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Österreich:
Klassenkampf-Bewegungen-Wahlen
von
Otto Bruckner (Kommunistische Initiative Wien)
Ein
Kommentar zu den bevorstehenden Nationalratswahlen.
Wenn
die marxistische – und besonders von Lenin vorangetriebene –
Einsicht, daß die parlamentarische Bühne verstärkt als Tribüne im
Klassenkampf genützt werden soll, als richtig vorausgesetzt wird, so
stellt sich die Frage, wie das unter den konkreten österreichischen
Bedingungen umgesetzt werden kann.
Die
KPÖ verfällt nach einem Zwischenspiel mit verschiedenen (Schein-) Bündnisexperimenten
auf der Ebene der Wiener Kommunal- und der Europapolitik wieder dem
selbstgefälligen „Wir SIND die Linke“-Trugschluß. Die Warnungen an
die parteilosen Exponenten des EU-Wahlbündnisses „Linke“, sie würden
von Baier nur benützt so lange sie nützlich sind, haben sich als
richtig herausgestellt. Der Versuch von Leo Gabriel und anderen, das „Linke“-Experiment
auch auf die kommende Nationalratswahl auszudehnen wurde von der KPÖ
eiskalt abgewürgt. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil der Erfolg bei
den EU-Wahlen enden wollend war. Entscheidender dürfte aber gewesen
sein, dass die KPÖ in Wien trotz ihrer vollständigen Isolierung und
ihres organisatorischen und politischen Niedergangs bei der letzten
Kommunalwahl mit dem „Kaltenegger“-Bonus bescheidene Erfolge
erzielen konnte. Daraus abgeleitet ist eine neue „mir san
mir“-Mentalität entstanden, die realitätsferner nicht sein könnte.
Denn weder gibt es in der Bundes-KPÖ die Persönlichkeiten noch die
politischen Konzepte für eine „Kalteneggerisierung“ der
Gesamtpartei.
Das
Kalkül ist ein viel banaleres. Die KPÖ-Steiermark soll ins gemeinsame
Boot geholt werden, so dass also nach außen hin der Eindruck erweckt
wird, die Bundes-KPÖ stehe für all das, was die SteirerInnen machen,
tatsächlich bleibt aber alles, wie es ist.
In
jüngster Zeit eskaliert der Streit zwischen steirischer und Bundes-KPÖ,
unter anderem geht es um die Frage des bundesweiten Spitzenkandidaten.
Von den Steirern wird deren Landesvorsitzender Franz Stephan Parteder
– der insbesondere dem „antinationalen“ Klüngel um Baier wegen
seiner strikten Anti-EU-Haltung verhasst ist – vorgeschlagen, die
Bundes-KPÖ möchte Mirko Messner voranstellen.
Insgesamt
wird die KPÖ – wie auch immer diese internen Querelen ausgehen –
ausserhalb der Steiermark wieder für alles und nichts stehen: Sie
vereint die „antinationalen“ Spinner, die mit Israel-Fahnen
herumlaufen, die überzeugten „Europäer“, die Doktor am Krankenbett
des Imperialismus spielen wollen und die „Postfordisten“, die mit
der ArbeiterInnenklasse längst abgeschlossen haben, nicht zu vergessen
die Herren „Feministen“ und die Gewerkschafter, die nichts mehr mit
„kommunistischen Symbolen“ zu tun haben wollen. Ideologischer
Kulminationspunkt dieses geistigen Hiroshima ist die „Totalitarismus“-Theorie,
die Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus also, die von Baier abwärts
zum fixen Fundus der KPÖ-ler gehört.
Dass
es auch ausserhalb der Steiermark da und dort noch aufrechte
KommunistInnen in der KPÖ gibt, sei der Ordnung halber erwähnt, Einfluß
haben sie nach dem massenhaften Austritt der kritischen Kräfte
allerdings keinen mehr.
Die
KPÖ-Steiermark unterscheidet sich von der Bundespartei vor allem durch
ihre Verankerung in der (werktätigen) Bevölkerung, aber auch in
programmatischen Fragen: Sie hat eine klare Klassenorientierung, tritt
entschieden gegen die EU auf und ist auch immer wieder Teil
antiimperialistischer Bündnisse. Dass es auch in dieser - mittlerweile
zur linken Volkspartei gewachsenen KP - unterschiedliche ideologische
Konzepte gibt und verschiedene Schwerpunktsetzungen ist sichtbar, stellt
aber – zumindest bisher – kein großes Problem dar, da in den großen
Linien der Politik weitgehende Einheit zu herrschen scheint. Die Frage,
ob die steirische KPÖ ihre parlamentarischen Vertretungen ausreichend nützt,
um außerparlamentarische Kämpfe und Klassenkämpfe zu fördern und
voranzutreiben, ist legitim. Sie sollte allerdings nicht in
besserwisserischer Manier gestellt sondern unter Anerkenntnis der
Leistungen, die erbracht werden, solidarisch mit den steirischen
GenossInnen diskutiert werden.
Jedenfalls
zeichnet sich ab, dass die KPÖ auf Bundesebene – egal wie das
parteiinterne Gezerre nun ausgehen wird – keine Wahlalternative für
klassenorientierte und antiimperialistische Linke darstellen wird.
Zumindest
in Wien ist auch im Herbst wieder mit dem Antreten der Sozialistischen
Linkspartei (SLP) zu rechnen. Ihr ist zugute zu halten, dass sie – ähnlich
wie die KI – eine Organisation ist, die sich nicht auf Parteiapparate
und verknöcherte Strukturen stützt, sondern auf die ehrenamtliche Tätigkeit
ihrer AktivistInnen. Die SLP ist in Fragen der Klassen- und
Gewerkschaftspolitik eindeutig auf Seiten der ArbeiterInnenklasse
positioniert, ihre diversen Kandidaturen in der Vergangenheit dienten
aber in erster Linie der organisatorischen Eigenprofilierung und auch
ein gewisser Hang zur Selbstüberschätzung (etwa der Slogan, die SLP wäre
„die Linkspartei“ bei den Wiener Wahlen) ist ihr nicht abzusprechen.
Andere
linke – vor allem trotzkistische – Organisationen neigen kurz vor
Wahlen auf Grund der Alternativlosigkeit dazu, zur Wahl der SPÖ
aufzurufen, da diese trotz allem die größte ArbeiterInnenpartei sei.
Angesichts des gänzlichen Fehlens antikapitalistischer oder
antimonopolistischer Ansätze in der Sozialdemokratie halte ich diese
Option tatsächlich für eine Politik der „verlorenen Stimme“, in
dem Sinne, dass linke Stimmen im systemkonformen Orkus verschwinden.
Der
vollständige organisatorische, politische und finanzielle Niedergang,
den die ÖGB-BAWAG-Bonzen dem Gewerkschaftsbund beschert haben, schreit
geradezu nach Alternativen, auch bei Wahlen. Die „Kronen Zeitung“
bringt bereits H.P. Martin in Stellung, um Proteststimmen aufzufangen
und auch die Strache-FPÖ wird gewiss Profiteur des sozialdemokratischen
Desasters sein. Es ist der steirischen KPÖ zu wünschen, dass sie möglichst
viele Menschen davon überzeugen kann, dass die Alternative nicht in der
Wahl von schillernden und rechten Populisten, sondern in einer Stimme für
eine echte ArbeiterInnenpolitik besteht. Im Rest Österreichs wird es,
wie es aussieht, keine klassenkämpferische und antiimperialistische
Alternative auf dem Stimmzettel geben. Es wird wohl nur die - schwache -
Protestform der ungültigen Stimme bleiben. Und die Erkenntnis, dass
eine solche Alternative geschaffen werden muss. Damit ist aber nicht von
oben nach unten, sondern von unten nach oben zu beginnen, das belegt die
Erfolgsgeschichte der KPÖ-Steiermark eindeutig.
Die
Kommunistische Initiative als noch kleine und erst seit eineinhalb
Jahren bestehende Kraft wird deshalb auch weiterhin den Schwerpunkt
ihrer Arbeit auf die Gewinnung von Positionen an der „Basis“, in
Betrieben, Kommunen, Gewerkschaften und Arbeiterkammern legen, und das
in durchaus flexiblen Bündnisformen. Alle, die ähnliche Ziele
verfolgen, möchten wir ermuntern, noch enger zusammenzuarbeiten. Auch
in Österreich wird sie wachsen, die Bewegung der arbeitenden Menschen,
der Ausgebeuteten und Ausgegrenzten. Wächst sie, dann wächst auch der
Bedarf, sich auf der Ebene von Vertretungskörperschaften zu
artikulieren. Die „Verhältnisse zum Tanzen zu bringen“, das ist die
vorrangigste Aufgabe der KommunistInnen, Wahlpolitik kann und muß ein
Teil dieser Aufgabe sein. |