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Der
Heuchler
Zum
PDS-Austritt des Trotzkisten Winfried Wolf
von
Günter Ackermann
Winfried
Wolf, Ex-PDS-MdB und Ex-Verkehrspolitischer Sprecher der verblichenen
PDS-Bundestagsfraktion trat aus der PDS aus. Seine Begründung:
„Heute
ist die PDS eine Partei, die dort, wo sie mitregiert, vielfach an der
Spitze der Angriffe auf sozial Schwache steht. Gleichzeitig betreibt sie
heute selbst das Spiel der Ost-West-Spaltung – zum Schaden aller sozial
Schwachen in Ost und West.“
und
„Die
PDS ist heute eine Partei, die auf die bürgerliche Macht und die Teilhabe
an ihr orientiert.“
Mich
wundert Wolfs Austritt nicht. Bereits vor Monaten sagte der
PDS-Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion in Duisburg und Spitzenkandidat
der PDS für die Kommunalwahl 2004, Hermann Dierkes – Mitglied des
gleichen Trotzkistenvereins wie Wolf - , das sie, wenn die
PDS-Mitgliedschaft sie kompromittiert, sie aus der PDS austreten
werden. Er verwendete Plural, ich dachte daher verwundert, er meine sich
und den Kreisvorstand der PDS in Duisburg. Es waren zwei
Vorstandsmitglieder, u.a. die Sprecherin des Kreisvorstandes, anwesend und
widersprachen nicht. Jetzt weiß ich, wen er meinte: seine
Trotzkistenbande.
Dierkes
ist noch nicht ausgetreten. Ich nehme an, er wartet das Ergebnis der
Kommunalwahlen ab. Er wird aller Voraussicht wieder Ratsmitglied werden,
selbst dann, wenn die PDS ein schlechteres Ergebnis einfahren wird wie
1999.
Wolf
ist nun draußen und alle kommentieren es wohlwollend, die bürgerliche
Presse ebenso wie die DKP-Zeitung UZ. Wolf mutierte sogar zum DKP-Anhänger,
drohte er doch der UZ, dass er „zum ersten Mal überlege, bei der
Europa-Wahl DKP zu wählen“.
Die
UZ druckte die heuchlerische Wolf-Erklärung kommentarlos im Wortlaut ab.
Wir tun das bewusst nicht, denn wir lassen uns nicht zur Tribüne eines
Trotzkisten machen, dessen Weg in der PDS eine einzige Schleimspur des
Verrats ist.
Die
zwilichtige Rolle von Wolf
Militäreinsätze/Krieg:
1999 beschloss die PDS-Bundestagsfraktion ein Papier, das Militäreinsätze
dann gerechtfertigt seien, wenn sie ein
Mandat der UNO hätten. Wolf stimmte zu.
Dann
aber begann in der PDS ein Sturm der Entrüstung gegen dieses Papier.
Verstärkt wurde das, als der Parteivorstand diesen Text zum
Vorstandsantrag an den Parteitag übernahm. Die heutige Europa-Abgeordnete
Sylvia-Yvonne Kaufmann – übrigens
keine Linke – schrieb ein Gegenpapier. Das Kriegspapier des
Parteivorstands wurde beim Münsteraner Parteitag mit ca 75% abgelehnt.
Und Wolf fand man auf einmal
im Lager derer, die sich gegen den Vorstand wandten. Da staunte selbst der
damalige – und heutige – PDS-Chef Bisky. So jedenfalls verriet er uns
anlässlich eines Besuchs in Duisburg im Sommer 2000.
Programmdiskussion:
Es gab bereits am 21. Februar 2001 einen
Programmentwurf von Heinz Kallabis, Hans-Joachim Krusch, Ingo Wagner.
Dieser Entwurf erfüllte alle Anforderungen an einen linken
Programmentwurf. Er hatte nur einen Nachteil: Die Autoren war zu
bescheiden und warben nicht lautstark dafür.
Das
nutzte Wolf aus und setzte sich mit einigen zusammen um einen Gegenentwurf
zum Text des Parteivorstands (Entwurf Brie/Klein/Brie) zu verfassen. Was
herauskam war reformistisches Wischiwaschi. Zur Tarnung seiner Absichten
und um sie Glaubwürdigkeit zu erhöhen, nahm er auch einige Linke in
seine Gruppe auf, so Ingo Wagner, der das Papier von Februar mitverfasst
hatte.
Der
Wolf-Entwurf wurde wohl deshalb von den PDS-Linken als ihr Entwurf
angesehen, weil der des Parteivorstands so rechts war, dass er nicht
einmal die Bezeichnung reformistisch verdiente.
Aber
es regte sich in der Programmgruppe Widerstand. Bei einer Tagung in Kelbra
(Sachsen-Anhalt) im Frühsommer 2001 verlangte Ingo Wagner, die ehemaligen
K-online-Redaktionsmitglieder Hans Schröter und Monika Balzer und andere
eine marxistische Qualifizierung des Entwurfs.
Wolf
war entschieden dagegen. Bei der Abstimmung unterlagen die Marxisten knapp
(eine Stimme). Wolf versprach jedoch, einige Elemente der Marxisten zu übernehmen
und verpflichtete sich, im Urlaub den Text entsprechend zu überarbeiten.
Was
dabei rauskam, war eine Verschlechterung, eher eine Annäherung an den
Parteivorstand als eine Abgrenzung. Aber Wolf hatte sein Ziel erreicht, er
war unbestritten der Vormann der PDS-Linken.
Allerdings
traten seine entschiedensten Kritiker aus der Programmgruppe aus, Hans
Schröter und Ingo Wagner dann im Herbst auch aus der Partei.
Wolf
erklärte dann im November, anlässlich einer Tagung der PDS-Linken in
Berlin, dass er den Austritt von Ingo Wagner bedauere. Dabei hatte Genosse
Wagner aus Protest gegen das Wolfsche Vorgehen die Programmgruppe
verlassen.
PDS-Parteitag
von Dresden im Oktober 2001: Es war
klar, Zimmer und Konsorten würden versuchen, den Beschluss von Münster
2000 zu revidieren.
Zunächst
wurden die Delegierten handverlesen ausgesucht. Bartsch, der damalige
Geschäftsführer der PDS. leistete gute Arbeit.
Bei
einer Zusammenkunft der linken Delegierten am Abend vor dem Parteitag hielt
Wolf sie an der PDS-Stange
indem er erklärte, wenn Gabi Zimmer nur 80% der Stimmen bekäme, wäre
das eine „Schlappe für den Parteivorstand“.
Wir
schrieben damals: „Die Würfel sind gefallen. Die „Schlappe für
den Parteivorstand“ (Winfried Wolf) ist eingetreten, mit 70 – 80 % ist
beschlossen worden, brav, staatstragend und kapitalistisch zu sein. Der
Durchmarsch der Rechten hat stattgefunden.“
Und
weiter erklärten wir: „Wer jetzt noch in dieser Partei bleibt, wer
sich noch Illusionen hingibt, der Kurs sei nach links korrigierbar, eine Rückkehr
sei möglich, der ist ein Phantast.
(...)
Wir Kommunisten und andere Linken haben in dieser Partei unsere
Schuldigkeit getan – wir sollten gehen.“
Wolf,
der nun als der eigentliche Sprecher der PDS-Linken galt und alles tat,
dies zu untermauern, band die Restlinken an die PDS. Dass damals in
Dresden mit ca. 80% der Delegiertenstimmen dem Leitantrag des Vorstands
zustimmten, der das Parteiprogramm von Chemnitz vorweg nahm, war kein
Grund für Wolfs Austritt - der Partievorstand hatte ja eine
"Schlappe" erlitten mit dem 80% Sieg, immerhin waren 20% mehr
oder weniger dagegen. Noch immer schürte er die Illusion, die PDS
sei noch zu einer Linkspartei zu machen.
Dabei
wurde damals auch ein sog. Friedenspapier per Unterschrift angenommen,
nach dem die Beschlüsse von Münster in den Papierkorb geworfen wurden.
Wolf hatte den Durchblick und unterschrieb jetzt nicht, Sahra Wagenknecht,
die Vorzeige-„Kommunistin“ der PDS, unterschrieb (sie enthielt sich übrigens
der Stimme bei der Beschlussfassung zum rechtssozialdemokratischen
Parteiprogramm von Chemnitz). Sie wollte ja noch was in der PDS werden.
Von
damals zu heute hat sich nichts geändert. Die PDS steht im
kapitalistischen Lager. Ihre Politik ist dort, wo sie in der Regierung
ist, wie die der SPD. Heide Knake-Werner (PDS), ihres Zeichens
Sozialsenatorin in Berlin, unterscheidet sich nur durchs Parteibuch von
Frau Ulla Schmidt (SPD), Bundesministerin fürs Unsoziale. Die
Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen PDS und SPD ist nur die Reihenfolge
der Buchstaben.
Das
jedenfalls war bereits 2001 klar und wurde auch so gesehen. Aber damals
war die PDS scheinbar im Aufwind. Die Wahlerfolge bei der Bundestagswahl
1998, der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommer, der
Abgeordnetenhaus-Wahlen in Berlin, aber auch der Kommunalwahlen in NRW,
schienen es zu lohnen, dass die Trotzkisten sich an die PDS binden.
Wenn
Wolf in seinen Austrittspapier schreibt:
„eine
PDS-Linke, die nicht nach außen erkennbar als „andere PDS“ und als
konsequente Kritikerin des Mehrheitskurses auftritt und sich stattdessen für
das Ziel instrumentalisieren lässt, der PDS bei der Europawahl über die
5-Prozent-Hürde zu verhelfen.“
so
ist das pure Beleidigung der Linken in der PDS und derer, die einst in der
PDS waren. Wir haben versucht uns links öffentlich zu äußern und zwar
klar erkennbar antikapitalistisch. Aber die in Samt gebetteten Reden von
Wolf und Konsorten, sie scheinlinken Aktionen und das immer wiederkehrende
Bekenntnis zu dieser Partei, lenken den Blick weg von der
innerparteilichen linken Opposition – das gilt nicht minder auch für
die sog. Kommunistische Plattform.
Nun stellen die Linken in der
PDS nichts mehr dar. Sie müssen es sich gefallen lassen, dass man sie
eben noch in der PDS duldet. Die Partei selbst ist
rechtssozialdemokratisch, ihre Chancen, an vergangene Wahlerfolge anzuknüpfen
und sie zu wiederholen, sind sehr schlecht. Wolf braucht keine Linken
mehr an die PDS zu binden, die gibt es in ihr nicht mehr, es sei denn, man
bezeichnet den samtweichen Geraer Dialog oder die debil-senile
Kommunistische Plattform als links. Die Ratten verlassen das sinkende
Schiff!
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