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Ein Brief aus Palästina

"Und nun haben uns die Israelis auch noch unser Land geklaut, als sie die Mauer gebaut haben. Dieses Land hat schon meinem Großvater und meinem Urgroßvater gehört. Und das Land hat uns geholfen zu überleben. Warum haben sie das gemacht? Warum dürfen wir nicht mehr auf die Spielplätze und in unsere Schule? Warum haben sie mir verboten, meine Cousins zu besuchen, die meine besten Freunde sind? Deswegen bin ich krank und traurig."

Hanin Mansour

Ramallah, November 2003

An die Freunde Palästinas, die den Frieden in der Welt lieben

Ich beginne meinen Brief mit Grüßen an alle Menschen, die sich für die Unterstützung der Kinder Palästinas, für ihre Menschenrechte und ihr Leben in Frieden und Sicherheit in ihrer Heimat Palästina einsetzen und kämpfen.

Es gibt so viele Gefühle, die ich in Worten nicht ausdrücken und Euch mit diesem Brief nicht vermitteln kann - die Fröhlichkeit in den Gesichtern der Kinder, wenn sie ein liebes Wort in den Briefen ihrer Paten lesen oder wenn die Mütter und Väter dieser Kinder sich für die moralische und finanzielle Hilfe bedanken.

Unsere Kinder und ihre Familien sind über Ihre Hilfe sehr glücklich, weil sie dadurch das Gefühl bekommen, in diesem Land immer noch zu existieren, jetzt, da ihnen alle Menschenrechte genommen wurden, und dass in dieser Welt viele den Frieden so wie wir wünschen.

An jedem Tag unseres Daseins erfahren wir die schwierigsten Momente des Lebens und Überlebens. Wir haben alle Formen von Qualen, Gewalt, Not, Ausgangssperren und Arbeitslosigkeit erlebt, und nach all diesem kommt nun die rassistische Sperrmauer, die uns den größten Teil des Landes raubt, das uns die Nahrung und das Trinkwasser gab. Und dazu rauben sie uns die Familien und Verwandten. Kann sich jemand vorstellen, dass eine halbe Familie innerhalb der rassistischen Sperrmauer lebt und die andere Hälfte außerhalb?

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einem der Patenkinder, einem Zehnjährigen. Er hat mir erzählt, er sei sehr krank. Ich dachte zuerst an eine Erkältung und sagte ihm, er solle auf sich aufpassen. Dann war ich überrascht, als er mir antwortete:

"Ich bin nicht krank geworden, weil ich nicht esse oder mich nicht richtig anziehe, nein, sondern weil ich so große Sorgen habe, wenn ich sehe, dass mein Vater wegen der Ausgangssperre nicht arbeiten kann und meine Brüder nicht zur Universität gehen können, weil wir nicht genug Geld haben. Und nun haben uns die Israelis auch noch unser Land geklaut, als sie die Mauer gebaut haben. Dieses Land hat schon meinem Großvater und meinem Urgroßvater gehört. Und das Land hat uns geholfen zu überleben. Warum haben sie das gemacht? Warum dürfen wir nicht mehr auf die Spielplätze und in unsere Schule? Warum haben sie mir verboten, meine Cousins zu besuchen, die meine besten Freunde sind? Deswegen bin ich krank und traurig."

Zuletzt möchte ich allen die Grüße, den Dank und die hohe Anerkennung der Kinder übermitteln, denen ihr geholfen habt, denen ihr ein Lächeln geschenkt habt auf ihren Gesichtern, die sich ein besseres Leben wünschen. Wir danken für jeden Moment der Sorgen und der Ängste, die Ihr mit unseren Kindern geteilt habt. Das zeigt uns, dass es viele gibt, die die Not und die Traurigkeit der Kinder teilen, die anderen Hilfe erweisen und die den Frieden und die Gerechtigkeit lieben.

Mein herzlicher Dank gilt allen, die uns in dieser wunderbaren Arbeit helfen, und ich möchte diesen Dank besonders an Birgit Frenzel und Maher Fakhoury aussprechen für ihre Bemühungen beim Übermitteln von Gefühlen und lieben Worten.

Ich wünsche euch ein besseres Leben und werde mich freuen, Euch in unserer teuren Heimat Palästina zu sehen.

Eure Freundin

Hanin Mansour

und die Kinder Palästinas in Ramallah, Jenin, Nablus, Hebron, Gaza und Tulkarem

Frieden für Palästina...

Frieden für die Welt...

 

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