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Die
große Verschwörung
Darstellung
des antikommunistischen Kampfes 1919-1945
Von
Michael Sayers und Albert E. Kahn
Drittes
Buch -
Die
fünfte Kolonne in Rußland
Quelle:
Stalinwerke
XXI.
MORD IN MEXIKO
Der
Hauptangeklagte der drei Moskauer Prozesse war achttausend Kilometer vom
Verhandlungsort entfernt.
Im
Dezember 1936, nach Abschluß des Verfahrens gegen Sinowjew und Kamenew
und der Verhaftung Pjatakows, Radeks und anderer führender Mitglieder
des trotzkistischen Zentrums, mußte Trotzki Norwegen verlassen. Nach
einer Schiffsreise über den Atlantischen Ozean traf er am 13. Januar
1937 in Mexiko ein. Er nahm kurze Zeit im Hause des reichen
mexikanischen Künstlers Diego Rivera Aufenthalt, dann errichtete er in
Coyoacan, einer Vorstadt von Mexico City, sein neues Hauptquartier. Von
dort aus mußte er während der nächsten Monate mit gebundenen Händen
zusehen, wie der komplizierte mächtige Apparat der russischen Fünften
Kolonne unter den Hammerschlägen der Sowjetregierung Stück für Stück
auseinanderfiel.
Auf
Betreiben der amerikanischen Trotzkisten wurde in New York ein
amerikanisches Komitee für die Verteidigung Leo Trotzkis gegründet,
das der nominellen Leitung sowjetfeindlicher Sozialisten, Journalisten
und Pädagogen unterstand. Zu den Mitgliedern des Komitees zählten
ursprünglich mehrere prominente Liberale. Einer von ihnen, der
Schriftsteller und Mitherausgeber der „Baltimore Sun“, Mauritz
Hallgren, zog sich zurück, nachdem er erkannt hatte, daß es sich bei
diesem Komitee in Wirklichkeit um eine antisowjetische Propagandaagentur
handelte. Am 27. Januar 1937 richtete Hallgren eine öffentliche Erklärung
an das Komitee, in der es unter anderem hieß:
„Die
gegebenen Tatsachen zwingen mich zu der Annahme, daß das amerikanische
Komitee für die Verteidigung Leo Trotzkis - vielleicht unwissentlich -
ein Instrument der trotzkistischen politischen Intervention gegen die
Sowjetunion geworden ist… Ich bitte Sie daher, meinen Namen aus der
Mitgliederliste zu streichen.“
Das
Komitee betrieb eine lebhafte Propaganda, in der Trotzki als
heldenhafter Märtyrer der russischen Revolution und die Moskauer
Prozesse als „Theater“ hingestellt wurden. Eine der ersten
Handlungen des Komitees war die Errichtung einer
„Voruntersuchungs-Kommission“, deren Aufgabe es sein sollte, die während
der Moskauer Prozesse vom August 1936 und Januar 1937 gegen Leo Trotzki
erhobenen Anschuldigungen zu überprüfen.“
Dem
Komitee gehörten folgende Persönlichkeiten an: der bejahrte Philosoph
und Pädagoge John Dewey, der Schriftsteller Carleton Beals, der
ehemalige sozialistische Reichstagsabgeordnete Otto Kühle, der
ehemalige amerikanische Radikale und sowjetfeindliche Journalist
Benjamin Stolberg und die Journalistin Suzanne La Follette, eine
begeisterte Anhängerin Trotzkis.
Mit
einem großen Aufwand an Publizität wurden die Sitzungen der Kommission
am 10. April in Coyoacan in Mexiko eröffnet. Die einzigen Zeugen waren
Leo Trotzki und einer seiner Sekretäre, Jan Fränkel, der 1930 in
Prinkipo in Trotzkis Leibgarde eingetreten war.
Die
Verteidigung wurde von Trotzkis amerikanischem Rechtsberater Albert
Goldman geführt.[68]
Das
Verhör dauerte sieben Tage. Die „Aussagen“ Leo Trotzkis, die in der
amerikanischen und europäischen Presse weiteste Verbreitung fanden,
bestanden in erster Linie aus heftigen Ausfällen gegen Stalin und die
Sowjetunion und selbstherrlichen Anpreisungen seiner eigenen Verdienste
um die russische Revolution. Das während der Moskauer Prozesse gegen
Trotzki vorgebrachte reichhaltige Beweismaterial wurde von der
Untersuchungskommission überhaupt nicht beachtet. Am 17. April schied
Carleton Beals aus der Kommission aus. Er gab die Gründe, die ihn zu
diesem Schritt veranlaßt hatten, in einer öffentlichen Erklärung
bekannt:
„…
Die stumme Bewunderung, die Herrn Trotzki von den übrigen
Komiteemitgliedern während der Sitzungen entgegengebracht wurde, schloß
von vornherein jeden Versuch einer ehrlichen Untersuchung aus… Gleich
am ersten Tag wurde mir erklärt, daß meine Fragen unschicklich seien.
Das abschließende Kreuzverhör wurde in einer Form abgehalten, die es
unmöglich machte, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ich wurde zur
Rede gestellt, weil ich starkes Interesse für Trotzkis Archive an den
Tag legte … Das Kreuzverhör bestand darin, daß man Trotzki
gestattete, Propagandareden und wüste Anschuldigungen vorzubringen; nur
in den seltensten Fällen wurde der Versuch gemacht, eine Beweisführung
von ihm zu verlangen … Wenn das Komitee will, kann es das Ergebnis
seiner oberflächlichen Untersuchungen der Öffentlichkeit vorlegen. Ich
werde meinen Namen für die Fortsetzung derartiger Kindereien nicht
hergeben.“
Auf
Veranlassung des amerikanischen Komitees für die Verteidigung Leo
Trotzkis wurde für Trotzkis Übersiedlung nach den Vereinigten Staaten
Propaganda gemacht. Seine Bücher, Artikel und Erklärungen fanden in
allen Teilen der Vereinigten Staaten weiteste Verbreitung, während die
Wahrheit über die Moskauer Prozesse in den Aktenschränken des
Staatsdepartements oder in den Köpfen einiger nach Moskau entsandter
Zeitungskorrespondenten verborgen blieb, denen, wie Walter Duranty später
schrieb, „die entschiedene Abneigung der amerikanischen Leser, etwas
anderes als Schlechtes über Rußland zu hören“, wohl bekannt war.[69]
Trotzki
sammelte in Mexiko bald einen Hofstaat von Jungen, Abenteurern und Leibwächtern
um sich, gerade so, wie er es in der Türkei, in Frankreich und Norwegen
getan hatte. Auch hier war sein Leben von der Intrige beherrscht.
Die
Villa in Coyoacan, in der Trotzki sein mexikanisches Hauptquartier
aufgeschlagen hatte, glich einer Festung. In den vier Ecktürmen waren
Tag und Nacht Wachen mit Maschinenpistolen postiert. Außer der
mexikanischen Polizeiabteilung, die ausschließlich mit der Bewachung
der Villa betraut war, patrouillierte Trotzkis bewaffnete Leibgarde ständig
vor seinem Hauptquartier. Sämtliche Besucher mußten sich legitimieren;
ihre Pässe wurden gezeichnet und gegengezeichnet; die Formalitäten,
denen sie sich unterziehen mußten, waren mindestens so streng wie bei
einem Grenzübertritt. Nachdem sie endlich auf die andere Seite der
hohen Umfriedungsmauer gelangt waren, wurden sie beim Betreten der Villa
nach Waffen durchsucht.
Im
Innern des Hauses herrschte rege Tätigkeit. Ein ansehnlicher
Beamtenstab war damit beschäftigt, die Instruktionen des Führers
entgegenzunehmen und seine Aufträge auszuführen. Die Vorbereitung der
sowjetfeindlichen Propagandaliteratur und die Vorarbeiten zu Trotzkis
Proklamationen, Artikeln, Büchern und Geheimberichten in russischer,
deutscher, französischer, spanischer und englischer Sprache waren
besonders qualifizierten Sekretären anvertraut. Wie in Prinkipo, Paris
und Oslo gingen auch hier so manche von Trotzkis „Sekretären“ mit
Revolvern in der Tasche herum; auch hier war der sowjetfeindliche
Verschwörer von der abenteuerlichen Atmosphäre geheimnisvoller
Intrigen umgeben.
Eine
Fülle von Briefen aus allen Teilen der Welt häufte sich in Trotzkis
mexikanischem Hauptquartier. Ein Teil der Post mußte einer chemischen
Behandlung unterzogen werden, da die eigentliche Nachricht oft mit
unsichtbarer Tinte zwischen die Zeilen einer harmlosen Mitteilung
geschrieben war. Unaufhörlich trafen Depeschen aus Europa, Asien und
den Vereinigten Staaten ein, die telegraphisch beantwortet wurden.
Besonders zahlreich waren die ausländischen Trotzkistendelegationen -
es kamen französische, amerikanische, indische und chinesische
Trotzkisten und Agenten der spanischen POUM.
Trotzki
empfing seine Besucher mit den Allüren eines Despoten. Die
amerikanische Journalistin Betty Kirk, die ihn für das „Life“-Magazin
interviewte und Aufnahmen von ihm machen ließ, schilderte sein
theatralisches, diktatorisches Benehmen:
„Trotzki
sah auf seine Uhr und erklärte in selbstherrlichem Ton, er könne uns
genau acht Minuten bewilligen. Es sollte beim Diktat photographiert
werden; als seine russische Sekretärin nicht rasch genug erschien,
schrie er sie wegen ihrer Langsamkeit an. Dann befahl er seinem
nordamerikanischen Sekretär Bernard Wolfe, sich ebenfalls an den
Schreibtisch zu setzen; während Wolfe durch das Zimmer ging, klopfte
Trotzki ungeduldig mit dem Bleistift auf den Tisch und rief: ‚Rascher,
wir haben keine Zeit!’„
Von
seiner Villa in Coyoacan aus leitete Trotzki seine weltumspannende
sowjetfeindliche Organisation, die Vierte Internationale.
Überall
in Europa, Asien, Nord- und Südamerika bestanden enge Verbindungen
zwischen der Vierten Internationale und dem Netzwerk der Fünften
Kolonne der Achsenmächte:
Tschechoslowakei:
Die Trotzkisten arbeiteten mit dem Naziagenten Konrad Henlein und seiner
Sudetendeutschen Partei. Sergei Bessonow, der trotzkistische Kurier und
ehemalige Berater der sowjetischen Botschaft in Berlin, bestätigte, als
er 1938 vor Gericht stand, daß er im Sommer 1935 in Prag den Kontakt
mit Konrad Henlein hergestellt hatte. Bessonow erklärte, daß er als
Vermittler zwischen Leo Trotzki und der Henlein-Gruppe fungierte.
Frankreich:
Jacques Doriot, Naziagent und Begründer der faschistischen Volkspartei,
war ein kommunistischer Renegat und Trotzkist. Doriot arbeitete wie
andere Naziagenten und französische Faschisten in engster Verbindung
mit der französischen Sektion der trotzkistischen Vierten
Internationale.
Spanien:
Die Trotzkisten drangen in die Reihen der POUM ein, jener Organisation
der Fünften Kolonne, die Francos faschistischen Aufstand unterstützte.
Der Leiter der POUM war Trotzkis alter Freund und Verbündeter Andreas
Nin.
China:
Die Trotzkisten arbeiteten unter der direkten Aufsicht der
japanischen Militärspionage. Die führenden Offiziere des japanischen
Geheimdienstes waren mit den Leistungen der Trotzkisten sehr zufrieden.
Der Chef des japanischen Spionagedienstes in Peking erklärte 1937:
„Wir sollten die trotzkistische Gruppe unterstützen und ihr zum
Erfolg verhelfen, damit ihre Tätigkeit in den verschiedenen Teilen
Chinas dem Kaiserreich zum Nutzen gereicht, denn diese Chinesen zerstören
die Einheit des Landes. Sie arbeiten mit bemerkenswerter
Geschicklichkeit und Finesse.“
Japan:
Die Trotzkisten wurden der „Gehirn-Trust“ des Geheimdienstes
genannt. In besonderen Schulen unterrichteten sie japanische
Geheimagenten in der Technik, die bei der Durchsetzung der
Kommunistischen Partei in Sowjetrußland und der Bekämpfung der
antifaschistischen Tätigkeit in China und Japan angewandt werden
sollte.
Schweden:
Nils Hyg, einer der führenden Trotzkisten, hatte von dem
nazifreundlichen Finanzmann und Hochstapler Ivar Kreuger für die
trotzkistische Bewegung Geldzuwendungen erhalten. Diese Tatsache wurde
nach Kreugers Selbstmord bekannt. Die Buchsachverständigen fanden unter
Kreugers Papieren Quittungen mit den Unterschriften der verschiedensten
politischen Abenteurer, darunter auch Adolf Hitlers.
In
allen Ländern der Welt dienten die Trotzkisten den Geheimorganisationen
der Achsenmächte als Werkzeuge bei der Durchsetzung der liberalen,
radikalen und sozialistischen Bewegungen.[70]
Die
endgültige Vernichtung der russischen Fünften Kolonne durch den
Moskauer Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“ war für
Trotzki ein vernichtender Schlag. Von dieser Zeit an bekamen alle seine
Schriften einen deutlichen Unterton hysterischer Verzweiflung. Seine
Propaganda gegen die Sowjetunion wurde immer rücksichtsloser,
widerspruchsvoller und ausfälliger. Er sprach unaufhörlich von der
„historischen Richtigkeit“ seiner Anschauungen. Seine Angriffe gegen
Josef Stalin entbehrten jeder vernünftigen Grundlage, der glühende
persönliche Haß, den er Stalin entgegenbrachte, wurde mehr und mehr
zur bestimmenden Kraft seines Lebens.
1939
trat Trotzki mit dem von Martin Dies, dem Abgeordneten für Texas,
geleiteten Kongreßausschuß in Verbindung. Dieses Komitee, dessen
Aufgabe die Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit war, hatte sich zu
einem Forum sowjetfeindlicher Propaganda entwickelt. Trotzki wurde von
Agenten des Dies-Komitees aufgefordert, als „sachkundiger Zeuge“ über
die von Moskau ausgehende Gefahr auszusagen. Die „New York Times“
vom 8. Dezember 1939 wußte zu berichten, daß Trotzki es für
seine politische Pflicht halte, vor dem Dies-Komitee Zeugnis abzulegen.
Man begann, Vorbereitungen für Trotzkis Reise nach den Vereinigten
Staaten zu treffen, aber der Plan gelangte nicht zur Durchführung…
Im
September 1939 traf ein europäischer trotzkistischer Agent, der unter
dem Namen Frank Jacson reiste, mit dem französischen Dampfer „He de
France“ in New York ein.[71] Jacson war, während er in Paris an der Sorbonne
studierte, von der amerikanischen Trotzkistin Sylvia Ageloff für die
trotzkistische Bewegung gewonnen worden. 1939 erteilte ihm ein Agent des
geheimen „Büros der Vierten Internationale“ den Auftrag, sich von
Paris nach Mexiko zu begeben, um dort bei Trotzki als „Sekretär“ zu
arbeiten. Man gab ihm einen Paß, der ursprünglich dem kanadischen
Staatsbürger Tony Babich gehört hatte (Babich war als Mitglied der
spanischen republikanischen Armee von den spanischen Faschisten getötet
worden). Die Trotzkisten hatten sich Babichs Paß verschafft, die
Photographie entfernt und statt dessen Jacsons Bild hineingeklebt.
Jacson
wurde bei seiner Ankunft in New York von Sylvia Ageloft und anderen
Trotzkisten abgeholt; man brachte ihn nach Coyoacan, wo er in Trotzkis
Dienste trat. Jacson erklärte später der mexikanischen Polizei:
„Trotzki
wollte mich nach Rußland schicken, wo ich bei der Vorbereitung des
Umsturzes mitwirken sollte.“ Er sagte mir, „ich müßte mit dem
‚China Clipper’ nach Schanghai fahren. Dort würde ich mit Agenten
von verschiedenen anderen Schiffen zusammentreffen und gemeinsam mit
ihnen über die Mandschurei nach Rußland reisen. Es war unsere Aufgabe,
die Rote Armee zu demoralisieren und verschiedene Sabotageakte in
Munitionsfabriken und anderen Betrieben durchzuführen.“
Jacson
kam nicht dazu, seine terroristische Mission anzutreten. Am Spätnachmittag
des 20. August 1940 ermordete er seinen Führer Leo Trotzki, indem er
ihm in seiner sorgfältig bewachten Villa in Coyoacan mit einem
Eispickel die Schädeldecke zertrümmerte.
Als
er von der mexikanischen Polizei verhaftet wurde, sagte er, Trotzki habe
ihm verboten, Sylvia Ageloff zu heiraten. Darauf sei es wegen des Mädchens
zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern
gekommen. „Um ihrentwillen beschloß ich, mein Leben zu opfern“,
sagte Jacson.
Im
Verlaufe einer späteren Aussage erklärte er:
„…ich
stand nicht vor einem politischen Führer, der den Kampf um die
Befreiung der Arbeiterklasse leitete - ich sah mich einem Mann gegenüber,
der nur einen Wunsch hatte: seine Haßgefühle und Rachegelüste zu
befriedigen - dem der Kampf der Arbeiter nur dazu diente, seine eigene
Erbärmlichkeit und seine verächtlichen Berechnungen zu verstecken. …
wenn ich dieses Haus betrachtete, von dem er mit Recht sagte, er habe es
in eine Festung verwandelt, fragte ich mich oft, woher die Mittel dafür
stammten … Vielleicht könnte der Konsul eines großen Staates, der
ihn oft besuchte, diese Frage beantworten …
Trotzki
zerstörte meinen Charakter, meine Zukunft und alle inneren Neigungen.
Er verwandelte mich in einen Menschen ohne Namen, ohne Heimat - in ein
Werkzeug Trotzkis. Ich war in eine Sackgasse geraten … Trotzki zerdrückte
mich in seiner Hand wie einen Fetzen Papier.“
Nach
Trotzkis Tod gab es nur noch einen lebenden Anwärter auf die Rolle
Napoleons in Rußland: Adolf Hitler.
ANMERKUNGEN
Am
1. Dezember 1941 wurde Albert Goldman von einem Bundesgericht in
Minneapolis, Minnesota, wegen versuchter Untergrabung der Moral der
amerikanischen Armee und Flotte verurteilt.
Trotzki
hatte für die Geständnisse, die seine ehemaligen guten Freunde,
Adjutanten und Verbündeten während der Prozesse ablegten, verschiedene
„Erklärungen“. Zuerst erklärte er den Prozeß gegen Sinowjew und
Kamenew damit, daß die Sowjetregierung den Angeklagten die Aussetzung
der Todesstrafe versprochen habe „wenn sie sich zu falschen Aussagen
gegen Trotzki entschließen“. Nach der Erschießung Sinowjews,
Kamenews und Ihrer Komplizen aus dem terroristischen
trotzkistisch-slnowjewistischen Zentrum behauptete Trotzki, die
Angeklagten seien einer List zum Opfer gefallen. Aber als Pjatakow,
Radek und die übrigen Angeklagten des zweiten Moskauer Prozesses sich
ebenfalls schuldig bekannten und noch kompromittierendere Geständnisse
machten, reichte diese Erklärung nicht mehr aus. Jetzt behauptete
Trotzki, die Aussagen der Angeklagten seien das Ergebnis teuflischer Quälereien
und geheimnisvoller, starker „Drogen“.
In
einem Artikel schilderte Trotzki die Angeklagten als Männer von
„edlem Charakter“ begeisterte, ehrliche „alte Bolschewiki“. In
einem anderen Artikel nannte er Pjatakow, Radek, Bucharin und die
anderen plötzlich „verächtliche Charaktere“, „willenaschwache
Menschen“.
Als
man Trotzki schließlich bei der Vernehmung in Mexiko im Jahre 1937 die
Frage stellte, warum alte Revolutionäre, ohne sich schuldig zu fühlen,
solche Geständnisse ablegten, warum keiner der Angeklagten sich die Öffentlichkeit
der Gerichtsverhandlung zunutze gemacht habe, um seine Unschuld laut zu
verkünden, antwortete Trotzki: „Bei der Art des Falles bin ich nicht
verpflichtet, diese Fragen zu beantworten.“
Sogar
nach Trotzkis Tod setzte die Vierte Internationale ihre Tätigkeit als Fünfte
Kolonne fort.
In
England wurden im April 1944 die trotzkistischen Zentralen in London,
Glasgow, Wallsend und Nottingham von Scotland Yard und der Polizei
durchsucht, nachdem festgestellt worden war, daß die Trotzkisten in
allen Teilen des Landes zu Streiks aufhetzten, um die militärische
Leistungsfähigkeit Englands zu beeinträchtigen.
Am
l. Dezember 1941 wurden achtzehn führende amerikanische Trotzkisten von
einem Bundesgericht in Minneapolis verurteilt, weil sie versucht hatten,
die Loyalität und Disziplin amerikanischer Soldaten und Matrosen zu
untergraben.
Der
Auslandskorrespondent der „Chicago Daily News“, Paul Ghali, meldete
am 28. September 1944 aus der Schweiz, daß der Chef der Gestapo,
Heinrich Himmler, die Absicht habe, die europäischen Trotzkisten in die
für die Nachkriegszeit geplante unterirdische nazistische Sabotage- und
Verschwörerorganisation einzubeziehen.
Ghali
berichtete, daß Mitglieder faschistischer Jugendverbände im
trotzkistischen „Marxismus“ ausgebildet und mit falschen Papieren
und Waffen ausgerüstet hinter die Linien der Alliierten gebracht würden,
um sich in die Kommunistischen Parteien der befreiten Gebiete
einzuschleichen - Ghali enthüllte, daß in Frankreich Angehörige der
faschistischen Miliz Joseph Darnands von den Deutschen bewaffnet wurden,
um Terrorakte zu verüben und nach dem Krieg für die Fünfte Kolonne zu
arbeiten. „Dieser Abschaum der französischen Bevölkerung“, fuhr
Ghali fort, „wird jetzt unter persönlicher Anleitung Heinrich
Himmlers im ‚Bolschewismus’ gemäß der Tradition der
trotzkistischen Internationale unterrichtet: es wird die Aufgabe dieser
Leute sein, die Verbindungslinien der Alliierten zu stören und französische
Patrioten zu ermorden. Es ist Himmlers neueste Taktik, solche Gruppen
von roten Terroristen zu schaffen und auf diese Weise eine Vierte
Internationale zu begründen, die stark von nazistischen Zellen
durchsetzt ist. Diese Organisation richtet sich gegen England, Amerika
und Rußland, in erster Linie aber gegen Rußland.“
Frank
Jacsons wahrer Name war Jacques Mornard van den Dresche. Er nannte sich
auch Leon Jacome und Leon Kaikys. |