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Polnische
Kumpels protestieren gegen Sozialkahlschlag durch die
sozialdemokratische Regierung
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Anmerkung:
Die
Sozialdemokratie Polens ist die Nachfolgepartei der bis 1991
regierenden PVAP, also die polnische Entsprechung der deutschen
PDS - oder neu: Linkspartei. |
Tränengas
im Sejm
Arbeiterproteste
gegen Rentenpolitik vor dem polnischen Parlament. Sieg für Kumpel bei
der »Schlacht um Warschau« gilt als wahrscheinlich
von Tomasz Konicz
Quelle:
jungeWelt vom 28.07.
2005
Dutzende
von teilweise schwer verletzten Polizisten und Demonstranten, ein verwüstetes
Parlamentsviertel und unter den Folgen eines Tränengaseinsatzes
leidende Politiker – das ist die Bilanz eines Protestzuges von
Bergarbeitern am Dienstag in Warschau, an dem 10 000 Kumpel aus dem
Kohlerevier Schlesiens teilnahmen.
Ausgelöst
wurde diese »Schlacht um Warschau«, wie sie polnische Medien am
Mittwoch titulierten, durch Pläne der scheidenden sozialdemokratischen
Regierung, das Rentenalter für die im Bergbau Beschäftigten drastisch
zu erhöhen. Bisher konnten Bergarbeiter nach 25 Jahren Arbeit unter
Tage in eine Frührente gehen, unabhängig von ihrem Alter. Die von der
Regierung eingebrachte Neuregelung des Rentenrechts sah hingegen vor,
die Kumpel bis zum 65. Lebensjahr unter Tage schuften zu lassen. Diese
Änderung sollte am 1. Januar 2007 in Kraft treten, doch danach sieht es
nicht mehr aus.
Gegen
die geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit organisierten die
Bergarbeitergewerkschaften ein »Bürgerprojekt«, eine Art Bürgerbegehren,
welches über 150000 Menschen unterschrieben, und das dem Sejm (dem
polnischen Parlament) vor der Sommerpause zur Beratung vorgelegt werden
sollte. Das Bürgerprojekt sieht die Beibehaltung der derzeitigen
Regelung vor. Anfangs hatte sich Sejmmarschall (Parlamentspräsident)
Wlodzimierz Cimoszewicz noch gegen die Forderungen der Bergarbeiter
gesperrt, das Projekt dem Sejm vorzulegen. Doch der Demonstrationstermin
war von den Gewerkschaften mit Bedacht in die Phase des Vorwahlkampfs
gelegt worden. Im Spätsommer und Frühherbst werden in Polen
Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.
Ab
Dienstagmittag standen sich dann Tausende von Bergarbeitern und
Spezialkräfte der Polizei vor dem Parlament gegenüber, während
drinnen Gewerkschaftsvertreter mit Cimoszewicz über die Vorlage des Bürgerprojekts
verhandelten. Die anfänglich gelöste Stimmung kippte schnell, als Gerüchte
über das Scheitern der Gespräche aufkamen. Arbeiter gingen mit Stöcken
und Steinen gegen die Polizeikräfte vor, um in das Gebäude
einzudringen. Die Polizei antwortete mit Tränengas und Wasserwerfern.
Durch die räumliche Nähe zum Kampfgeschehen wurden auch Politiker und
Parlamentsmitarbeiter von Tränengasschwaden in Mitleidenschaft gezogen.
Die Lage beruhigte sich erst, als Cimoszewicz öffentlich bekannt gab,
das Bürgerprojekt dem Sejm zur Beratung vorzulegen.
Eine
Annahme des Bürgerprojekts in der gestrigen Sejmsitzung galt als
sicher, da es sich keine der relevanten politischen Kräfte mit der
starken Bergarbeiterlobby vor den Wahlen verscherzen will.
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