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Landtagswahlen
in Niedersachsen und Hessen 2008:
„Ein
lachendes und ein weinendes Auge“
oder
Gysi-Lafontaine-Truppe
ist die Alternative nicht
Von
Günter Ackermann/29. Januar 2008
Ein
früherer Genosse aus der PDS rief mich an und frage mich, mit Freude in
der Stimme: „Was sagst du zu den Wahlergebnissen in Hessen und
Niedersachsen?“
Meine
Antwort: „Ich freue mich und ich bin traurig.“ Ich spürte seine
Verblüffung. Freude und Trauer gleichzeitig?
Die
Freude: Die Wähler der Partei „Die Linke“ wählten diese
Partei, weil sie sie für links hielten. Oder, noch klarer: Die
FDP-Strategen jubelten sie
gar zu Kommunisten hoch. Ein nicht geringer Teil der Hessen und
Niedersachsen wählten also eine Partei, von der sie meinten, sie stehe
links oder sie sei sogar eine kommunistische Partei. Dass ein relevanter
Teil der Deutschen links oder gar kommunistisch wählen, ist sehr
erfreulich. Trotz Faschismus, Adenauerzeit, Kalter Krieg, dem
Friedenspalme wedelnden Friedensnobelpreisträger und Vater der
Berufsverbote, Willy Brandt und dem Ende des Realen Sozialismus, wählen
in einem westdeutschen Land die Menschen eine Partei, von der sie
meinen, sie sei sozialistisch oder gar kommunistisch. Das
ist erfreulich!
Die
Trauer: Wieder einmal sind sie Rosstäuschern zum Opfer gefallen.
Die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe ist alles andere, aber nicht
sozialistisch und schon gar nicht kommunistisch, sondern eine nach außen
linkere Variante der SPD. Daran ändert auch nichts, dass diese Partei
in Niedersachsen das DKP-Mitglied Christel Wegner auf ihre Liste gesetzt
hat und in den Landtag hat wählen lassen. Die DKP-Genossin dient als
Feigenblatt und nach außen als Wahrheitsbeweis, dass diese Partei links
ist.
Es
gab immer in PDS-Bundestagsfraktionen Linke und gar Kommunisten. Sie
leisteten gute Arbeit, waren auch glaubwürdig. Das war auch notwendig für
ihre Fraktion, denn auch sie hatten diese Feigenblatt-Funktion. Ich
erinnere an Ulla Jelpke oder andere. Die Grenzen der linken Politik
dieser Linken in der Gysi-Lafontaine-Truppe sind allerdings da, wo
daraus mehr, als Alibi wird. So ist es kein Zufall, dass keiner dieser
Linken in den Kernbereichen einer sozialistisch/kommunistischen Partei tätig
ist. Weder im Bereich Sozialpolitik oder Betrieb und Gewerkschaft
befinden sich welche. Da sind meist farblose Leute tätig oder
westdeutsche Gewerkschaftsfunktionäre aus der ehemaligen WASG, die nur
kosmetisch geschönten Kapitalismus anstreben.
Die
Berliner Sozialsenatorin, Heidi Knake-Werner, eine eindeutig
Partreirechte und Vorreiterin der Umsetzung der Politik des Sozialraubs
in Berlin, war vor ihrer Zeit in der PDS übrigens Mitglied der DKP.
Das
Vertrackte: Je besser die Linken ihre Arbeit in ihrem Politikbereich
machen, umso mehr binden sie links denkende Mitglieder und Wähler an
diese Partei. Da diese Partei aber keine linke Politik macht, nur mit
linkem Vokabular um sich wirft, ist ihre objektive Funktion negativ –
gleichgültig, ob das von diesen Genossinnen und Genossen so gewollt
ist.
Dass
dies so ist, beweist auch, der Unterschied des Wahlausgangs in den
beiden Bundesländern. Im Stammland des neoliberalen
sozialdemokratischen Ex-Kanzlers Gerhard Schröder schnitt die
Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe entschieden besser ab, als in Hessen, wo
sie mal eben die 5% schaffte. Der Grund, so meine ich, ist die
Darstellung der SPD. In Niedersachen waren die Spuren des Ex-Kanzlers
nicht zu verwischen. Zu viel passierte dort um ihn und seinen Freund
Peter Hartz. Der Erfinder der Hartz-Gesetze zur Verelendung breiter
Teile der Bevölkerung und das Schmieren von Betriebsräten durch
Millionensummen und Luxusreisen mit Besuchen in Edelpuffs, Gangstergeschäfte
usw.zum Wohle des Konzerns ist bundesweit bekannt. Aber in Niedersachsen
sind diese Spuren schwerer zu verwischen, als in Hessen.
Dort
wurde mit der Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti eine Spitzenkandidatin
gekürt, die als „Linke“ verkauft wurde. Da hatte es die
Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe logischerweise schwerer. In Niedersachsen
war ihnen relativ leicht, sich gegenüber der Schröder-Partei als Kämpferin
für soziale Gerechtigkeit zu verkaufen. Ein paar lautstarke Worte und
es klappte.
In
Hessen kam die SPD selbst mit linken Sprüchen und der offen Neoliberale
Ex-Minister Clement sekundierte der Spitzenfrau seiner Partei, indem er
sich von ihr distanzierte. Frau Ypsilanti hat diese Wahlhilfe dann auch
wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Trauer
auch deshalb, weil es Kommunisten noch immer nicht gelungen ist,
gemeinsam zu handeln. Zu tief geht der Riss des Verrats des Modernen
Revisionismus durch unsere Reihen. Wir sind einfach noch nicht soweit.
Aber
die Wahlen in Hessen und Niedersachsen sollten uns Ansporn sein. Wir
sollten nicht zulassen, dass Rosstäuscher und politische Gaukler mit
dem guten Ruf des Kommunismus Stimmen und Anhänger einsammeln, Stimmen
und Anhänger, die uns eigentlich gehören.
G.A.
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