Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Der Abzocker, der die Armen schröpfte, macht Kasse:

Gerster kassiert bis März 2007 die Summe von 427.080 €

Wie viel bekommen seine Opfer, die Arbeitslosen?

Der unrühmliche Abgang des Oberstleutnants der Reserve[1] Florian Gerster als Bundespräsident für Arbeit

Aufstieg und Fall des unheiligen Florian

Von Gerd Höhne

Man sagt, Florian Gerster habe in seinem Büro ein Bild von sich als Feuerwehrmann hängen gehabt. Aber der Heilige Florian - auf den spielt das Bild an - ist nicht nur der Schutzpatron der Feuerwehrleute, -  auch der der Brandstifter. 

Er ist also in die Wüste geschickt, der Schaumschläger, Sprücheklopfer, Beratervertragsvergeber und Weltverbesserer Florian Gerster.

2002 angetreten, den Fälscher der Arbeitslosenstatistik Jagoda zu ersetzen. Der hatte das falsche Parteibuch und seine Behörde hatte zu offenkundig die Statistiken schöngefälscht und das kam raus. Das geht natürlich nicht und kostete ihm den Job.

Florian Gerster, damals Sozialminister im weinseligen Rheinland-Pfalz, bot sich als Alternative an. Dort hatte er schon von dich reden gemacht als der Erfinder des Rezepts der Rezepte gegen die Arbeitslosigkeit: den Kombilohn.

Der Flop: Kombilohn

„Als sinnvoll erachtet er es, künftig bei Fortbildung und Umschulung zu sparen, um stattdessen verstärkt - wie beim Kombilohn-Modell - Lohnzuschüsse für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose zu zahlen. Er plädiert zudem dafür, mehr Teilzeitstellen zu schaffen, befristete Arbeitsverhältnisse sowie Zeitarbeit und niedrig entlohnte Arbeit zu ermöglichen.“[2]

Klar, Gerster wollte jetzt eher ans Eingemachte. Hatte Jagoda für Kohl die Arbeitslosenstatistik regelmäßig geschönt, indem er vor Bundestagswahlen gehäuft teure Umschulungen anbot, die immerhin den Nebeneffekt hatten, dass eine Reihe unqualifizierter Arbeitsloser einen Berufsabschluss bekamen, rückte Gerster hiervon ab.

Seine Rezept: Schaumschlagen, Wind erzeugen, schönreden, Strategiespielchen und PR. Dazu hatte er die richtige Ausbildung. Er, der Reserve-Oberstleutnant der Bundeswehr, hat die Schaumschlägerei studiert, er ist Diplompsychologe.

Damit führte er sich dann auch ein. Sein Zauberwort war „Kombilohn“. Der Staat qualifiziert Unqualifizierte nicht mehr mittels Umschulung, sondern zahlt Zuschüsse zur Sozialversicherung und lässt sie unqualifizierte Arbeiten verrichten. 100.000 bis 150.000 Arbeitslose sollte das Jobs bringen. Der Miesmacher und damalige Bundesarbeitsminister Riester kam allerdings nur auf 30.000 neue Arbeitsplätze (immerhin!). Ein halbes Jahr nach Einführung des Kombilohns waren es nach einer Meldung des WDR ganze zwölf Menschen, die dadurch einen Job gefunden hatten. Nach einem Jahr, berichtet die Deutsche Handwerker Zeitung, waren es immerhin schon 526 Arbeitslose.[3] Ein Riesenflop also, noch nicht einmal in die Nähe der abgespeckten  Prognose von Minister Riester kamen die Erfolgszahlen des Kombilohns. Nach kurzer Zeit wurde das Konzept in aller Stille beigesetzt.

Nicht Arbeitslosen Jobs verschaffen – Statistik schönen!

Die Troika Hartz-Gerster- Rürup, angetreten zum Kampf gegen die Arbeitslosen, Kranken und Sozialhilfeempfänger, hatte in Gerster einen würdigen Mann in der Nürnberger Behörde. Still und heimlich wurden die Umschulungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose gegen Null gefahren,  Gleichzeitig wurde ein großer Teil von ihnen aus der Statistik rausgerechnet. Die Erfolgsmeldungen des letzten Berichts über die Arbeitslosenzahlen, wo lt. Gerster trotz gestiegener Zahlen an  Arbeitslosen deren Zahl gesunken ist (wirklich, das ist lt. Gerster so), beruht auch aus solchen rausgerechneten Arbeitslosen.

Ich-AG – eine Mogelpackung

Der nächste Angriff auf die Arbeitslosenstatistik wurde dann die Erfindung der Ich-AG. Hierfür kassierten die Schöpfer prompt die Ehrung des „Unworts des Jahres“[4]

Wir  bekannt, fördert das Arbeitsamt Scheinunternehmer. (siehe auch: "Gersters Lösung des Arbeitslosenproblems: Werdet Hundefrisöre!  Damit Männer gut dastehen: das City-Pissoir  „Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“, von Gerd Höhne[5] und Die große Verarsche: Wie Gersters Bundesanstalt für Arbeit das Arbeitslosenproblem löst:  werdet Hundefrisöre, Suppenköche, Kleinviehsitter, Wahrsagerin, macht Senfsalons auf, (Dokumente des Schwachsinns)[6]

Mit „Unternehmen“, wie Wahrsagerin, Suppenküchen, mobilem Hundefrsör, Hostess (ein Schuft, der böses dabei denkt) usw. soll der Arbeitslosigkeit an den Kragen gegangen werden.

Gerster verkündete dann auch bei seiner allerletzten Pressekonferenz, dass ein Drittel des Rückgangs der Arbeitslosen auf den Ich-AG’s beruht. Wenn man also die zu der Arbeitslosenstatistik dazu rechnet, dürfte der Erfolg der Maßnahmen aus der Giftküche Schröders via Hartz-Rürup-Gerster doch eher bescheiden ausfallen und sich als Rechenleistung entpuppen.

Gerster aber, als gelernter Diplommanipulateur und strammer Bundeswehroffizier, focht das nicht an. Hauptsache dem Wahlvolk wird im wichtigen Europa- und Landtagswahljahr 2004 vorgegaukelt, Schröder schaffe Arbeitsplätze.

Dass gescheiterte Ich-AGler, die dann aus der Arbeitslosenstatistik rausgeflogen sind, aber auch aus der Renten- und Krankenversicherung, dann sonst wo landen, nur nicht im sozialen Netz des angeblichen Sozialstaates, ficht Schröders Seilschaft nicht an. Dass diese Menschen für ihre Naivität der Propaganda vertraut zu haben, dann im Elend landen, womöglich mit einem Berg Schulden, ist womöglich sogar einkalkuliert und gewollt.

Bauernopfer wg. Schiebereien des obersten Arbeitsagenten

Jetzt ist Gerster, wie sein Vorgänger Jagoda, gefeuert worden. Jagoda dürfte sicher Schadenfreude empfinden um seinen glücklosen Nachfolger, was ich auch verstehen kann.

Aber Gerster stolperte nicht über geschönte Statistiken. Ihm deshalb zu feuern und den Umstand an die große Glocke hängen,  ist unzweckmäßig, denn damit soll noch eine ganze Weile die Propagandatrommel gerührt und Arbeitsmarktpolitik gemacht werden. Ehe es der Öffentlichkeit klar wird, dass diese Zahlen gefälscht sind, dauert es, so hofft Schröder, Clement und Kumpane, noch einige Zeit.

Clement ist deshalb noch am Tag, als er Gerster feuerte, voll des Lobs. Gerster habe diese Behörde modernisiert, von einer Verwaltung der Arbeitslosigkeit in... Da wurde er unklar. Gerster habe „aus der alten Verwaltung“ eine „kundenorientierte Arbeitsvermittlung“ gemacht. Glaubt das Clement wirklich? Ich fürchte ja. Nur: wo keine Jobs sind, können keine vermittelt werden und genau hier liegt doch wohl das Problem.

PR-pur ohne was dahinter: Gersters Rezept wird in Nürnberg weiter leben

Gerster, angetreten  als Bundespräsident für Arbeit, mutiert zum obersten Agenten der Arbeit(slosigkeit), hat also seinen Job verloren. Wir müssen ihm keine Träne nachweinen. Er verschob zwar Millionen an Beraterverträgen, aber das sind Peanuts gegenüber dem Gesamtetat. Das ist auch nicht der Skandal. Skandal ist, was dabei rum kommt.

Es hängen überall Plakate rum mit dem Slogan „Teamarbeit für Deutschland“. Das ist ein Ergebnis einer solchen Beratung. PR pur und dann auch noch so durchsichtig manipuliert und so gelogen, dass entweder die Werbeagentur ihr Geld nicht wert ist oder die Auftraggeber, also die Arbeitsagenten aus Nürnberg, sich hier als erheblich minderbegabt geoutet haben. Was die Team-Arbeiter von sich gaben, lässt jedenfalls auf die Minderbegabung schließen.  

Inszeniert wird gekünstelter Hurra-Optimismus, mit sog. Experten, die keine sind (z.B. der Sängerknabe Roland Kaiser und der Pinkelbudenhersteller Hans Wall, Chef der Wall AG („Damit Männer gut dastehen: das City-Pissoir  „Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“[8]) Kein Quatsch, das ist ernst gemeint und verbreitet diese TeamArbeiter tatsächlich.

Gerster wird nicht Kunde der Bundesagentur für Arbeit werden müssen

Nun denn, Florian Gerster wird nicht Kunde seiner ehemaligen Firma werden und stempeln gehen. Er wird einige Monate sein fettes Gehalt weiterbeziehen (entspricht einem Bundesminister, lt. Ex-Chef Wolfgang Clement), bekommt dann nur die Hälfte. Aber wetten, dass er dies nicht hinnehmen muss? Gerster, der „hervorragende Fachmann“ (Minister Clement), der „nicht gescheitert“ ist (ebenda), für diesen Gerster wird es doch einen guten Job geben. In Brüssel, bei der EU etwa, als EU-Kommissar zum Beispiel. Das gab’s ja auch schon mal bei einen gewissen Martin Bangemann, der als Wirtschaftsminister wegen Unfähigkeit nach Brüssel weggelobt wurde. Dort bekam er einen gut dotierten Posten als EU-Kommissar, dessen Einkünfte er durch lukrative Beraterverträge aufbesserte.

Wieso nicht auch für einen Florian Gerster einen solchen Job?

Gerd Höhne


[1] Die Schulzeit verbrachte G. bis zum Abitur 1968 zeitweise auf einem Internat. Nach dem Wehrdienst als Reserveoffizier - er stieg später zum Oberstleutnant auf - studierte G. ab 1970 Psychologie sowie Betriebswirtschaftslehre in Mannheim und schloss 1975 als Diplom-Psychologe ab.

Siehe: http://www.ftd.de/db/mu/1069485170550.html?nv=se

[3] Kombilohn: Mainz kann danach nicht singen und lachen
Nach einer Studie des Bundesarbeitsministeriums stößt das Anfang März bundesweit eingeführte Mainzer Kombilohnmodell in den Pilotregionen Rheinland-Pfalz und Brandenburg kaum auf Resonanz.

Demnach wird jeder Dritte der bis November 2001 bewilligten 735 Zuschüsse inzwischen nicht mehr in Anspruch genommen. In 115 Fällen sei die Förderung vorzeitig abgebrochen worden, die Hälfte davon schon innerhalb der ersten 100 Tage. Das umstrittene Modell, bei dem der Staat Geringverdienern Zuschüsse zur Sozialversicherung zahlt, geht auf eine Idee des künftigen Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, den SPD-Politiker Florian Gerster, zurück. Auch die aktuelle Förderstatistik des Bundesarbeitsministeriums spricht nicht dafür, dass man nach diesem Mainzer Modell singt und lacht. Im Dezember 2001 gab es lediglich 526 geförderte Personen. (12.03.2002 / Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung), http://www.handwerk-info.de/100883.html

[4] Diese Wortbildung leide bereits sachlich unter lächerlicher Unlogik, da ein Individuum keine Aktiengesellschaft sein könne. Selbst als ironisches Bild sei das Wort nicht hinzunehmen, da sich die aktuelle Arbeitslosigkeit mit solcher Art von Humor kaum noch vertrage, so der Sprecher der Jury, Horst Schlosser von der Universität Frankfurt. Ausschlaggebend für die Wahl sei aber die Herabstufung menschlicher Schicksale auf ein sprachliches Börsenniveau gewesen. http://www.wissenschaft-online.de/artikel/614349

[7] ebenda

 

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!