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Erklärung des Israelischen Kommunistischen Forums

Aus: Neue Volksstimme, Kommunistische Zeitung, Österreich, April 2002, S. 30

In  den  letzten  Wochen  haben  die  israelischen Friedenskräfte ihre Aktivitäten  verstärkt.  Das zeigte sich bei den Massenmanifestationen der  vergangenen  Sonnabende. Viele Tausend Friedensaktivisten füllten die Straßen und Plätze und riefen dazu auf, die aggressive Politik der israelischen Regierung zu stoppen und die Okkupation palästinensischer Gebiete  zu  beenden.  Die  Kundgebung  vorn  9.  Februar,  an der die beständigsten  Friedenskräfte  aus 28 Bewegungen teilnahmen, war durch die  eindrucksvolle Anwesenheit von Armeereservisten geprägt, die sich weigern,  ihren Dienst in den besetzten Territorien zu verrichten. Das Israelische  Kommunistische Forum bringt seine volle Unterstützung für jene  zum  Ausdruck,  die  aus Gewissensgründen den Armeedienst in den okkupierten  Gebieten  verweigern.  Der neuen Initiative, die unlängst von über 50 Reserveoffizieren und Soldaten ergriffen wurde, haben sich inzwischen  fast  200  Reservisten  angeschlossen,  was  einen breiten öffentlichen  Widerhall  gefunden hat. Sie rückte die Debatte über die Okkupation  und  deren  Morbidität  in  den  Vordergrund.  Während die Initiative  von  vielen  Armeeangehörigen begrüßt wurde, rief sie beim Generalstab hysterische Ausbrüche hervor.

Ohne  Zweifel  kommt  der  Impuls dazu von der aggressiven Politik der Scharon-Peres-  Regierung,  die  mehr  als  je zuvor auf brutale Weise beweist,  daß  sie  kein Interesse an irgendeiner Übereinkunft mit den Palästinensern  hat.  Nach  einer relativ kurzen Periode der "Auszeit" kriegsähnlicher   Aktivitäten   ist  die  Regierung  zur  Politik  der Liquidierungen  zurückgekehrt, genauestens wissend, daß dies mit einer erneuten  Eskalation beantwortet wird, mit der Entfachung von blutiger Vergeltung   und   Gegenvergeltung,   deren   Opfer  sowohl  arabische Palästinenser als auch jüdische Israelis sind. Israels  Staatsterror sowie die Okkupation stellen die Hauptquelle und die  Ursache  für  andere  Akte  des Terrors dar. Nur die vollständige Beseitigung  dieser  Ursache  wird  die  verurteilenswerten  Taten des wechselseitigen   Terrors   beenden,   die   zum  Verlust  des  Lebens unschuldiger  Menschen  führen.  Das  Israelische Kommunistische Forum verurteilt auch die USA-Administration. Einige ihrer Führer haben sich - wie der israelische Kriegsminister Ben-Eliezer nach seinem Besuch in Washington  enthüllte  -auf die Seite der am meisten nationalistischen Extremisten  der  israelischen Ultrarechten begeben. Die USA-Regierung trägt   die   Hauptverantwortung   für   die   derzeitige  gefährliche Verschlechterung   der   Lage   in   unserer  Region.  Ihre  radikalen antipalästinensischen  Positionen stoßen in der mittelöstlichen Region wie  in  der Welt insgesamt auf wachsende Ablehnung, darunter auch bei einigen Verbündeten der USA in Europa.

Die  Politik  der  militärischen Eskalation der israelischen Regierung wird   von  einem  seit  Jahrzehnten  beispiellosen  ökonomischen  und sozialen  Niedergang  begleitet.  Die  Arbeitslosenrate wuchs auf über 10%.  Fast  täglich  schließen Betriebe. Ganze Zweige befinden sich am Rande  des  Bankrotts. Die nationale Währung verliert ihren Wert. Ihre ständige    Abwertung    verursacht    eine    Verschlechterung    der Lebensbedingungen   Hunderttausender   von  Familien,  die  monatliche Mieten,  Hypothekenzinsen  und andere Verpflichtungen zu zahlen haben, welche  gewöhnlich  an  den Dollar-Tauschkurs gebunden sind. Getroffen werden  vor  allem  die einkommensschwächsten und am meisten verarmten Schichten. Renten, Kinderzuschläge und ähnliche Vergünstigungen wurden trotz  der  Inflation  eingefroren.  Zum  gleichen  Zeitpunkt  fließen Milliarden  und Abermilliarden in zusätzliche Budgetausgaben für immer mehr    Bewaffnung,    für   die   Errichtung   und   Ausweitung   der kolonialistischen Siedlungen im besetzten Palästina und andere mit der Okkupation zusammenhängende Ausgaben.

Wir  rufen  dazu  auf,  die  Prioritäten  völlig  zu  ändern  und  für Bewaffnung  und  Militärokkupation bestimmte Mittel in Sozialausgaben, Erziehung und Gesundheit zu stecken. Wir rufen auf zur Verstärkung des öffentlichen  Kampfes  gegen  die  Okkupation  und für einen gerechten Frieden   auf  der  Basis  "Zwei  Staaten  für  unsere  zwei  Völker!" entsprechend dem Grenzverlauf von 1967, einschließlich der sich daraus ergebenden   Neuteilung   Jerusalems.   Wir  fordern  die  Lösung  des palästinensischen   Flüchtlingsproblems  im  Sinne  der  Vorgaben  der UN-Resolutionen.  Wir  rufen auf zur Verstärkung des Kampfes gegen die antisoziale  Politik  der Regierung, die die Situation der arbeitenden Massen, der Alten und der Jugend verschlechtert. Wir wenden uns an die Friedenskräfte  der  ganzen Welt, aktive Solidarität mit dem gerechten Kampf  des  arabisch-palästinensischen  Volkes  für  die  Durchsetzung seiner  nationalen  Rechte  und  mit  den israelischen Friedenskräften auszudrücken,  die  gegen  die  Regierungspolitik  der  Okkupation und militärischen Unterdrückung des palästinensischen Volkes kämpfen.

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