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Friss
und verreck!
Der
Zynismus des Senators
Von
Gerd Höhne/12. Februar 2008
Wolfgang
Clement, der jetzt als Lobbyist im Dienste des Energiekonzerns RWE
steht, sorgte dafür, dass vor ein paar Jahren die Hartz IV-Empfänger
als Sozialschmarotzer beschimpft wurden.
Sein
Parteichef Kurt Beck beschimpfte einen Arbeitslosen, indem er ihm riet,
sich zu waschen und rasieren dann bekäme er schon einen Job.
Und
nun der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin.
Der
verordnete vor aller Öffentlichkeit den Arbeitslosen mit Hartz
IV-Unterstützung eine Ernährungsrichtlinie. Er sagte ihnen, was sie an
Nahrungsmittel einkaufen dürfen und er untermauerte es auch mit einem
Speiseplan. So soll ein allein stehender Langweitarbeitsloser folgende
Menü zu Mittag verspeisen:
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1 Bratwurst für |
0,38 € |
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150 g Sauerkraut für |
0,12 € |
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Kartoffelbrei für |
0,25 € |
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Gewürze und Öl |
0,20 € |
| Für
das Mittagessen zus.:
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1,25
€
|
Das
alles beim Discounter eingekauft (z.B. Aldi).
Nach
Rechnung des Spezialdemokraten Sarrazin kommen da pro Tag für
Nahrungsmittel 3,76 Euro bis 3,98 Euro an Ausgaben. Der Regelsatz von
Harzt IV liegt bei 4,25 Euro, also unter den vom Senator zusammen
halluzinierten Kosten. Man braucht also nicht Hartz IV zu erhöhen –
trotz der gestiegenen Preise für Nahrungsmittel. „Man kann sich vom
Transfereinkommen vollständig, gesund und wertstoffreich ernähren“,
schwadroniert der Spezialdemokrat.
Worum
es dem Senator geht, ist die Sorge, für die Bedürftigsten mehr Geld
ausgeben zu müssen.
Der
Berliner Senat aus SPD und der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe, genant
„Die Linke“, muss nämlich die kostbaren Finanzen für etwas
Wichtigeres zusammen halten. Da hat der frühere Senat aus CDU und SPD nämlich
zugelassen, dass die Berliner Bankgesellschaft eigentlich pleite ging.
Wenn aber diese Bank wirklich pleite gegangen wäre, dann hätten
Superreiche und einflussreiche aus Wirtschaft und Politik einen Teil
ihres Vermögens verloren, da sie bei dieser Bank gezockt hatten. Ihnen
diese Verlust zuzumuten geht natürlich nicht. Also steht Berlin mit
seinen Steuergeldern für diese Verluste ein und die Spekulanten
verlieren ihre Millionen nicht.
Das
Geld fehlt nun aber an allen Ecken und Enden, wie z.B. im
Sozialbereicht. Dem will der Senator rechtzeitig entgegen wirken.
Allerdings
ging der Schuss nach hinten los. Zu offenkundig ist doch die Fälschung.
Wer jemals bei Aldi (Lidl, Plus) einkaufte, wird vergeblich nach
einzelnen Bratwürsten, nach 150g Sauerkraut oder angebrochenen
Kartoffelbrei-Tüten suchen. Die Ware ist verpackt, man muss eine
Mindestmenge kaufen. Was also mit dem Rest machen? Am nächsten, übernächsten
… Tag immer das gleiche essen? Zum Schluss gar die vergammelte
Bratwurst verzehren? Ist das, wie der Herr Sarrazin zusammen fantasierte
„…vollständig, gesund und wertstoffreich“ ernährt? Eher nicht.
Die
Presse, die der feine Spezialdemokrat, dessen Monatsgehalt bei weiten
das übertrifft, was ein Langzeitarbeitsloser im ganzen Jahr bekommt,
ist dann auch vernichtend. Solch einen Unsinn übernimmt dann nicht
einmal die Springer-Presse. Die Internet-Ausgabe von „Die Welt“
macht dann auch eine Leserumfrage. Die Leser können die
Speisevorschrift Sarrazin beurteilen.
Das
Ergebnis:
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24%
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Gute
Idee, die zeigt, dass man mit Hartz IV leben kann
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5%
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Funktioniert
nicht, jeder Mensch hat andere Bedürfnisse
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70%
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Das
ist reinster Zynismus
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Reinster
Zynismus ist es auch wirklich.
Berliner
Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner von der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe,
die sonst willig die Politik des Senats des Partylöwen Klaus
Wowereit mit trägt, gibt sich diesmal zugeknöpft: „Ich halte
es grundsätzlich für schwierig, wenn wohlhabende Menschen Menschen mit
geringem Einkommen etwas vorrechnen.“
Schwierig?
Überhaupt nicht! Hier wird mit mittellosen Menschen Schindluder
getrieben. Wie es Clement mit der Beschimpfung als Sozialschmarotzer und
Kurt Beck mit dem Rat, sich zu waschen, getan hatten.
In
den Berliner Schulen, so monierte bereits vor Jahren, die
Lehrergewerkschaft GEW, können sich immer weniger Schüler die Schulbücher
und Lehrmittel leisten, haben immer mehr Schüler zu wenig zu essen. Es
ist keineswegs schwierig, solch eine Milchmädchenrechnung, wie die des
Spezialdemokraten Sarrazin, aufzumachen.
Wenn
man sich durch Staatsknete die Pleitiers und Zocker der Berliner
Bankgesellschaft wohl gesonnen erhalten will, so muss man eben zu
solchen Rechnungen kommen. Ganz einfach!
Das
ganze Gerede von der Notwendigkeit von Reformen des Sozialsystems ist
reinster Zynismus – wenn auch nicht so offenkundiger, wie die
Essensvorschrift des Senators.
G.H.
Seihe: Das ungewaschene
Maul des Kurt Beck, Von Günter
Ackermann/15. Dezember 2006 mehr
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