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Richter
will „Nigger grillen“
USA:
Zulassung von Beweisen zur Entlastung von Mumia Abu-Jamal wird weiter
blockiert
Jürgen
Heiser
Quelle:
http://www.jungewelt.de/2003/10-24/004.php
Am
8. Oktober hat der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania mehrere Anträge
der Verteidigung des US-Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal abgelehnt.
Damit sind die Papiere aus den vergangenen beiden Jahren, mit denen die
Anerkennung weiterer Unschuldsbeweise durch das Gericht gefordert wurde,
zur Makulatur erklärt worden.
In einer ersten
Stellungnahme hat der neue Hauptanwalt Abu-Jamals, der seit 30 Jahren
ausschließlich in Todesstrafenverfahren auftretende Anwalt Robert R.
Bryan aus San Francisco, vor allem die Teilnahme von Richter Castille an
dieser Entscheidung kritisiert. Castille war jahrelang offen für die
Hinrichtung von Abu-Jamal eingetreten.
Dass "der Bock zum Gärtner
gemacht wurde", ist eine Erkenntnis, die im Verlaufe des sich seit
nunmehr 21 Jahren da-hinschleppenden Verfahrens in all seinen Rechtszügen
gewonnen werden musste. Unfassbar war für die Weltöffentlichkeit, dass
derselbe Richter Sabo, berüchtigt als "Henker in
Richterrobe", der Abu-Jamal 1982 zum Tode verurteilte, 1995 darüber
entscheiden durfte, ob ein Wiederaufnahmeverfahren zugelassen wird. Seit
seiner Ablehnung eines neuen Prozesses im September 1995 befassen sich
die Staats- und Bundesgerichte in Pennsylvania mit der Flut von neuen
Beweisen, die die Verteidigung im Laufe von über zehn Jahren für die
Unschuld Abu-Jamals erbracht hat. Bis heute haben es alle angerufenen
Gerichte geschafft, keinen dieser Beweise in die Akten aufzunehmen. Die
Standardbegründung wie bei der jüngsten Entscheidung hieß: "Der
Antrag wurde zu spät eingereicht."
Für Rechtsanwalt Bryan ist
es ein Unding, dass selbst das offene Bekenntnis von Richter Sabo,
"ich werde dabei helfen, den Nigger zu grillen", das von der
Gerichtsstenographin Terri Maurer-Carter bezeugt wurde, nicht als Beleg
für den rassistischen Charakter des Todesurteils zu den Akten genommen
werden soll. Bryan: "Der Vorsitzende Richter hat bereits vor der
Entscheidung der Geschworenen klar seine Motivation zu erkennen gegeben
und gesagt, er werde dafür sorgen, dass Mumia Abu-Jamal verurteilt und
hingerichtet wird. Die dümmliche Begründung, die das Gericht dafür
gibt, ist, dass die Frage der Befangenheit von Sabo bereits vor Jahren
behandelt worden sei und man keine Voreingenommenheit des Richters habe
feststellen können. Die wichtige Aussage von Terri Maurer-Carter war
aber zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht bekannt!"
Für Bryan gibt es keine
Zweifel, warum der Oberste Gerichtshof diese Zeugin nicht hören will:
"Weil ihre Aussage nicht nur den rassistischen Charakter des
Verfahrens gegen meinen Mandanten entlarvt. Nicht nur dieser eine
Richter, nicht nur Philadelphia und Pennsylvania, sondern das gesamte
Justizsystem der USA wird dadurch angeklagt. Und das wollen sie unter
den Teppich kehren. Richter Castille hatte in seiner Amtszeit als
Staatsanwalt ein enges kollegiales Verhältnis zu Richter Sabo und will
natürlich nicht, dass dieser Richter heute vor aller Welt als Rassist
entlarvt wird."
Richter Yohn von der ersten
Bundesgerichtsinstanz in Pennsylvania hat am 18. Dezember 2001 in einem
Urteil die Ablehnung des Wiederaufnahmeverfahrens, wie sie Richter Sabo
1995 gefasst hatte, bestätigt und gleichzeitig entschieden, das
Todesurteil in lebenslange Haft zu verwandeln. Dieses Urteil ist bis zum
heutigen Tage nicht rechtskräftig; die weitere Verhandlung darüber war
durch die erneuten Verhandlungen vor den Staatsgerichten blockiert.
Yohns Entscheidung basierte auf dem einzig von ihm zugelassenen
Berufungsgrund, den auch Rechtsanwalt Bryan als wesentlich hervorhebt:
"Bundesrichter Yohn hat zwar nur einen Grund, nämlich die
rassistische Voreingenommenheit bei der Geschworenenauswahl, zur
Berufung zugelassen hat, es gibt aber weitere, die wir jetzt erneut
vorbringen werden. Es geht dabei zum Beispiel um die Tatsache, dass
Mumia die Hälfte der Zeit vom Verfahren ausgeschlossen war. Wir haben
aber nur ein Ei im Korb. Wenn es zerschlagen wird, haben wir nichts mehr
in der Hand, und Mumia wird hingerichtet. Also müssen wir zusehen, mehr
Eier in den Korb zu bekommen, das heißt, es müssen weitere Verfahrensrügen
zur Berufung zugelassen werden."
Robert R. Bryan lässt
keinen Zweifel daran, dass die nun vor den Bundesgerichten anstehende
juristische Auseinandersetzung nur Erfolg haben kann, wenn die
internationale Solidaritätsbewegung einen starken öffentlichen Druck
erzeugt. Die Bürgerrechtsaktivistin Angela Davis und der legendäre
afroamerikanische Schauspieler Ossie Davis tragen dem in ihrem
dringenden Appell Rechnung, mit dem sie die Öffentlichkeit zur Unterstützung
und zu Spenden aufrufen: "Mumia Abu-Jamal ist der derzeit
bekannteste politische Gefangene der USA. Das Todesurteil gegen ihn ist
eine solche Schande, dass es von Staatsführungen in aller Welt, vom
Europäischen Parlament wie von Amnesty International öffentlich
verurteilt wurde."
(Siehe auch Interview mit
Robert R. Bryan)
* Info: www.freedom-now.de
Den
Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2003/10-24/004.php
(c)
Junge Welt 2003
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