|
Antwort
Roter Webmaster auf einen Leserbrief (siehe)
|
Ja,
die spanischen Trotzkisten vergossen Blut, aber vor allem das der
Spanier und der internationalen Kämpfer gegen den Faschismus. Die
„Helden“ waren miese Verräter – ihr Chef, Leo Trotzki,
ebenso. |
Hallo
Peter,
zu
deiner Mail folgendes:
|

Spanischer
Trotzkist und POUM-Führer
Andreas
Nin |
Die
POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) war zwar ursprünglich keine
trotzkistische Partei, aber die Trotzkisten hatten sie auf Weisung
Trotzkis unterwandert und bestimmten schließlich die Richtung. Die
Nicht-Trotzkisten, die im Bürgerkrieg bei ihr wirkten, waren im
politischen Spektrum der Linken, z.B. in Deutschland, rechts von den Kommunisten
angesiedelt. So die linkssozialdemokratische SAP, die rechtskommunistische
KPO (Brandleristen) und eben dann die zentristischen Trotzkisten. Also ein
buntes Sammelsurium von mehr oder weniger linken Gruppen. Gleichzeitig
verbündete sich die POUM mit den Anarchisten. Diese waren war sehr mutige
Kämpfer – wenn sie kämpften. Denn die Anarchisten zeichneten sich
durch Heldenmut und Undiszipliniertheit im Kampf aus. Was zu unnötigen
militärischen Verlusten an Menschen und Material führte.
|
Zum
politisch-historischen Hintergrund:
In Spanien war eine linksbürgerliche
Regierung gewählt worden. Gegen diese Regierung putschte der General
Franco. Mit Unterstützung der deutschen und italienischen Faschisten und
durch Duldung dieser Unterstützung durch England war die rechtmäßige
Regierung bedroht. Und genau deshalb kamen Kämpfer aus allen Ländern zu
Hilfe. Das einzige Land, das aktiv Waffenhilfe für die Republik leistete,
war die Sowjetunion Stalins.
Das ist die Ausgangslage. Es kam darauf an,
den Faschismus zu besiegen, der Spanien als Testfeld des 2. Weltkriege
benutzte. Der Sieg über Franco wäre auch ein Sieg über Hitler und
Mussolini gewesen.
Es kam also darauf an, dass alle, die gegen
den Faschismus waren, in einer Einheitsfront zusammen kämpften. Der Sieg
über den Faschismus hätte, wie wir heute wissen, wohl den 2. Weltkrieg
verhindern können, zumindest wäre es schwerer gewesen, ihn anzuzetteln.
Die Frage einer sozialistischen Revolution stand nicht auf der
Tagesordnung und hätte die Kräfte der Antifaschisten unnötig geschwächt.
Nur ein Beispiel: Ernest Hemingway trat gegen
den Faschismus auf, er war aber kein Kommunist, nicht einmal Sozialist.
Seine Sympathie zur Spanischen Republik war die eines fortschrittlichen bürgerlichen
Menschen.
Es gab sicherlich unzählige solche Menschen.
Sie zu überfordern, hätte die antifaschistische Bewegung geschwächt.
Aber die POUM gab sich ultralinks – also eine Partei, bestehend
aus Rechtsabweichlern aus der kommunistischen Bewegung, Anarchisten,
Sozialdemokraten und Trotzkisten, somit immerhin eigenartig – wollte in
der Situation der höchsten Gewfahr für das demokratische Spanien, die
sozialistische Revolution gegen die republikanische Regierung. Sie
schwafelte von angeblicher Doppelherrschaft in Spanien – jaja, die gab
es: hier die linksbürgerliche gewählte Regierung, da die faschistische
des Putschisten Franco. Aber das meinten sie nicht.
Sie
meinten, es sei ähnlich in Russland 1917, als auf der einen Seite Krenski
mit seiner provisorischen Regierung stand und auf der anderen Seite die
Sowjets. Letztere stürzten dann ja auch die Krenski-Regierung mittels der
Oktoberrevolution.
Nach
Ansicht der POUM gäbe es die Komitees und die Milizen der Arbeiter und
Bauern. Diese sollten die Macht ergreifen und die Komitees zu einer
Regierung und die Milizen zu einer Roten Armee werden.
Was
aber mit den loyalen Verbänden der Armee und Polizei? Die wären in die
Arme Francos getrieben worden! Das scheinrevolutionäre Getue der POUM
entpuppt sich, bei näherem Betrachten,
als Kollaboration mit den Faschisten.
Natürlich
hatte die KP das Ziel, die Revolution, nicht aus dem Auge verloren. Aber
1937 kam es darauf an, den Faschismus zu besiegen. Nur das zählte. Denn
alles zur rechten Zeit.
1937
wäre eine sozialistische Revolution in Spanien zum Scheitern verurteilt
gewesen und hätte die Faschisten gestärkt.
Alle
Kraft musste damals für den Sieg über den Faschismus eingesetzt werden,
nicht in gefährliche linksradikale Abenteuer. Ein Sieg über den
Faschismus in Spanien, hätte die führenden faschistischen Mächte,
Nazi-Deutschland und das faschistische Italien, damit auch den Faschismus
überhaupt, stark geschwächt. Die Bedingungen für eine proletarische
Revolution wären entschieden günstiger gewesen.
Ein
Sieg der Faschisten in Spanien aber, hätte genau die gegenteilige Wirkung
gehabt: Krieg, Schwächung des Proletariats, Mord an Millionen Menschen.
So war es dann ja auch.
Die
rechtsopportunistische POUM gab sich zur Unzeit linksradikal. Wie auch
1945 die SPD unter Schumacher. Die SPD hat 1945 von „Sozialismus
jetzt“ geschwafelt.
Die
KPD aber schrieb in ihrer Programmatischen Erklärung „Schaffendes Volk
in Stadt und Land! Männer und Frauen! Deutsche Jugend!“ vom 11. Juni
1945 „nur“:
„Mi der Vernichtung des Hitlerismus gilt
es gleichzeitig, de Sache der Demokratisierung Deutschlands, die Sache der
bürgerlich-demokratischen Umbildung, die 1818 begonnen wurde, zu Ende zu
führen, die feudalen Überreste völlig zu beseitigenund den reaktionären
altpreußischen Militarismus mit all seinen ökonomischen und politischen
Ablegern zu vernichten.“
Das
Schlagwort „Sozialismus jetzt“ von Kurt
Schumacher war 1945 wohlfeil. Dass die Realisierung keine Chance
hatte, dafür garantierten die Westalliierten. Aber eine demokratische
Schulreform in der SBZ, die alle Nazilehrer aus den Schulen entfernte und
durch antifaschistische ersetzte, erforderte einen riesigen Aufwand. Das
wurde geschafft, ohne Zusammenbruch des Schulsystems.
Ebenso
die Bodenreform 1946 in der SBZ, die endgültig der Junkerherrschaft ein
Ende bereitete. Sie gab den vielen aus dem Osten umgesiedelten Bauern, den
Landarbeitern usw. eigenes Land und sie verschaffte der Bevölkerung Brot.
So
war es auch in Spanien: Die Rechten und Trotzkisten schwafeln von
Doppelherrschaft und Revolution, realiter aber schwächen sie die Republik
und binden Kräfte, die dringend im Kampf gegen Franco gebraucht werden.
Und
diese „Revolution“ gegen die Republik zetteln sie dann auch noch an.
Am 3. Mai 1937 beginnt dieser konterrevolutionäre Putsch der POUM in
Barcelona. Als er zu Ende ist, sind über 500 Menschen tot und viele
verletzt.
Ein
Zeitzeuge, der in Spanien kämpfte, Fritz Teppich, schreibt dazu:
|

Kommunist
und Spanienkämpfer Fritz Teppich |
„Während an den Fronten vor Madrid und
Euzkadi im Frühjahr 1937 schwere Kämpfe tobten und die Aragon-Front im
großen und ganzen abwartend verharrte..., wurde von Barcelona aus ein
unverzeihlicher Anschlag auf das republikanische Hinterland ausgelöst...
Die Putschbefürworter hatten vorsorglich ihre Parteigebäude befestigt
und große Mengen Waffen der Front entzogen... Am 3. Mai eröffneten sie
in Barcelona das Feuer. Durch die Stadt rast das Gerücht, den Faschisten
solle von einer 5. Kolonne die Front geöffnet werden.
|
Der konservative
britische Historiker Hugh Thomas berichtet in seinem Buch 'Der spanische Bürgerkrieg'
auf S. 331: 'Der deutsche Botschafter Faupel berichtete aus Salamanca nach
Berlin, Franco habe ihm am 7. Mai gesagt, daß in Barcelona dreizehn
nationalspanische Agenten tätig seien.'... Am 4. Mai griffen die POUM
sowie ihre Anhänger in (den anarchistischen Organisationen) FAI und CNT
Regierungs-, Partei- und Polizeigebäude der Republik an. Die Versorgung
der Front war unterbrochen, die Rüstungsproduktion stand still. Die
Soldaten an den Fronten waren empört. Von Valencia riefen die
anarchistischen Minister Garcia Oliver und Federica Montseny über Radio
zur Einstellung der Attacken auf. Dagegen forderte das POUM-Organ 'La
Batalla': Revolution! Die Aufständischen versuchten, anarchistische
Milizgruppen von der Front abzuziehen, um sie zum Kampf im Hinterland
einzusetzen. Die Regierung entsandte Kriegsschiffe und Polizei. Am 8. Mai
gibt die CNT-Führung die Parole aus: 'Weg mit den Barrikaden!' Der
Anschlag auf die um ihre Existenz kämpfende Republik hat Hunderte von
Todesopfern und Tausende von Verletzten gefordert. Der moralische Schaden
wird nie überwunden.“
Also
selbst die Anarchisten distanzierten sich von der POUM.
Das
waren Deine „Helden“.
Leo
Trotzki schrieb am 4. Dezember 1939 das Pamphlet „Das Zwillingsgestirn
Hitler-Stalin“
Darin heißt es: „Wenn Stalin
seinen Verbündeten Hitler überleben sollte, dann nicht für lange. Das
Zwillingsgestirn wird hinter dem Horizont versinken.“
Nun,
wir wissen es heute besser. Stalin hat als Führer der Sowjetmacht Hitler
vernichtet. Und der Trotzkismus?
Die
US-amerikanischen Trotzkisten gründeten, als Trotzki sich in Mexiko
aufhielt, ein amerikanisches
Komitee für die Verteidigung Leo Trotzkis. Es sollte als Antwort auf die
Beschuldigungen dienen, die während der Prozesse in Moskau gegen den
Block der Rechten und Trotzkisten gegen Trotzki erhoben wurden.
Dem
Komitee gehörten der bereits fast 80jährige Philosoph
und Pädagoge John Dewey, der Schriftsteller Carleton Beals, der
ehemalige sozialistische Reichstagsabgeordnete Otto Kühle, der ehemalige
amerikanische Radikale und sowjetfeindliche Journalist Benjamin Stolberg
und die Journalistin Suzanne La Follette, eine begeisterte Anhängerin
Trotzkis.
Aber
der Charakter dieses Komitees kam schnell heraus. Der Schriftsteller und
Mitherausgeber der „Baltimore Sun“, Mauritz Hallgren, zog sich zurück,
nachdem er erkannt hatte, daß es sich bei diesem Komitee in Wirklichkeit
um eine antisowjetische Propagandaagentur handelte. Er schrieb am 27.
Januar 1937 eine öffentliche Erklärung an das Komitee, in der es unter
anderem hieß:
„Die gegebenen
Tatsachen zwingen mich zu der Annahme, daß das amerikanische Komitee für
die Verteidigung Leo Trotzkis - vielleicht unwissentlich - ein Instrument
der trotzkistischen politischen Intervention gegen die Sowjetunion
geworden ist… Ich bitte Sie daher, meinen Namen aus der Mitgliederliste
zu streichen.“
Am
17. April schied auch Carleton Beals aus der Kommission aus. Er gab die Gründe,
die ihn zu diesem Schritt veranlasst hatten, in einer öffentlichen Erklärung
bekannt:
„… Die stumme Bewunderung, die Herrn
Trotzki von den übrigen Komiteemitgliedern während der Sitzungen
entgegengebracht wurde, schloß von vornherein jeden Versuch einer
ehrlichen Untersuchung aus… Gleich am ersten Tag wurde mir erklärt, daß
meine Fragen unschicklich seien. Das abschließende Kreuzverhör wurde in
einer Form abgehalten, die es unmöglich machte, der Wahrheit auf den
Grund zu gehen. Ich wurde zur Rede gestellt, weil ich starkes Interesse für
Trotzkis Archive an den Tag legte … Das Kreuzverhör bestand darin, daß
man Trotzki gestattete, Propagandareden und wüste Anschuldigungen
vorzubringen; nur in den seltensten Fällen wurde der Versuch gemacht,
eine Beweisführung von ihm zu verlangen … Wenn das Komitee will, kann
es das Ergebnis seiner oberflächlichen Untersuchungen der Öffentlichkeit
vorlegen. Ich werde meinen Namen für die Fortsetzung derartiger
Kindereien nicht hergeben.“
Es
blieben also nur ein steinalter Mann und drei Trotzkisten im Komitee übrig.
Klar, was dabei heraus kam.
Die
Linie des Verrats setzten die Trotzkisten auch in der Zukunft fort. Was
auf Kommunisten-online über den Trotzkisten Dierkes steht, ist nur ein
Beispiel. Es gibt derer viele.
Nie
ist es den Trotzkisten gelungen, eine eigenständige politische Partei zu
etablieren. Das letzte Mal, als sie es in Deutschland versuchten, war die
Fusion mit der als KPD/ML gegründeten und inzwischen als KPD umbenannten
Partei mit der trotzkistischen GIM. Der langjährige Vorsitzende Ernst
Aust war entmachtet worden und sein Nachfolger Koch scharwenzelte mit der
trotzkistischen GIM. Sie fusionierten schließlich zur VSP. Im Nu war die
VSP jedoch liquidiert und mutierte faktisch zur Sektion dee IV.
Internationale. Was heute übrig ist, ist eine Zeitung (SoZ), die ein
reines trotzkistisches Blatt ist.
Außer
ein paar Restgruppen, die aus denen entstanden sind, die 1986 die Fusion
nicht mitmachen wollten, ist die KPD/ML liquidiert. Ernst Aust hat den
vollendeten Verrat seines Nachfolgers allerdings nicht mehr erlebt, er
starb kurz vorher.
Zurück
zu Spanien, zurück zur POUM:
Die
Partei war unter trotzkistische Kontrolle geraten. Daher der
„Aufstand“ von Barcelona 1937 gegen die Republik. Der Führer der
spanischen Trotzkisten war Trotzkis alter Freund Andreas Nin. Der war
einige Zeit Justizminister von Katalonien gewesen und konspirierte gegen
die republikanische Regierung. Die POUM verlagte u.a. „energische Maßnahmen zur Beseitigung der Regierung“ Und das in
einer Zeit, als eben diese Regierung mit Unterstützung von Linken und
Demokraten aus aller Welt einen Existenzkampf gegen den Faschismus führte.
Im
Oktober 1937 veröffentlichte der Chef der Polizei von Barcelona,
Oberstleutnant Burillo, Einzelheiten über die in Katalonien aufgedeckte
Verschwörung der POUM. Aus Geheimdokumenten, die in den Besitz der
Polizei gelangt waren, ging hervor, daß Mitglieder der POUM eine
ausgedehnte Spionagetätigkeit für die Faschisten betrieben hatten; sie
störten die Versorgung der republikanischen Armee und sabotierten militärische
Operationen an der Front. „Attentate gegen führende Persönlichkeiten
der Volksarmee waren in Vorbereitung“, hieß es in Oberstleutnant
Burillos Bericht.
Die
POUM wurde schließlich verboten, Andreas Nin erschossen.
Ja,
die spanischen Trotzkisten vergossen Blut, aber vor allem das der Spanier
und der internationalen Kämpfer gegen den Faschismus. Die „Helden“
waren miese Verräter – ihr Chef, Leo Trotzki ebenso.
Rotfront
Günter
Ackermann
|