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„Der US-amerikanische Volkswirtschaftler und Schriftsteller William K. Black hat einen denkwürdigen Ausspruch getan: „Die beste Art und Weise, eine Bank auszurauben, ist ihr Eigentümer zu sein.“
(zitiert nach Fidel Castro, Gedanken, 15.11.2010)

Der marxistische belgische Ökonom Henri Houben fragt

BEGINNEN DIE USA EINEN (FINANZ-) KRIEG?

von Henri Houben, Brüssel

übersetzt aus dem Niederländischen von Jens-Torsten Bohlke

Brüssel, 15. November 2010, PTB-Homepage. (deutsche Fassung auf Kommunisten-online am 22. November 2010) – Am 11. und 12. November 2010 kamen die 20 mächtigsten Länder der Welt in Seoul zusammen. Anlass: Abwendung eines drohenden Wirtschaftskriegs. Alle Länder beteuern, dass sie nicht in Protektionismus zurückfallen wollen, aber ... sie halten ihren Währung in den Wechselkursen so niedrig wie möglich, um mehr exportieren zu können. Ein Kampf, den die Beratung nicht bis zur Schlichtung zu bringen versteht.

Schon vor Beginn des G20-Gipfels sagte der brasilianische Präsident Lula, dass die Welt in Bankrott gehen würde, wenn die reichen Länder ihren Konsum kürzen und versuchen würden, Prosperität allein auf der Grundlage der Exporte zu erreichen: „‚Wenn die reichsten Länder nicht konsumieren und alle ihre Wirtschaft auf der Grundlage der Exporte ausweiten wollen, dann würde die Welt Konkurs machen. Denn es würde niemanden geben, der kauft. Jedermann  will verkaufen’…“

Dennoch entscheidet sich Europa für harte Sparprogramme bei den Sozialausgaben, wofür dann letztlich Löhne, Renten und Abfindungen aufkommen müssen. Die USA wiederum haben beschlossen, die Gelddruckmaschinen heißlaufen zu lassen: 600 Milliarden Dollar werden gedruckt. Diese Maßnahme stößt weltweit auf Protest, weil sie die finanzielle Stabilität der Weltwirtschaft bedroht.

Die USA hoffen, so ihre schlecht laufende Wirtschaft wieder in Gang zu bekommen. Aber gegenüber den sehr optimistischen Vorstellungen über das nahende Ende der Krise ist der Motor ihrer Wirtschaft noch nicht wieder angesprungen. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch und liegt amtlich bei 10% und laut realistischen Schätzungen bei 20%. So dass es immer mehr arme Menschen in den USA gibt. Die Opfer der „vergifteten“ Wohnungskreditpapiere werden aus ihren Häusern zwangsgeräumt ... und die Wähler straften Obama ab, weil er die Probleme nicht zu lösen versteht. Die US-Zentralbank Fed hofft, durch Erhöhen der in Umlauf gebrachten Dollarscheine Darlehen wieder attraktiver zu machen und die schwächelnde Produktion wieder anzukurbeln.

Die Neuauflage der 30er Jahre

Die Entscheidung der Fed hat weitreichende Folgen. Sie bringt sogar die Stabilität der Welt in Gefahr.

-1- Geld in die Wirtschaft zu pumpen, ohne das die Produktion wächst, entwertet den Dollar. Anders gesagt, der Dollar ist weniger wert. Was bedeutet, dass die US-Produkte für das Ausland billiger werden. Dies fördert die US-Exporte und bremst die US-Importe ab.

In der Praxis kommt dabei heraus, dass die USA sich zu retten versuchen, indem sie im Ausland Absatzmarktanteile erobern, was nur zu Lasten anderer Länder möglich wäre. Wenn dann die anderen Länder dem Beispiel der größten Weltmacht folgen, stehen wir vor einem weltweiten Finanzkrieg.

Die politischen Reaktionen aus dem Ausland ließen nicht auf sich warten. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble fasste seine Kritik folgendermaßen in Worte: „Ich denke nicht, dass die Amerikaner auf diese Weise ihre Probleme lösen werden. Im Gegenteil, sie werden die Welt in noch mehr Probleme stürzen.“ (1) Seine französische Kollegin Christine Lagarde pflichtete ihm bei: „Der Euro ist klar die variable Tauschwährung. Der Dollar fällt infolge dollarorientierter Geldmaßnahmen. In Anbetracht dessen, dass der chinesische Yuan einen wenig flexiblen Wechselkurs hat, ist die andere Währung, der Euro, eben die Währung, die unausweichlich steigen muss.“ (2) Dieselben Reaktionen waren in Brasilien, Tokio, Peking und Seoul zu vernehmen.

Nur noch ein Ausweg

Und das ist nicht folgenlos. In der vergangenen großen Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre kam es zu derselben Erscheinung. Damals, noch zur Zeit der Goldbindung, war es Großbritannien, welches den Schlüssel des Geldtempels in den Händen hielt. Aber mit einer Wirtschaft, die nahezu nicht mehr wuchs, konnte es keiner gleichauf wiegenden ausländischen Balance mehr standhalten. Großbritannien musste immer mehr importieren, und das Kapital, welches London als Finanzzentrum anzog, reichte nicht mehr aus, um die Ausgaben zu decken. London beschloss am 21. September 1931, das britische Pfund nicht länger an das Gold zu koppeln. Dadurch verlor die britische Währung schlagartig 40% ihres Wertes, was allerdings der Konkurrenzposition des Landes zugute kam.

Aber letztendlich machten die anderen Länder dasselbe. Und was kam heraus? Die Staaten, die noch ihre eigenen Belange nachrangig stellten, ohne es den anderen gleichzutun, konnten unmöglich weiter zusammenarbeiten. Gleichzeitig griffen verschiedene Länder zu protektionistischen Maßnahmen. Auf diese Weise bildeten sich Blöcke: Der amerikanische Kontinent mit den USA, das Britische Reich mit den kolonialen Gebieten, usw. Um doch noch neue Märkte zu erobern, was letztlich immer die kapitalistische Akkumulation voraussetzt, gab es nur noch einen Ausweg: Krieg. Die Entscheidung der Fed kann daher gefährliche Folgen haben.

Auf zu einer neuen Blase?

-2-  Das zweite Problem, welches sich stellt, besteht in der Frage, wohin das Geld fließen soll, welches die US-Zentralbank druckt. Erst einmal kommt es bei den Banken an. Die Banken sollen es verleihen. Aber an wen sollen sie es verleihen, wenn Investitionen nicht mehr profitabel zu sein scheinen? Die Gefahr ist groß, dass die Kredite an Finanzunternehmen fließen, die an Börsen spekulieren. Und die somit neue Blasen erzeugen. Das bringt, wie Schäuble es sagt, neue zusätzliche Probleme für die Welt. Wir stehen vor neuen Zusammenbrüchen, neuen Krisenhöhepunkten, neuen gesellschaftlichen Dramen.

Quelle:

http://www.pvda.be/

Foto: „Ich brauche Arbeit. Alles hilft. Gottes Segen.“ (USA-„Arbeiterstrich“)

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