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Bundesregierung:
Alles
läuft prima – nicht jedoch für die Opfer
von
Günter Ackermann/02. Januar 2006
Ankündigungen
aus den Ministerien kann man getrost als Drohungen interpretieren. So
auch heute.
Es
kamen zwei Pressemitteilungen aus Berliner Ministerien in die Mailbox:
Erste
Meldung:
Die lstand unter dem Titel: „Programm
für Langzeitarbeitslose wird fortgesetzt“ und enthielt die
Meldung:
„Pressemitteilung
BMAS:
Programm für Langzeitarbeitslose wird fortgesetzt "
Das
Münterfering-Ministerium schreibt darin:
„Im
Juli 2005 gab die Bundesregierung den Startschuss für die Förderung
von zunächst 30 000 Zusatzjobs (Arbeitsgelegenheiten mit
Mehraufwandsentschädigung) mit einer bis zu dreijährigen Dauer für ältere
Langzeitarbeitslose.
(...)
„Die
Initiative richtet sich an arbeitslose Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer ab vollendetem 58. Lebensjahr im Arbeitslosengeld II-Bezug.
Gefördert werden können Tätigkeiten bis zu einer Dauer von drei
Jahren, die im öffentlichen Interesse liegen und zusätzlich sind.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten neben dem Arbeitslosengeld II
eine Mehraufwandsentschädigung in Höhe von bis zu 150 EURO.
(...)
Gemeinsam
mit den Ländern strebt die Bundesregierung bedarfsorientiert die
Schaffung von bis 50 000 Zusatzjobs für ältere Langzeitarbeitslose
an.“
Liest
sich phantastisch. Da versorgt Müntefering genau jene Altersgruppe mit
Jobs, die absolut keine Chancen am Arbeitsmarkt haben. Ist doch nett –
oder?
Man
muss es sich aber genauer ansehen. Gemeint sind nämlich keine richtigen
Jobs, auch nicht so etwas wie ABM-Maßnahmen, sondern Zwangsarbeit
mittels 1-Euro-Jobs. Es handelt sich um die Altersgruppe, die oft bei
Rationalisierungsmaßnahmen auf in den „Vorruhestand verschoben
werden. Bisher subventionierte die Bundesagentur für Arbeit diese
Rationalisierungsmaßnahme, indem sie die Betroffenen bis zur Rente
Arbeitslosengeld 1 oder 2 zahlte. Das geschieht offenbar immer noch.
Aber jetzt müssen die Arbeitslosen damit rechen, bei starkem Schneefall
zum Räumen abkommandiert zu werden, Rasen mähen zu müssen oder neuen
Sand in die Sandkisten der Spielplätze zu füllen. Auch Maler- und
Anstreicherarbeiten in Schulen und Behörden sind denkbar. Geht es nach
der Hamburger Stadtregierung, werden 1-Euro-Jobber auch in der
gewerblichen Wirtschaft zwangsverpflichtet. So kann es vorkommen, dass
ein Arbeitsloser nach einiger Zeit an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren
muss und da, wo er früher Tariflohn bekam, nun für die gleiche Arbeit
mit einem Almosen abgefunden wird.
Und
noch was: Die Träger der Maßnahme „Mehraufwandsentschädigung“
kassieren vom Steuerzahler zusätzlich noch einige hundert Euro.
So
entpuppt sich die edle Tat des noch edleren Ministers Müntefering als
das genaue Gegenteil. Man will ältere Arbeitslosen mittels Ein-Euro-Jobs
zur Zwangsarbeit zwingen und das auch noch ausweiten.
2.
Auch die Zweite Meldung ist nur auf dem ersten Blick gut. Diesmal beglückte
uns das „Bundesministeriums für Gesundheit“ mit der
erfreulichen Nachricht, dass die Deutschen gesünder geworden sind. Frau
Ulla Schmidts Ministerialbeamte schreiben:
„Der
Krankenstand ist im Jahr 2005 weiter gesunken. Er erreichte einen
historischen Tiefststand von 3,3 Prozent.
(...)
Der
niedrige Krankenstand führt zu einer deutlichen Entlastung der
Arbeitgeber durch sinkende Lohnnebenkosten.“
Na
also! Aber die Freunde über diese Nachricht dauert nicht lange. Denn
gesünder sind die Menschen nicht geworden – aber mehr Angst um ihren
Arbeitsplatz haben sie: „Nur nicht krank feiern, ich verliere sonst
den Job!“ Dass sich darüber vor allem die die „Arbeitgeber“
freuen, liegt auf der Hand, denn die müssen weniger Lohnfortzahlung
bezahlen und steiern damit ihre Profite.
Eine
gute Nachricht aus Berlin, wahrlich – für die Kapitalisten.
BAMS = Bundesministerium für Arbeit und Soziales
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