NPD
will an die NSDAP-Wahlerfolge von 1930 in Thüringen anknüpfen
Nazis
dürfen Parteitag abhalten
von
Günter Ackermann
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Schon
einmal, 1930, war Thüringen eine Hochburg der Nazis. Bereits ab
1930 regierte in der damaligen thüringischen Landeshauptstadt
die NSDAP in einer Koalitionsregierung mit den
Deutschnationalen.
Am
23. Januar 1930 wird Wilhelm Frick (NSDAP, 1877-1946, Bild
links), der spätere Reichsinnenminister, Innen- und
Volksbildungsminister von Thüringen. Thüringen wird zum
Experimentierfeld für die spätere Machtergreifung der
Faschisten im Reich.
Bereits
am 29. März 1930 verabschiedet der Thüringer Landtag auf
Vorschlag von Frick ein Ermächtigungsgesetz.
Frick
wurde 1946 vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal zum Tode
verurteil und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.
Bereits
4 Wochen nach der Berufung Fricks zum Innenminister in Weimar
verbietet er die Lektüre des Antikriegsromans "Im Westen
nichts Neues" von Erich Maria Remarque an allen thüringischen
Schulen. Stattdessen führt Frick Nazi-Schulgebet an den Schulen
ein und erlässt eine Verfügung gegen "Negerkultur",
er will damit gegen "fremdrassige Einflüsse" in der
deutschen Kultur vorgehen.
Als
das Nationaltheater in Weimar einen Helden-Schinken des
italienischen Faschistenführers Mussolini in deutsch
uraufgeführt, reist die gesamte Naziprominenz an. Die Kritiken
über den Schinken waren vernichtend, selbst das Lob des
"Völkischen Beobachters" war nur verhalten.
Eine
Kuriosität am Rande: Als Hitlers Chancen 1932 stiegen,
Reichskanzler zu werden, gab es ein formales Problem: Hitler war
kein Deutscher, sondern Österreicher, konnte somit nicht
Reichskanzler
werden.
Damals
aber galt der Grundsatz: Wenn ein Ausländer im Deutschen Reich
Beamter wird, erwirbt es automatisch die deutsche
Staatsbürgerschaft. Hitler suchte also die Möglichkeit,
Reichs-, Landes- oder Kommunalbeamter zu werden.
Da
bot sich die thüringische Kleinstadt Meiningen an. Dort war
nämlich seit kurzer Zeit die Stelle eines Kommunalbeamten frei
- die des Nachtwächters. Also der, der durch die Straßen zieht
und ruft: "Hört ihr Leute lasst euch sagen..."
Meiningen war eine Nazi-Hochburg, also konnten sie die
Nachtwächterstelle ihren Führer anbieten. Der aber lehnte ab
und wurde stattdessen Ministerialrat im Lande Braunschweig, auch dort
regierten bereits 1932 die Nazis.
Seitdem nannte man den späteren Gröfaz auch "Adolf
Schickelgruber, der Nachtwächter von Meiningen".
Schickelgruber nach dem Mädchennamen von Adolfs Mutter. Na
denn: Heil Schickelgruber!
Die
NPD verspricht sich offensichtlich, nach ihren Wahlerfolg in
Sachsen, auch in Thüringen eine breitere Zustimmung zu
bekommen, ggf. an den Erfolg ihrer Vorgängerpartei NSDAP von
1930 anzuknüpfen.
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Kai Budler
NPD siegt vor Gericht
Quelle: jungeWelt
vom 27.10.2004
Oberverwaltungsgericht
ermöglicht Neonazipartei, ihren Parteitag am kommenden Wochenende in
der »größten Mehrzweckhalle des Landes Thüringen« abzuhalten.
Proteste geplant
Die rechtsextreme NPD wird ihren
Bundesparteitag am kommenden Wochenende im thüringischen Leinefelde
abhalten können. Dafür sorgt eine Entscheidung, die das
Oberverwaltungsgericht (OVG) Thüringen am Dienstag nachmittag in Weimar
traf und damit einen Beschluß der Vorinstanz außer Kraft setzte. Die
Stadt hatte versucht, die Bundesdelegiertenkonferenz der Neonazipartei
zu verhindern. Am Samstag sollte der Leinefelder Kampfsportverein in der
Obereichsfeldhalle Wettkämpfe durchführen. Das OVG Weimar kam zu dem
Schluß, daß die geplante Veranstaltung lediglich »vorgeschoben«
worden sei, um der NPD die Halle nicht überlassen zu müssen, erklärte
ein Gerichtssprecher gegenüber junge Welt. Die NPD habe das Recht auf
Zugang zu kommunalen Einrichtungen, so die Meinung der Richter.
Zur Vorgeschichte: Bei der
Betreibergesellschaft der Leinefelder Obereichsfeldhalle war anonym
nachgefragt worden, ob diese am entsprechenden Wochenende zur Verfügung
stehe. Als eine Mitarbeiterin dies zunächst bestätigte, folgte der
offizielle Nutzungsantrag der Partei, der vier Tage später abschlägig
beschieden wurde.
Kurze Zeit danach erhielt der Leinefelder
Kampfsportverein eine Zusage für die Nutzung. Dagegen reichte die NPD
umgehend Klage beim Verwaltungsgericht Weimar ein. Begründung: Ihr
Antrag auf Nutzung der Halle habe früher vorgelegen als der des
Vereins. Die Richter erklärten in ihrer Entscheidung jedoch, die Stadt
habe der NPD keine verbindliche Zusage gemacht, weshalb sie auch keine Möglichkeit
hätten, gegen die Entscheidung für den Sportverein vorzugehen.
Daraufhin legte die Partei Widerspruch beim OVG ein.
Im Vorfeld hatte es in Thüringen bereits öffentlichen
Protest von Parteienvertretern und Antifaschisten gegen die geplante
NPD-Bundesversammlung gegeben. So begrüßten die Bündnisgrünen im
Eichsfeld das Vorgehen der Stadt. Der PDS-Landesvorstand Thüringen erklärte
am vergangenen Freitag, es handele sich um einen erneuten Versuch der
NPD, nach den jüngsten Wahlerfolgen politischen Einfluß auch in Thüringen
zu gewinnen. Johanna Scheringer-Wright, PDS-Abgeordnete im Thüringer
Landtag, forderte die Einwohner der Region in einem Offenen Brief auf,
»deutlich Stellung gegen ausländerfeindliche und andere
diskriminierende Aussagen, sei es im Betrieb oder in der Kneipe« zu
beziehen. Auch im Eichsfeld finde eine »latente Durchdringung unserer
Gesellschaft mit dem Gedankengut der NPD« und anderer rechtsextremer
Parteien und Gruppen statt. Für den jetzt eingetretenen Fall, daß die
NPD vom OVG recht bekommt, hatte die Politikerin die Bürger
aufgefordert, sich an öffentlichen Protesten gegen die Partei zu
beteiligen. Widerstand gegen den NPD-Parteitag hat auch die Göttinger
Gruppe »Antifaschistische Linke International« (A.L.I.) angekündigt.
Die NPD will auf ihrem Parteitag unter
anderem einen neuen Bundesvorstand wählen und den erneuten
Schulterschluß mit den militanten Neonazis der sogenannten Freien
Kameradschaften demonstrieren.
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