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Erst jetzt im Internet gefunden:

Die "Patriotyczny Front Lewicy Socjalistycznej" (Patriotische Front der Sozialistischen Linken Polen) zu den Folgen des EU-Beitritts Polens und die Europawahlen. (siehe)

Appell


 

APPELL AN ARBEITER, BAUERN, INTELLEKTUELLE; HANDWERKER, JUGEND, PENSIONÄRE UND RENTNER SOWIE ARBEITSLOSE BEZÜGLICH DER WAHLEN ZUM EUROPÄISCHEN PARLAMENT

Landsleute!

Sehr pompös beginnt die Wahlwerbung für das Europäische Parlament. Volksfeste finden statt, Feuerwerke schießen zum Himmel, über den Feuern wird die Wahlwurst gebraten. Politiker mit goldenem Mund stellen den Wählern das Paradies vor, das uns angeblich in der Europäischen Union erwartet.

In die Schranken treten diejenigen, die wir schon kennen: die Rechten, die uns mal ein zweites Japan versprochen haben, und die sogenannten „Linken“, die versprachen, dem von Natur aus wölfischen Kapitalismus ein menschliches Antlitz zu geben. Sie regierten abwechselnd in Polen, brachten das Land dem Ruin entgegen, die Nation zu Armut und Elend. Durch die Manipulation der öffentlichen Meinung drängten sie Polen in die Europäische Union hinein, wodurch sie es der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Souveränität beraubten und ein Eldorado für die Spekulationen des ausländischen Kapitals schufen.

15 Jahre der Herrschaft polnischer und ausländischer Kapitalisten auf polnischem Boden brachten eine gesellschaftlich-ökonomische Katastrophe. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 5-7 Millionen, etwa 2/3 der Nation lebt unter dem sozialen Minimum, einige Millionen Menschen leben an der Grenze des biologischen Minimums. Die Jugend findet nach der Schule oder Hochschulstudium keine Arbeit.

Die Wirtschaftspolitik aller Regierungen nach 1989 trieb staatliche Unternehmen in Konkurs und brachte ihren Ausverkauf zu 10 % des Wertes an das Fremdkapital und heimische Spekulanten. Dies führte zum radikalen Rückgang der Zahlungen an die Staatskasse bis zu ihrem Zusammenbruch. Für alles fehlt Geld, deshalb die „Notwendigkeit“, die übrig gebliebenen Bergwerke, Hütten, Banken, Versicherungsfonds zu verkaufen, um das „Loch in der Staatskasse“ zu stopfen. Dies verursacht den Rausschmiss weiterer Mitarbeiter zu Hunderttausenden. Die Menschen haben kein Geld für den notwendigsten Bedarf, so sinkt die Nachfrage und die wirtschaftliche Stagnation vertieft sich. Der „Sparplan“ von Hausner, der darauf beruhte, den Werktätigen die restlichen sozialen Privilegien wegzunehmen, den Pensionären und Rentnern die Anpassung ihrer Altersbezüge zu verweigern und den Kapitalisten zusätzliche Steuererleichterungen und Privilegien zu schenken. [Im polnischen Satz fehlt das Prädikat, Anm. d. Übers.]

Diese Politik wird im Interesse internationaler Konzerne geführt, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der USA und der Europäischen Union – nur nicht im Interesse Polens. Marek Belka als Premier ist Garant dafür, dass eben diese Richtung der Wirtschaftspolitik beibehalten wird.

Die polnische Wirtschaft, mit einer großen Kraftanstrengung der ganzen Nation gebaut, wurde vernichtet und die gestrigen Miteigentümer des nationalen Vermögens in arme Schlucker verwandelt, ohne Arbeit, ohne soziale und gesundheitliche Versorgung, ohne unentgeltlichen Zugang zu Schulen, aus der Wohnung zwangsgeräumt, weil sie sich die Miete nicht leisten können, ohne Geld für Arzneimittel, verurteilt zur armseligen Existenz.

Polen wurde in einem schmutzigen Krieg hineingezogne. Milliarden werden für Rüstung ausgegeben, während die Wirtschaft nicht imstande ist, Beschäftigung und  angemessenen Lebensstandard zu sichern. Den Menschen reicht das Geld fürs Brot nicht, und in vielen Regionen des Landes gehen die Kinder hungrig in die Schule. Trotz des sogenannten „wirtschaftlichen Wachstums“ sinkt die Arbeitslosigkeit nicht, und die Zone des Elends breitet sich aus, dafür werden 15 %  der „Glückspilze“ immer reicher.

Seit mehreren Jahren wird ein Rückgang der Bevölkerungsanzahl beobachtet, verursacht durch Arbeitslosigkeit, Wohnungsmangel und Mangel an jeglichen Perspektiven. Junge Menschen können keine Familien gründen, die Geburtenrate sinkt beim gleichzeitigen Ansteigen der Sterblichkeitsrate. Korruptionsaffären, Verbrechen, Rückgang der kulturellen Entwicklung, funktionaler Analphabetismus vervollständigen das Bild der heutigen Realität.

Ob der Beitritt zur Europäischen Union die Richtung in eine für Polen günstige ändert? Ob dadurch das Elend und die Arbeitslosigkeit geringer werden? Ob dies eine Hoffnung ist? Wer gewinnt dabei?

Nur die Annäherung Polens an die Europäische Union brachte in 10 Jahren eine negative Handelsbilanz mit den Unionsländern in Höhe von rund 63 Milliarden Dollar, was bedeutet, dass in Polen 1,5 Millionen Menschen die Arbeit verloren haben. Das Hineindrängen Polens in die Union wird diese Situation noch verschlimmern: Tausende kleine Unternehmen werden  in Konkurs gehen, Produktionseinschränkungen im Bergbau, Hüttenwesen und Agrarwirtschaft werden zur Liquidierung von Millionen Bauernhöfen, zur Schließung weiterer Bergwerke, Hütten und kleiner Unternehmen führen, und die „Subventionen“ der Union werden in die Hände der Reichen gelangen, die es für private Einlagen nutzen, die Bedingung, um unser Geld zu nutzen, das zuerst in der Unionskasse landet.

So wird Polen zu einer wirtschaftlichen Wüste mit hoher Arbeitslosigkeit und sich immer weiter ausbreitenden Zone des Elends.

Ob die Polen im Europäischen Parlament polnische Interessen sichern können?

Nein, denn diese Institution ist eine Attrappe, mit der niemand rechnet, weil sie keine Berechtigungen hat, um die Richtung der Unionspolitik zu ändern!

Nein, denn hier scharen sich die dem internationalen Kapital verdienten Lakaien, die schon bewiesen haben, wessen Interessen sie dienen!

Nein, denn die Europäische Union ist eine Institution, die die Realisierung der Interessen der reichsten Länder Europas sichert mit der Bundesrepublik Deutschland an der Spitze!

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie sich plötzlich an die Interessen der Werktätigen erinnern.

Es gibt keinen Grund, polnischen Befürwortern der Globalisierung zu gemütlichen Pöstchen zu verhelfen!

Die ersten Tage nach dem Beitritt Polens zur EU brachten schon einen Anstieg der Preise. Was die Europäische Union bringt, haben schon viele Polen verstanden. Das beweisen Proteste der Werktätigen und Aufrufe verschiedener patriotischer Gruppierungen wie Polnisches Nationalkomitee, Einschätzungen der Menschen aus der antikapitalistischen Linken, zahlreicher kluger Intellektueller.

Boykottieren wir die Wahlen zum Europäischen Parlament!

Lasst uns unsere Kräfte vereinen und beweisen, dass wir keine Hand anlegen zur Beseitigung unseres Rechts auf Selbstbestimmung!

Es leben die Nationen, vereinigt im Kampf gegen die Globalisierung und Marginalisierung der Werktätigen!

Es lebe ein freies, demokratisches und souveränes Polen, das Vaterland der Werktätigen, das in Frieden und Freundschaft lebt und mit allen Nationen zusammenarbeitet.
Warszawa - Wrocław,
8./9. Maj 2004
Patriotische Front der Sozialistischen Linken

Landesweites Initiativkomitee
Aus dem Polnischen: HAck

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