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Der
unrühmliche Abgang des Oberstleutnants der Reserve
Florian Gerster als Bundespräsident für Arbeit
Aufstieg
und Fall des unheiligen Florian
Von
Gerd Höhne
Man
sagt, Florian Gerster habe in seinem Büro ein Bild von sich als
Feuerwehrmann hängen gehabt. Aber der Heilige Florian - auf den spielt
das Bild an - ist nicht nur der Schutzpatron der Feuerwehrleute, -
auch der der Brandstifter.
Er
ist also in die Wüste geschickt, der Schaumschläger, Sprücheklopfer,
Beratervertragsvergeber und Weltverbesserer Florian Gerster.
2002
angetreten, den Fälscher der Arbeitslosenstatistik Jagoda zu ersetzen.
Der hatte das falsche Parteibuch und seine Behörde hatte zu offenkundig
die Statistiken schöngefälscht und das kam raus. Das geht natürlich
nicht und kostete ihm den Job.
Florian
Gerster, damals Sozialminister im weinseligen Rheinland-Pfalz, bot sich
als Alternative an. Dort hatte er schon von dich reden gemacht als der
Erfinder des Rezepts der Rezepte gegen die Arbeitslosigkeit: den
Kombilohn.
Der
Flop: Kombilohn
„Als
sinnvoll erachtet er es, künftig bei Fortbildung und Umschulung zu
sparen, um stattdessen verstärkt - wie beim Kombilohn-Modell - Lohnzuschüsse
für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose zu zahlen. Er plädiert
zudem dafür, mehr Teilzeitstellen zu schaffen, befristete Arbeitsverhältnisse
sowie Zeitarbeit und niedrig entlohnte Arbeit zu ermöglichen.“
Klar,
Gerster wollte jetzt eher ans Eingemachte. Hatte Jagoda für Kohl die
Arbeitslosenstatistik regelmäßig geschönt, indem er vor
Bundestagswahlen gehäuft teure Umschulungen anbot, die immerhin den
Nebeneffekt hatten, dass eine Reihe unqualifizierter Arbeitsloser einen
Berufsabschluss bekamen, rückte Gerster hiervon ab.
Seine
Rezept: Schaumschlagen, Wind erzeugen, schönreden, Strategiespielchen und
PR. Dazu hatte er die richtige Ausbildung. Er, der Reserve-Oberstleutnant
der Bundeswehr, hat die Schaumschlägerei studiert, er ist
Diplompsychologe.
Damit
führte er sich dann auch ein. Sein Zauberwort war „Kombilohn“. Der
Staat qualifiziert Unqualifizierte nicht mehr mittels Umschulung, sondern
zahlt Zuschüsse zur Sozialversicherung und lässt sie unqualifizierte
Arbeiten verrichten. 100.000 bis 150.000 Arbeitslose sollte das Jobs
bringen. Der Miesmacher und damalige Bundesarbeitsminister Riester kam
allerdings nur auf 30.000 neue Arbeitsplätze (immerhin!). Ein halbes Jahr
nach Einführung des Kombilohns waren es nach einer Meldung des WDR ganze
zwölf Menschen, die dadurch einen Job gefunden hatten. Nach einem Jahr,
berichtet die Deutsche Handwerker Zeitung, waren es immerhin schon 526
Arbeitslose.
Ein Riesenflop also, noch nicht einmal in die Nähe der abgespeckten
Prognose von Minister Riester kamen die Erfolgszahlen des
Kombilohns. Nach kurzer Zeit wurde das Konzept in aller Stille beigesetzt.
Nicht
Arbeitslosen Jobs verschaffen – Statistik schönen!
Die
Troika Hartz-Gerster-
Rürup, angetreten zum Kampf gegen die Arbeitslosen, Kranken und
Sozialhilfeempfänger, hatte in Gerster einen würdigen Mann in der Nürnberger
Behörde. Still und heimlich wurden die Umschulungsmaßnahmen für
Langzeitarbeitslose gegen Null gefahren,
Gleichzeitig wurde ein großer Teil von ihnen aus der Statistik
rausgerechnet. Die Erfolgsmeldungen des letzten Berichts über die
Arbeitslosenzahlen, wo lt. Gerster trotz gestiegener Zahlen an
Arbeitslosen deren Zahl gesunken ist (wirklich, das ist lt. Gerster
so), beruht auch aus solchen rausgerechneten Arbeitslosen.
Ich-AG
– eine Mogelpackung
Der
nächste Angriff auf die Arbeitslosenstatistik wurde dann die Erfindung
der Ich-AG. Hierfür kassierten die Schöpfer prompt die Ehrung des
„Unworts des Jahres“
Wir
bekannt, fördert das Arbeitsamt Scheinunternehmer. (siehe auch:
"Gersters Lösung des
Arbeitslosenproblems: Werdet
Hundefrisöre! „Damit
Männer gut dastehen: das City-Pissoir
„Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“, von
Gerd Höhne
und Die große
Verarsche: Wie Gersters
Bundesanstalt für Arbeit das Arbeitslosenproblem löst: werdet Hundefrisöre, Suppenköche, Kleinviehsitter, Wahrsagerin, macht
Senfsalons auf, (Dokumente des Schwachsinns)
Mit
„Unternehmen“, wie Wahrsagerin, Suppenküchen, mobilem Hundefrsör,
Hostess (ein Schuft, der böses dabei denkt) usw. soll der
Arbeitslosigkeit an den Kragen gegangen werden.
Gerster
verkündete dann auch bei seiner allerletzten Pressekonferenz, dass ein
Drittel des Rückgangs der Arbeitslosen auf den Ich-AG’s beruht. Wenn
man also die zu der Arbeitslosenstatistik dazu rechnet, dürfte der Erfolg
der Maßnahmen aus der Giftküche Schröders via Hartz-Rürup-Gerster doch
eher bescheiden ausfallen und sich als Rechenleistung entpuppen.
Gerster
aber, als gelernter Diplommanipulateur und strammer Bundeswehroffizier,
focht das nicht an. Hauptsache dem Wahlvolk wird im wichtigen Europa- und
Landtagswahljahr 2004 vorgegaukelt, Schröder schaffe Arbeitsplätze.
Dass
gescheiterte Ich-AGler, die dann aus der Arbeitslosenstatistik
rausgeflogen sind, aber auch aus der Renten- und Krankenversicherung, dann
sonst wo landen, nur nicht im sozialen Netz des angeblichen Sozialstaates,
ficht Schröders Seilschaft nicht an. Dass diese Menschen für ihre Naivität
der Propaganda vertraut zu haben, dann im Elend landen, womöglich mit
einem Berg Schulden, ist womöglich sogar einkalkuliert und gewollt.
Bauernopfer
wg. Schiebereien des obersten Arbeitsagenten
Jetzt
ist Gerster, wie sein Vorgänger Jagoda, gefeuert worden. Jagoda dürfte
sicher Schadenfreude empfinden um seinen glücklosen Nachfolger, was ich
auch verstehen kann.
Aber
Gerster stolperte nicht über geschönte Statistiken. Ihm deshalb zu
feuern und den Umstand an die große
Glocke hängen, ist
unzweckmäßig, denn damit soll noch eine ganze Weile die
Propagandatrommel gerührt und Arbeitsmarktpolitik gemacht werden. Ehe es der Öffentlichkeit klar wird,
dass diese Zahlen gefälscht sind, dauert es, so hofft Schröder, Clement
und Kumpane, noch einige Zeit.
Clement
ist deshalb noch am Tag, als er Gerster feuerte, voll des Lobs. Gerster
habe diese Behörde modernisiert, von einer Verwaltung der
Arbeitslosigkeit in... Da wurde er unklar. Gerster habe „aus der alten
Verwaltung“ eine „kundenorientierte Arbeitsvermittlung“ gemacht.
Glaubt das Clement wirklich? Ich fürchte ja. Nur: wo keine Jobs sind, können
keine vermittelt werden und genau hier liegt doch wohl das Problem.
PR-pur
ohne was dahinter: Gersters Rezept wird in Nürnberg weiter leben
Gerster,
angetreten als Bundespräsident
für Arbeit, mutiert zum obersten Agenten der Arbeit(slosigkeit), hat also
seinen Job verloren. Wir müssen ihm keine Träne nachweinen. Er verschob
zwar Millionen an Beraterverträgen, aber das sind Peanuts gegenüber dem
Gesamtetat. Das ist auch nicht der Skandal. Skandal ist, was dabei rum
kommt.
Es
hängen überall Plakate rum mit dem Slogan „Teamarbeit für Deutschland“. Das
ist ein Ergebnis einer solchen Beratung. PR pur und dann auch noch so
durchsichtig manipuliert und so gelogen, dass entweder die Werbeagentur
ihr Geld nicht wert ist oder die Auftraggeber, also die Arbeitsagenten aus
Nürnberg, sich hier als erheblich minderbegabt geoutet haben. Was die
Team-Arbeiter von sich gaben, lässt jedenfalls auf die Minderbegabung
schließen.
Inszeniert
wird gekünstelter Hurra-Optimismus, mit sog. Experten, die keine sind (z.B. der Sängerknabe
Roland Kaiser und der Pinkelbudenhersteller Hans Wall, Chef der Wall AG („Damit
Männer gut dastehen: das City-Pissoir
„Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“)
Kein Quatsch, das ist ernst gemeint und
verbreitet diese TeamArbeiter tatsächlich.
Gerster
wird nicht Kunde der Bundesagentur für Arbeit werden müssen
Nun
denn, Florian Gerster wird nicht Kunde seiner ehemaligen Firma werden und
stempeln gehen. Er wird einige Monate sein fettes Gehalt weiterbeziehen
(entspricht einem Bundesminister, lt. Ex-Chef Wolfgang Clement), bekommt
dann nur die Hälfte. Aber wetten, dass er dies nicht hinnehmen muss?
Gerster, der „hervorragende Fachmann“ (Minister Clement), der „nicht
gescheitert“ ist (ebenda), für diesen Gerster wird es doch einen guten
Job geben. In Brüssel, bei der EU etwa, als EU-Kommissar zum Beispiel.
Das gab’s ja auch schon mal bei einen gewissen Martin Bangemann, der als
Wirtschaftsminister wegen Unfähigkeit nach Brüssel weggelobt wurde. Dort
bekam er einen gut dotierten Posten als EU-Kommissar, dessen Einkünfte er
durch lukrative Beraterverträge aufbesserte.
Wieso
nicht auch für einen Florian Gerster einen solchen Job?
Gerd
Höhne
Kombilohn: Mainz kann danach nicht singen und lachen
Nach einer Studie des Bundesarbeitsministeriums stößt das Anfang
März bundesweit eingeführte Mainzer Kombilohnmodell in den
Pilotregionen Rheinland-Pfalz und Brandenburg kaum auf Resonanz.
Demnach
wird jeder Dritte der bis November 2001 bewilligten 735 Zuschüsse
inzwischen nicht mehr in Anspruch genommen. In 115 Fällen sei die Förderung
vorzeitig abgebrochen worden, die Hälfte davon schon innerhalb der
ersten 100 Tage. Das umstrittene Modell, bei dem der Staat
Geringverdienern Zuschüsse zur Sozialversicherung zahlt, geht auf
eine Idee des künftigen Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit,
den SPD-Politiker Florian Gerster, zurück. Auch die aktuelle Förderstatistik
des Bundesarbeitsministeriums spricht nicht dafür, dass man nach
diesem Mainzer Modell singt und lacht. Im Dezember 2001 gab es
lediglich 526 geförderte Personen. (12.03.2002
/ Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung), http://www.handwerk-info.de/100883.html
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