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Philippinen:
Bananenbaron
wird Landwirtschaftsminister - der Bock wird Gärtner
Engagierter
Arzt Dr. Romeo Quijano dagegen von Justiz verfolgt |
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Als
„extrem gefährlich“ klassifiziertes BAYER-Pestizid Nemacur vergiftet Menschen, Tiere und Wasser - zum Nutzen des Bananenbaros und
Landwirtschaftsministers Luis Lorenzo , von
Chiquita und Del Monte, der Chemiekonzerne Bayer und Dupont zurück |
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Attacke gegen Umweltschützer
Bananen-Baron
steigt zum Landwirtschaftsminister auf
Quelle:
cbgnetwork
Als
Dr. Romeo Quijano zum ersten Mal nach Kamukhaan kam, wirkte der Ort wie
eine Geisterstadt. Nur schäbige Hütten und ihre verarmten Bewohner kündeten
von etwas Leben. Die folgenden Untersuchungen des Toxikologen und
Vorsitzenden des philippinischen Pestizid Aktions-Netzwerks erklärten
den gespenstischen Eindruck: die Pestizid-Sprühungen einer angrenzenden
Bananen-Plantage zerstören nicht nur die Gesundheit der Anwohner,
sondern auch die ökonomische Basis des Dorflebens auf der Insel
Mindanao.
Ein
großer Teil der 700 Einwohner leidet an Schwindel-Gefühlen, Fieber-Anfällen,
Husten-Attacken oder Übelkeit. Viele laborieren an chronischen
Krankheiten wie Asthma oder Blutarmut; einige haben Krebs. Kurz vor dem
Eintreffen des Mediziners starben allein in einem Monat neun Menschen.
Darüber hinaus vernichten die Ackergifte die natürlichen
Lebensgrundlagen der Kamukhaaner: sie verunreinigen den nahen See, was
viele Fischer zwang, ihren Beruf aufzugeben. Die Kokos-Palmen tragen
keine Früchte mehr, und der vergiftete Boden lässt nicht einmal
Getreide-Anbau zur Selbstversorgung zu. So bleibt den Menschen nichts
anderes übrig, als in der Plantage anzuheuern - für einen Tages-Lohn
von 45 Pesos (€ 1,10). Dort kommen sie dann noch unmittelbarer mit den
Agro-Chemikalien in Kontakt, von denen einige wie das von der
Weltgesundheitsorganisation als "extrem gefährlich"
klassifizierte Bayer-Pestizid Nemacur (Wirkstoff: Fenamiphos) in Europa
längst nicht mehr zugelassen sind.
Im
März 2000 veröffentlichte Dr. Quijano die Ergebnisse gemeinsam mit
seiner an den Recherchen beteiligten Tochter unter dem Titel Poisoned
Lives in der Philippine Post. Der Artikel erregte großes Aufsehen,
viele ausländische Publikationen druckten den Text nach (darunter auch
die junge Welt am 11. November 2000). Mit dem Medien-Echo stieg jedoch
auch der politische Druck. Der Plantagen-Besitzer Luis Lorenzo, der dem
landesweit größten Agro-Unternehmen Ladeco, welches allein auf
Mindanao 40 Plantagen besitzt, vorsteht, überzog Quijano mit einer
Verleumdungsklage. Dabei stützte er sich auf eine Gefälligkeits-
Expertise des Landwirtschaftsministeriums, die keine Pestizid-Schäden
in Kamukhaan feststellen konnte. Parallel dazu versuchte der
Bananen-Baron, die Dorfbewohner durch Gewährung günstiger Darlehen auf
seine Seite zu ziehen. Trotz dieser widrigen Umstände und der sich
immer mehr zu einem Bürgerkrieg aufschaukelnden Konflikte zwischen der
Zentralregierung, dem Militär und Muslimen auf Mindanao besuchte Romeo
Quijano das Dorf immer wieder. Erst Todesdrohungen gegen ihn und die
Mitarbeiter der örtlichen Gesundheitsinitiative brachten Quijano dazu,
seine letzte Reise kurz vor dem Ziel abzubrechen.
Die
Klage wurde im Frühjahr 2001 vom Gericht in Davao City/Mindanao zunächst
abgewiesen, da die Veröffentlichung der Recherchen von „öffentlichem
Interesse“ sei und Quijano die Recherchen mit dem Ziel unternommen hätte,
„Regierungsstellen auf die Gesundheitsrisiken der Einwohner von
Kamukhaan aufmerksam zu machen“. Luis Lorenzo reagierte und ließ
seine langjährigen Beziehungen zur philippinischen Präsidentin
spielen: im vergangenen November stieg er zum Landwirtschaftsminister
des südostasiatischen Landes auf. In Lorenzos Zuständigkeit fällt nun
auch die Zulassung und Risikobewertung von Pestiziden - kaum je traf die
Bezeichnung „Bananen-Republik“ mehr zu.
Der
zum Bock gemachte Gärtner hatte dann auch nichts Eiligeres zu tun, als
auf Amtshilfe zu drängen und das Justiz-Ministerium zur Wiederaufnahme
des Verleumdungsverfahrens zu bewegen. Am 4. Juli wurde die Einstellung
des Verfahrens gegen Dr. Quijano aufgehoben und Haftbefehl erlassen.
Mitangeklagt sind mehrere Journalisten, die den Inhalt des Artikels
weiter verbreitet hatten, darunter der Philippinen-Korrespondent der New
York Times - schlimmstenfalls drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.
Ende September schließlich wurde Dr. Romeo Quijano verhaftet und erst
gegen Zahlung einer Kaution wieder freigelassen.
Aber
gebrochen hat ihn das nicht. Gegenüber der jW äußerte Quijano, dass
er bald wieder nach Kamukhaan reisen will, um die in der Klage erhobenen
Vorwürfe durch neue Untersuchungen endgültig zu entkräften. In der
juristischen Auseinandersetzung unterstützt ihn eine internationale
Solidaritätskampagne, in der sich neben "Dritte Welt"-Gruppen
auch das Pestizid Aktions-Netzwerk und die Coordination gegen BAYER-
Gefahren zusammen geschlossen haben. In einem gestern veröffentlichten
Brief an Außenminister Joschka Fischer fordern die Initiativen zudem
die Bundesregierung auf, bei der philippinischen Präsidentin gegen die
Kriminalisierung der Umweltschützer zu protestieren und eine
Einstellung des Verfahrens zu erwirken.
Dr.
Quijano ist im übrigen nicht das erste Mal juristischen Attacken
ausgesetzt. Nachdem er zu Beginn der 90-er Jahre Gesundheitsrisiken des
Pestizids Endosulfan veröffentlicht hatte, klagte die deutsche Firma
Hoechst gegen ihn und verlangte 22 Millionen Peso Schadenersatz. Die
Klage wurde abgewiesen, Endosulfan wurde kurze Zeit später in den
Philippinen verboten.
von
Philipp Mimkes
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Der
Fall Dr. Quijano:
Hände
weg von Dr. Quijano & seiner Familie! |
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Dr.
Romy Quijano ist Arzt und Toxikologe, er lehrt Pharmakologie an der
Universität von Manila. Seit rund 20 Jahren arbeitet er zu
Gesundheitsrisiken von Pestiziden. Er ist Vorsitzender der
philippinischen Sektion des Pesticide Action- Network (PAN) und
gehört zu den Leitern des International POPs Elimination Network (IPEN),
einem Zusammenschluss von 300 Umweltorganisationen aus aller Welt. Seit
vielen Jahren kooperiert er mit dem internationalen Netzwerk der Coordination
gegen BAYER-Gefahren (CBG).
Seit
1997 hat Dr. Quijano in Zusammenarbeit mit der CBG eine Reihe von
Untersuchungen in dem Dorf Kamukhaan auf der philippinischen Insel
Mindanao vorgenommen. In unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfs befindet
sich eine große Bananenplantage in Besitz des Unternehmens LADECO. Auf
der Plantage werden in großem Umfang Pestizide eingesetzt, darunter das
von der Weltgesundheitsorganisation als „extrem gefährlich“
klassifizierte BAYER-Pestizid Nemacur.
Sowohl
bei den Arbeitern der Plantage als auch in der benachbarten Gemeinde
trat eine hohe Zahl von Vergiftungs- und Todesfällen auf. Auch die
umliegenden Felder und Gewässer sind stark vergiftet. Im März 2000 veröffentlichte
Dr. Quijano die Ergebnisse gemeinsam mit seiner an den Recherchen
beteiligten Tochter Ilang-Ilang Quijano unter dem Titel "Poisoned
Lives" in der Tageszeitung Philippine Post. Verschiedene
internationale Medien berichteten über den Fall. Die Coordination
gegen BAYER-Gefahren machte den Fall in Deutschland und
international bekannt und forderte den BAYER-Konzern auf, für Abhilfe
zu sorgen. Ein Übersichtsartikel von uns erschien in mehreren deutschen
Zeitungen sowie in unserem Magazin "Stichwort BAYER". Außerdem
machten wir deutsche Regierungsstellen auf den Fall aufmerksam und
forderten auf der BAYER-Hauptversammlung einen Verkaufs-Stopp von
Nemacur sowie eine Entschädigung der Vergiftungsopfer in Kamukhaan.
Auch auf den letzten beiden Kirchentagen präsentierten wir die
Rechercheergebnisse. Die Solidarische Kirche im Rheinland und
viele andere Organisationen griffen den Fall auf und unterstützten uns
in unseren Bemühungen, zusammen mit Dr. Quijano die Gefahrensituation
in Kamukhaan zu beheben, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen
und für die Opfer Entschädigungen durchzusetzen.
Die
Gegenseite reagiert mit Repression. Anwälte des Unternehmens LADECO,
welches 40 Plantagen im ganzen Land besitzt und größter
philippinischer Produzent von Südfrüchten ist, reichten nach der Veröffentlichung
der Artikel gegen Dr. Quijano und seine Tochter eine Strafanzeige wegen
Verleumdung sowie eine Schadensersatz- Klage (über 11 Mio
Philippinische Peso) ein. Die strafbewehrte Klage wurde im Frühjahr
2001 vom Gericht in Davao City/ Mindanao abgewiesen, da die Veröffentlichung
der Recherchen von "öffentlichem Interesse" sei.
Im
Sommer 2003 wurde diese Klage jedoch überraschend wieder aufgegriffen
und am 4. Juli 2003 entschied das philippinische Justizministerium, die
Abweisung der Klage aufzuheben. Zwar wurde Dr. Quijanos Anwalt
mitgeteilt, dass kein Haftbefehl vorliege. Dennoch wurde Romy Quijano am
8. September verhaftet und erst nach Zahlung einer Kaution wieder
freigelassen. Neben Quijano sind auch seine Tochter sowie vier weitere
Journalisten, die den Fall verbreitet hatten, angeklagt. Der Hintergrund
dieses Verfahrens ist politischer Natur: LADECO befindet sich in Besitz
der Familie Lorenzo, einer der wohlhabendsten Familien des Landes. Luis
Lorenzo Jr., Besitzer der Firma und seit langem Berater der
philippinischen Präsidentin Gloria Arroyo, ist im Oktober 2002 zum
Landwirtschaftsminister des Landes aufgestiegen. In dieser Funktion
leitet Lorenzo ausgerechnet die philippinische Pestizid-Regulierungsbehörde
Fertilizer and Pesticide Authority. Die ungewöhnliche Wendung
des Falls erfolgte kurz nach Lorenzos Ernennung zum Minister.
Dr.
Quijano wird bereits seit Jahren juristisch unter Druck gesetzt. Nachdem
Dr. Quijano zu Beginn der 90-er Jahre Gesundheitsrisiken des Pestizids
Endosulfan veröffentlicht hatte, klagte die deutsche Firma Hoechst
gegen ihn und verlangte 22 Millionen Peso Schadenersatz. Die Klage wurde
abgewiesen, Endosulfan wurde kurze Zeit später in den Philippinen
verboten. Doch LADECO belässt es nicht bei juristischen Einschüchterungsversuchen:
im Ort Kamukhaan wurde der Großteil der Einwohner mit Hilfe von
Drohungen und Geldgeschenken dazu gebracht, alle gegenüber Dr. Quijano
gemachten Aussagen zurückzuziehen (diese befinden sich aber auf Video).
Allen Arbeitern der Plantage wurde verboten, mit ihm in Kontakt zu
treten. Außerdem wurden Dorfbewohner dazu gebracht, Todesdrohungen
gegen Quijano und seine Helfer auszusprechen. In Teilen Mindanaos
herrscht Bürgerkrieg und es gibt eine große Zahl von Gewaltverbrechen,
weswegen diese Drohungen ernst zu nehmen sind - zwei Mitglieder einer
lokalen Bürgerinitiative, mit denen Quijano die Untersuchungen durchgeführt
hatten, verließen daraufhin den Ort.
Die
Coordination gegen BAYER-Gefahren unterstützt Dr. Romy Quijano
und organisiert Solidarität und Unterstützung.
In
einem ersten Schritt haben wir 1.000 € für die Anwaltsgebühren
gespendet und einen schriftlichen Appell an die philippinische Präsidentin
gerichtet. Außerdem haben wir gemeinsam mit philippinischen und
internationalen Gruppen eine Solidaritätskampagne gestartet. Diese
zeitigte bereits einen ersten Erfolg: die umstrittene strafbewehrte
Klage wurde von der Firma LADECO zurück gezogen. Die Zivilklage auf
Schadensersatz sowie weitere Ermittlungen wegen "Missachtung des
Gerichts" laufen jedoch weiter, ganz abgesehen von der bedrohlichen
Situation in Kamukhaan. Besonders bedauerlich ist, dass die Evangelische
Kirche im Rheinland, die zusammen mit Dr. Quijano zum Fall Kamukhaan
ein Projekt durchführen wollte, gerade in dem Moment das Projekt
abblies, als die Lage sich auf den Philippinen bedrohlich zuspitzte.
Inwieweit das bekanntermaßen enge und gute Verhältnis zum
BAYER-Konzern die Entscheidung beeinflusste, liegt im Dunklen.
Handeln
Sie bitte jetzt!
Nutzen
Sie die drei Musterbriefe. Setzen Sie das Absendedatum und Ihren
Absender ein, unterzeichnen Sie und schicken Sie die Briefe an die
angegebenen Adressen. Falls Ihnen ein Fax zur Verfügung steht, faxen
Sie die Briefe ruhig zusätzlich.
Spenden
Sie bitte für die Solidaritätskampagne unter dem Stichwort
„Quijano“. Bedenken Sie, wir sind darauf angewiesen. Ohne
finanzielle Unterstützung durch Spenden (und Mitgliedschaften) können
wir unsere konzernkritische Arbeit nicht leisten.
GLS-Bank
8016 533 000, BLZ 430 609 67
Informieren
Sie uns über eventuell bei Ihnen eingehende Reaktionen möglichst
umgehend.
Weitere
Informationen finden Sie auf der Internetseite der CBG www.CBGnetwork.org.
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Kamukhaan:
das Dorf, die Pestizide und der Tod



|
Von
Dr. Romeo Quijano und Philipp Mimkes
Der
Ort sieht öde und verlassen aus. Fast könnte man ihn für eine
Geisterstadt halten, doch dann sieht man einige kraftlose Menschen
zwischen den schäbigen Hütten sitzen. Die 700 Bewohner des Dorfes
Kamukhaan auf der philippinischen Insel Mindanao sind einem Tod auf
Raten geweiht: Vor 20 Jahren kamen mit dem Bau einer Bananen-Plantage
Vergiftungen, Krankheiten und Armut ins Land. Seitdem werden die Früchte
fast täglich mit Pestiziden besprüht, die Gifte töten Menschen, Tiere
und Pflanzen. Während die „makellosen“ Bananen ihre Reise in ferne
Länder antreten, zahlen die Bewohner von Kamukhaan den Preis für die
agro-industrielle Produktion.
Kamukhaan
war nicht immer das Ödland, das es heute ist. Wie die Ältesten wehmütig
erzählen, war das Dorf einst reich an natürlichen Ressourcen. Niemand
brauchte zu hungern. Es gab Bäume und alle Arten von Vegetation, der
See war voller Leben. Die Dorfbewohner, die vom Fischfang oder dem
Getreideanbau lebten, hatten stets mehr als genug, um ihre Familien zu
ernähren und ein einträgliches Leben zu führen. Das Landstück, auf
dem jetzt die Plantage angesiedelt ist, war einst in Besitz der Familie
Buloy. Der 71jährige Diego Buloy, letzter Überlebender der Clans, erzählt:
„Die Abgesandten der Firma Gadeco gaben vor, auf dem Land Rinder züchten
zu wollen. Aber sie betrogen uns, und wir leiden immer noch an den
Folgen.“
Gadeco,
in der Hand einer Großgrundbesitzer-Familie, produziert hauptsächlich
für die US Unternehmen Del
Monte und Chiquita. Die in Kamukhaan eingesetzten Agrochemikalien
stammen von der amerikanischen Firma Du Pont und den deutschen Anbietern
Bayer und Aventis. Gadeco versprach ein "banana dreamland" und
Wohlstand für die ganze Region. Die Realität sieht anders aus: ödes,
karges Land, ein verseuchter See und kranke, verarmte Menschen, die
gezwungen sind, giftige Luft zu atmen.
Seit
dem Bau der Plantage sind die Dorfbewohner zwei- bis dreimal im Monat
direkt den per Flugzeug versprühten Pestiziden ausgesetzt. Nicht einmal
in ihren Hütten können sie den Ackergiften entkommen. Ihre Augen
brennen, und die Haut beginnt zu jucken. „Kinder, die auf der Straße
gespielt haben, kehren hustend nach Hause zurück und klagen über
schmerzende Augen“, erzählt Alona Tabarlong. Vorher kerngesunde
Kinder und Erwachsene sind heute extrem krankheitsanfällig, die
verschiedensten Krankheiten breiten sich unter den Dorfbewohnern aus.
Sie bekommen leicht Fieber und leiden regelmäßig unter Schwächeanfällen,
Schwindelgefühlen, Übelkeit und Husten-Attacken. Andere haben Asthma,
einen Kropf, chronischen Durchfall oder Anämie (Blutarmut). Bei einigen
Erwachsenen haben die Ärzte Krebs diagnostiziert.
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Chronische
Krankheiten und plötzliche Todesfälle sind in Kamukhaan alltäglich.
Ein Angestellter der Dorfverwaltung bestätigt, dass im vergangenen
Monat fünf Menschen an Durchfall oder hohem Fieber gestorben sind. Und
Nanette Rodriguez berichtet: „Allein im vergangenen Juli sind neun
Menschen gestorben. Schon vorher sind viele krank geworden, von denen
einige mittlerweile tot sind. Deshalb gingen wir zum Geschäftsführer
der Plantage. Aber er sagte, die Gesellschaft komme nicht für unsere
Krankenhausrechnungen auf, da es unser verschmutztes Wasser sei, dass
die Krankheiten verursache. Die Ärzte im Hospital bestätigten, dass
unser Wasser-Reservoir mit Pestiziden vergiftet ist, die durch die Erde
gesickert sind.“
„Erst
gestern verlor eine Frau zwei ihrer Kinder“ erzählt ein Dorfbewohner.
Babys kommen oftmals krank oder mit Missbildungen zur Welt. Viele haben
von Geburt an schwere Hautleiden. Nicht selten sterben die Säuglinge
bei der Niederkunft oder kurz danach. Die Pestizide haben eine fatale
Auswirkung auf die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder,
viele versäumen wegen ihrer Krankheitsanfälligkeit häufig die Schule.
Die 8jährige Lilibeth Hitalia beispielsweise ist wegen ihres
chronischen Durchfalls zu häufigen Krankenhausaufenthalten gezwungen.
„Bei ihrer Geburt war sie sehr klein, und sie begann erst mit vier
Jahren zu sprechen. Noch immer hat sie ein beeinträchtigtes Auffassungsvermögen“, sagt uns ihre Mutter.
Auch
die Getreide- und Gemüsefelder des Dorfes leiden unter den Giften.
Seitdem auf der Plantage Pestizide verspritzt werden, tragen die Kokosbäume
keine Früchte mehr, die Dorfbewohner waren gezwungen, die Bäume zu fällen.
Der Boden ist unfruchtbar geworden, so dass der Getreideanbau zur
Selbstversorgung oder Sicherung des Lebensunterhalts kaum noch möglich
ist. Die Aufzucht von Schweinen, Hühnern und anderen Tieren wird immer
schwerer, da viele während der Spritz-Phasen verenden. Die Einwohner
von Kamukhaan vermuten, dass ihr 50 Meter unter dem Erdboden liegendes
Wasser-Reservoir verseucht ist. Während der Niederschlagszeit nimmt das
Regenwasser die Pestizide von den Feldern auf und fließt in Richtung
Dorf, wo der Wasserstand manchmal Hüfthöhe erreicht. Die Bewohner sind
gezwungen, durch das Wasser zu waten, die darin spielenden Kinder werden
oftmals krank.
Quelle:
cbgnetwork
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Umwelt-Aktivist vor Gericht
Landwirtschaftsminister
verantwortlich für Pestizidvergiftungen
24.
Oktober 2003
Der
philippinische Arzt und Toxikologe Dr. Romeo Quijano ist wegen
unliebsamer Recherchen heftigen juristischen Attacken ausgesetzt. Gegen
Quijano, der vor drei Jahren einen Report über Pestizidvergif-
tungen
nahe einer Bananenplantage veröffentlicht hatte, wird nach einer
Entscheidung des philippinischen Justiziministeriums wegen
"Verleumdung" ermittelt. Quijano wurde darauf hin kurzzeitig
in Haft genommen.
Hintergrund
des Verfahrens: die von Quijano untersuchte Plantage ist in Besitz von
Luis Lorenzo Jr., der kürzlich zum philippinischen
Landwirtschaftsminister aufgestiegen ist. Als Minister ist Lorenzo auch
für die Zulassung und Risikobewertung von Pestiziden verantwortlich.
Lorenzo, dessen Unternehmen Ladeco größter Agrarexporteur des Landes
ist, erwirkte, dass die ursprünglich von einem Gericht in Davao City
abgelehnte Klage neu verhandelt wird. Mitangeklagt sind mehrere
JournalistInnen, die den Inhalt des Artikels weiter verbreitet hatten,
darunter der Philippinen-Korrespondent der New York Times.
Mehrere
Initiativen machten die Bundesregierung auf den Skandal aufmerksam und
baten um Unterstützung. Philipp Mimkes von der Coordination gegen
BAYER-Gefahren: "Die Bezeichnung "Bananen- Republik" hat
wohl selten besser gepasst. Joschka Fischer muss bei der philippinischen
Präsidentin gegen die Kriminalisierung von Umweltschützern
protestieren und auf eine Einstellung des Verfahrens drängen."
Mimkes hatte den Report "Poisoned Lives" gemeinsam mit Quijano
auch in Deutschland veröffentlicht. Darin wurden u.a. Vergiftungen
durch das von der Bayer AG produzierte und in Europa verbotene Pestizid
"Nemacur" dokumentiert.
Carina
Weber von PAN Germany ergänzt: "Quijano ist nicht das erste Mal
juristischen Attacken ausgesetzt: nachdem er zu Beginn der 90-er Jahre
Gesundheitsrisiken des Pestizids Endosulfan veröffentlicht hatte,
klagte die deutsche Firma Hoechst gegen ihn und verlangte 22 Millionen
Peso Schadenersatz. Die Klage wurde abgewiesen, Endosulfan wurde kurze
Zeit später in den Philippinen verboten."
Dr.
Quijano lehrt Pharmakologie an der Universität von Manila und ist
Vorsitzender des Pesticide Action-Network Philippines. Zudem ist er Repräsentant
im Intergovernmental Forum on Chemical Safety, dem mehr als 100
Regierungen angehören.
Bei
Interesse senden wir gerne den Brief an Joschka Fischer sowie den Report
"Poisoned Lives" aus der Philippine Post zu
Coordination
gegen BAYER-Gefahren (CBG) e.V.
Tel:
0211-333 911, Fax: 0211-333 940, e-mail: CBGnetwork@aol.com
, www.CBGnetwork.de
Pestizid
Aktions-Netzwerk (PAN Germany) e.V.
Tel:
040-399 19 10-0, Fax: 040-390 75 20, e-mail: info@pan-germany.org
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