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»Za
chlebem«*
Kapital
hin – Arbeitskräfte her.
Herma
Ebinger über die Öffnung des polnischen Marktes
aus:
http://www.labournet.de/internationales/pl/ebinger.html
Die
Spargelsaison geht ihrem Ende entgegen und die Saisonhelfer aus Polen
kehren wieder nach Hause zurück. Die von ihren deutschen Arbeitgebern
gezahlten Löhne sind nach denen in Portugal, Griechenland und Spanien die
niedrigsten in der EU. Herma Ebinger berichtet über die Arbeits- und
Lebensverhältnisse der polnischen Saisonarbeitskräfte in Deutschland und
in Polen. Wir dokumentieren ihren Beitrag zu der sehr lesenswerten Broschüre
über moderne Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft Europas:
Bittere Ernte, den das Europäische BürgerInnenforum und das Europäische
Komitee für die Verteidigung der Flüchtlinge und GastarbeiterInnen (CEDRI)
jüngst herausgegeben hat:
Spargel
ist ein beliebtes Gemüse in der BRD, die Anbauflächen sind groß, zur
Ernte braucht es viele Hände. Meist sind es die von polnischen
Saisonniers. Die Versuche, deutsche Arbeitslose dafür anzustellen, führten
zu Aufruhr bei den Landwirten. Das Arbeitsamt zog seine Zwangsmaßnahme
zurück, und nun sind es wieder die Erntehelfer aus dem Nachbarland, die
den Spargel und noch vieles andere ernten.
Polnische
Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft der BRD
Im
Jahr 2002 gab es offiziell 265.000 temporär Beschäftigte in der
Landwirtschaft der BRD, von denen 80 bis 90 Prozent aus Polen kamen. Viele
der polnischen Saisonkräfte arbeiten schon seit Jahren in den gleichen
Betrieben. Bei einem Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitern und
Unternehmern bleiben sie auch ohne offiziellen Status, wenn sie noch
gebraucht werden.
Die
Rekrutierung der Saisonniers läuft offiziell über die Arbeitsämter in
Polen und der BRD, Vermittler sind meist Familien und Bekannte von
erfahrenen Saisonarbeitern. Inzwischen gibt es in Polen auch
Vermittlungsagenturen, die ihre Internetseiten für deutsche Unternehmen
eingerichtet haben. [1] Sie bieten polnische Saison und Hilfskräfte für westeuropäische
Firmen an, unter anderem in den Branchen Land- und Forstwirtschaft, Wein-
und Obstbau, Obst- und Gemüseverarbeitung, Gartenbau, Hotel- und Gaststättengewerbe.
Die
Bezahlung für Saisonkräfte ist unterschiedlich, in der Regel erfolgt sie
nach Akkord. Zum Teil erhalten sie weniger als die Hälfte des niedrigsten
Tariflohns für Garten- und Gemüsebetriebe. Laut einer Studie des »Verbandes
Europäischer Arbeitgeber in der Landwirtschaft« (GEOPA ) vom Juni 2002
liegt die BRD mit Löhnen für Saisonniers europaweit an viertletzter
Stelle. Nur Portugal, Griechenland und Spanien zahlen schlechter.
Joana
Korczynska [2] vom Institut »Arbeit und Soziale Angelegenheiten« der
Warschauer Universität kam in ihrer Dissertation zur Arbeitsmigration in
der Landwirtschaft vom Dezember 2002 zu folgenden Ergebnissen: Sie
befragte 240 Personen, von denen 65 Prozent drei Monate Saisonarbeit voll
in Anspruch nahmen. 120 – also die Hälfte – der Befragten kommen vom
Land oder aus kleinen Städten und kennen die Landarbeit gut. Ebenso viele
haben eine Fachschulausbildung, 40 Prozent Mittelschulabschluss und
technische Berufe. Rund zehn Prozent von ihnen sind selbst Bauern. Die
meisten der Befragten erhielten 4 Euro pro Stunde, einige auch 3,50 Euro.
Zwischen 70 und 75 Prozent fanden die Arbeit über private Kontakte und
nicht übers Arbeitsamt. Die Befragten betonten den Nutzen der
Saisonarbeit für sich und die Unternehmen. Die polnischen Bauern stellen
in der Zeit ihrer Saisonarbeit in der BRD ihre östlichen Nachbarn aus der
Ukraine, Weißrussland oder Litauen ein, die oft einen Hochschulabschluss
haben.
Experten
schätzen, dass die Zahl der »illegalen« Saisonniers in der
Landwirtschaft etwa so hoch ist wie die der legalen, also rund 250000. Für
sie sind die Löhne noch geringer und die Arbeits- und Lebensbedingungen
miserabel. Während der Kirschenernte 2001 im Land Brandenburg fanden
Vertreter der Gewerkschaft »IG Bauen, Agrar, Umwelt« Polen, die in Autos
hinter Büschen schliefen. Dort warteten sie auf die Landwirte, die die Plätze
kennen und kommen, wenn sie Arbeiter brauchen. Laut einer Erhebung der
Gewerkschaft stieg die Zahl von 1990 mit 12000 Saisonarbeitskräften bis
2003 auf rund 300000 aus Osteuropa.
Um
die Belange der Menschen aus Polen und inzwischen ganz Osteuropa, die in
Westeuropa unter anderem auf dem Bau, als Hausangestellte, in der
Landwirtschaft arbeiten, kümmern sich Mitarbeiter der Zentralen
Anlaufstelle für Pendler und Pendlerinnen aus Osteuropa (ZAPO). Die ZAPO
wurde 1997 vom Polnischen Sozialrat in Berlin gegründet. Die Erfahrungen
dieser Einrichtung umfassen vor allem das Wiederherstellen der rechtlichen
Lage der ausländischen – legalen wie illegalisierten – temporär
Beschäftigten z.B. bei Verstößen bezüglich der Auszahlung des Lohnes
oder der Unterbringung. Die ZAPO hat für Menschen, die sich an sie
wandten, weil sie keinen Lohn erhielten oder unter schlimmen Bedingungen
arbeiteten, vor den Gerichten einiges erreicht. Seitdem jedoch die Anzahl
der Saisonarbeitskräfte und die Probleme größer geworden sind, bekommt
die ZAPO keine Förderung mehr und ist nun vor allem auf ehrenamtliche
Mitarbeit angewiesen.
Dafür wird 2004 die Zahl der Schwarzarbeits-Fahnder des Zolls von 2000
auf 5000 erhöht. Sie könnten – neben den Fahndern vom Ordnungs- und
Arbeitsamt – nach dem Regierungsentwurf für ein neues
Telekommunikationsgesetz (Oktober 2003) die Möglichkeit erhalten, künftig
die Überwachungseinrichtungen der Telekommunikation abzufragen. Diese
Art, gegen irreguläre Arbeit vorzugehen, ist wie das Öffnen der Büchse
der Pandora: Ausgrenzungen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden
unter den Beschäftigten und Arbeitslosen mit dem »richtigen« Pass durch
begleitende Texte (wahre Hetzpamphlete) und Statistiken verstärkt, An der
deutsch-polnischen Grenze haben sich »Bürgerwehren« gebildet, die den
Bundesgrenzschutz bei seiner Jagd nach »Illegalen« unterstützen.
Aber
die billigen Saisonarbeiter und die noch billigeren Illegalisierten werden
gebraucht, damit der Bauer »konkurrenzfähig« bleibt. Denn die Preise
bestimmen die großen Handelsketten. Ihr Preis für Obst und Gemüse außerhalb
der Saison muss für den Verbraucher erschwinglich sein und den Ketten
auch noch Profit bringen. Für die Verbraucher, die Bauern und die
Handelsketten in den Industrieländern rechnet es sich vor allem deshalb,
weil die Einkommensunterschiede zwischen den reichen und den armen Ländern
kontinuierlich gestiegen sind. Das Verhältnis in den 1960er Jahren lag
bei 30 : 1. 1997 lag es schon bei 74 : 1.
Diese
Unterschiede verschärfen sich weiter durch den Prozess der Konzentration,
der Zentralisierung und Internationalisierung des Kapitals. Durch eine
rapide Verknappung wichtiger Ressourcen haben sich die Rahmenbedingungen
der Kapitalakkumulation verändert. Über Internationalisierung des
Kapitals, die Neustrukturierung der Produktion (»Lean production«, neue
Technologien) sowie die Expansion des Agrarkapitals und die damit
verbundene millionenfache Vernichtung bäuerlicher Existenzen ist ein
weltweiter Arbeitsmarkt entstanden. Er ist gekennzeichnet durch die
Entwicklung wachsender »Billiglohnsektoren« mit einer sehr großen, auch
räumlich beweglichen »Reservearmee«. Die Zahl der irregulären
MigrantInnen in Europa wird auf drei bis fünf Millionen Menschen, in den
USA auf neun bis elf Millionen und weltweit auf bis zu 33 Millionen geschätzt.
Seit 1989 die Barrieren zum ehemaligen RGW-Wirtschaftsraum gefallen sind,
verringerte sich die Industrieproduktion in Polen und der Slowakei um 50
Prozent, in Ungarn und Tschechien um 40 und in Rumänien und Bulgarien um
60 Prozent. Polen verzeichnete im Dezember 2003 eine Arbeitlosenrate von
18 Prozent. Nach Angaben des polnischen Statistischen Hauptamtes (GUS)
bekommen 85 Prozent der mehr als drei Millionen Arbeitslosen keine
staatliche Unterstützung.
Polnische
Landwirtschaft und Europäische Union
Die
Situation in der polnischen Landwirtschaft kurz vor dem Beitritt zeichnet
sich aus durch eine hohe Zahl von Beschäftigten in der Landwirtschaft
(etwa 25 Prozent [3]), durch etwa 2,1 Millionen Höfe (vor allem kleine
Familienbetriebe) mit einer durchschnittlichen Fläche von 8,5 ha. Sie hat
eines der niedrigsten Nutzungsniveaus von Agrochemie in Europa und eine
große Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Immer noch gibt es kurze
Distanzen zwischen Produzent und Konsument. Die meisten polnischen
Landwirtschaftsbetriebe produzieren ausschließlich für den Eigenbedarf.
Die marktorientierten Betriebe sind mit überproportionalen Kosten und
fehlenden Gewinnen belastet.
Noch ist die Landwirtschaft die Haupteinkommensquelle etwa der Hälfte der
polnischen Bevölkerung. Einkommen bedeutet dabei nicht nur das gegenüber
den Finanzämtern erbrachte Geldeinkommen, sondern auch die durch bäuerliche
Subsistenzwirtschaft erzeugten Nahrungsmittel. Diese Überlebenswirtschaft
wird von EU-Beamten und auch Landesregierungen als schwarz, informell,
illegal bezeichnet, da sie deren Ergebnisse nicht in Zahlen fassen können.
Knapp
60 Prozent der Gesamtfläche Polens (31,3 Millionen ha) werden
landwirtschaftlich genutzt. Nur 3,3 Prozent der Böden sind als gut
klassifiziert, die meisten sind eher Sandböden. Ein Umstand, der in
Kombination mit geringen Niederschlägen die Agrarproduktion nachhaltig
beeinflusst. Angebaut werden in ersten Linie Weizen und Roggen, gefolgt
von Kartoffeln, Futterpflanzen, Zuckerrüben, Ölsaaten und Hülsenfrüchte.
In den letzten Jahren wurden von den meisten Kulturpflanzen weniger
produziert als vor 1989. Dennoch liegt der Selbstversorgungsgrad bei
nahezu allen Kulturpflanzen zwischen 90 und 100 Prozent, außer bei Ölsaaten.
Hier lag der Selbstversorgungsgrad wegen bedeutenden Flächenschwankungen
in den letzten Jahren zwischen 55 und 146 Prozent, Das auf rund 550000 ha
angebaute Obst und Gemüse erreicht 10,3 Prozent der Agrarproduktion. Vor
allem im Südosten des Landes wurden für die Tomatenproduktion unzählige,
beheizte Tunnels aufgestellt. Außerdem gibt es, über das ganze Land
verstreut, riesige Erdbeerfelder. In dieser Sparte verzeichnet Polen ein
hohes Exportvolumen. Doch Einschätzungen der bundesdeutschen Zentralen
Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) zufolge werden alle zehn
EU-Beitrittsländer bei frischem Obst und Gemüse ein viel größeres
Gewicht als Abnehmer denn als Lieferanten haben. Der Großteil der
EU-Obstausfuhren im Jahr 2003, rund 1,2 Millionen Tonnen, ging in die
Beitrittsländer.
Die
Tierhaltung nimmt in der polnischen Landwirtschaft einen bedeutenden Platz
ein, obgleich die Bestandsdichte im Zuge des Übergangs zur
Marktwirtschaft beträchtlich zurückgegangen ist. Polen ist einer der größten
Schweinefleischerzeuger Europas. Der Geflügelsektor, der zunächst vom Übergang
stark betroffen war, hat sich erholt und entwickelt sich dynamisch.
Drastisch
verringert wurden Rinder-, Schafs- und Ziegenbestände. 1998 arbeiteten in
der Land- und Forstwirtschaft und im Jagdwesen 4343700 Personen, das waren
27,3 Prozent aller in Polen Beschäftigten. Bis zu diesem Jahr wurde die
Agrarproduktion aus den 1980er Jahren nicht wieder erreicht. Dennoch stieg
von 1988 bis 1996 die Anzahl der Personen, die ausschließlich in ihrem
privaten landwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten, von 59,5 Prozent auf
63,3 Prozent. Der Anteil der Personen, die außerhalb ihres Betriebes
beschäftigt sind, verringerte sich von 16,7 Prozent auf 11,6 Prozent. Für
viele Menschen bedeutet die sich seit 1989 stark verändernde Lage auf dem
Arbeitsmarkt, ausschließlich von den Produkten der eigenen, kleinen
Hofstelle zu leben müssen. Dieser Prozess hält an...
Schwinden
der Streitlust?
Je
näher der EU-Beitritt rückte, um so weniger erfuhr man von den Protesten
der polnischen Bäuerinnen und Bauern. Die Medien versuchten den Eindruck
zu erwecken, dass der Widerstand gegen die EU-Agrarpolitik entweder
unbedeutend oder extremistisch sei. Doch im Januar und Februar 1999
blockierten die Bauern – trotz ihrer politischen und organisatorischen
Zersplitterung – eine Woche lang landesweit zahlreiche Kreuzungen,
legten so den Verkehr lahm und lieferten sich Prügeleien mit der Polizei.
Der Protest richtete sich gegen die staatlich festgelegten Ankaufspreise
von Agrarprodukten und die billigen Importe aus der EU. Die drei
Bauernorganisationen Samoobrona (Selbstverteidigung), Solidarnosc Rolników
Indywidualnych (Solidarität der Einzelbauern) und der Landesverband
landwirtschaftlicher Zirkel und Organisationen verwehrten mit Tausenden
Bauern die Zufahrt zur deutschen Grenze. 1999 und 2000 versuchten
verzweifelte Landwirte, die Getreideimporte zu stoppen, indem sie
Weizenladungen auf südlichen Grenzstationen verschütteten. Am 9. März
2003 versammelten sich – organisiert vom ICPPC (International Coalition
to Protect the Polish Countryside) – 20000 Bäuerinnen und Bauern in
Jasna Gora. Sie protestierten gegen die Unfähigkeit der Regierung, der
Landwirtschaftsorganisationen und der lokalen Behörden, die Anliegen der
kämpfenden Bauern zu repräsentieren und zu verteidigen. Weder die großen,
landesweiten Zeitungen, noch Radio oder Fernsehen berichteten über diese
Demonstration.
Doch
hinter dem Rücken dieser Bauernverbände, die sich für die Achtung der
strukturellen Besonderheiten der polnischen Landwirtschaft bei einem
EU-Beitritt einsetzen, sind inzwischen nahezu unabänderliche Tatsachen
geschaffen worden. Zum Zeitpunkt der Proteste gab es schon mehrere Dutzend
Betriebe mit über 1000 ha, mehr als 200 mit über 500 ha und fast 1000
Betriebe mit einer Fläche zwischen 100 und 500 ha. Diese Tendenz zum
Erwerb großer Agrarflächen ist steigend. Zu privatisieren und damit zu
erwerben sind die ehemaligen Staats- und Genossenschaftsflächen, die rund
4,32 Millionen ha umfassen. Immer öfter investieren – neben
Einzelpersonen – Banken, Versicherungen und große Firmen in den
Landkauf. Gesellschaften mit ausländischer Mehrheit erwarben im Jahr 2000
die Pacht über 132000 ha Land und andere, in denen polnisches Kapital den
Großteil besitzt, verschafften sich die Pacht von 110000 ha.
Auch
Betriebe, die ökologisch kontrolliert wirtschaften, gibt es inzwischen in
beachtlichen Größen. Im September 2002 waren es laut Statistik des
polnischen Ministeriums für Landwirtschaft 1476 Höfe, die auf einer Fläche
von 29487 ha ökologisch produzieren. Die durchschnittliche Größe dieser
Betriebe von 44 ha überragt bei weitem die durchschnittliche Fläche der
meisten polnischen Höfe. Die großen Biobetriebe werden immer wichtiger für
Bio-Supermarktketten, in denen das ganze Jahr über ein vielfältiges,
stabiles Angebot garantiert sein will. In den verschiedensten Regionen
Westeuropas kann man sich ansehen, wie auch Bio-Monokulturen die
Landschaft verwüsten.
Dagegen anzukommen, scheint fast aussichtslos für die polnischen
Kleinbauern, vor allem die der südlichen Bergregion, die sich im ICPPC
vor mehr als drei Jahren zusammenschlossen. Die Gruppierung fordert
Erhaltung und Entwicklung kleinbäuerlicher Strukturen, regionaler
Verarbeitung und Vermarktung, Biodiversität und Ökotourismus in Polen.
Sie ist überzeugt, dass Polen mit seiner jetzigen Agrarstruktur ein
Vorbild für eine ökologisch und sozial nachhaltig produzierende
Landwirtschaft in Europa sein könnte.
(...)
Auf diese und auf alle anderen Fragen nach einer Lebens- und
Produktionsweise, die für alle Menschen ein gutes Leben bedeuten, müssen
immer wieder neue Antworten gesucht werden. Jan Dzieciolowsky,
Landwirtschaftsexperte im interministeriellen Komitee zur Vorbereitung des
polnischen EU-Beitritts, stellte seine Frage im September 2003 so: »Der
Beitritt zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU bringt den Transfer großer
Geldmengen mit sich und stellt uns vor die Wahl: Wollen wir den
Produktivismus mit Rentabilität und Profitmaximierung, oder wollen wir
etwas anderes? Der EU-Beitritt ermöglicht den Bauern, die sich vorher
Kunstdünger und Modernisierung der Betriebe nicht leisten konnten, Dank
der EK-Subventionen einen Weg einzuschlagen, der Arbeitsplätze und Umwelt
vernichtet. Das wäre eine sehr schlechte Wahl. In Spanien haben wir das
erlebt. Dort hat sich der EU-Beitritt in einigen Sektoren Andalusiens –
wie etwa bei Oliven, Obst, Gemüse – verhängnisvoll auf die Umwelt
ausgewirkt. Wir müssen einen anderen Weg einschlagen – den polnischen
Weg. Aber, unser nationales Budget ist eher begrenzt, und wir folgen
irgendwie doch der Karotte, die GAP heißt«.
*
deutsch übersetzt: »für Brot«
Die
Broschüre: Bittere Ernte. Die moderne Sklaverei in der industriellen
Landwirtschaft Europas wird herausgegeben vom Europäischen BürgerInnenforum/CEDRI
(Europäisches Komitee für die Verteidigung der Flüchtlinge und
GastarbeiterInnen) und ist 2004 in Zürich erschienen (ISBN 3-9522
125-2-0)
Erschienen
im express,
Zeitschrift für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit,
5/04
Anmerkungen
1)
Siehe dazu unter www.kki.pl/-arbeit/
2)
Korczynska, Joana: »Reisen polnischer Saisonarbeiter nach
Deutschland. Auswertung von Fragebögen«, in: Dirk Höhner: »Grenzüberschreitende
Beschäftigung«, Frankfurt/Oder 1997
Korczynska, Joana: »Individuelle Kosten und Nutzen der Saisonarbeit von
Polen in Deutschland. Analyse und Ergebnisse einer empirischen
Untersuchung von 1999/2000», in: Pallaske, Ch.: »Die Migration von Polen
nach Deutschland«, Münster 2002
3)
Unterschiedliche Prozentzahlen scheinen sich aus der Sichtweise der
Autoren zu ergeben. In diesem Bereich schwanken sie von 18,9 bis 27,3
Prozent, aber auch in anderen Bereichen sind sie oft unterschiedlich. |