Lucy
Redler,
trotzkistische
Spitzenkandidatin der WASG in Berlin |
Pseudoradikales
Wortgeklingel der Trotzkisten
Berliner
WASG-Landesvorstand leugnet den Klassencharakter des
kapitalistischen Staats
Von
Gerd Höhne/23. August 2006
Trotzkisten
sind Spalter, das ist bekannt. Sie wirken innerhalb der
Arbeiterbewegung, geben sich als Linke aus und machen eine Politik,
die links erscheint, es aber nicht ist.
Jüngstes
Beispiel die trotzkistische SAV-Führung der WASG im Landesverband Berlin.
Die veröffentlichten einen Wahlaufruf für die Berliner Wahlen am
17. September 2006 „Gewerkschafter
rufen auf: Gemeinsam gegen Sozialabbau, Privatisierungen und Tarifflucht. WASG wählen und aktiv
werden!”
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Der
Clou der ganzen Geschichte ist, dass die WASG-Gewerkschafter innerhalb der
WASG-Berlin zu diesem Aufruf weder gefragt wurden, noch den Text je vor
Veröffentlichung zu Gesicht bekamen und dem auch nicht zustimmten. Der
Text ist ein reines Produkt des trotzkistischen Landesvorstands.
Aber
auch inhaltlich ist er für Linke nicht zustimmungsfähig.
Das
schreiben die Trotzkisten z.B. in ihren Pseudo-Gewerkschaftstext:
„Jüngster
Fall, Bosch-Siemens-Hausgeräte: Gegen Verlagerungen und
Arbeitsplatzvernichtung ist gemeinsame Gegenwehr nötig. Entscheidungen
wie Betriebsschließung dürfen nicht mehr getroffen werden
ohne Belegschaftsabstimmungen. Die De-Industrialisierung Berlins
muss gestoppt werden.“
Man
reibt sich die Augen und wundert sich. Da soll eine Belegschaft darüber abstimmen, ob der Betrieb geschlossen
wird. Klingt urdemokratisch – ist es aber nicht. Denn immerhin ist es ein
Betrieb im Kapitalismus, also auf Profit ausgerichtet. Wenn die
Kapitaleigner meinen, ein Betrieb wirft keinen oder zu wenig Profit ab,
dann machen sie die Bude dicht – mit oder ohne Zustimmung durch die
Belegschaft. Niemand kann und wird die Bosse zwingen, sich an
Beschlüsse der Beschäftigten zu halten. Genau genommen ist das, was hier
die Trotzkisten fordern, hinter dem zurück, was in vielen Betrieben
bereits jetzt geschieht: Mittels Kampfmaßnahmen, Demonstrationen, Streik
usw. wehren sich die Beschäftigten. Ginge es nach den Trotzkisten, dann dürften
die Kollegen zukünftig ihrer eigenen Arbeitslosigkeit auch noch
zustimmen. Wenn nämlich Entlassungen der Kollegen zu verhindern sind,
dann nur durch solidarischen Kampf, nicht aber durch Abstimmungsrituale der
Belegschaft.
Weiter:
„Hier
sehen wir das Land Berlin in der Pflicht, einen Erhalt der Arbeitsplätze
durch die Überführung
solcher Werke in öffentliches Eigentum zu sichern (§ 23 der Berliner
Verfassung). Dann kann gewährleistet werden, dass nicht Manager in
Konzernzentralen entscheiden, wie das Schicksal von Beschäftigten und
ihren Familien aussieht.“
Da
reiten die Trotzkisten auf der Verfassung herum. Diese aber garantiert
Privateigentum und schreibt Entschädigung vor. Eine feine Lösung! Bisher
entsorgen die Konzerne „nur“ die Arbeiter, die sie nicht mehr
brauchen, mittels der Staatskasse. Die Trotzkisten schlagen vor, dass in
Zukunft gleich ganze unrentable Betriebe den Konzernherren abgekauft
werden.
Die
„Manager der Konzernzentralen“,
meinen die SAV-Trotzkisten, sollen nicht mehr entscheiden, wie das „Schicksal
von Beschäftigten und ihren Familien aussieht“.
Ein
gewisser Peter Hartz war zwar Manager, aber der machte nur Vorschläge.
Entschieden aber haben die Politiker in Berlin, alles wurde vom Bundestag
beschlossen und stürzte Millionen in Loch der Verelendung. Da das aber
immer noch zu wenige Menschen verelendete, werden die Gesetze noch mal verschärft.
Und diese Kreise sollen über das Schicksal der Arbeiter entscheiden? Das tun sie
ja bereits und zwar im Interesse und im Auftrag der Konzernherren.
Die
SAV-Forderungen sind also leeres Stroh und dienen rein der
Gehirnverkleisterung. Scheinradikales Wortgeklingel, aber in Wirklichkeit
steckt nichts dahinter.
Außer,
dass die Trotzkisten vom Klassencharakter des kapitalistischen Staates
ablenken wollen. Sie vertreten nicht den konsequenten Klassenkampf, denn
da hätten sie so was nicht bringen dürfen.
Verstaatlichungen
– mit oder ohne Entschädigungen – bringen gar nichts, jedenfalls
nicht innerhalb des kapitalistischen Systems. In der Realität werden da
nur bestimmte Teile der Wirtschaft, solche, die privatkapitalistisch
unrentabel, aber für das Kapital wichtig sind, staatlich betrieben.
Ich denke an den Straßenbau, Wasserstraßen, Teile des Verkehrs.
Luftsicherheit, Meteorologie usw. Das Kapital braucht diese Bereiche, sie
lassen sich nicht sinnvoll privatwirtschaftlich regeln. Wenn sie aber
privat profitabel regelbar sind, werden sie privatisiert. Teilweise,
indem mittels Steuergelder Betriebe rentabel gemacht werden und dann
privatisiert. Man denke nur an die ehemalige Bundespost, die in ihre
Bestandteile zerlegt, die jetzt AG’s sind und an der Börse gehandelt
werden. Die andere Variante ist eben die Verstaatlichung einiger Betriebe.
Das wird bereits jetzt gemacht. Dann werden die Betriebe staatlich
entschuldet, modernisiert und schließlich wieder (für einen Appel und
ein Ei) privatisiert.
Ähnlich
auch die ehemalige Bundesbahn. Früher war die Bahn chronisch defizitär.
Mittels öffentlicher Gelder wurde sie rentabel gemacht und wird demnächst
an die Börse gehen.
Im
Kopf hatten die SAV-Leute der WASG-Berlin Trotzki, der schrieb:
„Das
sozialistische Programm der Enteignung - d.h. des politischen Sturzes
der Bourgeoisie und der Beseitigung ihrer wirtschaftlichen
Herrschaft - darf
uns auf keinen Fall in der gegenwärtigen Übergangsperiode, wenn
die Gelegenheit sich bietet,
davon abhalten zu fordern, daß bestimmte
Industriezweige, die für die nationale Existenz am wichtigsten
sind, oder bestimmte Gruppen
der Bourgeoisie, die am parasitärsten sind, enteignet
werden. So stellen wir
den wimmernden Predigten der Herren Demokraten über die
Diktatur der „60“ Familien in den Vereinigten Staaten oder der
„200“ Familien in
Frankreich die Forderung nach Enteignung dieser 60 oder 200
Feudalkapitalisten entgegen. Genauso fordern wir die Enteignung der
monopolistischen Gesellschaften der Kriegsindustrie, der
Eisenbahnen, der wichtigsten
Rohstoffquellen usw.“
Trotzki
meint nicht nach der Revolution, sondern er fordert das als eine Maßnahme
im kapitalistischen System. Auch hier der Wortradikalismus. Trotzki wusste
sehr genau, dass niemand in der Lage gewesen wäre, diese ach so
revolutionären Forderungen durchzusetzen, denn es erfordert einen revolutionären
Akt um die Bourgeoisie zu enteignen. Trotzki
will nur von der Notwendigkeit der proletarischen Revolution ablenken.
Und
noch einen Grund hat dieser Wortradikalismus: Ein paar Zeilen nach dieser
Aussage schreibt er: „Wir
warnen die Massen vor den Scharlatanen der Volksfront, die zwar ein
Lippenbekenntnis für die Nationalisierung abgeben, in Wirklichkeit
aber Agenten des Kapitals
bleiben…“
Es
war 1938 als Trotzki das schrieb: In Spanien tobte der Bürgerkrieg gegen den Putschisten und
Faschisten Franco. Franco wurde aktiv vom faschistischen Deutschland und
Italien mit Waffen, Geld und Soldaten unterstützt.
Auf
der Gegenseite wurde die spanische Republik von „den
Scharlatanen der Volksfront“ (Trotzki) geführt, in der alle
relevanten Kräfte der spanischen Linken vertreten waren.
Und
in Frankreich versuchten im Februar 1934 die Faschisten der Bewegung Croix
de feu die Macht an sich zu reißen. Aber der entschiedene
Widerstand der Arbeiter zerschlug die faschistischen Putschisten. Um den
Faschisten wirkungsvoller Widerstand entgegen setzen zu können, auch das
Beispiel der Machtergreifung des Faschismus in Deutschland vor Augen,
entschlossen sich die Linken Kräfte, Sozialisten. Kommunisten und
Radikalsozialisten (eine linksliberale Partei), eine Volksfront zu bilden.
Gegen
die Volksfront in Frankreich und Spanien polemisiert Trotzki, das war sein
Feind. Klar ist, 1936, als die Volksfront bei den Parlamentswahlen siegte,
gab es in Frankreich keine revolutionäre Situation. Alles musste darauf
gerichtet sein, den Faschismus zu verhindern.
Gegen
die „Scharlatane“ polemisiert jener, der zwischen Hitler und Stalin
keinen Unterschied sah und beschimpft jene, die bewaffnet den Faschismus
bekämpfen, als „in Wirklichkeit
aber Agenten des Kapitals”
: Leo Trotzki.
Und
die Trotzkisten der SAV haben noch nicht einmal die Volksfront als Gegner.
Sie plappern ihren großen Meister mehr schlecht als recht nach. Hatte der
noch scheinbar revolutionäre Forderungen –
es sollte entschädigungslos enteignet werden – wollen das die
Trotzkisten der SAV im Rahmen der Verfassung mit dicken Entschädigungen
erledigen.
Und
sie besitzen die Frechheit, ihren nicht authorisierten Aufruf
abzuschließen
mit dem Satz:
„Wir,
aktive Gewerkschafter, rufen dazu auf: Unterstützt die WASG, werdet aktiv
im Wahlkampf für eine soziale Oppositon, wählt am 17. September die WASG ins
Berliner Abgeordnetenhaus!”
Es
sind weder aktive Gewerkschafter, noch überhaupt Arbeiter oder
Angestellte, die diesen Text verfassten, sondern Bürgersöhnchen und -töchter,
die auf links machen. Es sind die Trotzkisten der WASG,
die den Landesverband Berlin der WASG usurpiert haben und sich nun aufführen,
als sei Scheinradikalität linke Politik.
Trotzkisten
ist es noch nie gelungen eine eigene Partei aufzubauen und zu erhalten.
Immer hängten sie sich als Blutsauger an andere Parteien und Gruppen und
richteten sie zu Grunde oder, wie bei der SPD und PDS, erwecken den
Schein, als sei diese Partei links. Die SAV in Berlin hat sich aus der
Deckung heraus gewagt, weil sie glaubt, weil die PDS mit der SPD
gemeinsam die neoliberale Politik der Bundesregierungen besonders aktiv
exekutiert, sie könnten nun nach oben kommen. Das Ergebnis, selbst wenn
es die WASG-Berlin ins Abgeordnetenhaus schafft, wird ein Scherbenhaufen
sein.
Leo Trotzki: Todeskampf
des Kapitalismus und Aufgaben der 4. Internationale (Das Übergangsprogramm).
3. Sep. 1938
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