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Mexiko/Oaxaca, 26.11.2006

Tote und Verletzte bei brutalem Polizeieinsatz gegen friedliche Demonstranten

Augenzeugenbericht aus der Stadt der kämpfenden Volksmassen

Von Claudio Coladangelo (Oaxaca)

Genossinnen Genossen !!!

ZAPATA VIVE - LA LUCHA SIQUE!

Gestern am 25.11 hat der Staatsterrorapparat wieder  zugeschlagen. Es fand eine friedliche Demonstration statt, die zum Ziel hatte einen Belagerungsring um die PFP-Einheiten (Militärpolizei) zu bilden, die sich in der Stadtmitte aufhalten um den verhassten Gouverneur Ruiz im Amt zu halten.

Nachdem der Ring von Tausenden Menschen aufgebaut wurde, entschloss sich die Militärpolizei, die Demonstranten mit Tränengas, Wasserwerfern, Gummigeschossen anzugreifen. Es kam zu erbitterten Zusammenstößen die etwa 5 Stunden andauernden. Bei dieser Schlacht, anders kann ich es nicht benennen, was gestern geschah, hat  es 4 Tote, Hunderte von Verletzten und mindestens 90 Verschleppte gegeben. Die Menschenmenge war so aufgebracht, dass sie mehrere Justizgebäude in Brand gelegt hat, es wurden Dutzende von Autos verbrannt. 

Während ich diese Zeilen schreibe, finden in der ganzen Stadt Militärrazzien statt, keiner ist mehr sicher, überall sind Militärkonvois unterwegs, die schwerbewaffnet jeden aufgreifen, der irgendwie verdächtig erscheint. Gestern Abend gegen 11Uhr wurde ich um Hilfe gebeten in das Zivilkrankenhaus der Stadt zu kommen, wo viele von unseren Verletzten eingeliefert wurden.

Als ich dort eintraf sah ich mit meinen eigenen Augen mindestens 20 schwerbewaffnete, in Zivil gekleidete Polizisten die in das Krankenhaus wollten, um die Verletzten zu töten. Nur durch die mutige Gegenwehr der Ärzte konnte das Eindringen dieser Politgangster verhindert  werden. 

Gegen 12 Uhr30 nachts kam über Radio Universidad die Meldung,  daß schwerbewaffnete Paramilitärs die Medizinfakultät der Universität stürmen, in der sich viele Genossen in Sicherheit gebracht hatten. Es wurde aus Maschinengewehren geschossen, und dabei wurden drei Studenten ermordet. 

Die Menschenrechtsorganisationen  die in Oaxaca tätig sind, wissen nicht mehr wo sie überall helfen sollen und welche Menschenrechtsverletzungen angezeigt werden sollen. Es gibt keine Menschenrechte mehr in dieser Stadt.

Am 27.10. wurde der amerikanische Journalist Brad Will von Paramilitärs hingerichtet, gestern wurden mehrere mexikanische Reporter in brutalster Weise zusammengeschlagen.

Die faschistoide Regierung hat heute bekannt gegeben, daß Hunderte von Haftbefehlen gegen alle, die etwas mit der APPO[1] zu tun haben, vollstreckt werden.

Wir leben de facto eine Militärdiktatur in Oaxaca.

DESSHALB NOCHMALS MEIN AUFRUF AN EUCH ALLE: MACHT ÖFFENTLICHKEITSARBEIT ÜBER DIE EREIGNISSE, DIE HIER GESCHEHEN!

VERSUCHT DIE LINKSPARTEIABGEORDNETEN, VOR ALLEM WOLFGANG GEHRKE UND TOBIAS PFLUEGLER IN DIE PFLICHT ZU NEHMEN.

ORGANISIERT DEMOS VOR DEN MEXIKANISCHEN BOTSCHAFTEN UND KONSULATEN.

SPRECHT MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN AN, DIE LEUTE NACH OAXACA SCHICKEN, UM DEN MENSCHEN ZU HELFEN. JEDE ART VON HILFE IST WILLKOMMEN!!!

 ES LEBE DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!!!

ALLE MACHT DEM VOLK!!!

DER FASCHISMUS DARF NICHT SIEGEN!!!

Rote Grüße aus dem leidenden und sich wehrendem Oaxaca  Claudio


[1]  APPO = Asamblea Popular del Pueblo de Oaxaca

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