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Strandgut der Geschichte“

Von Otto Bruckner

Quelle; Kommunistische Initiative Österreich 31.03.2006

Immer dann, wenn antiimperialistische und internationale proletarische Solidarität gefragt ist, steht die KPÖ mit Sicherheit auf der falschen Seite. Oder sie schweigt.

Wenn 60 kommunistische und Arbeiterparteien eine gemeinsame Erklärung zum dritten Jahrestag des Beginns der imperialistischen invasion im Irak abgeben, ist die KPÖ selbstverständlich nicht mit dabei. Wenn internationaler Protest gegen die antikommunistischen Ambitionen konservativer Europaratsabgeordneter organisiert wird, springt sie halbherzig und mit einem „antistalinistischen“ Kotau im letzten Moment noch auf, und wenn in unserem Nachbarland, der tschechischen Republik, der kommunistische Jugendverband verboten zu werden droht, macht sie so gut wie gar nichts. Aktiv wird sie aber immer dann, wenn es darum geht, den irakischen Widerstand zu denunzieren, die US-Kollaborateure von der „KP“ des Irak zu verteidigen, oder in den Chor der „political correctness“ einzustimmen, also AntiimperialistInnen als „Antisemiten“ zu diffamieren.

Das zugrunde liegende Problem besteht offenbar darin, daß einerseits der rote Faden der Geschichte verloren ging, und andererseits mit allen Mitteln versucht wird, zum „zivilgesellschaftlichen“ Konsens dazuzugehören.

Mit dem roten Faden ist das so ein eigenes Problem. Während sich Baier in seiner Rücktrittserklärung (bescheiden wie er ist) in eine Reihe mit Koplenig und Muhri stellte, wird gleichzeitig alles getan, die positiven Bezugslinien zur Ära dieser beiden Langzeitvorsitzenden zu verwischen. Da lässt man die Clowns am rechten Rand der Partei sich in Elaboraten, die nicht einmal die formalen und grammatikalischen Kriterien eines einfachen Schulaufsatzes erfüllen (siehe z.B. LOGO), gegen die „nationalen“ Linken wie KI, ASt und AIK austoben, und stellt sich zugleich auf die Schultern eines Mannes, der sagte „ich diene der Arbeiterklasse, meinem Volk und der Sache der internationalen proletarischen Solidarität“ (Koplenig).

Die Selbstverständlichkeit, mit der Franz Muhri sich zu den Protestaktionen nach Salzburg begab, als US-Präsident Nixon Österreich besuchte, wird heute konterkariert durch die Sorge der KPÖ, daß nur ja keine Unterstützung für den irakischen Widerstand von Anti-Bush-Protesten im Juni ausgehen möge.

War die KPÖ über Jahrzehnte hinweg – praktisch und theoretisch – auf Seiten der AntiimperialistInnen in Israel und Palästina, gehört sie heute zu den bedächtigen „einerseits-andererseits“-Pharisäern, die den Unterdrückten raten, doch ein wenig leiser zu treten. Der Zionismus, als großisraelische Staatsdoktrin jahrzehntelang bekämpft, wird heute verteidigt, Antisemitismus und Antizionismus in bewußter Verdrehung der Tatsachen ganz in der Argumentationslinie der „Antinationalen“ in einen Topf geworfen.

Die KPÖ ist zur Zeit ein bedauernswerter Schatten ihrer selbst. Dort wo weltanschauliche Beliebigkeit um sich gegriffen hat, sehnen sich genau jene Funktionäre, die früher den Regenschirm aufgespannt haben, wenn es in Moskau regnete – und exakt dieser Funktionärstyp machte noch jede Wende bis zum Zerstörer der UdSSR, Gorbatschow, mit – nach Anhaltspunkten dafür, wonach man sich denn nun in diesen unüberschaubaren Zeiten zu richten habe. Und siehe da: Die Lösung ward rasch gefunden, sie heißt „europäische Linkspartei“. Dieser Zusammenschluß einiger europäischer Parteien unter Führung der PDS und des rechten Flügels der Rifondazione Comunista dient als neues Epizentrum, als „Moskau-Ersatz“ quasi. In diesem Fall hat sich das Epizentrum der „europäischen Linken“ allerdings zur Aufgabe gemacht, mit dem kommunistischen zu brechen.

Auf grausame Weise ist es dem Faschismus und der Reaktion gelungen, tausende und abertausende führende kommunistische Kader in Europa zu vernichten und die kommunistische Bewegung personell und intellektuell drastisch zu schwächen.

Was Faschismus und Reaktion nicht gelungen ist: den roten Faden der Geschichte, die Weitergabe von Wissen, Erfahrung, Lehren aus verlorenen und gewonnenen Kämpfen zu durchtrennen. Die kommunistische Bewegung erstarkte erst recht nach der Zerschlagung des Faschismus, nicht zuletzt, weil es die Sowjetunion war, die den größten Beitrag im Krieg gegen die Nazi-Barbarei erbrachte.

Stets neue Generationen von RevisionistInnen, Abkürzern, Suchern nach „dritten Wegen“, sind angetreten, um den KommunistInnen das kommunistische auszutreiben: Ihren energischen Kampf gegen Kapitalismus, Imperialismus und Krieg, ihr kompromißloses Eintreten für den Sturz der bestehenden Ordnung, für die klassenlose Gesellschaft, den Kommunismus. Letztlich ohne Erfolg, denn sie sind entweder dort gelandet, wo sie hingehören, nämlich in der Sozialdemokratie oder noch weiter rechts, oder aber sie sind mit der Zeit überhaupt von der Bildfläche verschwunden.

Auch die Scharlatane von heute werden nur eine Episode in der Geschichte der kommunistischen Bewegung sein, „Strandgut der Geschichte“ wie sich ein legendärer alter KP-Bezirkssekretär auszudrücken pflegte.

Eine der stärksten kommunistischen Parteien Europas, die griechische KKE, stellte auf ihrem letzten Parteitag (Februar 2005) fest, daß in der internationalen kommunistischen Bewegung eine „Auseinandersetzung zwischen den revolutionären kommunistischen und den reformistischen, opportunistischen“ Auffassungen stattfindet. „Zwischen der Linie des 'Widerstandes und Bruchs' und der Linie der 'Anpassung und Integrierung' in das System des Imperialismus.“

Es besteht kein Zweifel, wo in dieser Auseinandersetzung die KPÖ steht. Unter anderem deshalb ist die Notwendigkeit der Gründung einer eigenständigen, von der KPÖ völlig unabhängigen kommunistischen Organisation entstanden. Damit auch in Österreich eine Kraft entsteht, die die Linie des „Widerstands und Bruchs“ verfolgt und gemeinsam mit anderen Kräften an der Herausbildung eines starken antiimperialistischen Pols arbeitet. Genau in diesem Sinne wird die Kommunistische Initiative auch nach Kräften die antiimperialistischen Proteste gegen den geplanten Österreich-Besuch des US-Präsidenten Bush mitorganisieren.

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