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Bürgerliche
„Wissenschaft“
Die
Hauptsache die Profite der Konzerne steigen
Anmerkungen
von Gerd Höhne/17. August 2005
Wenn
man die bürgerliche Soziologie mit kurzen Worten einfach definieren
will, dann so:
Im
Raum sind zwei Menschen. Der eine hat 100 € in der Tasche, der andere
nichts. Folglich haben sie im Schnitt 50 € und somit hat jeder Geld,
So
einfach ist das mit der Statistik. Bürgerliche Soziologie basiert
in weiten Teilen auf Statistik. Alles wird statistisch gesehen.
Das
findet auch seinen Niederschlag in der Politik. Da empörte sich
SPD-Chef Münterfering darüber, dass er am 1. Mai 2005 in Duisburg
ausgebuht wurde. Er sagte, die SPD-Regierung habe den Jugendlichen
entschieden geholfen, denn jetzt würden sie als Arbeitslose gewertet
und wären dem Arbeitsmarkt zugeführt worden.
Arbeit
oder gar Ausbildung haben sie da noch lange nicht. Aber darum geht es
auch gar nicht.
Wo
keine Jobs sind, kann das Arbeitsamt keine vermitteln und wenn keine
Lehrstellen da sind, gibt es keine Ausbildung. Aber statistisch kann man
was tun.
Da
bekommen Jugendliche zwar keine Lehrstelle, denn die Lehrstellenabgabe
wurde ja vor einem Jahr gegen ein vages Versprechen der Industrie,
welche zu schaffen (Ausbildungspakt), wieder kassiert, aber statistisch
sind die Soziologen fleißig dran die Realität zu schönen.
Soziologie
ist also nicht nur Kaffeesatzleserei – das auch – sie dient aber in
erster Linie dazu, die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche zu
kaschieren, ggf. auch wegzulügen.
Wenn
also ein Herr Zimmermann vom Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung sich vorige Woche hinstellte und forderte, das
Rentenalter auf 70 Jahre herauf zu setzen, so hat das sicher was
Pikantes. Denn nicht nur, dass der Versicherte fünf Jahre später Rente
bekäme, also auch fünf Jahre kürzere Zeit der Rentenzahlung bis zum
Tod, es sind auch weniger, die überhaupt Rente bekämen, denn ein Teil
wird vorher sterben.
Damit
mag man die Rentenkassen sanieren, aber das geht ähnlich, wie die
Gesundheitsreform: Indem man die Versicherten mehr durch Zuzahlungen usw,
bezahlen lässt, senkt man die „Lohnnebenkosten“, also eigentlich
die Lohnkosten und steigert damit die Profite der Unternehmen.
So
auch hier. Die Rentner zahlen die Folgen, der Gewinner ist das Kapital.
Also genau die, die an der Misere bei der Renten- und
Krankenversicherung schuld sind, denn durch Ausgliederung ganzer
Produktbereiche in Billiglohnländer und der Vernichtung von Arbeitsplätzen.
Lohndrückerei, prekäre Arbeitsverhältnisse usw. entstand ja erstmal
die Lücke in den Rentenkassen und bei den gesetzlichen Krankenkassen.
Und
jetzt erneut solch eine Milchmädchenrechnung aus der stinkenden Suppenküche
der bürgerlichen Wissenschaft.
Herr
Zimmermann will alle, die mindestens eine Stunde in der Woche arbeiten,
nicht mehr als Arbeitslose zählen.
Mal
abgesehen vom Problem, dass er erstmal dahinter kommen muss, wer da eine
Stunde in der Woche beim Nachbarn die Hecke schneidet, den Hund Gassi führt,
die Treppe wischt für einen Nachbarn usw. Denn
keiner wird zum Arbeitsamt rennen und das auch noch sagen. Man könnte
das nur einigermaßen wirkungsvoll ermitteln, wenn ein gigantisches
Spitzelsystem gegen die Arbeitslosen aufgebaut würde.
Da
gibt es bereits Ansätze dazu. So z.B. die Telefonaktion, bei der
Arbeitslose ausspioniert wurden (siehe)
oder der Vorschlag des hessischen Innenministers Arbeitslosen die
elektronische Fessel anzulegen, geht in diese Richtung. Man sage nicht,
der Herr Zimmermann würde spinnen. Der spricht nur sehr früh etwas
aus, was bereits morgen Gesetz werden kann. Das Ziel ist Demontage der
sozialen Sicherungssysteme und das gründlich.
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