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Wunder gibt es nicht, auch keine Wirtschaftswunder

Die Propagandalüge, die Bundesregierung habe die Krise gemanagt

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online vom 27. Januar 2011 –

Das altneue Märchen

Die alte Muhme Felizitas liebt Märchen zu erzählen. Jüngst versammelte sie ihre Nichten, Neffen und andere Kinderlein um sich und sprach:

„Es war einmal ein großes Land. Über dieses Land brach großes Unheil herein. Fremde Menschen drangen ein und zerstörten es. Die Menschen hungerten, waren  ihrer Heimat beraubt worden, die Männer schmachteten in fremden Ländern in Gefangenschaft und mussten mit ihrer Arbeit Städte und Industrien errichten.

„Ihr sollt aufbauen, was ihr zerstört hattet“, sagten  ihre Wächter zu ihnen.

Also leisteten sie den Frondienst obwohl sie unschuldig waren. Man hatte es ihnen befohlen, böse Männer die ihr Land regierten. Sie mussten gehorchen.

Die hungernden Menschen in der Heimat bekamen nichts zu essen zu kaufen, Ihr Geld war nichts wert.

Da, auf einmal, erbarmte sich der große Mann in einem weißen  Haus weit weg in Amerika. Er spendete Geld für das Land. Aber es sollte wohl angelegt werden.

In unserem Land aber gab  es zwei Männer, die waren weise und sparsam. Der eine war der große Konrad, der andere der dicke Ludwig. Beide wussten, wie man den Reichtum mehrt.

Aber das Land war zerstört, die Fabriken und Wohnungen in Trümmern. Und dennoch gelang es. Der Dicke bestimmte? „Wir machen neues, wertvolles, Geld; der große Konrad aber wusste, wer der ärgste Feind seines Landes ist und bestimmte: „Neues Geld ja, aber nicht bei den Sofjets.“

So geschah es dann auch, die Fabriken entstanden neu, die Häuser schossen aus dem Boden, zu essen gab es von heute auf morgen reichlich. Die Menschen  hungerten und froren nicht mehr. Das Land blühte und gedieh und wenn es nicht gestorben ist, lebt es heute noch.“

Das, meine Kinderchen, ist das Märchen vom Land Teutonia.

Aber das Märchen geht noch weiter.

Ein Menschenalter später, kam Unbill über Teutonia. Ein böser Geist kam über die Hüter des Geldes und damit des Wohlstand der Menschen und verleidete sie, den bösen  Mächten viel Geld zu geben. Als alles Geld weg war,  mussten alle den armen Geldhütern zur Seite springen, denn man brauchte sie und ihr Geld – auch wenn sie das Geld von allem bekommen hatten.

Aber, so sagte eine weise Frau, die den frommen Namen Engelchen trug und schon manche Wunder begangen hatte, man müsse jetzt zusammen stehen und den Armen helfen. Diese weise Frau war, geboren als Pfarrerstochter, sehr gottgläubig und glaubte daher fest, dass Teutonia Gottes eigenes Land sei und. dass die bösen Mächte, die die Geldhüter überkommen hatten, besiegt werden könnten, wenn alle ihr Geld den Geldhütern  geben.

Das erbarmte sich der heilige Nikolaus von Myra, der Schutzpatron der Kaufleute und der Hanse. Der rief die Schutzpatronin der weisen Frau, die heilige Angela von Foligno über das eben erst installierte Himmelstelefon an. Angela von Foligno war einst Mystikerin und Mitglied im Dritten Orden der Franziskanerinnen  Sie hatte also einen guten Draht zum heiliges Franz von Asisi. Angela sagte nur den weisen Spruch: Man muss wissen, dass Gott zuweilen in die Seele kommt, ohne dass man bittend oder auch nur wünschend gerufen hat."

Der vereinten  Kraft der  drei Heiligen gelang es dann auch, dass der Herr in die Seele der weisen Frau in  Teutomnia eindrang und sie das Wunder beging, das Land zu retten.

Also konnte sie zu Neujahr des schlimmsten Krisenjahres sich an das teutonische Volk wenden und verkünden: Wir haben es geschafft. Die Menschen haben wieder Arbeit und Brot.

Und die Ausrufen auf den Gassen, die Schreiber der Gazetten, die Verkünder aller Weisheiten jubelten und riefen;

Halejuja, Gott und unser Engelchen ist groß – wir sind gerettet. Ein Wunder ist geschehen. So geschehen in Teutonia innerhalb weniger Jahrzehnte zwei Wunder.

Und  wenn sie nicht gestorben sind, leben die Wundertäter noch heute.“.

So war es wirklich

1. Das angebliche Wirtschaftswunder Ludwig Erhards

Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass die Nazis – mit Geld, dass sie aus den Spargroschen  der einfachen Menschen   klauten, die Rüstungsindustrie auf ein nie da gewesenes Niveau hoch schraubten, Und das auch nicht, als der Krieg längst tobte. Zwangsarbeiter ersetzten die zu Soldaten gemachten Arbeiter. Die waren billig.

Göring verkündete: „Kanonen statt Butter!“ Somit nahm man den Menschen die Butter  buchstäblich vom Brot, teilweise ersetzte man sie durch geraubt Lebensmittel in den besetzten Gebieten. Da so gesparte Geld, ging in die Rüstungsindustrie.

Daran änderten auch die Bombenangriffe auf deutsche Städte nichts. Die trafen vor allem die Quartiere der Arbeiter, nicht aber die Rüstungsbetriebe. So wurden die Betriebe des Chemiekonzerns IG Farben nicht bombardiert.

Ich arbeitete in den 60ern im  ehemaligen IG-Farben-Betrieb  Hoechst. Ein älterer Kollege sagte mir damals, das Gelände des  Chemieriesen sei während der Bombenangriffe der sicherste Ort in Frankfurt gewesen.

Allerdings bombardierten  die Westalliierten zum Kriegsende die IG-Farben-Betriebe in Buna, Wolfen und Leuna. Inzwischen  war klar, dass sie zur sowjetischen Besatzungszone gehören werden.

Nach Kriegsende war in den drei westlichen Zonen mehr Industriepotential vorhanden, als im gesamten deutschen Reich vor dem Krieg. Also das Deutsche Reich von 1937, einschließlich der Ostgebiete. Somit auch das Industrierevier von Oberschlesien.

Man musste nach dem Krieg nur mit der Produktion anfangen, die Anlagen waren vorhanden. Was aber fehlte war eine Währung. Die Reichsmark war total entwertet, kein Industrieboss hatte Interesse an ihr.

Mit der Währungsreform 1948 änderte sich das. Unter Verzicht auf die Einheit Deutschlands wurde in den Westzonen die D-Mark eingeführt, deren Wert an Gold und d en Dollaar gebunden war. Jetzt, lohnten sich die Warenproduktion und der Verkauf. Über Nacht lief das dann auch.

Wo bleibt hier das Wunder? Es gab keins!

Und noch etwas: Die Propaganda behauptet, am Tag der Währungsreform, am 20. Juni 1948, seien alle Deutschen gleich gewesen, denn jeder habe 60 DM erhalten. Das stimmt aber nicht. Es waren zum, einen  nur 40 DM und dann einen Monat später noch einmal 20 DM, aber zum anderen bekam das Geld such nicht jeder.

Wenn eine Familie von 4 Personen  die ihnen zustehenden DM-Beträge von insgesamt 290 DM bekommen wollte, musste sie erstmal 2400 Reichsmark auf ein Konto eingezahlt haben. Das hatten beweiten nicht alle.

Alle Sparkonten, auch die des Zwangssparen während des Krieges, wurden 1:10 abgewertet, Sparbücher für den Erwerb des KdF-Wagens (VW-Käfer) wertlos. Sparer des Autos verloren insgesamt einen Wert von über 280 Millionen Reichsmark, die von etwa 340.000 Personen erworben worden waren, ihren Wert.

Dagegen die Besitzer von Aktien, Immobilien, Gold und Edelmetall usw. wurden über Nacht reicher. Die Aktien, vor der Währungsreform kaum zu verkaufen, stiegen im Kurs, Immobilien wurden teurer usw. Kurz; Wer vor der Währungsreform reich warf – sofern es kein Sparguthaben in Reichsmark war – der war am Tag danach noch reicher.

Also ist es auch eine Lüge, dass damals alle Deutschen gleich  reich waren.

Aber nicht nur das. Der Handel hatte die Konsumgüter gehortet, in der Hoffnung auf die Währungsreform. Dass da das Volk sich nichts zu Essen und Bekleidung kaufen konnten weil es nichts gab, interessierte nicht. Am Tag nach der Reform waren die Läden auf einmal voll.

Andere bereicherten sich an Staatseigentum. So ein Versandhändler auf Frankfurt. Der hatte sich bereits an  der Arisierung jüdischen Eigentums bereichert, hatte dann während des Kriegs mit der Zulieferung und Bevorratung von Textilien für die Wehrmacht und für Zwangsarbeiter zu tun. Als der Krieg zu Ende war,  kam er an diese Läger heran und wurde einer der großen Versandhändler des „Wirtschaftswunders“. Solche Beispiele gibt es viele.

Soweit zum Wirtschaftswunder Ludwig Erhards.

Das Wirtschaftswunder von 2010/2011 der Angela Merkel

Durch Spekulationen in Riesenausmaßen namhafter Banken, durch Ausnutzung der Länder des  ehemals sozialistischen Lagers, deren Wirtschaft systematisch zerstört wurde und die zu Billiglohnländern wurden, durch einen Rationalisierungsschub sonder Gleichen, erreichte die Arbeitslosigkeit seit den 90er Jahren eine nie da gewesene Höhe.

Mit dem Zusammenbruch des USA-Immobilienmarktes und die Schieflage namhafter Banken, verschärften sich die Krisenerscheinungen und damit die Arbeitslosigkeit. Es auf der anderen Seite stiegen die Profite der Konzerne. Schamlos, die Beschäftigten erpressend mit Drohungen, man werde die Betriebe still legen, drückten sie das Lohnniveau. Die rechten Gewerkschaftsführer der DGB-Gewerkschaften, machten das böse Spiel mit.

Wir hatten  es vergangenes Jahr nicht nur mit einer Immobilienkrise in der Art zu tun, wie sie uns vorgeführt wurde. Sie war nicht Auslöser oder gar Ursache der Krise, sondern eine Erscheinung der zyklischen Krisen des kapitalistischen Marktes

Die Banker hatten  das getan, was sie immer tun: Mit Geld und Wertpapieren spekuliert. Dabei hatten sie eben den amerikanischen Immobilienmarkt überschätzt und waren auf die Nase gefallen. Mehr nicht.

Das kam zusammen  mit einer ganz normalen zyklischen  Krise. Beides überschnitt sich. Ob die Krise nun überwunden ist oder ob wir nur ein Zwischenhoch haben, kann ich nicht sagen. Vieles, z.B. die schwierige Wirtschaftslage der USA-Wirtschaft, deuten darauf hin, dass die Krise nicht überwunden ist. Der kapitalistische Markt reagiert nun mal anarchisch und nicht nach Plan. Aber  jedes Ansteigen der Konjunktur führt letztlich auch zu einem erneuten  Sinken der Konjunktur – zur erneuten Krise.

Auf jedem Fall aber ist es nicht Verdienst der Dame Merkel und ihrer Regierung, dass die Krise tatsächlich oder scheinbar überwunden ist. Der kapitalistische Markt lässt sich nicht steuern. Alle Prognosen sind reine Spekulation oder Kaffeesatz lesen. Aller Versuche der Konjunktursteuerung müssen letztlich scheitern.

Was die Bundesregierung allerdings getan hat ist. die Lasten der Krise auf die unteren Einkommensschichten umzuschichten,  während die Spekulanten in den Banken und den Chefetagen der Konzerne daraus Gewinn schlagen konnten.

Und gleichzeitig wurde die Krise dazu genutzt, die Löhne noch mehr zu drücken. Sogenannte prekäre Beschäftigungsverhältnisse nahmen sprunghaft zu. Dort verdienen die Beschäftigten erheblich weniger, als normale Belegschaft. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit wurde zur reinen Fiktion. Und wiederum unter aktiver Mithilfe der rechten Gewerkschaftsführer.

Gleichzeitig flossen Milliarden in die Kassen der Konzerne. Selbst der letzte Katalog des Pleiteversandhauses Quelle bezahlte der Staat. Das nützte den Beschäftigten überhaupt nichts. Mit der Pleite von Quelle verloren sie ihren Arbeitsplatz.

Bekannt wurde auch das Ansinnen der Chefin der Schaeffler Gruppe, Maria-Elisabeth Schaeffler, die unumwunden forderte, der Staat müsse ihr unter die Arme greifen. Schaeffler hatte sich mit der Übernahme von Konti-Gummi übernommen und drohte in Schieflage zu geraten. Der willfährige Betriebsrat und die brave IG-Metall ließen sich erpressen und verzichteten auf Teile des Lohns für die Schaeffler-Beschäftigten. Frau Schaeffler soll, als sie vom Lohnverzicht der Arbeiter erfuhr, vor Rührung geweint haben. Die Reallöhne der Beschäftigten der Schaeffler-Gruppe sanken, bereichert haben sich die Dame Schaeffler und ihr Sohn, denen der Konzern zu 100% gehört.

Immer das gleiche Muster: Die Beschäftigten werden erpresst auf Teile ihres Lohns zu verzichten. Das steigert die Profite, sichert aber keineswegs die Arbeitsplätze,

Das war auch bei der Beseitigung der Handy-Sparte von Siemens zu sehen. Siemens erpresste die Beschäftigten, die auf Teile ihres Lohns verzichteten. Trotzdem verkaufte Siemens an das Taiwanesische Unternehmen BenQ und die machten dann den Laden platt. Die kassierten vorher noch mal richtig ab. Der Job der Beschäftigten war futsch und ein Teil des eigentlich zustehenden Lohns auch. Sie  wurden dem Arbeitsamt vor die Tür gekippt. Wie viele inzwischen  Hartz IV bekommen oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen sind, weiß ich nicht.

Die Politik des Lohnverzichts und des Vernichtens von Sozialleistungen machte nicht allein die Regierung Merkel/Westerwelle. Bereits die Vorgängerregierungen seit Kohl, verstärkt dann bei Schröder/ Fischer, drehten an der Sozialschraube bei gleichzeitigen Steuergeschenken an die Großverdiener.  So wurde unter Schroeder die Zumutbarkeitsregelung so verschärft, dass ein Arbeitsloser jeden Job – und sei er auch ein erheblich schlechter bezahlter – angenommen werden muss. Das Ergebnis ist natürlich, dass Unternehmer nun auch für untertariflich bezahlte Jobs vom Arbeitsamt  Arbeitslose zugewiesen bekommen. Diese müssen den Hungerjob annehmen. Aber das ist nur ein Teil der Maßnahamen  zur Reallohnsenkung.

Zusammenfassend sei festegestellt: Es gibt keine Wunder, auch keine Wirtschaftswunder. Weder das von 1949 war eins, noch jetzt gibt es ein Wunder. Damals wie heute ist es reine Propaganda, die dem Volk einreden soll, wie gut doch die Herrschenden sich für das Volk einsetzen. Damals wie heute war es die Regierung, die sich weniger ums Volk, aber mehr um die Profite der Kapitalisten kümmerte. Damals lagen die Löhne in Deutschland erheblich unter denen der anderen westlichen Länder. Erst mit Anspringen der Nachkriegskonjunktur und dem relativ lang anhaltenden Konjunkturhoch, mit dem Mangel an Arbeitskräften, mussten die Löhne steigen.

Damals gab es in Deutschland faktisch kein Reserveheer von Arbeitslosen, Zunächst besorgte sie die Industrie der BRD ihre Arbeitskräfte, indem sie Umsiedler aus der DDR anwarb, als das aber nicht mehr möglich war, verstärkte Arbeitskräfte aus dem Mittelmeerraum, aus Jugoslawien, Italien, Spanien, Portugal und schließlich aus der Türkei. Aufgabe dieser Menschen war es, die Löhne in Deutschland zu drücken. Die Arbeitslosen in  diesen Ländern bildeten das Reserveheer, ohne das eine kapitalistische Wirtschaft nicht funktionieren kann.

Der kapitalistische Markt lässt sich nicht steuern, weder durch Neoliberalismus noch durch Anwenden der Theorien des Engländers John Maynard Keynes. Konjunkturhochs – und Tiefs sind weder das Verdienst noch die Schuld einer Regierung. Regierungen im Kapitalismus aber versuchen immer in den Krisen, die sozialen Errungenschaften der Arbeiterbewegung zu vernichten. In einer Krise ist diese weniger stark, als in der Hochkonjunktur mit Mangel an Arbeitskräften.

Während die Regierungen dem Kapital Steuergeschenke machen, versucht das Kapital das Lohnniveau mittel Drohung und Erpressung zu senken.

Dagegen muss sich die Arbeiterklasse zur Wehr setzen. Aber es wird im Kapitalismus immer nur eine Abwehrschlacht bleiben. Letztlich kann das nur gelöst werden, wenn die Produktionsmittel in die Hände des Volkes übergehen und das System des Kapitalismus beseitigt ist.

G.A.

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