zur Verbesserung der sozialen Lage der Arbeitslosen
und aller sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten: Deutliche
Anhebung der staatlichen Regelleistung, unter Beachtung der realen
Lebensbedingungen in Deutschland und unter Verzicht auf staatliche
Repressionsmaßnahmen. [2]
Auch
eine Forderung (nicht nur) an die Gewerkschaften und Sozialen Bewegungen:
Solidarität
mit den sozial ausgegrenzten Teilen der Gesellschaft: den Marginalisierten,
Obdachlosen, Arbeits- und Erwerbslosen, Migranten, Unterbezahlten in
Erwerbsarbeit, Behinderten, Jungen und Alten, muss die politische
Aufgabe sein! Einbeziehung der Marginalisierten und qualifizierten
Hand- und Kopfarbeiter, außerhalb und innerhalb der (beruflichen)
Verwertungs- und Erwerbsarbeit. Gemeinsame solidarische Kampfmaßnahmen!
Gewerkschaftliche Vertretung auch für Nichtmitglieder und
Rechtsbeistand. Zusammenführung der Marginalisierten, Arbeitslosen und Lohnabhängigen
muss die Aufgabe sein! - Einbeziehung in gemeinsame und solidarische
Kampfmaßnahmen! Gemeinsame Beteiligung - ob mit oder ohne Erwerbsarbeit
- an den sozialen und politischen Kämpfen ist die Aufgabe!
Unter
den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen wären folgende
gesellschaftspolitischen Forderungen und deren Durchsetzung richtig:
-
Drastische Verkürzung der Arbeitszeit: 30-Stunden-Woche bei vollem
Lohnausgleich.
-
Einstellung aller Erwerbslosen und behinderten Menschen entsprechend
ihrer Leistungsfähigkeit und unabhängig vom Lebensalter.
-
Bezahlung der Arbeit nach Tarif gemäß der (beruflichen) Qualifikation.
Anpassungsqualifikation auf tariflicher Grundlage. Erhöhung der Tariflöhne.
[3]
-
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
[4] - unabhängig vom
Lebensalter, Geschlecht und Herkunft.
Parallel
zur Durchsetzung dieser gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen
Forderungen wäre die politisch-ideologische Aufklärung und
Auseinandersetzung über die bestehende kapitalistische
Gesellschaftsordnung zu führen.
Allerdings
ist mit den Funktionsträgern der deutschen Sozialdemokratie die
notwendige Durchsetzung und Umsetzung unserer Forderungen nicht zu
bekommen. Die notwendigen tief greifenden Veränderungen in der
Gesellschaft sind im Selbstlauf nicht zu haben.
Quellenhinweis:
[1] Seminararbeit:
Ursachen und Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Soziologisches
Institut der Universität Zürich. Online Publikationen. Zürich 2000.
Internet: http://socio.ch/arbeit/t_a.ruckstuhl.htm
[2]
Siehe hierzu auch: Regelsatzerhöhung
JETZT. LabourNet.de
Germany.
Internet:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/hilfe/leistungen.html
[3]
Siehe hierzu, zur Diskussion zum „BGE“ - und die Realität der
kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in Labournet.
Internet:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/existenz/schramm.html
[4]
Monatseinkommen (Brutto). Lohndifferenz
- „mit“ und „ohne“ Tarifvertrag.
Hier
(pdf): www.triller-online.de/lohn.pdf |