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»Bruch mit dem Weltsozialforum notwendig«

jungeWelt vom 31.01.2005

Interview

Interview: Willi Langthaler

Die antiimperialistischen Kräfte in der Welt sollten ein eigenes Bündnis schmieden statt weiter dem WSF hinterherzulaufen. Gespräch mit Darshan Pal

* Darshan Pal ist Präsident des All Indian People’s Resistance Forum (AIPRF) und Veranstalter von Mumbai Resistance 2004 (MR).

F: Vor genau einem Jahr fand in Indien »Mumbai Resistance«(MR) als Treffen von antiimperialistischen Kräften parallel zum dortigen Weltsozialforum (WSF) statt. Welche Ergebnisse hat es gezeitigt?

Was Indien betrifft hat MR tatsächlich einen Prozeß hin zur Bildung einer Einheitsfront der antiimperialistischen Linken angestoßen. Das ist für indische Verhältnisse, wo die Linke höchst zersplittert ist, etwas wirklich neues. So konnten wir die gemeinsame Kampagne gegen die imperialistische Globalisierung, die die indische Bevölkerung sehr stark betrifft, weiterführen. Im vergangenen Oktober hielten wir in Kalkutta einen Nachfolgekongreß ab, auf dem ein Koordinationskomitee gebildet wurde. Indes ist der Formierungsprozeß nicht abgeschlossen, und wir stehen mit verschiedenen Kräften, die sich noch unter dem Schirm des Weltsozialforums befinden, in Verhandlungen.

Was die internationale Ebene betrifft, so hat uns »Mumbai Resistance« eine ganze Reihe von wichtigen neuen Kontakten gebracht. Es gibt einen regen Meinungsaustausch vor allem auch über die Möglichkeit weiterer praktischer Koordinierungsschritte. Unser gemeinsames Verständnis in Abgrenzung zum WSF besteht darin, daß wir den Krieg der USA und die Globalisierung als Ausdruck des imperialistischen Systems verstehen, das es in seiner Gesamtheit zu bekämpfen gilt. Nun muß es vor allem darum gehen, die richtigen Formen gemeinsamer Aktionen zu finden, denn uns fehlen im Gegensatz zum großen WSF die finanziellen Mittel.

F: Setzen Sie dann überhaupt noch Erwartungen in das diesjährige Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre?

Es ist besonders wichtig, daß sich gerade am Geburtsort des Weltsozialforums eine antiimperialistische Alternative konstituiert. Wir würden es daher außerordentlich begrüßen, wenn sich dort die antiimperialistischen Kräfte Brasiliens und auch international hörbar machen, indem sie beispielsweise Protestaktionen durchführen, ähnlich wie wir es im vergangenen Jahr mit MR versucht haben.

Das WSF hat nach wie vor kein klares Verständnis von der Globalisierung. Es reduziert sie auf die ökonomische Ebene und spart die politisch-militärische aus. Darum ist das WSF nicht bereit, gegen die Globalisierung den antiimperialistischen Widerstand – wie beispielsweise heute im Irak – zu unterstützen. Ich denke nicht, daß es da in der Führungsgruppe einen Meinungsumschwung geben wird. Im Gegenteil, daß WSF ist dabei, an seinen Widersprüchen zu zerbrechen. Die konsequenten Teile rufen wir nun Zusammenarbeit mit uns auf.

F: Es kursieren Vorschläge, nicht mehr dem WSF hinterherzulaufen, sondern ein eigenständiges Antiimperialistischen Forum zu bilden. Angesichts des Erfolgs von MR 2004 würde sich Indien als Austragungsort anbieten.

Mumbai Resistance hat zumindest gezeigt, daß ein solches Treffen nicht nur den Nerv trifft, sondern in Indien auch möglich ist. Mit der Krise des WSF wird ein Antiimperialistisches Forum immer mehr zur dringenden Notwendigkeit. Ich denke, daß wir die Kraft haben, auf unseren eigenen Füßen zu stehen. Doch inhaltlich müssen wir einen Schritt weiter gehen und klarmachen, daß unserer letztendliches Ziel der Aufbau einer sozialistischen Ordnung bleibt.

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