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„...erklären
jüdische Wissenschaftler und Autoren wie Noam Chomsky,
Mosche Zuckermann, Ofer Grosbard, Norman Birnbaum, Benny
Morris, Amos Oz, Uri Avnery,
Reuven Moskovitz, Felicia Langer, Amira Haas Gideon Levy,
Tanya Reinhart und viele andere:
Die westliche Welt verharrt in einer Art Schamstarre wegen des
Holocaust, der bedrohlich
wirkt wie ein Damoklesschwert, das Israel zu schärfen und zu
benutzen weiß.“ |
Warum
die plötzliche Aufregung und Empörung?
Von
Manfred Spies, Düsseldorf
Die
Liquidierung des Hamas-Führers Jassin fanden USA-Politiker „nicht
hilfreich“. EU-Politiker -
mit Ausnahme Deutschlands - protestierten, weil sie „das Völkerrecht
verletzt“ sahen. Ja sind diese Leute denn blind? Oder sind sie nur
vergeßlich?
Diese
Praxis wendet Israel doch seit Jahrzehnten an! Golda Meir ließ alle
mutmaßlichen Hintermänner
und Beteiligten des Olympia-Attentats von 1972 ermorden. „Kurzen Prozeß“ nennt man so etwas, wenn ohne Schuldbeweis und
Gerichtsverhandlung Verdächtige nicht
nur im eigenen Land, sondern auch in befreundeten Staaten gekillt
werden. Das wurde nach 1972
in verschiedenen Ländern „robust“ so gemacht und verletzte nicht
nur das Völkerrecht, sondern
auch die Souveränität der Staaten.
Was
soll also die enorme Aufregung? Israel hat hunderte relativ unbedeutende
Mitglieder der Hamas und
anderer Organisationen auf die gleiche Art beseitigt. Die waren lange
nicht so gefährlich und
einflußreich wie Jassin. Damit hätte also Israel ein gutes Recht,
gerade diesen Führer zu
liquidieren - wenn nicht dieses dumme Völkerrecht, die Genfer
Konventionen und die Haager
Landkriegsordnung wären. Aber bereits Ben Gurion hat den damals noch
etwas besorgten Ariel Sharon beruhigt, als dieser sich nach einem
Massaker um die Reaktionen
in der Welt sorgte: „Kümmere dich nicht um das, was die Welt sagt.“
Und die Welt hält sich zurück,
auch wenn fast bei allen militärischen Angriffen auf die Personenziele völlig unbeteiligte Zivilisten und Kinder getötet werden.
Was
erwartet man moralisch von einem Land mit dieser jahrzehntelangen
Praxis? Was soll man von
israelischen Regierungen halten, deren Ministerpräsidenten Araber
verallgemeinernd bezeichnen als „zweibeinige Tiere“ (Menachem Begin,
10.12.1982). Was erhofft man sich von
Protesten, wenn aktuell der stellvertretende
Verteidigungsminister Israels, Ze´ev Boim, dem
Islam allgemein und den Palästinensern im Besonderen einen
„genetischen Defekt“ und ein
„kulturelles Manko“ unterstellt (25.2.04 in Ha´arez) und wenn der
Generalstaabschef Israels,
Mosche Jaalon, am 26.Februar nach der Militäroffensive im Gazastreifen
erklärt: „Die Jagdsaison
ist eröffnet“, als ginge es um das Erschießen von Karnickeln und
Rebhühnern. Die Äußerungen
von Ze´ev Boim sind Rassismus in Reinform und wortwörtlich nachzulesen
in „Mein Kampf“ (bes. S. 329-362) und in dem zum Nürnberger
Parteitag herausgegebenen Nazi-Kinderbuch
„Trau keinem Fuchs auf grüner Heid´ und keinem Jud´ bei seinem
Eid.“ Das sind keine
antisemitischen Vergleiche. Das sind fassungslos machende Fakten.
Die
Frage, mit welcher Berechtigung und mit welchen Mitteln sich Israel
gegen den Terror wehrt ist
ebenso unergiebig, wie die Diskussion um Henne und Ei. Wie der Terror
bewertet wird ist allerdings immer eine Frage des Standpunktes. So
erklärte der ehemalige Terrorist und
spätere Premierminister Israels (´83 bis ´84 und ´86 bis ´92) den
eigenen Terror gegen die
englische Besatzung rechtfertigend: „Weder die jüdische Ethik noch
die jüdische Tradition können
dem Terror als Mittel des Kampfes seinen Wert absprechen...Der
Terrorismus ist für uns in
erster Linie Bestandteil der politischen Schlacht...und spielt eine große
Rolle in unserem Kampf
gegen die Besatzer.“ („Al Hamismar“ vom 24.12.´87 und „Middle
East Report“ vom Juni ´88).
Es gibt daher keine bessere Rechtfertigung für den bewaffneten Kampf
der Palästinenser gegen
die heutige, viel brutalere Besatzungsmacht Israel, als die
Vergangenheit Israels selbst.
Es
scheint Israel nicht nur um die Bekämpfung des Terrors zu gehen,
sondern darum, dem bereits mehrfach amputierten Gegner „Palästinenser“ den
Kopf abzuschlagen. Von „Transfer“
wird offen gesprochen. Wenn
nun die Welt gar nicht oder nur ein bißchen protestiert und nicht - wie
es z,B, der Autor und
ehemalige ARD-Nahost-Korrespondent Marcel Pott fordert - harte
Sanktionen gegen Israel
beschließt, erklären jüdische Wissenschaftler und Autoren wie Noam
Chomsky, Mosche Zuckermann,
Ofer Grosbard, Norman Birnbaum, Benny Morris, Amos Oz, Uri Avnery,
Reuven Moskovitz, Felicia Langer, Amira Haas Gideon Levy, Tanya
Reinhanrt und viele andere:
Die westliche Welt verharrt in einer Art Schamstarre wegen des
Holocaust, der bedrohlich
wirkt wie ein Damoklesschwert, das Israel zu schärfen und zu benutzen
weiß.
Wenn
es also nicht nur einige „antideutsche“ Spinner sind, die ein
unbedingtes und kollektives Schweigen
zur Politik Israels fordern, sondern auch Politiker wie Joschka Fischer
die Kettensäge im Kopf
akzeptieren, wird der Nahe Osten mehr und mehr zur größten Gefahr
für die Welt werden. Wie man bei der Liquidierung von Jassin
sah, bezieht die gesamte arabische
und islamische Welt ihre Aggression gegen den so genannten „Westen“
durch eine Fokussierung auf den Nahost-Krieg. Was dann auf uns
zukommt wird möglicherweise die
jetzt Schweigenden zu demnächst Jammernden und Schreienden werden
lassen. |