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Günter
Ackermann
den 08. Oktober 2001
PDS-Kreisverband
Duisburg
z.
Hd. der Sprecherin Hanna Ackermann
Gravelottestraße
28
47053
Duisburg
Parteiaustritt
Liebe
Genossin Hanna,
hiermit
erkläre ich meinen Austritt aus der PDS.
Gründe:
1.
Die FAZ schreibt am 8. Oktober 2001:
"Sie
(die PDS, G.A.) erkennt aber das Gewaltmonopol der Vereinten Nationen an,
plädiert für einen internationalen Strafgerichtshof und im Innern für die
Verstärkung der Polizeikräfte und die Lockerung des Bankgeheimnisses. Gehrcke
beteuert, der "Friedensappell" habe "Türen geöffnet"
heraus aus dem fundamentalpazifistischen Gefängnis, in das sich die Partei vor
eineinhalb Jahren in Münster begeben hatte, auf einem Parteitag, auf dem die
Linke das Friedensthema zu ihren Gunsten propagieren konnte."
Ich
bin kein Fundamentalpazifist, wie Genosse Gehrke so schön formuliert, ich bin
noch nicht einmal Pazifist, sondern schlicht und einfach Marxist. Für mich gilt
noch immer, was Karl Liebknecht schrieb: "Der Hauptfeind eines jeden
Volkes steht in seinem eigenen Land," Der Hauptfeind - das sind jene
Kräfte, die in den Konzernen und Banken ihre schmutzigen Geschäfte betreiben,
die um ihrer Profite willen ganze Landstriche zu Elendsgebieten machen, es sind
die Kräfte, die im Juli in Genua ihre Regierungen untereinander
ausmauscheln ließen, wie sie die Welt noch besser unter der Knute der
Profitinteressen aussaugen können. Sie schrecken nicht zurück Kriege zu
führen, Menschen zu ermorden und Not und Elend zu verbreiten.
Die
Tat eines Durchgeknallten, wenn es denn der allgemein genannte bin Laden war,
der hinter den Anschlägen in den USA steckt, war nur die verbrecherische
Antwort auf die Verbrechen des Imperialismus auf die Menschen in allen Ländern
der Erde.
Die
PDS, die eigentlich berufen ist als sozialistische Partei, benennt das nicht.
Sie versteckt sich hinter dem angeblichen Gewaltmonopol der UNO. Mal abgesehen
davon, dass es dieses Gewaltmonopol nicht gibt, so hat die Geschichte gezeigt,
dass die UNO bisher niemals gegen die Interessen der imperialistischen Staaten
gehandelt hat, sondern immer der Vollstrecker derer Interessen war. Der bisher
einzigen Krieg, den die UNO geführt hat, der Korea-Krieg, war der Krieg der USA
gegen das Vordringen des Sozialismus in Asien.
a.
Auch
jetzt hält sich die UNO an diese Regel. Die bisherigen Resolutionen des
Weltsicherheitsrates unterstützen die Haltung der USA. Ob die Bomben, die
Menschen in Afghanistan töten, aus blau angestrichenen Flugzeugen abgeworfen
werden, oder die Raketen, die Kabul und andere Städte treffen, anstelle des
weißen Sterns das UN-Symbol tragen, bleibt gleich. Für den Krieg, den die USA
jetzt führen, waren die Anschläge nur der Anlass.
Wir
haben vor dem Parteitag in Münster lang und breit über dieses Thema
diskutiert, ich werde es nicht weiter ausführen.
b.
Mehr Polizei fordert die PDS. Mal abgesehen davon, dass ganze Heere von
Polizisten diese Anschläge nicht hätten verhindern können, bedeutet mehr
Polizei auch immer mehr Kontrolle der Bürger und mehr Einschränkung
demokratischer Rechte. Wenn eine Partei, die sich als linke Partei verkauft, das
fordert, steht sie nicht mehr links.
Die
PDS tut so, als seien Polizisten die lieben netten Freunde und Helfer, die alten
Omis und kleinen Kindern über die Straße helfen. Die Aufgaben der Polizei sind
ganz andere. Wir haben es im Januar 2000 erlebt, als in Berlin die Polizei Jagd
auf Demonstranten der LL-Demo machte, oder bei den diversen brutalen
Überfällen auf Demonstranten z.B. im Sommer 2001 in Genua. Mehr Polizei auf
die Straßen fordert eine Partei, die sich als sozialistisch bezeichnet.
2.
Als
ich vor 7 Jahren in die PDS eintrat, hatte ich die Hoffnung, es wäre die
Chance mit einer starken linken Partei die gesellschaftlichen Verhältnisse
in der BRD umzugestalten. Das wurde zwar bald als Irrtum erkannt, denn auch
damals schon schmuste die Parteiführung mit der SPD und verschleierte deren
Rolle in der BRD. Aber ich hatte die Hoffnung, man könne die PDS als
Resonanzboden verwenden für eine sozialistische Politik. Ich nahm in Kauf,
dass sich Kräfte in der PDS breit machten, deren politische Position ich
zutiefst ablehnte. Ich sagte, wenn wir als Sozialisten wahrgenommen werden,
weil wir in der PDS sind. und nebenher der Preis gezahlt werden muss, die
bürgerliche Seite der Partei zu verschleiern, dann kann ich in dieser
Partei arbeiten. Erfolge bei den Kommunalwahl 1999, bei der wir den
Wahlkampf als konsequent linke Partei führten, schienen eine Bestätigung
hierfür zu sein.
Bei
selbstkritischer Betrachtungsweise war das ein Irrtum. Alle Versuche, eine
linke Politik am Ort offensiv zu vertreten, blieben in den Anfängen stecken.
Verhängnisvolle Fehlentscheidungen von Teilen der Fraktion taten ein
Übriges. So wollte die Fraktionsmehrheit der Härtefallkommission zustimmen,
die die SPD zur Profilierung als Migrantenfreund des rechten Dezernenten
Jürgen C. Brandt einrichten wollte. Eine Kommission, die keinerlei
Kompetenzen hatte und nur am Gängelband Brandts geführt worden wäre. Erst
die massive Intervention der linken Kräfte im Kreisvorstand, in der Fraktion
vertreten durch Genossen Dimitri Tsalos, verhinderte die Fehlentscheidung. Die
Kommission, die später auf unseren Druck eingerichtet wurde, ist unabhängig
und hat Kompetenzen. Sie hat sich aber noch nicht einmal konstituiert. Das ist
der einzige greifbare Erfolg in den zwei Jahren – durch Druck des linken
Flügels in der Partei und der Minderheit der Fraktion.
Mir
wurde immer mehr klar, dass wir als Linke, als Marxisten und Kommunisten, die
Funktion in dieser Partei haben, die Menschen im Land über den wahren
Charakter der PDS als sozialdemokratische Partei zu täuschen.
3.
Mit
dem Beschluss des Leitantrages in Dresden hat die PDS die Weichen gestellt,
noch weiter hinein in den sozialdemokratischen Sumpf zu gehen. Dieser
Leitantrag bekennt sich ausdrücklich zum Programmentwurf 1 von
Brie-Klein-Brie. Ein Entwurf, der, wie André Brie zugab, vom Geist des
rechtssozialdemokratischen Philosophen Karl Popper getragen ist. Dieser
Entwurf ist nicht verbesserbar, auch wenn einzelne Passagen
"linker" formuliert werden würden.
Ich
werde meiner bisherigen Partei nicht in diesen Sumpf folgen. Ich bin Kommunist
und will als Kommunist politisch arbeiten. Wenn die Partei hierfür nichts
taugt, müssen die Kommunisten sie verlassen.
Wir
alle haben in der PDS politisch gearbeitet und Hoffnungen in diese Partei
gesetzt, haben Wahlkämpfe geführt und uns für sie eingesetzt. Wir haben
unsere Schuldigkeit getan, haben uns nichts vorzuwerfen, außer dass wir uns
nicht verbiegen lassen und nicht bereit sind, Klassenverrat zu begehen. Wir
sollten gehen.
Liebe
Genossinnen, liebe Genossen,
ich
gehe mit Wehmut, aber ich gehe, es muss sein. Wenn mir Kreisvorstandsmitglied
Horst-Werner Rook beim Austritt von Dimitri Tsalos sagte, man solle Reisende
nicht aufhalten, so stimme ich ihm zu. Wir Kommunisten sollten die Reise der PDS
in den kapitalistischen Sumpf nicht mehr aufzuhalten versuchen. Es ist sinnlos
und beschädigt uns nur.
Ich
werde der linken Politik erhalten bleiben und wohl an manchen Aktionen
teilnehmen, wo auch ihr seid. Wenn ihr gegen Krieg und Unterdrückung, gegen
Rassismus und Faschismus antretet, wenn ihr gegen Abbau demokratischer Rechte
eintretet, bin ich immer dabei, solange ich es kann. Wir Kommunisten haben schon
immer an vorderster Front für das alles gekämpft und haben große Opfer
bringen müssen. Aber ich meine, mit dieser Partei ist das alles nur sehr
eingeschränkt möglich.
Mit
sozialistischen Grüßen
Günter
Ackermann
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